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Ich verstehe die Leute nicht und sie mich auch nicht. Junge Politiker der SPD und der Linken treten für meinen Bezirk an, Björn Böhning und Halina Wawzyniak. Sie wollen für die Leute viel erreichen, sprechen von Arenen der Regulation und gerechter Verteilung, unterscheiden den Markt vom Menschen und geben sich entschlossen, der Geschichte zum Recht zu verhelfen, damit alles noch demokratischer wird in Europa und der Welt. Außerdem geht es ihnen um Mitbestimmung und Mindestlohn.
Ich verstehe nicht, was sie machen wollen und schäme mich, denn es ging mir schon immer so: Du hast eine Runde von 20 Leuten und ein paar müssen sagen, worum es geht. Die Alternativen der Abstimmung gehen alle am Gegenstand vorbei. Trotzdem freuen sich alle und beglückwünschen die Meinungsführer. Der gemütliche Teil funktioniert mit Korn.
Ich will politisch sein und es geht nicht, ich bin bald fünfzig und grau und ein richtiger Versager, denn ich soll mich ja beteiligen und tu es nicht. Deshalb bin ich in Kreuzberg gelandet.
Bisher war es ja das Privileg der Grünen, von Bildungspolitik zu sprechen, aber nichts davon zu verstehen. Das war auch nie nötig, denn intelligente Kinder aus gutem Hause lernen durch das Leben genug. Herr Böhning und Frau Wawzyniak treten für Parteien an, die gerade die anderen Kinder vertreten müssten. Und erwähnen in ihrer Vision die Bildung mit keinem Wort.
Und jetzt hört mal zu, ihr Küken. Wenn ihr es ernst meint mit dem Aufheben der Entfremdung zwischen Politik und Wähler, dann reicht es nicht, dass ihr von mir einen Brief bekommt und im Internet präsent seid. Das Land hat angeblich zu wenig junge Leute – hier seht ihr Massen, aber davon schaffen 50 % keinen Schulabschluss, werden nie eine Ausbildung kriegen und stattdessen in Berufsvorbereitungen gelangweilt und erniedrigt, werden auf die Kombi Schwarzarbeit, Sozi und Drogenverkauf angewiesen sein und weiter zu den Radikalen rennen. Und daran sind die Bildungspolitiker eurer Parteien auf jeder Stufe schuld und keine anderen – CDU und FDP sind nämlich sowieso für Elitegymnasien und Privatschulen. Alle eure Schlagworte sind nur Dauerbrenner in der Networking- Gemeinde der...Karrieristen?
Konkurrenz habt ihr in Kreuzberg allerdings nur in Wählerstimmen zu fürchten. Der Kandidat der Grünen, ich mag seinen Namen nicht nennen, hat außer seiner glorreichen Vergangenheit als RAF-Verteidiger, seinem Fahrrad und seinem Antiamerikanismus nichts zu bieten. Er wird von denen gewählt, denen die Kinder der Anderen auch egal sind. Bliebe also nur noch Frau Lengsfeld für die CDU – aber die schreibt immer noch am Tagebuch des Mauerfalls und ist damit genauso willkommen wie ihr: denn wir in Kreuzberg haben ein Herz für politische Versager.
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Oh! Daraus spricht aber gerechter Zorn!
Leider muss angenommen werden, dass diejenigen, die Sie hier ansprechen, den Artikel niemals zu Gsicht bekommen. Sicher lesen diese Leute nicht den Freitag, und in dessen Blog tummeln sie sich gewiss auch nie. Schade eigentlich. Diese Gestalten könnten sicher eine Menge aus Überlegungen wie den Ihren lernen, zumindest aber, dass es Leute gibt, die mit Leichitgkeit hinter ihre Fassade blicken. Sehr schön finde ich die Beschreibung des Grünen-Kandidaten und seiner Leistungen, der "glorreichen Vergangenheit als RAF-Verteidiger, seinem Fahrrad und seinem Antiamerikanismus" - da kann man doch sicher nur sagen, "Tritt ihn" oder? |
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"Und daran sind die Bildungspolitiker eurer Parteien auf jeder Stufe schuld"
Mag richtig sein, aber Politik ist nicht Sippenhaft. Wie überall kommt es auf die handelnden Personen an, die für inhaltliche Überzeugungen stehen und oft (das ist nicht anders als im übrigen Leben) nicht das nötige Wissen haben, selbiges aber nicht wissen. Wofgang Thierse, den ich sonst politisch nicht mag (privat kenne ich ihn nicht), meinte vor einigen Tagen auf einer Veranstaltung: “Menschen erwarten Wunder von der Politik und verachten das politische Personal”, recht hat er. |
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also meines Wissens kandidiert Ströbele in Kreuzberg. Er ist für mich einer der wenigen letzten glaubwürdigen in der Runde in Berlin, er ist einer der wenigen den ich wirklich mit vollem Bewusstsein wählen könnte. Björn Böhning und Halina Wawzyniak kenne ich zu wenig um mich äußern zu können.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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