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MenschenZeitung

04.01.2012 | 09:39

Wulff-Jetzt wird die Causa heiss…

Eine Menschenrechtlerin aus der ehemaligen DDR erhebt ihre Stimme, und das sollte die Bundeskanzlerin aufhorchen lassen, die einst ungehindert vor dem Hause Robert Havemann umherspazieren durfte, vor dem Hause eines Mannes, der ebenfalls einer Bürgerrechtsbewegung in der DDR angehörte, und gegen den und gegen dessen Familie, weil er gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert hatte,Hausarrest verhängt worden war.

Ausgerechnet also eine DDR-Bürgerrechtlerin, Vera Lengsfeld aus der CDU erhebt nun also ihre Stimme und fordert den Rücktritt des Bundespräsidenten. Eine mutige Frau, die weiss, was es bedeutete, in der DDR sich Willkür zu widersetzen, eine, die dafür sorgte, dass die Mauer letztendlich fiel. Lengsfelf weiss, wofür sie gekämpft hat, nämlich auch für das freie Wort und für eine freie Presse, für Menschenrechte.

Und hier schliesst sich der Kreis. Die Ausübung des Berufes wird ja durch das Erzwingenwollen eines Redeverbotes, durch ein Veröffentlichungsverbot, durch jene quasi Kriegsandrohung behindert, und dadurch auch das Recht auf freie Meinungsäusserung beschnitten. Auch das gehört indirekt zu den Menschenrechten, denn wird die Presse behindert, so behindert man letztendlich die Demokratie.

Lengsfeld Forderung nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten kann also nur folgerichtig sein, hat er doch auf üble Weise versucht, verbrieftes Recht zu unterbinden.

Jeder CDU Abgeordnete sollte sich ein Beispiel nehmen an dieser Frau, und er müsste sich eigentlich schämen, dass erst eine DDR-Bürgerrechtlerin ihm erklären muss, wofür sie einst gekämpft hat.

Jetzt müssen sich ihrer Forderung andere Mitglieder anschließen, denn sonst glaubt niemand mehr, der einst auf Ost-Berlins Strassen rief: “Wir sind das Volk”, was denn an der Bundesrepublik nun soviel ehrlicher und besser, demokratischer sein soll, als an dem Regime, das man einst bekämpft hat. Denn alleine die Reisefreiheit und nur die DM sind es ganz sicher nicht gewesen, warum so viele der DDR den Rücken kehrten und alles zurückliessen, was ihnen lieb und teuer war, und wofür sie nicht zuletzt die Freiheit sondern auch das eigene Leben, und das ihrer Familien riskierten …

©denise-a. langner-urso

Foto- Romy1971 / pixelio.de

zuerst erschienen in MenschenZeitung

 
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Kommentare
Achtermann schrieb am 04.01.2012 um 09:50


Vera hatte schon immer mehr zu bieten als die Durchschnittsabgeordnete der CDU.
Nietzsche 2011 schrieb am 04.01.2012 um 12:14
Sorry, dass ich mich dieser "mutigen" CDU-Frau nicht anschließen werde. Vera Lengsfeld hat ihren "Kredit" als mutige Bürgerrechtlerin schon längst verspielt als sie von CDU-Landesverband (vorher Grüne) zu CDU-Landesverband hüpfte, um ein Mandat abzufassen.
mahung schrieb am 04.01.2012 um 13:41
"Denn alleine die Reisefreiheit und nur die DM sind es ganz sicher nicht gewesen, warum so viele der DDR den Rücken kehrten und alles zurückliessen, was ihnen lieb und teuer war, und wofür sie nicht zuletzt die Freiheit sondern auch das eigene Leben, und das ihrer Familien riskierten …"

Ein bisschen zu pathetisch. Letzteres Ihrer Aussage traf höchstens auf zwei bis vier Prozent der DDR-Bürger zu.
Dem großen Rest ging es wohl eher um eben jene D-Mark und nun ja, auch um Reisefreiheit. Ich beziehe mich hier hauptsächlich auf die Demonstranten bzw. Flüchtlinge der unmittelbaren Umbruchszeit. Die "Wir sind das Volk"-Rufe wurden schnell rar. "Wir sind ein Volk"-Rufe und Deutschlandfahnen + "Wir-sind-wieder-wer-Attitüde" waren schnell dominant. Der emanzipatorische, freiheilliche und letztlich reformierende intelektuelle Ansatz der in meinen Augen echten Bürgerrechtler (von denen auch schnell keiner mehr etwas zu sagen hatte, weil es auch keiner mehr hören wollte) wich recht schnell dem dumpfen Einheitsbrei Kohlscher Prägung, gepaart mit nationalistischen Grundtönen.

Was zu Lengsfeld zu sagen wäre, hat Nietzsche 2011 ja schon auf den Punkt gebracht. Lengsfeld hat sich im demokratischen Sinn unglaubwürdig gemacht. Wäre sie aus Protest bei den Grünen ausgetreten, hätte das begründet und wäre erstmal für eine Weile von der Bildfläche verschwunden und hätte sich dann erstmal demokratischen Wahlen gestellt, wäre es o.k. gewesen. Ich kann mich irren, aber ich erinnere es so, dass sie mehr oder weniger übergelaufen ist und so auf undemokratische, weil nicht so gewählte Weise, die Mehrheit im Landtag veränderte. Lengsfeld ist in meiner subjektiven Wahrnehmung eine Opportunistin geworden, aber eine vor der ich ob ihrer echten Widerstandsarbeit zu DDR-Zeiten (Sie hat sich, wie wenige, tatsächlich existenzbedrohend engagiert und in Gefahr gebracht) nach wie vor Respekt habe. Das Sie aber im Gegensatz zu anderen DDR-Opositionellen, letztlich schlicht den Kapitalismus auf dem Gebiet der DDR zu restaurieren half, anstatt die Chance eines echten deutsch-deutschen Neuanfanges wenigstens zu versuchen, werfe ich ihr und einigen anderen ehem. Bürgerrechtlern vor.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 04.01.2012 um 13:50
Oh je, schlechte Kritiken hier. Hmm..
Das Thema ist natürlich ein wichtiges, aber die Aufhängung an der Personalie Lengsfeld ist vielleicht etwas unglücklich. Ich selbst (Ur-NRWler, Baujahr 79) kenne die Dame jedenfalls nur aus der oben zitierten Anzeigenkampagne. Daher fällt es mir wahrscheinlich schlicht all zu leicht, ihr in der Wulff-Sache Opportunismus zu unterstellen. Das einfach mal als Kritik bei gleichzeitiger Selbstkritik.
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