4
]
Der Niedergang der Wirtschaft ist doch gerade völlig Latte. Kreuzberg hat ein Luxusproblem. Es bietet alle Themen, mit denen sich in Deutschland noch Wahlkampf machen lässt. Politiker, schreib mit! Dieser Rohstoff ist nicht fein. Noch ein Korn, bald ein Keim, Du siehst unter der Hülle schon das Reptil und weißt: Dies haben wir alle genährt, es muss das schlechte Gewissen Kreuzbergs sein, das bald durch unsere Straßen zieht und ungefragt Platz nimmt am Tische...
Ein guter Freund versichert mir: Eine alte Kreuzberger Krähe, schwarzer Zahnstumpf, fettiges Blond, Hartz acht, beschimpft kürzlich eine Gruppe junger Ausländer mitten auf der Oranienstraße und muss dafür tief in die Identitätskiste fassen: Scheiß Kapitalisten, wie lange bist Du schon hier, erst haben die Yanks hier McDonalds hingestellt und jetzt und so weiter. Was ist los mit diesen Kids? Auch mir gehen die neuen Oplatz-Youngster voll auf die Eier, wo kriegt man eigentlich noch solche Parkas her, Tattoo original wie Alcatraz, öfter die Bierflasche in der Flosse als jeder anständige Rigipser auf dem Ring, nee das ist ne Mohnschnecke fürn € und kein enschi lada, verstehste.
Mein Freund (vom Heini) sagt, noch viel schlimmer sind die Dänen und die Schweden (am Heini). Hab seinen Kiez da unten sowieso nicht mehr verstanden seit im V.E.B. ein Plattenladen ist, vielleicht tuns die Gothics aus Skandinavien, aber Kohle scheint eine Rolle zu spielen und so ist jetzt Synergie im alten Kollektiv angesagt, an wen erinnern die dich, mal ab von der Sprache, die sehen doch aus wie Deine Mitbewohner damals in der Etage.
Und schon sind wir mittendrin in der Klassengesellschaft und ihren Gemeinheiten, deine Wohnis, das waren doch alles Autonome. Aus gutem Hause: Charlotte, Dein Filius zündet Bundeswehrautos an und kämpft für die Gerechtigkeit! Hans-Werner, ich hab den Anwalt schon angerufen und die soziale Ader hat er bestimmt nicht von Dir! Hahaha köstlich, Charlotte, aber das Geschick mit den Behörden...
Wir sehen uns an und haben den Literaturpegel jener Jahre auf dem Schirm, ich erklär dir mal wieso: Man muss irgendwie Arbeiterklasse sein, sonst hört keiner zu. Typ engagierter Bourgois, über Geld spricht man nicht, die Arbeiter kann man so weiter verarschen, sammelt trotzdem Erfahrung und sieht dabei noch cool fast geil aus, den Anfang machte Lenin mit der Partei. Dann kam Jan-Carl Raspe mit seiner vertikalen Klassenanalyse, findest Du in den Stammheim-Briefen und auf dem Paradigma kannst Du noch heute richtig einen rund machen.
Weil wenn die Arbeiter oder besser noch die Unterdrückten anderer Länder sich nicht zu sprechen trauen, wie sollen sie dann einen pfundigen Klassenkampf hergeben. Also wenn in der Gesellschaft die Kapitalisten oben der dünne Streifen sind und die Unterdrückten der breite darunter, dann nimmst Du aus dem Kapitalstreifen einen Strich raus und stellst den hochkant auf die Arbeiterklasse. Das sind dann die Sprecher, die Arbeiter sind froh, dass sie nichts überlegen müssen und so ist es nur manchmal in Kreuzberg nicht. Sprecher müssen andere Sprecher kennen lernen. Also Du machst laufend Urlaub, aber nur solche Länder mit Krieg und Strand und nicht Spießer wie Deutschland, und dann musst du noch wegen Reisekosten den guten Zweck in das Formular für Brüssel eintragen. Hans-Werner, Dein Sohnemann kennt sich mit der Entwicklungshilfe aus wie Du mit der Steuer.
Sehen die Youngster nur so aus wie Deine alten Mitbewohner oder besteht da ein Zusammenhang? Das sind übrigens Italiener und die drehn sich noch nicht mal nach der Alten um.
|
|
Was will der Autor uns hiermit sagen? Zu viel Wortschwall und Phrase, wenig Tiefe, kaum Witz.
|
|
|
Ich Bitte dringend auch die Ausdrucksweise zu Achten . Siehe auch die AGB unter den Punkt 3.2 !!!!!!!
|
|
|
Natürlich muss es - auf die Ausdrucksweise heissen.
|
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen