15.04.2011 | 22:07

S21 - ...und die SPD

Ein Beitrag von den Stuttgarter Parkschützern, auf Initiative und Bitte des Autors & mit dessen freundlicher Genehmigung:

 

EINIGE ÜBERLEGUNGEN ZUR SPD

Die Situation erscheint paradox, fast absurd: Mappus/Goll haben wir abgewählt. Es gibt derzeit sogar einen Baustopp. Die Mehrheit der Bürger und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Mehrheit der SPD-Mitglieder will S21 nicht. Eine zerrissene, schwache und zusehens unglaubwürdige SPD aber beharrt bis dato weiter darauf, S21 zu realisieren. Warum eigentlich?

Kennt man die wesentlichen, bislang veröffentlichten Fakten rund um S21, reicht bereits ein Jota Verstand aus, um es abzulehnen. Wer weiterhin etwas anderes behauptet, hat Visionen der Art, bei deren Auftreten ein ehemaliger Spitzenmann der SPD einen Artzbesuch empfahl. An den "guten Argumenten, die überwiegen" -auch nach einem Stresstest- kann es also allen Ernstes nicht liegen, dass die SPD weiter auf S21 beharrt.

Geht es um die Frage politischer Glaubwürdigkeit? Das wirft sofort die Frage auf, in welchem Maße diese vielbeschworene Glaubwürdigkeit eigentlich zunimmt, wenn man mit einem -recht infantilen- "Wir halten Wort"-Gebaren ein irrsiniges, schädliches, sauteueres und deshalb mehrheitlich ungewolltes Projekt letztlich ermöglicht. Evident wird dadurch lediglich wohl eher eine haarsträubende Inkompetenz und Beratungsresistenz, ein abgrundtiefer Realitätsverlust. Und all dies dann wiederum, jedoch leider unerwartet und unerwünscht, sehr glaubwürdig.

Schaut man sich also das irrationale Verhalten der SPD unter diesen Aspekten an, kann man eigentlich nur verständnis- und ratlos mit dem Kopf schütteln -wird die unglücksselige SPD vom Teufel(sic!) geritten?

Löst man sich von der äußerlichen Symptomatik und verlagert seine Aufmerksamkeit auf die Frage "cui bono?", schälen sich Interessen heraus, die nicht mehr ganz so irre geworden und selbstmörderisch wirken, wiewohl sie trotzdem dazu angetan sind, die Partei zu zerlegen und am Ende gegen die Mehrheit der Bürger vorzugehen.

Der Vorsitzende der Partei in B/W, Nils Schmid, hinterläßt bei seinem derzeitigen politischen Handeln einen marionettenhaften Eindruck. Wer zieht da an den unsichtbaren Strippen? Und warum?

Einige ältere Herren, alte, gut im Ländle vernetzte Paten der Partei, "Granden", hätten wahrlich eine ganze Menge zu verlieren, wenn S21 nicht käme. Weniger ihre politische Glaubwürdigkeit (das auch, obwohl davon ohnehin nicht viel übrig gebleiben zu sein scheint), als aber viel mehr jahrzehntelang gewachsene, persönliche Macht und weitreichender Einfluss. Das hält diese "wackeren Männer der Tat", die anderen auch schon mal "den Schnabel" verbieten, jedoch offensichtlich nicht davon ab, die SPD, ihre eigene Partei, quasi in Geiselhaft zu nehmen -selbst wenn die Partei dabei drauf gehen könnte. Ins Blickfeld rücken an dieser Stelle u.a. der ehemalige S21-Projektsprecher und der derzeitige Fraktionsvorsitzende.

Dass die Weltsicht dieser Herrschaften eine stramm neoliberale ist, hat weniger etwas mit innerparteilichem Pluralismus zu tun. Vor allem dann nicht, wenn eine solche Haltung einer Minderheit in der SPD dazu führt, dass die Mehrheit nach dieser Pfeife tanzen soll und muss. Zumal dieser Tanz ein rückwärtsgewandter, zerstörerischer, unvernünftiger und dummer ohne Zukunft ist, sowohl für die Partei als auch für die Gesellschaft -eine Lektion, die die SPD mindestens nach Afghanistan und Agenda2010 eigentlich inzwischen gelernt haben sollte. Sie sollte schleunigst aufhören zu versuchen, die bessere CDU, die radikalere FDP zu sein. In B/W kristallisert sich das nun in S21. Daran wird die Partei, die sich sozialdemokratisch nennt, künftig gemessen werden. Sollte sie den Bahnhof tiefer legen, wäre das gleichzeitig ihr eigenes Begräbnis.

Die einfachen Mitglieder der SPD (selbst wenn unter ihnen der eine oder andere -aus welchen unerklärlichen Gründen auch immer- S21 noch immer toll findet) dürfen sich diese gefährlichen Machtspielchen der Alten Männer nicht gefallen lassen; dieser "Bandenkrieg" ist weder sozial und schon gar nicht demokratisch. Die Basis muss dagegen aufstehen, sich emanzipieren und einen Mitgliederentscheid zu S21 fordern. Der laut Beschlusslage des Karlsruher Parteitages 2009 sowieso längst überfällig ist (soweit auch mal etwas zum Thema Glaubwürdigkeit; wie soll diese nach Außen enstehen, wenn man nicht einmal die eigenen Beschlüsse ernst nimmt?).

Tragischerweise ist im vergangenen September ein wirklich großartiger Genosse viel zu früh verstorben -Hermann Scheer. Was der wohl angesichts all dessen, was die Alte Tante hier im Ländle gerade verzapft, gesagt und getan hätte?..

Inständig hoffen kann man nur, das zwei weitere Große der SPD, Peter Conradi und Erhard Eppler, ihre Stimmen nun öffentlich erheben werden und sich an die Spitze einer innerparteilichen, von der Basis ausgehenden Emanzipationsbewegung in der SPD stellen.

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Wer zahlt Stuttgart21?

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Mappus klaut bei Pelzig

 

 

 

 
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Kommentare
mcmac schrieb am 15.04.2011 um 23:07
Update 15.4.2011, 23:03 Uhr

"SPD-BASIS WILL MITGLIEDERBEFRAGUNG ÜBER S21 ERZWINGEN

Während die SPD in den Koalitionsverhandlungen mit den Grünen geschlossen für Stuttgart 21 eintritt, ist die Stimmung an der Basis eine komplett andere: Die Mehrheit der baden-württembergischen Parteimitglieder ist gegen das Großprojekt. Nun wollen einige Genossen eine Mitgliederbefragung über S21 initiieren. Zehn Prozent der SPD-Mitglieder im Land würden reichen, um diese auf den Weg zu bringen. Von Oliver Stenzel

Der Spitze der baden-württembergischen SPD blies in dieser Woche viel Wind von den Parteigenossen ins Gesicht: Bei den vier Regionalkonferenzen, zu denen die Landes-SPD geladen hatte, kritisierten große Teile der Basis die starre Haltung ihrer Parteiführung zu Stuttgart 21 in den Koalitionsverhandlungen.

So auch bei der Regionalkonferenz für Nordwürttemberg in der Ludwigsburger Musikhalle am Dienstag. Das Beharren auf einem Volksentscheid, dessen hohes Quorum keine faire Abstimmung erlaube, erzürnte einen Großteil der rund 400 Genossen ebenso wie das prinzipielle Festhalten an dem Großprojekt. Viele Redner sprachen sich dafür aus, die Mitglieder über den Kurs der Partei entscheiden zu lassen. „Wenn soviel Unruhe zu Stuttgart 21 in der Partei ist, warum machen wir nicht einfach eine Mitgliederbefragung?“, fragte etwa Hanna Wälzel-Köster vom SPD-Ortsverein Ditzingen. Und Jutta Künzel vom Ortsverein Waiblingen bat Nils Schmid, „endlich einmal abzufragen, wie die Basis zum Projekt steht“. Dagegen seien Wolfgang Drexler und Claus Schmiedel „schlechte Ratgeber“, so Künzel, „sie schaden der Partei mit jeder harten Äußerung mehr“.

Die SPD-Landesführung hat eine Mitgliederbefragung bislang stets abgelehnt, obwohl der Vorschlag schon mehrmals an sie herangetragen wurde. Nun erzwingt dies die Basis womöglich selbst: Kritische Parteimitglieder wollen eine Mitgliederbefragung zu S 21 initiieren. „Den Plan dazu gibt es“, sagt Klaus Riedel von der Waiblinger SPD, man prüfe, wie dies realisiert werden könne. Riedel, der auch zu den Unterzeichnern eines Appells an die Parteispitze gehört, wird dazu auch als Redner auf der Großdemo gegen Stuttgart 21 am 16. April sprechen.

Um eine Mitgliederbefragung auf den Weg zu bringen, müssen sich zehn Prozent der Genossen in Baden-Württemberg dafür aussprechen, bei rund 39.000 Parteimitgliedern also etwa 3.900. Die Aussichten, dass diese Zahl erreicht wird und anschließend eine Mehrheit für den Ausstieg stimmt, sind dabei nicht schlecht: Laut einer Forsa-Studie, die die Stuttgarter Zeitung zitiert, sind 50 Prozent der SPD-Anhänger im Land gegen Stuttgart 21, nur 36 Prozent für den Tiefbahnhof, auch wenn es sich in der Stuttgarter SPD umgekehrt verhalte, hier seien 52 Prozent für S 21, 41 Prozent dagegen.

Auch wenn das Stuttgarter Ergebnis etwas überrascht – in der Region ist der Anteil der Genossen, die die Position der Parteispitze ablehnen, besonders hoch. Der Waiblinger Ortsverein, dem auch Riedel angehört, gilt als Hochburg der S-21-Gegner. Im SPD-Kreisverband Böblingen sprachen sich schon im September 2010 bei einer Befragung 68 Prozent der Mitglieder für einen Baustopp von Stuttgart 21 aus, bei einer Mitgliederbefragung im Ortsverein Leinfelden-Echterdingen votierten 74 Prozent gegen Stuttgart 21 und der Kreisverband Freudenstadt beschloss schon im Mai 2010, von den S-21-Betreibern einen sofortigen Ausstieg aus dem Projekt zu fordern.

Bei der Regionalkonferenz in Ludwigsburg fiel im Zusammenhang mit der Mitgliederbefragung auch Willy Brandts Satz „Mehr Demokratie wagen“. Dies solle die Partei auch intern, forderte ein Redner: „Wir brauchen das Votum des höchsten souveränen Organs der Partei, und das sind die Mitglieder.“

Dass die Landes-SPD schon 2007 in einem Parteitagsbeschluss auf Distanz zu Stuttgart 21 ging, die Parteispitze dies aber ignorierte, lesen Sie hier in Kürze."


Quelle: 21einundzwanzig
mcmac schrieb am 16.04.2011 um 13:24
Update 16.4.; 13:19 Uhr

"DER VERPASSTE AUSSTIEG"
v. Oliver Stenzel (21einundzwanzig)

Im Grunde hat sich die Landes-SPD schon 2007 per Parteitagsbeschluss von Stuttgart 21 distanziert. Dumm nur, dass die Parteiführung dies ignorierte. Von Oliver Stenzel

Das Unfassbare geschah am 22. September 2007 in Fellbach, beim Landesparteitag der SPD Baden-Württemberg: Die Jungsozialisten (Jusos) brachten einen Antrag ein, dass sich der Parteitag von Stuttgart 21 distanzieren solle. Und siehe da, die Mehrheit der etwa 300 Delegierten stimmte für den Antrag. Eine Sensation?

Leider nur fast. „Der Antragstext wurde von der Parteispitze umformuliert: Statt ‚Stuttgart 21‘ hat man den Begriff ‚Prestigeprojekte‘ gewählt“, erinnert sich Klaus Riedel, SPD-Gemeinderat in Waiblingen. Beschlossen wurde nun also ein Antrag, der „milliardenschwere Prestigeprojekte mit einem unklaren Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Menschen im Land“ ablehnte. Allerdings betonte der Jusos-Landeschef Roman Götzmann auf dem Parteitag: „Ja, wir meinen damit Stuttgart 21“, denn durch das Bahnprojekt gerate der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in Gefahr. Die Delegierten dürften also genau gewusst haben, worüber sie abstimmen. Die damalige SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt sah trotz des Beschlusses Stuttgart 21 nicht in Gefahr, denn: „Das fällt nicht unter die Rubrik Prestigeprojekt“.

Bei so viel Chuzpe verwundert es nicht, dass der SPD-Landesvorstand den Parteitagsbeschluss in der Folge dem Vergessen anheimstellte – er ist nur in Pressemeldungen dokumentiert. Und im Gedächtnis einiger Genossen. „Der Landesparteitag 2007 hat eindeutig die Ablehnung von Stuttgart 21 beschlossen“, empörte sich etwa der Herrenberger SPDler Walter Fischer bei der Regionalkonferenz der Partei am 12. April in Ludwigsburg. „Der Beschluss wurde satzungswidrig von Ute Vogt ignoriert“, so Fischer.

Durch das hartnäckige Ignorieren war der parteiinterne Streit freilich nicht beigelegt. Zwei Jahre nach dem Fellbacher Beschluss, beim SPD-Landesparteitag in Karlsruhe am 27. und 28. November 2009, wurde wieder heftig über das Bahnprojekt debattiert. „Stuttgart 21 spaltet die SPD“ schrieb dazu im Vorfeld die Stuttgarter Zeitung, nachdem Hilde Matheis, Kandidatin für den Landesvorsitz in der Nachfolge von Ute Vogt, dafür plädiert hatte, die Pläne für den Tiefbahnhof zu begraben. Damit zog sie heftige Kritik von Wolfgang Drexler und Ulms OB Ivo Gönner auf sich.

Beim Karlsruher Parteitag wurde dann Matheis, die kurz zuvor in der Urwahl schon Nils Schmid unterlegen war, nur als stellvertretende Parteivorsitzende bestätigt, und auch andere S-21-Gegner in der SPD konnten sich nicht durchsetzen. Die Ortsvereine Bietigheim-Bissingen, Herrenberg und Waiblingen stellten erfolglos Anträge gegen den Tiefbahnhof und für die Ertüchtigung des Kopfbahnhofs. Am Ende stand nach heftigen Diskussionen immerhin ein Kompromiss: Der Landesparteitag beschloss, dass 4,5 Milliarden Euro Kosten die finanzielle Obergrenze für Stuttgart 21 markieren sollten.

Kurz darauf stellte Bahnchef Rüdiger Grube erst eine neue Kostenrechnung von 4,9 Milliarden Euro vor, ehe sich die Kosten auf wundersame Weise durch neu entdeckte Einsparpotenziale auf knapp 4,1 Milliarden reduzierten. Der SPD-Landesvorstand orientiert sich seitdem selbstverständlich am korrigierten Wert.

Bei der Ludwigsburger Regionalkonferenz wiesen viele Redner auf diese beschlossene Obergrenze hin. Ob es daran lag, dass Parteichef Nils Schmid in einer Pressekonferenz am 14. April – wenn auch verklausuliert – die 4,5 Milliarden als Obergrenze für S 21 bestätigte? „Er rudert etwas zurück und geht, denke ich, einen kleinen Schritt auf die Grünen zu“, interpretiert dies Klaus Riedel, „da bewegt sich offenbar etwas.“

Skeptischer ist da Peter Conradi, der wohl bekannteste Kopfbahnhof-Befürworter in der baden-württembergischen SPD: „Ich glaube nicht, dass die harten S-21-Befürworter Drexler oder Claus Schmiedel, die in der Verhandlungskommission der SPD bei den Koalitionsverhandlungen sitzen, das zulassen werden“, vermutet Conradi. „Eher sagen die noch: Dann machen wir das mit der CDU und lassen Grün-Rot platzen.“ Das wäre dann der „GAU“ für die Landes-SPD, so Conradi. Schon die Große Koalition von 1992 bis 1996 ließ die Partei von 29,4 auf 25,1 Prozent fallen, nach einer Neuauflage hält es Conradi für möglich, dass sie auf deutlich unter 20 Prozent stürzen könnte. Schöne Aussichten für die Genossen.


Quelle: 21einundzwanzig
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mcmac
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