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Neulich im Altersheim spiele ich Karten mit meiner Mutter, daneben auf der Leiter steht ein Elektriker und ich kann ihm in die Achselhöhle sehn.
Zuhause zwei Korn, zwei Espresso, Rechner hoch, jetzt noch Spiegelonline oder Xtube. In der Politik sowieso nur öder Mist, was soll man darüber schreiben, Alk und Koffein nehm ich außerdem nicht umsonst, die Entscheidung lautet ganz klar Pornokanal und spätestens seit „American Pie“ ist es nicht mehr peinlich, sich vor dem PC einen runter zu holen.
Der Elektriker hat was von sich reingestellt und ist hetero, so viel ist zu sehen, der Rest von ihm genau meine Vorstellung und ich komme nicht umhin mich zu fragen: Warum drehen die Typen ihre Pornos fast immer ohne Gummi?
So, den Druck auf den Augen bin ich los, ab in die Kneipe an der Ecke, da kritzelt auch schon die Graunase. Er merkt nicht, dass ich ihn beobachte, wieder tätig für die freiheitlich demokratische, er belauscht die Niveaugewitzten, es geht um Nadja Benaissa: Bei uns hätte man die Hure gesteinigt! Nach der Show hätte sie den nächsten angesteckt und so weiter, richtig geraten, er macht einen grünen Haken, Sache läuft und geht.
Ich denk was der kann, kann ich schon lange, bin ja wohl nicht der einzige Porno-user, meine Frage steht im Raum und ich brauche die Meinung des Volkes. Scheitern der Aufklärung, Todestrieb, falsch verstandene Liebe und die Macht der Drogen, die Männerrunde will so richtig an die Ursachen.
Nicht mit mir: der Ermittler sieht den Stoffel in dem, was er ausspart. Der Graue nicht mehr da, für mich noch einen Kurzen und ich rufe: Hey Neuber! Du vögelst ohne Gummi, weil Du sonst nicht so gut kannst, anschließend sind die Weiber schuld, versuchs mal mit Viagra!
Jetzt muss ich rennen, neue Stammkneipe fällig, aber für die Tüte über meinem Ding sorge immer noch ich. Freiheit!
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Warum muss man sich sowas antun? Eigentlich sollten Beiträge auf der ersten Seite verheißungsvolles, tiefgehendes und wichtiges erwarten lassen. Dieser Beitrag bringt weder Erkenntnisgewinn noch Unterhaltung. Die persönlichen sexuellen Vorlieben als psychische Projektionsflächen auf dem Tablett serviert zu bekommen sind eine echte Zumutung.
Gesamtgesellschaftlich sollte schon die Frage gestellt werden, warum Menschen die Beziehung mittels technischem Artefakt zu sich selbst mehr Wert geben als die Beziehung zu anderen Menschen. Ist dies der Gipfel des Egoismus, der Individualität? Hegels Begriff von Liebe "sich im anderen erkennen, als Getrenntes einig werden, sich als Unterscheidende gleichzusetzen" scheint in der Onanie aufgegeben. Ist Onanie nicht Ausdruck der Aufgabe von Gemeinschaft? |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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