18.04.2010 | 11:17

Goldman Sachs: Einschätzung

„Der Fall Goldman Sachs“ ist ein Ewiger. Die Bank polarisiert durch ihr forsches und arrogantes Auftreten in der Öffentlichkeit. Als „Masters of the Universe“ sehen sie sich gerne und dennoch gibt es auch bei "I'doing God's work" – Blankfeins Leuten einige Zweifel.

Dieser tief sitzende Zweifel animierte Partner bei GS dazu, sich vorsichtshalber Schusswaffen zuzulegen, falls das Proletariat sich erheben sollte. Das war nicht etwa auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, als die Wall Street eine bisher ungekannte Protestwelle vor Ihren Türen erdulden musste, es war Ende 2009, als man schon wieder Milliarden verdiente, während landesweit (USA bezogen) die Jobkiller unterwegs waren.

Vom Gebrauch dieser Waffen ist nichts bekannt und die nun von der SEC eingereichte Zivilklage gegen Goldman Sachs, kann damit wohl auch nicht aus der Welt geschafft werden. Rein vom Nutzen her, eine Fehlinvestition.

Der Vorgang

Goldman Sachs wird von der SEC mit einer Zivilklage belästigt.

In den USA sind diese Klageschriften öffentlich. In Deutschland hat sie der Spiegel als Erstes verbreitet. Wer des Englischen mächtig ist und 22 Seiten lesen mag, kann sie hier einsehen:

SEC Anklage gegen Goldmann Sachs (PDF)

Grob gesagt geht es darum, dass Goldman Sachs zu Beginn des Jahres 2007 ein Portfolio aus Kreditausfallversicherungen an seine Kunden verkauft hat.

Etwas technischer formuliert handelte es sich um eine Collateralized Debt Obligation (CDO) mit dem klangvollen Namen „Abacus 2007-AC1“. Darin enthalten waren Credit Default Swaps (CDS), also Kreditausfallversicherungen auf Hypotheken.

Das an sich ist nicht böse, doch soll die Zusammensetzung des Portfolios in Absprache mit der Hedgefondsgesellschaft Paulson & Co. erfolgt sein, die eigens dafür nur minderwertige Kreditausfallversicherungen (CDS) reinpackte. Der verantwortliche Goldman Vice President, auch genannt der fabelhafte Fab (Fabrice Tourre), wusste dies und duldete es. Die Verbindung zu Paulson& Co. soll indes verschleiert worden sein, in dem man vorgab, dass die Zusammenstellung durch die Vermögensverwaltung ACA erfolgte.

Anschließend spekulierte Paulson & Co. mit einer (auf die CDO bezogenen) Kreditausfallversicherung (CDS) gegen die CDO und verdiente eine Milliarde Dollar.

Angeklagt werden Goldman Sachs und Fabrice Tourre.

Der Hedgefonds Paulson & Co., der nichts mit Henry Paulson zu tun hat, wird nicht angeklagt. Dem folgt die Logik, dass Goldman Sachs für den Vertrieb verantwortlich ist.

Nach der Anklage wurde bekannt, dass die SEC weitere Klagen vorbereitet. Davon soll auch die Deutsche Bank betroffen sein.

Die in Deutschland an den Abgrund gedrängte IKB, gerettet durch den Staat, verlor mit diesem Produkt rund 150 Millionen US-Dollar. Die Bundesregierung leitet über die BaFin nun ebenfalls eine Überprüfung des Falls ein. Hierzu wurde Auskunftsersuchen in die Wege geleitet.

Politische Übersicht

Paulson & Co. ist einer der bekannteren Hedgefonds. Man verdiente am Zusammenbruch der CDO und CDS-Märkte, ebenso wie an der Erholung der Bankwerte in den letzten Monaten. Als exklusiven Berater hat man Alan Greenspan engagiert.

Goldman Sachs ist das Aushängeschild der Wall Street. Im amerikanischen Entertainment-Stil inszeniert sich die Bank regelmäßig als Masters of the Universe und ist ein ideales Ziel um ein Exempel zu statuieren. Eine Vielzahl ehemaliger Führungspersonen der Bank besetz(t)en Posten in der US-Regierung und vor allem deren Verwaltung. Der prominenteste Fall ist ex-Finanzminister Henry Paulson. Dementsprechend wird der Bank oftmals eine politische Beeinflussung nachgesagt, z.B. beim Fall der AIG-Rettung.

Bei der US-Börsenaufsicht (SEC) wird der Bereich „Beschwerden, Hinweise und Wiedergutmachung an geschädigten Investoren“ von einem ehemaligen Goldman Sachs Manager, Adam Storch, geleitet. Die Ernennung wurde mit Skepsis betrachtet. Entsprechend groß ist der Druck von außen, Ergebnisse vorzulegen. Im Gegensatz zum deutschen Pendant, der BaFin, zeigte die SEC in der Vergangenheit öfter mal ihre Zähne.

Die US-Regierung unter Barack Obama versucht zur Zeit eine Bankenreform zu verabschieden und stößt dabei auf harten Widerstand der Republikaner sowie der Bankenlobby. Obama fehlt im US-Senat eine Stimme, um die Reform aus eigener Kraft durchzubringen. Kompromisse sind naheliegend. Die Anklage gegen Goldman Sachs kommt somit zum passenden Zeitpunkt. Im November diesen Jahres finden Kongresswahlen statt. Bisher drohten den Demokraten empfindliche Verluste. Wenn die Republikaner bei dieser Gemengelage die Bankenreform blockieren oder abschwächen sollten, könnte sich ihre gute Ausgangsposition erheblich schwächen. Obama selbst will bei einer zu laschen Reform (Verwässerung) sein Veto einlegen.

Die Folgen

Als unmittelbare Reaktion auf die Veröffentlichung der Klage verloren die Aktien von Goldman Sachs am Freitag 12,8%. Der S&P Future verlor 1,3%.

Was die Griechenlandkrise kaum vermochte, schaffte nun eine Klage gegen das Herzstück der Wall Street. Hinter der Reaktion steht nicht nur diese Klage an sich, sondern die nunmehr erhöhte Chance, dass die Bankenreform in einer schärferen Form stattfindet, als ein bisheriger Kompromiss ermöglicht hätte.

D.h. die Regulierung des Derivatemarktes sowie die drohende Einschränkung des Eigenhandels der Banken, durch den vor allem in den letzten Monaten ein Großteil der Gewinne erzielt werden konnte.

Gleichzeitig geraten damit auch andere Regierungen unter Druck, die Finanzbranche schärfer an die Kandare zu nehmen. Das gilt vor allem für Deutschland, welches sich bisher stark gegen Regulierungsmaßnahmen wehrte. Federführend ist hier die FDP, die durch ihren Finanzexperten Hermann Otto Solms gar verkünden ließ, dass man im Nachhinein doch gar nicht mehr feststellen könne, wer die Schuld trage und man diese Schuldfrage deshalb ad acta lege.

Ein besonderes Ziel von Regulierungsmaßnahmen dürfte künftig auf Basis der offenbarten Geschäftspraktiken von Banken wie Goldman Sachs liegen. Exemplarisch seien hier die Hilfen für die griechische Bilanzkosmetik und die Vorgänge um den Börsengang der Berliner Immobiliengesellschaft GSW genannt.

Der Renditekiller „Regulierung“ ist weitaus mächtiger als eine Staatspleite.

Zuerst erschienen auf www.goowell.de

Ergänzung 20.04.2010 um 19:35 Uhr:

Bis zu einer Gerichtsentscheidung können bis zu zwei Jahre vergehen. (Quelle Platow Brief)

Der Platow Brief konzentriert sich ferner auf den politischen Aspekt und sieht in der Klage mehr eine Manipulation der deutschen Politik, die durch den dazugehörigen IKB-Verlust nun unter Druck gerät im Bereich Bankenregulierung aktiv zu werden.

