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Gestern abend wurde ich auf einen Text bei Welt-Online aufmerksam gemacht. Die Überschrift: "Elterngeld - Fortpflanzungsprämie für Unterschicht" lässt schon nichts Gutes ahnen. In diesem Artikel beteiligt sich Gunnar Heinsohn, Professor für Sozialpädagogik, am beliebten Hartz IV-Bashing. Der Inhalt dieses Essays ist geprägt von einer kruden Mischung aus Professoren-Arroganz, Realitätsverzerrung made by Talkshows, kombiniert mit einem Gesellschaftsmodell des 19. Jahrhunderts. Das Schichtenmodell ist spätestens seit René König eines der umstrittensten Modelle der Soziologie, wird aber ob der schnellen Klassifizierung und Einordnungsmöglichkeit immer noch gerne benutzt. Das Klassenklischee der ständig kopulierenden Unterschicht, entspringt nach meiner Meinung einer viktorianischen Triebverdrängung und stellt nichts anderes dar, als die Übertragung der eigenen Sexualphantasie auf eine andere Person, respektive hier auf eine ganze Schicht. Der Zensor des Ich-Ideals muss allerdings gleichzeitig das Ziel der Übertragung verächtlich machen und erniedrigen, um seine eigene Triebstabilität zu bewahren. Außerdem wollte der Professor aus Bremen wahrscheinlich auch mit dem Vorurteil aufräumen, dass Sozialpädagogen Allesversteher seien. Inhaltlich gibt der Artikel weiters nicht viel her, außer die Argumentation, dass die Unterschicht durch eine stärkere Geburtenrate ständig zunehme und die sog. Mittelschicht sich sicherlich nicht vom Elterngeld motivieren lässt, mehr Kinder in die Welt zusetzen. Natürlich kann man über die Wirkung des Elterngeldes diskutieren. Natürlich ist zu fragen, ob damit das eigentlich Ziel erreicht wird. Natürlich muss alles getan werden, um den sog. bildungsfernen Schichten Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Eines zeigt dieser Text allerdings: die neoliberale Leistungsträger-Lüge hat sich in den Meinungen manifestiert. Denn die Leserkommentare zeigen, dass eine absolute Entsolidarisierung in der Gesellschaft in den Köpfen längst vollzogen ist. Junge gegen Alte, Studenten und Hartz IV-Empfänger gegen Steuerzahler und Leistungselite werden gegeneinander gestellt und zum Teil, wie in diesem Artikel, auch aufeinander gehetzt. Die globale Gesellschaft und die Demokratie benötigen mehr Solidarität und nicht weniger. Die oft diffamierten "Gutmenschen" müssen trotz alledem ihre Stimme erheben und gegen solch eine spaltende Rhetorik ankämpfen. Denn der größte Fehler ist zu glauben, dass dies nur wenige seien. Die diskriminierende Sprache ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und macht diese Entwicklung für mich so gefährlich.
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"(...) dass eine absolute Entsolidarisierung in der Gesellschaft in den Köpfen längst vollzogen ist."
Ich hoffe Sie haben Unrecht, befürchte aber Ähnliches. Herr Sarrazin wurde ja auch als der Endlich-sagt-mal-einer-die-Wahrheit-Mann gefeiert. Das lässt schon tief blicken. |
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Ehrlich gesagt, fand ich Sarrazins und Buschkowskys Beiträge richtig. Die Wortwahl ließ mich ein wenig zusammenzucken, aber es sind Themen, die unbedingt diskutiert werden müssen. Der Beitrag von Prof. Heinsohn allerdings hat mich gleich wieder nachdenklich gemacht. So hatte ich mir einen intelligenten Beitrag zum Diskurs jedenfalls nicht vorgestellt. Dran musste ich erkennen, wie wenig konsequent ich doch bin, wenn es wirklich ums "Eingemachte" geht. Die Wortwahl des Sozialpädagogen hat mich erschreckt.
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Haben Sie Sarrazins Interview gelesen? Falls ja, was finden Sie richtig an Sozialeugenik?
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Als Daniel Bahr 2005 sich mit dem Satz vorwagte "In Deutschland bekommen die Falschen die Kinder" wurde er gemaßregelt und entschuldigte sich, der Satz sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.
Jetzt - nach der Wahl der liberal-konservativen Fraktion - und gerade noch rechtzeitig zum Ende des Darwinjahres, wird mit einer ungeheuerlichen Wortwahl ein ihm entsprechender Sozialdarwinismus, eine ihm entsprechende Sozialeugenik propagiert, dass einem nur schlecht werden kann. Was Sarrazin, Sloterdijk, Heinsohn hier propagieren ist Sozialeugenik mit einer entsprechend menschenverachtenden Rhetorik. Ich schreibe hier lieber nicht weiter, sonst rutschen mir Wörter raus, die eher meiner Wut auf diese Kerle entsprächen, als ihre treffende Bezeichnung als freche, menschenverachtende Sozialeugeniker. |
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Als Daniel Bahr 2005 sich mit dem Satz vorwagte "In Deutschland bekommen die Falschen die Kinder" wurde er gemaßregelt und entschuldigte sich, der Satz sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.
Jetzt - nach der Wahl der liberal-konservativen Fraktion - und gerade noch rechtzeitig zum Ende des Darwinjahres, wird mit einer ungeheuerlichen Wortwahl ein ihm entsprechender Sozialdarwinismus, eine ihm entsprechende Sozialeugenik propagiert, dass einem nur schlecht werden kann. Ich führe ja seit langem eine Liste mit klassistischen Politikersprüchen. Was wir in den letzten Wochen erleben, sprengt diesen Rahmen. Was Sarrazin, Sloterdijk, Heinsohn hier propagieren ist Sozialeugenik mit einer entsprechend menschenverachtenden Rhetorik. Ich schreibe hier lieber nicht weiter, sonst rutschen mir Wörter raus, die eher meiner Wut auf diese Kerle entsprächen, als ihre treffende Bezeichnung als freche, menschenverachtende Sozialeugeniker. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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