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MenschenZeitung

19.01.2012 | 20:43

Was ist Hunger in Deutschland? – Was soll man einem Kind dazu sagen?

Wir alle reden viel über Armut, wir reden auch viel über Hunger. Was aber bedeutet das Wort Hunger in Deutschland, was ist ein wirklich armer Mensch?

Fernsehbilder aus Afrika, sie zeigen uns zwar Hunger und Armut in der Dritten Welt, was aber heisst es in Deutschland hungrig zu sein?

Heute ist mir der Fall eines Schülers zu Ohren gekommen, der dazu anregt, diese Frage doch einmal einer breiten Leserschaft zu stellen. Also frage ich, was ist Hunger?

Dazu nun der Vorgang. Schüler haben nicht viel Geld, gehen wir davon einmal aus, und sagen dazu, es ist auch nicht selbstverständlich, dass 17 Jährige, so alt ist der Junge, auf Bettler zugehen, diese überhaupt wahrnehmen.

Meist erfahren wir ja von Jugendlichen nur dann etwas, wenn man sie nach einer Sauftour festgenommen hat oder wenn sie jemanden angepöbelt oder geschlagen haben, wenn sie also irgendwie auffällig und straffällig geworden sind.

Von denen aber, die eine normale Erziehung erfahren haben, die also in unseren Augen wissen, was sich gehört, von diesen jungen Menschen hört man nie etwas, und doch gibt es sie, die meisten sind nämlich doch hilfsbereit und gehen mit offenen Augen durch die Welt.

Es befindet sich also der junge Mann auf dem Schulweg und sieht dort einen wie er sagte wirklich armen älteren Herrn in einem Rollstuhl, hört, wie dieser die vorbeieilenden Erwachsenen anbettelt, die ihn nicht einmal ansehen. „Ick hab Hunger und Durscht, bitte, ham Se nich was zu essen für mich ?“.

Dem jungen Menschen nun tut dieser ältere Herr, der kaum noch Zähne im Mund hat und dort wie ein Häufchen Elend nicht beachtet wird leid, und da sein Bus nicht in Sicht ist, geht er zu ihm.

Er bietet dem Mann nun sein komplettes Schulbrot an samt seiner noch verschlossenen 1,5 l Teeflasche. „Ich habe nur das, aber das gebe ich Ihnen gerne“, so sagt er zu dem Mann im Rollstuhl.

Nur das, das war zwei Bananen, ein geschälter halbierter Apfel und 5 belegte Brote, denn er wusste, seine Mitschüler würden ihm aushelfen, wenn er selbst Hunger bekäme, zumal es erst um 7 Uhr früh war und er erst gegen 17 Uhr daheim wäre. Aber er hatte ja auch gut gefrühstückt.

Und nun geschah etwas, was den Jugendlichen cöllig ratlos machte, so dass er noch daheim erbost war und nur sagte: „Ja, geht’s noch, was wollte der, was soll ich denn davon halten? …“

Und wirklich, was sagt man jemandem, der helfen will, zumal einem Jugendlichen, wenn er von diesem Bettler folgende Antwort erhält: „ Dat kannste vajessen und selba fressen, det will ick nich, kannste mir nich wat frischet koofen?“

Aber, der Junge gibt nicht auf und erklärt ihm, er habe kein Geld dabei. Und jetzt erhält er die Antwort: „Na denn ebn nich, verjiss et, sowat will ick nich …“ Dreht den Rollstuhl und fährt dem Jungen noch gegen die Beine.

Also, was sagt man nun einem Jugendlichen zu diesem Vorfall und was soll dieser Junge bitte davon halten? Und was ist eigentlich Hunger in Deutschland? Und wundern wir uns demnächst auch noch, wenn Jugendliche sich unhöflich verhalten, älteren Menschen keinen Sitzplatz anbieten?
„Ja, geht’s noch, was wollte der, was soll ich denn davon jetzt halten?“

Ganz ehrlich, mir fiel dazu nichts ein ausser, „es war richtig, dass du helfen wolltest, bleib so wie du bist, so ist ja nicht jeder, vergiss den Mann“.

Ich weiss, das klingt hilflos, aber auch jetzt noch fällt mir dazu einfach nichts ein, mir fehlen dafür einfach die Worte, weil ich mich ständig frage, „Was bedeutet es in Deutschland, wenn jemand, wenn ein armer Mensch sagt, „ich habe Hunger“?

Wissen wir wirklich, was wir sagen, wenn wir leichtfertig sagen, “ich habe Hunger?”

Und was hätten Sie gesagt und geantwortet?

 

©denise-a. langner-urso

Foto- Henning Hraban Ramm / pixelio.de

 
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Kommentare
abghoul schrieb am 19.01.2012 um 21:11
Klingt mir nach nem Geld-Beschaffungs Mantra, was der Alte da von sich gegeben hat, und der weiß ja das er das nicht für was zu essen braucht und sein Durst sich wahrscheinlich nicht Tee bezog.

Sicher gibt es Menschen die Hunger leiden, aber die wird man nicht in der Stadtmitte treffen.
Die sind isoliert, deswegen haben sie ja auch Hunger.
Mundraub ist in Deutschland relativ unproblematisch, so ich mich recht erinnere.
Leute die in Isolation leben haben ja meist einen Grund dafür.
Psychologische Störung, motorische Einschränkungen usw.
Manche Menschen werden auch wie Tiere gehalten, z.B. alte Leute die von ihren Angehörigen selbst "gepflegt" werden, aber nur um Gelder einzukassieren. Das soll heutzutage besser kontrolliert werden, aber ich kann mich an gruselige Sachen erinnern.
Sicher ist Hunger etwas sehr seltenes in Deutschland aber es ist halt auch so das die die daran leiden dich nicht irgendwo in der Stadt deswegen ansprechen.
Schmacht ist einfach das bessere Wort dafür.
Vadis schrieb am 19.01.2012 um 22:23
Erst ma(h)l nichts. Am besten, man fragt vor, was es schon weiß. Zum ›Verhunger‹ könnte man eventuell zitieren, dass hierzulande niemand verhungern müsse. Aber schon die Schreibweise ›Niemand‹ würde ein Fragezeichen setzen. Ich bin allerdings der Meinung, man sollte das ureigene gesunde Essempfinden eines Kindes nicht unnötig irritieren.
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