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Ob FAZ, Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung oder Focus, alle berichteten von der glorreichen Tat von BMW, die Erhöhung der Managergehälter an die Gehälter der Montagemitarbeiter zu koppeln.
Die Reutersmeldung, die vom Focus Online übernommen wurde klingt so:
"Der Autobauer BMW reagiert mit einer neuen Vergütungsstruktur seiner Manager auf die Debatte um gerechte Bezahlung von Führungskräften. BMW plane, die Gehälter seiner Topmanager an die Lohnentwicklung einfacher Arbeiter zu koppeln, sagte BMW-Personalvorstand Harald Krüger der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) laut einem Vorabbericht vom Samstag. Die Spitzengehälter sollen demnach prozentual nicht mehr stärker als das Einkommen der Bandarbeiter in dem jeweiligen Jahr steigen. „Wir stellen sicher, dass sich die Schere im Konzern nicht weiter öffnet“, sagte Krüger. Der Konzern halte vom nächsten Jahr an die Relation zwischen den Gehaltsklassen oben und unten stabil. „In schlechteren Zeiten, mit weniger zu verteilendem Gewinn, schließt sich die Schere sogar ein Stück: Das Management erleidet dann deutlich höhere Einbußen als der Arbeiter am Band“, sagte Krüger."
Wenn man sich diese Jubelmeldung, die aller Ortens so oder so ähnlich publiziert wurde einmal in Ruhe auf der Zunge zergehen lässt, dann fragt man sich, ob die öffentliche Meinung in Deutschland an akutem Denkausfall leidet.
Um die „soziale Wohltat“ von BMW einmal in Zahlen zu packen, habe ich eine Meldung vom März 2009 recherchiert:
"Gespart wird auch an Bonuszahlungen: Jedes Vorstandsmitglied muss laut Reithofer auf etwa 40 Prozent seines Jahreseinkommens verzichten. Für ihn selbst bedeutete das einen Rückgang der Gesamtbezüge auf 2,27 von 3,75 Millionen Euro. Jeder Tarifmitarbeiter erhielt etwa zehn Prozent weniger." (www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,614030,00.html#ref=rss)
Bei solch einem Gehalt könnte der Vorstand für die nächsten 20 Jahre auf Erhöhungen der Bezüge verzichten, denn der Durchschnittsverdienst eines Facharbeiters in der Automobilbranche liegt bei ca. 3.000 Euro brutto im Monat. Jeder kann sich selber ausrechnen, wie viel 4% bei 3.000 Euro ausmachen und wie viel bei ca. 225.000 Euro im Monat. Dann damit zu argumentieren, dass die Schere nicht weiter auseinander klaffe, gleicht schon einem mathematischen Wunderwerk und zeigt mir nur, dass offensichtlich die Nebelbomben der Mathematik auch hier wirken. Soll hier doch BMW als sozial gerechtes Unternehmen verkauft werden und die Idee von: „Wir haben verstanden“ vermittelt werden. Ich kann dies in diesem Zusammenhang nur als zynisch betrachten.
Der bayrische IG-Metallchef Werner Neugebauer sieht es als eine Frage der Kultur im Unternehmen, dass die Managergehälter nicht stärker steigen als die Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mathias Jena, Sprecher der IG Metall Oberbayern, gab auf Nachfrage zu bedenken, dass es in den 70er Jahren ein ungeschriebenes Gesetz gab, dass die Managergehälter nicht höher als das 40-fache eines Facharbeitergehaltes ausmachen dürfen. Dieses Gesetz gelte aber schon lange nicht mehr. „Zu BMW können wir noch keine Aussagen machen, da wir die Regelung im Detail noch nicht kennen, allerdings begrüßt die IG Metall es, wenn die Managergehälter so gestaltet werden, dass die Einkommensschere nicht weiter aufgeht“, so Jena weiter.
Jedoch erinnern mich solche Aussagen an die Sendung „Neues aus der Anstalt“ in der Georg Schramm als der alte hessische Sozialdemokrat und Gewerkschafter August Folgendes zum Besten gab: „Mir kleinen Leute wollen doch nicht viel. Wir wollen nur ein bisschen unsere Ruhe. Wir wollen ein bisschen soziale Sicherheit und ein bisschen Gerechtigkeit und Glück und wenn es dabei gerecht zu geht - auch nur ein bisschen, dann können sie uns auch ruhig bescheißen. ... Wir kleinen Leute sind es doch gewohnt, dass wir beschissen werden.“
Positive PR und Unterstützung aus allen Lagern ist offenbar jedem beschert, der es versteht, eine Selbstverständlichkeit als große soziale Leistung zu verkaufen.
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Die öffentliche Meinung in Deutschland leidet doch nicht an Denkausfall! Diese Meldung beweist doch nur das PR kaum noch kritischen Journalismus berücksichtigen muss, denn der wiederum lässt sich auch kaum noch publizieren. Das hast Du sicher auch hier an der Clearstream Story erlebt?
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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