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Es ist Zeit, mit einem der mächtigsten Vorurteile über die Buchmesse aufzuräumen. Es lautet: Auf den abendlichen Partys hat man es mit dem üblichen Gelapper und Geplupper zu tun, die gängige Ausdrucksform ist die üble Nachrede - stets mit dem verlogenen Zusatz "Anwesende ausgenommen".
Falsch, falsch, falsch. Die zentralen Gesprächsthemen auf dem gestrigen Messe-Party des S. Fischer-Verlags waren
- Vor und Nachteile des Eurobonds
- Die Zukunft des Eichbornverlags
- Das Feuilleton
Beschränken wir uns auf den dritten Punkt. Ich diskutierte mit dem Kollegen S. über die Folgen, die es hat, wenn sich die Kulturwisseschaften (von Geisteswissenschaften spricht man ja gar nicht mehr) immer mehr feuilletonisieren. Die Folgen, man wird es vielleicht nicht wissen, sind ganz unmittelbar für den Leser einer Zeitung spürbar.
So erschien unlängst im Konstanz University Verlag ein Buch "Despoten dichten", herausgegeben von Albrecht Koschorke. Ich nahm davon Kenntnis und gleich wieder Abstand, dachte ich doch, haha, das ist nun eines von diesem "schrägen" Themen, mit dem Verlag und Autor sich beim Feuilleton anbiedern, die dann etwas extrem "Schräges" über die Lyrik von Gaddafi oder Stalins Sprachreflexionen bringen mögen.
Nicht mit mir! Das aber war ein Fehler, wie Kollege S. glaubhaft vermitteln konnte, denn der Band sei durchaus interessant, und er brachte dann noch allerlei aufschlussreiche Bemerkungen über Radovan Karadzic anbringen, der als serbischer Lyriker noch nach seinem Untertauchen weitergewirkt hat.
Es ist eben weder uns noch denen gedient, wenn Kulturwissenschaftler glauben, sie müssten, um im harten Konkurrenzkampf der Universitäten und der Fachbereiche zu bestehen, mit besonders schillernden, witzigen, kultigen Themen ("Phänomenlogie des Chefzimmers") sich übertrumpfen zu müssen. Die wirklich erstaunlichen Sachen gehen dann unter.
In diesem Zusammenhang möchte ich anmerken, dass eine Kollegin gestern hier an unserem Messe-Stand mit einer Tragetasche vom Island-Forum kam, in der sich - als Geschenk - eine Tube Handcreme befand. Ein Zusammenhang mit dem Gastland war nicht erkennbar.
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Gut und was sagen die Partygäste zur Zukunft des Eichborn-Verlages?
Möglicherweise haben andere Partys andere Schwerpunkte. Um Geld, Sex und Macht geht es direkt oder indirekt fast immer! |
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Ist das feuilletonisieren der Kulturwissenschaften denn schlimm?
Es liegt an den Journalisten in den Feuilletons oben geschildertes zu verhinden. Nämlich das sich Verlage, Künstler, Schriftsteller "anbiedern" oder gegenseitig ausstechen müssen. Die Zeitungsmacher sollten den Blick für das Besonder wahren, das Detail. Und es dabei mit ihrer Unabhängigkeit ernst meinen. |
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Die Eis- & Lava-Saga
Denkste! Das war keine Handcreme. Das war isländisches Eis, in "Stärke" verwandelt mittels isländischem Lavagestein. Ist gut für zartbesaitete Haut und hinterlässt auch beim Umblättern keine (!) Fettflecken. E I C H : Drücken wir der kleinen Fliege kräftig die Daumen! Ihr Aussterben wäre bedauerlich und würde die Artenvielfalt abermals minimieren. Gibt's nicht irgendwo einen saudischen Prinzen, der mit Fussball nichts am Hut hat? B O R N ! So ein richtig flott-fetziges Interview (Das blaue Sofa | extra) habe ich auf 3sat heute Nacht nicht entdecken können. Und selbst "Literatur im Foyer" (SWR) war gemäßigt-turbulent. Hier fehlten Roger Willemsen und Wolf Wondratschek... Schade, dass es keinen Klaus Kinski mehr gibt... |
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"Es ist eben weder uns noch denen gedient, wenn Kulturwissenschaftler glauben, sie müssten, um im harten Konkurrenzkampf der Universitäten und der Fachbereiche zu bestehen, mit besonders schillernden, witzigen, kultigen Themen ("Phänomenlogie des Chefzimmers") sich übertrumpfen zu müssen"
Die Aussage ist als solche sicher richtig. Aber hat sich denn der Anteil der "schrillen" Veröffentlichungen in (bspw.) den letzten 10 Jahren wirklich signifikant erhöht? Oder werden sie nur stärker wahr genommen? Aber sie müssen diese schrillen Sachen ja nicht zur Kenntnis (bzw. ins Blatt ) nehmen. Bzw. wenn sie gut sind dann doch. Äh, jetzt bin ich ganz verwirrt, was wollten sie nochmal sagen? |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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