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Ein Eissalon in der Maaßenstraße am Nollendorfplatz. Es ist Samstag der 9. Mai, die Sonne scheint und ca. 400 Schwule und 100 Lesben küssen sich davor, heterosexuelle Freunde sind mit Kindern dabei, die Straße muss abgesperrt werden. Was ist geschehen? Der Eisladen liegt mitten im Schöneberger Homokiez, in der Vorwoche küssen sich dort zwei Lesben und werden vom Geschäftsführer mit homophoben Bemerkungen des Platzes verwiesen. Es stellt sich heraus, dass dies hier kein Einzelfall ist. Schwulen- und Lesbenorganisationen organisieren Tage vorweg das heutige Kiss-In, der Mann reagiert nicht. Als die Ersten vor dem Salon auftauchen, macht er noch Witze, selbst als die Menge bereits die Straße verstopft und Presse und Fernsehen anwesend sind, ringt er sich dazu durch, von einem „Missverständnis“ zu sprechen. Keiner kommt zu seinem Laden durch, ein Paar verteilt gratis Eis am Stiel. Unter Hohn, Gespött und lautem Klatschen muss er für diesen Tag die Rollos runter lassen.
Sollen Schwule und Lesben hier noch Sozialarbeit leisten? Diese Frage steht nun im Raum, denn statt der einfachen Möglichkeit, seinen Fehler einzugestehen, jedem küssenden Paar eine Kugel Eis zu schenken und die Sache wäre überstanden, geht dieser Mann lieber als aufrechter Homofeind seinem wirtschaftlichen Ruin entgegen.
Mutig ist es nicht, was die Menge hier leisten muss, der Eisladenbesitzer stellt keine körperliche Bedrohung dar und im Kiez herrscht homosexuelle Dominanz. Dennoch ein Lichtblick: Es kommen so viele zu der Aktion, weil absehbar ist, welches Beharrungsvermögen die Homophobie aufweisen kann. Und weil die Homophobie mittlerweile häufig spürbar ist und als Feindbild identitätsstiftend für manche Männer wirkt. Und weil dies in Berlin nun häufiger zu tatsächlichen brutalen Angriffen auf Schwule und Lesben geführt hat, wie vom Verein Maneo e. V. dokumentiert werden konnte. Die Community ist sensibilisiert, manche Freunde endlich auch, die Öffentlichkeit greift das Thema auf: Homophobie ist nicht in Ordnung und ist keine Nebensächlichkeit.
Alle, die es damit auch europäisch ernst meinen, können den Blick nach Polen richten und dazu etwas mehr Mut und Zeit aufbringen. Polen ist gegenüber Homosexuellen eines der intolerantesten Länder Europas mit offener Diskriminierung durch Medien, Politik, Rechtsprechung und Kirche. Berliner Schwule, Lesben und ihre Freunde werden nach Warschau fahren, um dort den CSD am 13.06.2009 zu unterstützen.
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Super, dass Sie darüber geschrieben haben! Ich war ganz in der Nähe, saß mit einem Freund, der von da kam im Sissy in der Motzstraße und habe mir alles erzählen lassen.
Prima Aktion. Und ich habe mich geärgert, dass ich es nicht vorher gewusst habe. Aber so haben wir Ihren Bericht. Danke!! |
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Danke für diesen Artikel. Auch die anderen Medien hatten nette Artikel, aber dieser Artikel wirkt auf mich informativ und dazu noch sehr authentisch. Dieser Artikel berichtet nicht einfach nur über den Vorfall an sich. Das finde ich gut.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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