Die Entscheidung zur Klage soll innerhalb der SEC mit 3 zu 2 Stimmen gefallen sein.

Ergänzung 20.04.2010 um 19:43 Uhr:

Erste Einschätzungen zur Klage legen nahe, dass der Erfolg der Klage ungewiss ist, da diese Form der Gegengeschäfte Usus ist. Aus eigener Erfahrung würde ich das bestätigen, daher fällt und steht die Klage mit der Bewertung darüber, ob die Anleger insofern getäuscht wurden, als dass Zusammensetzung eben nicht durch ACA erfolgte.  Es wird schwierig sein nachzuweisen. Aus einer Klage gegen Bear Sterns Akteure wurde seinerzeit nichts, obwohl man aus den eMails ebenfalls herleiten konnte, dass ein Wissen über den baldigen Zusammenbruch des Marktes herrschte, während man weiter "ein Produkt" vertrieb.

Ergänzung 20.04.2010 um 21:47 Uhr:

Zur Symbolik noch ein Auszug aus einem Kommentar aus den USA, der die Stimmungslage ganz gut darstellt.

The Securities and Exchange Commission's complaint against Goldman Sachs is playing in the media as the Rosetta Stone that finally exposes the Wall Street perfidy and double-dealing behind the financial crisis. Our reaction is different: Is that all there is?

After 18 months of investigation, the best the government can come up with is an allegation that Goldman misled some of the world's most sophisticated investors about a single 2007 "synthetic" collateralized debt obligation (CDO)? Far from being the smoking gun of the financial crisis, this case looks more like a water pistol.

 
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Kommentare
Technixer schrieb am 18.04.2010 um 13:16
Ausgezeichnet. Um mit Monty Burns Worten zu schreiben.

Ich wundere mich immer wieder über die USA. Die Marktfreiheiten dort sind größer als in Europa, aber dort scheinen die Menschen einen größeren Willen zu Veränderungen zu haben als hier. Ich hoffe die Deutsche Bank bekommt ordentlich eins auf den Deckel, doch halt, eigentlich auch nicht. Für den SoFFin müssen wir Steuerzahler herhalten und die Deutsche Bank dürfte sich kräftig bedienen.
mh schrieb am 18.04.2010 um 18:29
"Ich wundere mich immer wieder über die USA. Die Marktfreiheiten dort sind größer als in Europa, aber dort scheinen die Menschen einen größeren Willen zu Veränderungen zu haben als hier."

das eine dürfte zwar das andere bedingen, doch ist auch die lebensstabilität entsprechend geringer.

das zeigen auch die geschehnisse im vorfeld der krise. deutschland hat sehr lange gebraucht, ehe es begann die gesetze aufzuweichen, die dann die vermehrte spekulation ermöglichten. entsprechend weniger rückschlagpotenzial hatte unser finanzsystem. das wurde damit bezahlt, dass unsere banken derweil niedrigere renditen hatten und die wirtschaft weniger prosperierte als möglich gewesen wäre.

dennoch sind wir ganz gut weggekommen und plötzlich finden sie alle toll, was wir hier so treiben.

und nun verändern wir uns wieder, ganz langsam und bloß nicht schnell.

mfg
mh
Technixer schrieb am 18.04.2010 um 21:20
"das wurde damit bezahlt, dass unsere banken derweil niedrigere renditen hatten und die wirtschaft weniger prosperierte als möglich gewesen wäre."

Das marodierende Finanzmarktkapital ist doch zum Großteil gar nicht in die Realwirtschaft geflossen, sondern in Spekulationen in Bereichen mit extrem kurzer Anlagezeit (Wechselkursspekulation). Selbst der ganze Handel um und mit Immobilien-Misch-Masch-Fonds und den ganzen Versicherungen, waren doch immer sehr kurzfristig oder nicht?

Der Handel mit völlig überzogenen Erwartungshaltungen auf zukünftige Entwicklungen bringt mehr Geld ein als die tatsächliche langfristige Investition. Nur diese Waren müssen theoretisch erst noch produziert werden

Ein tatsächlicher wirtschaftlicher Aufschwung geht damit doch gar nicht einher auch nicht wenn die Gesetze zur Steigerung der Attraktivität des Finanzplatzes Deutschland früher umgesetzt worden wären.

Interessanterweise habe ich vorhin gelesen das unser BIP 2008 unglaubliche 2,4 Billionen Euro riesig war.

Die Steuereinnahmen beliefen sich auf 561 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund frage ich mich warum trotz dieser Gewinnsteigerung (welche sich ja aus den hohen Steuern ablesen lassen) immer weniger Arbeitsplätze existieren (von unbefristeten Verträgen ganz zu schweigen) und 6,7 Millionen Menschen Hartz IV beziehen. Gewinnmaximierung ist das Zauberwort, weil geldgeile Aktionäre sich nicht mit 6% zufrieden geben.

Innovationen und wirtschaftliche Prosperität werden vor so einem Hintergrund vor die Wand gefahren.

beste Grüße vom Technixer
mh schrieb am 18.04.2010 um 22:18
jein.. wenns kapital aufgeblasen wird, geht auch immer ein teil in die wirtschaft und zieht sie mit. es wird dann nur zunehmend weniger, vom gesamtanteil her.. das ändert aber nichts am generellen effekt.

worauf ich hinauswollte war lediglich die dadurch entstehende volatilität im gesamten wirtschaftssystem, die bei den amis entsprechend ausgeprägter ist. was dann zwangsläufig auch zu mehr veränderungswillen führt, wenns man knallt.

mfg
mh
gweberbv schrieb am 18.04.2010 um 22:45
Der positive Effekt eines Booms bzw. einer Hype ist doch auf dem Immobilienmarkt schön zu sehen. Anhaltender Preissteigerungen regen große Investition in Neubau, Ausbau und Renovierungen an. Das sicher das Einkommen echter Menschen und die Profite echter Firmen. So haben Irland und vor allem Spanien in den Jahren vor der Krise ihren eigenen Arbeitskräftepool weitgehend ausgeschöpft plus noch hunderttausende Arbeitsmigranten angezogen. Entsprechende Lohnsteigerungen, Stimulierungen weiter Wirtschaftsbereiche sowie hohe Steuereinnahmen waren die Folge (Irland und Spanien wiesen jahrelang ausgeglichende Haushalte auf und das bei expandieren Staatsausgaben). Und das während in der BRD die Löhne stagnierten und die Regierung ein Sparpaket nach dem anderen auf den Weg brachte. Da haben also nicht nur ein paar Spekulanten Guthaben von A nach B und wieder zurück gebucht.

Haben sich Wirtschaft und Privatleute aber erstmal an konstant hohe Wachstumsraten und Wertsteigerungen gewöhnt, bedeutet ein abrupter Umschwung den Absturz in die Katastrophe.
Technixer schrieb am 19.04.2010 um 09:47
"Der positive Effekt eines Booms bzw. einer Hype ist doch auf dem Immobilienmarkt schön zu sehen."

Dieser beruhte fast aussschlieslich auf Krediten, der genutzte Kredithebel um daraus Gewinn zu schlagen hat diese Kreditblase noch vergrößert. Bitte schaue dir den Film 'Home' an, dieser ist kostenfrei auf youtube zu sehen. Es gibt hunderttausende von Häusern und Wohnanlagen in Spanien, welche in Naturschutzgebiete reingebaut wurden in denen wohnt kein einziger Mensch! Diese Anlagen gehören Gesellschaften die mit den Immobilientraktaten handeln. In einer der wasserärmstenen Gegenden Europas werden Golfplätze und Pools hingezimmert um den "Wert" zu steigern.

Das war und ist kein positiver Effekt gewesen, sondern Schwachsinn!

"Stimulierungen weiter Wirtschaftsbereiche sowie hohe Steuereinnahmen waren die Folge (Irland und Spanien wiesen jahrelang ausgeglichende Haushalte auf und das bei expandieren Staatsausgaben)."

Diese "Stimulierung" beruhte fast ausschließlich auf der Nutzung von Krediten, quasi vorgezogenes Kapital, welches gegeben wurde in Erwartung anhaltender wirtschaftlicher Prosperität und damit der Möglichkeit die Kredite zurück zu zahlen. Die Deutsche Bank hat sich dann die CDS einfallen lassen. Wie kann man denn Kredite vergeben und dann sich selbst Versicherungen gegen Kreditausfälle ausstellen und diese dann verkaufen!

Die Lohnstagnation in Deutschland ist u.a. auf den Konkurrenzdruck untereinander und auf die Agenda 2010 zurück zu führen. Die Vorbereitung auf die "Liberalisierungen" des Arbeitsmarktes fanden allerdings schon unter Kohl statt.

Gängige BWL Lehre bitte nochmal überdenken. Ich empfehle die Financial Times Deutschland, die sind ziemlich gut. Sie haben, unter anderen, der Anklage von Attac in vielen Fällen recht gegeben.
Technixer schrieb am 19.04.2010 um 10:10
@ mh

bei Kapitalaufstockung der Finanzmärkte profitieren doch nur diejenigen die dort auch handeln oder nicht?
Ich dachte quantitativ sind die meisten Arbeitnehmer in kleinen und mittelständischen Betrieben (also nicht Börsen notierte Unternehmen) angestellt? Diese würden also doch nur indirekt davon profitieren, beispielsweise durch die Kreditvergabe der Banken zu niedrigen Zinsen.

Gerade diese Bereiche aus der Wirtschaft müssten jetzt doch ziemlich sauer sein, weil Kreditvergabekonditionen sehr streng und mit hoher Zinslast versehen sind, obwohl die Banken das Geld von der EZB zu 1% bekommen?
mh schrieb am 19.04.2010 um 10:14
kurz mal: die FTD gilt als finanzbild... und ich selbst werd beim lesen dieser zeitung depressiv. diese mickymaus-ökonomen sollte man nicht allzuernst nehmen.

lest das englische pendant, die sind gut.

mfg
mh
Technixer schrieb am 19.04.2010 um 10:39
aber die kann man nicht lesen ohne zu bezahlen...

warum wirst du da depressiv?

was hälst du vom handelsblatt?
Technixer schrieb am 19.04.2010 um 10:43
PS: magst noch auf meine Fragen eingehen? Wie siehst du denn die "positiven" Effekte von Wachstumssparten?

Da meine Kenntnis nur auf post-crash-Informationen basiert und ich die FTD eigentlich für gar nicht so schlecht halte, auch die Jungs vom Handelsblatt.
mh schrieb am 19.04.2010 um 10:49
jj hat eine ausführliche übersicht über finanz und wirtschaftsportale

board.trendinvest.net/showthread.php?t=3037

der absolute klassiker und vom humor her mein liebling:

www.ritholtz.com/blog/

handelsblatt ist dröge. und da wo die ftd maßlos übertreibt, hörts HB auf zu denken. es gibt in deutschland kaum was gutes. ich blätter da nur durch.

die einzige zeitung die ich gerne lese ist die börsenzeitung. kostet 120 euro im monat und ist jeden cent wert.

mfg
mh
mh schrieb am 19.04.2010 um 10:49
später, wenn ich mehr zeit hab.

mfg
mh
mh schrieb am 19.04.2010 um 15:39
"Technixer schrieb am 19.04.2010 um 10:10 @ mh

bei Kapitalaufstockung der Finanzmärkte profitieren doch nur diejenigen die dort auch handeln oder nicht?
Ich dachte quantitativ sind die meisten Arbeitnehmer in kleinen und mittelständischen Betrieben (also nicht Börsen notierte Unternehmen) angestellt? Diese würden also doch nur indirekt davon profitieren, beispielsweise durch die Kreditvergabe der Banken zu niedrigen Zinsen.

