03.04.2011 | 12:01

mh liest Blome: Der kleine Wählerhasser (vor dem Lesen)

Wer die Kommentare zu „Augstein und Blome“ beim Freitag verfolgt, oder meine Bilderchen bei Instagram, der weiß: mh liest Blome.

Und es ist nicht leicht, dieser elenden Populistensau eine Chance zu geben. Deswegen zerteile ich die Rezension. Vorher und nachher. Das kennt ihr aus dem Fernsehen, als ihr es in den 70ern noch schautet. Da wurden hässliche Menschen (sexistischerweise meist Frauen) in Hübsch gestaltet und alle staunten.

Um nicht vollkommen nackt dazustehen, habe ich die Einleitung gelesen und landete bei der Frage:

Was erwartet, wer Blome liest? Gemeint ist die Erwartung, die gängige Ressentiments in Form von großen Lettern und kurzen Sätzen überwunden hat. Die Post- „BILD ist so furchtbar gemein und fies und böse“-Phase.

Ich bin kein BILD-Leser. Zu teuer. Und mein Bäcker hat keine BILD ausliegen. Er ist eigentlich auch zu teuer. Die Schlagzeilen bekomme ich entsprechend nicht mit. Aber ich habe unglaublich großen Spaß daran, die BILD online zu besuchen und ihre abstrusen Überschriften ein ums andere Mal ins noch Absurdere zu ziehen und sie dann über Twitter zu verbreiten.

Das sind meine meist angeklickten Links.

Natürlich ist Blome ein Populist. Das musste Jakob Augstein nicht erst gesondert erwähnen. Allerdings, von diesen schwachen Kontras lebt der negative Populismus. Er glänzt dadurch, dass dem Gegner auf dieser Niveau-Stufe nichts mehr einfällt und er nur noch tiefer gehen kann, damit es für die Zielgruppe verständlich bleibt.

Das hat auch der Niggemeier mit seinem Bild-Blog nie verstanden. Wenigstens konnte er ein paar Kröten daraus schlagen, die Kritiker um sich zu scharren. Effekt? Bei Blome kribbelt es im Spaten.

Der kleine Wählerhasser ist ähnlich.

Anmerkung: Das ist doch der Waigel!

Blome weiß, dass er mit einer normalen Analyse der politischen Landschaft kaum punkten kann. Da gibt es so viel bessere Kollegen, so viel tiefgehenderes und seine Popularität ist nun wahrlich nicht dem Metier der knallharten Innenansichten entsprungen.

Er muss also den Spieß umdrehen. Der Bürger, in all seiner Wut, ist das Eine. Nun aber sind es die Politiker, die dieser Wut gegenüberstehen und die ihre arrogante Verachtung dem Mob über das eigene politische Handeln entgegenwerfen. Der Hass auf das Volk, so die suggestiv steile These, verantwortet das Schindluder im Folgenden.

Zum Beispiel keine Rentenkürzungen!

Es ist die zweifache Popudrehung. Die Bekräftigung des Bürgers, das Bekunden seiner Wut. Das Darstellen des Bösen und kurz bevor man zuschlagen möchte, kommt der erhobene Zeigefinger und fordert die Selbstreflektion des Verständnisses ein. Blome beißt nicht spürbar die Hand, die ihm täglich Brot darniederreicht.

Schon in der Einleitung ist er so dreist zu verschweigen, dass viele Annahmen der Politiker auf dem beruhen, was in der Zeitung als Volksmeinung verkündet wird. Dass nun deren Auflagen und die Wahlbeteiligung sinkt, soweit geht es gedanklich nicht.

Immerhin: Blome sagt, dass alle Politiker, somit auch alle Parteien, dem Bürger nichts mehr zu sagen haben. Damit ist er weiter als Augstein, der immerfort Merkel für an allem Schuld befindet.

P.S. Lieber Nikolaus, die Wirtschaftskrise ist noch lange nicht vorüber. Dazu mehr in der Realität, wenn sie über uns kommt. Oder: Einfach mal mh lesen.

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.04.2011 um 12:40
MH, das P.S. ist am wichtigsten! Das andere sind nur dekorative Schallblasen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.04.2011 um 12:41
Schallblasen: die von Blome, auch bei JA habert's, das hat Weizstein ziemlich treffend in einem Kommentar beschrieben
mh
Ich bin extrem geil und hochintelligent, da ist mein erheblich gestörter Geisteszustand absolut nebensächlich.
Mitglied seit:
3 Jahre 15 Wochen
Zuletzt aktiv:
05.10.2011
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 38
Kommentare: 3931
Mein Projekt:
Mein Web:
Logbuch
00:08
gewissen hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:02
Phineas Freek hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:01
h.yuren hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:57
Fro hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:56
Fro hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG