micha74

Blog von micha74

20.09.2009 | 00:13

Zurück in die Zukunft

Zum Thema Freie Schule - Reformschule bzw. Bildungsreform noch dieses:

Das Bildungssystem soll besser werden. Aber wie? Nun, eine Möglichkeit wäre, sich mal dass DDR Bildungssystem anzuschauen. Nein? Ach so, klar:

Pioniere, FDJ, politische Beeinflussung, Höhere Bildung nur bei (zumindest) vorgebender Staatsnähe und und und der Horrorkatalog ist lang, ein CDU Mitglied ihres Vertrauens erläuter das näher. Zwei Dinge gäbe es da zu sagen:

1. Das Meiste stimmt. Leider. wenn auch nicht immer und überall für Jeden ...

2. Das Beispiel DDR sollte stutzig machen, welche Möglichkeiten Schule (der Staat) wirklich hat, Einfluss zu nehmen, aber darum geht es hier nicht.

Wer sich jetzt noch nicht voller Grausen abgewendet hat und einen zweiten Blick riskiert, wird unter der politischen Glocke einige recht interessante Details erkennen. Für Ossis natürlich alles kalter Kaffee, aber vielleicht zur Anregung für den Rest.

Lehrerausbildung an Pädagogischen Hochschulen: Unterrichtsbesuche und praktische Übungen (also selbst Unterricht halten) von Anfang an. Didaktik (im Osten Methodik) zentrale Rolle im Studium.

1-10. Klasse gemeinsamer Unterricht (zwischenzeitlich 1.-8. ) in der POS. Die Polytechnische Oberschule bietet neben den typischen Fächern auch das sogenannte PA (Praktische Arbeit = in Betrieben) ESP = Einführung in die Sozialistische Produktion und TZ = Technisches Zeichnen. Werken und Schulgartenunterricht in den unteren Klassen.

Gemeinsam heißt wirklich gemeinsam, nicht gesamtschulgemeinsam oder mittelschulgemeinsam sondern alle in einer Klasse, ohne Sortierung, Bildungsempfehlung etc. Man kann es glauben. War natürlich ne gaanz andere Zeit damals in der Täterä … Logisch.

11. und 12. EOS = Erweiterte Oberschule.

Daneben: Schulen mit erweitertem Russischunterricht (ab Schuljahr 3. Klasse, sonst ab 5. Klasse, in denen Englisch verpflichtend Zweitsprache war und Französisch fakultativ belegt werden konnte, sonst war Englisch in der DDR ja freiwillig …) mit sogenannten R Klassen, die einen höheren Leistungsdurchschnitt aufwiesen.

Daneben: Netzt von diversen Spezialschulen für besonders begabte Schüler: vor allem: Naturwissenschaftlich-Mathematische Schulen, Sportschulen (KJS) und auch Sprachschulen.

Interessant: Spezielle Förderschulen z.B. für Lese Rechtschreibschwäche (einer meiner Mitschüler in der 1. und 2. wurde dahin „delegiert“). Die Schüler dieser Schulen kamen meines Wissens nach einiger Zeit wieder zurück an die Regelschulen.

Und, sicherlich nicht das Highlight der Liste, Hilfsschulen (hießen oft Makarenko Schulen)

Keine nichtstaatlichen Schulen.

zentrale Lehrpläne, Lehrmittel und Prüfungen

Es geht hier natürlich nicht um ein “So muss es sein!“ - das nicht! Vieles kann und muss man sicherlich hinterfragen. Was aber doch auffällt: Es verwundert (oder auch nicht wirklich), wie vergleichsweise zaghaft heute an Veränderungen herangegangen wird. Gerade der gemeinsame Unterricht erscheint vielen immer noch als die Quadratur des Kreises, als schiere Unmöglichkeit. Unfassbar eigentlich (oder auch nicht wirklich)!

Sollte ich was durcheinander gehauen haben, bitte ergänzen. Is ja schon 20 Jahren her …

Micha74

 
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