Gerade diese Bereiche aus der Wirtschaft müssten jetzt doch ziemlich sauer sein, weil Kreditvergabekonditionen sehr streng und mit hoher Zinslast versehen sind, obwohl die Banken das Geld von der EZB zu 1% bekommen?"
------------------------

wenn die banken geld von der ezb bekommen, dann zahlen sie dafür erstmal zinsen. damit das profitbabel ist, müssen sie mit dem geld arbeiten.

also entweder kredite vergeben, direkt investitionen treffen oder eigenhandel betreiben. das hauptziel der ezb war es, jeder bank die es benötigt, geld zur verfügung zu stellen, ohne dass der markt die direkte finanznot mitbekommt. so als ob die eu eine euroanleihe aufgibt und sich dadurch auch die griechen günstig refinanzieren können.

die nicht notleidenden banken nehmen das geld zu dem zinssatz natürlich auch auf und und schiessen es in den markt. bevorzugt im eigenhandel, teilweise über kredite und egal wie die situation aussieht, es fließt auch immer ein teil in die realwirtschaft und das hat unmittelbar auswirkungen auf die jobs und sei es nur durch ihren erhalt.

und wenn ich als börsenaktive person an einer kapitalerhöhung teilnehme, dann finanziert das ein unternehmen. von denen gab es viele in letzter zeit. also ist auch geld bei den unternehmen gelandet.

interessant fand ich die konstruktion der kapitalerhöhungen... da wurde schon sehr viel getrickst und gebogen um dem markt die anreize zu bieten, die er braucht.

übrigens würden viele Kapitalerhöhungen gar nicht stattfinden, wenn man das viel gescholtene "shortselling" unterbinden würde. ;P

mfg
mh

in einer wirtschaftlich guten phase ist der anteil höher und ob das damit geschaffene sinnvoll ist, steht auf einem anderen blatt papier.
B.V. schrieb am 14.05.2010 um 13:01
Ich lese hin & wieder Handelsblatt & FTD, Online sowieso. Handelsblatt ist wirklich dröge. FTD mag für Fachgötter wie mh FinanzBild sein, für mich als Halbgott noch einigermaßen informativ, depressiv macht es mich nicht, das bin ich eh schon. Aber der Hinweis auf die englische Ausgabe ist ein guter Hinweis.
Jedenfalls bin ich für die Beiträge von mh hier dankbar, dem Freitag fehlt nämlich ein guter Wirtschafts-und Finanzteil.
ed2murrow schrieb am 18.04.2010 um 13:16
Sauber recherchiert und prägnant zusammengefaßt. Habe ich sehr gerne gelesen.

Könnte sein, dass irgendwer mal auf den Gedanken kommt, dass "Wetten mit dem Geld anderer gegen die Wetterwartungen der Geldgeber" einiges der Aspekte in sich trägt, die die Diskussion um den Glücksspielstaatsvertrag und private Anbieter kennzeichnet.
archinaut schrieb am 18.04.2010 um 13:19
Vielen Dank,
lese ich immer gern,
weil so schön konzentriert....
merdeister schrieb am 18.04.2010 um 22:04
Jau!
Magda schrieb am 18.04.2010 um 15:53
Sehr spannennd und informativ, die Details. Klasse.
mahung schrieb am 18.04.2010 um 16:41
"Gleichzeitig geraten damit auch andere Regierungen unter Druck, die Finanzbranche schärfer an die Kandare zu nehmen. Das gilt vor allem für Deutschland, welches sich bisher stark gegen Regulierungsmaßnahmen wehrte. Federführend ist hier die FDP, die durch ihren Finanzexperten Hermann Otto Solms gar verkünden ließ, dass man im Nachhinein doch gar nicht mehr feststellen könne, wer die Schuld trage und man diese Schuldfrage deshalb ad acta lege".

Ich hoffe, lieber mh, Sie haben mit Ihrer Prognose recht. Und vielen Danke für die fundierten Informationen!
Lee Berthine schrieb am 20.04.2010 um 14:11
Habe in der Berliner Zeitung einen Artikel über die Geschäfte dieser Bank gelesen, ebenso über John Paulson, der Milliarden verdiente als Millionen Amerikaner ihre Häuser verloren.
Er hatte erkannt, "dass der US-Markt immer mehr wie ein Kasino funktionierte", und "gibt es eine Blase, gegen die wir wetten können?", fragte der Hedgefonds-Manager mit Gewinnerlächeln.

Gegen Goldman-Sachs wird nun geklagt, aber John Paulson kann wohl rechtlich kaum belangt werden, denn anders als die Bank hat er sein Spiel mit offenen Karten gespielt.

Casino Royal...! Bis nichts mehr geht.
Technixer schrieb am 20.04.2010 um 16:51
Im Kasino gewinnt fast immer die Bank, aber die Spieler gehen mit dem Wissen über ihre Wahrscheinlichkeiten rein ebenso wie beim Lotto.

Hier aber wurden Fakten verschleiert und vertuscht zum Zwecke der eigenen Gewinnsteigerung. Das Konkurrenzprinzip ist hier etwas so gefährliches, dass es ganze Volkswirtschaften zum Erliegen bringen kann.
Wie kann es denn bitte angehen, dass private Rating Agenturen, die am Markt tätig sind und somit nicht unabhängig von den dortigen Entwicklungen, die Bewertung solcher Papiere und Firmen (Goldman Sachs) vornehmen?
Marktfreiheit sollte auch Unabhängigkeit bedeuten.

Die Magie des Kapitalismus liegt darin, Geld aus dem Nichts zu erschaffen. Nur Geld ist nichts Reales, nur der Glaube daran. Den Energieerhaltungssatz kennen wohl unsere Wirtschaftsweisen nicht.
mh schrieb am 20.04.2010 um 19:40
ergänzung im text vorgenommen.

mfg
mh
mh schrieb am 20.04.2010 um 19:48
und noch eine zweite ergänzung

mfg
mh
mh schrieb am 20.04.2010 um 21:49
ergänzendes zitat zur stimmungslage

mfg
mh
mh schrieb am 21.04.2010 um 09:39
Fritz Teich schrieb am 25.04.2010 um 11:48
Hab mich bei der ganzen Sache wieder mehr um die armen Leute gekuemmert, denen die Kredite mit variablem Zinssatz aufgeschwatzt wurden. Die konnten sie nie und nimmer bezahlen. Dass die Steigerung der Immobilienpreise irgendwann ein Ende haben und keiner mehr Bock auf die Forderungen haben wuerde, steigende Zinsen usw, war sonnenklar. Jedem war es klar, nur nicht den sunny optimistischen Amis. Die Kreditnehmer wohnten in den Haeusern, die Haeuser standen nicht leer. Es hat ziemlich lange gedauert, bis die Banken jedenfalls teilweise auf ihre Forderungen verzichten mussten. Zunaechst wurden nur sie gestuetzt, als ob es die Hausbesitzer selbst schuld gewesen waeren. Kapitalismus...

Neuestes Skandaelchen sind die Senior Officials der SEC, die in der fraglichen Zeit von morgens bis abends Pornos geguckt haben.
mh schrieb am 13.05.2010 um 10:58
was da so alles rumtickert. wie erwartet, die DBK ist mit dabei:

SEC weitet Untersuchungen auf Dt Bank und UBS aus - Kreise
mh schrieb am 15.07.2010 um 22:29
BRIEF-Goldman to settle SEC case for $550 million-NYTimes

July 15 (Reuters) - Goldman Sachs Group Inc to settle SEC case for $550
million-New York Times
mh schrieb am 15.07.2010 um 23:29
Goldman Sachs to Pay Record $550 Million to Settle SEC Charges Related to Subprime Mortgage CDO

SEC file: >> is.gd/dtryi
mh
Ich bin extrem geil und hochintelligent, da ist mein erheblich gestörter Geisteszustand absolut nebensächlich.
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