Michael Martin

Blog von Michael Martin

09.09.2011 | 17:29

Smart Wars zum Beispiel

 

Smart Wars, das klingt zunächst ähnlich wie Chirurgische Kriegführung. Was sich dahinter verbirgt ist zwar nicht so menschenverachtend wie realle Kriege aber beide Begriffe sind irreführend.

Smart Wars ist die Bezeichnung für die Kriegen, die sich die IT-Giganten liefern. Ziel ist es, die anderen auszustechen (besser noch auszuschalten oder aufzukaufen), möglichst weit oben zu landen. Mittel zum Zweck sind Patente bzw. Softwarepatente. Sie waren auch der Hauptgrund für die kürzlich erfolgte Übernahme von Motorola durch Google. Kurz zuvor war Google noch leer ausgegangen, als ein Konsortium (u.a. Microsoft, Apple, RIM) Patente von Nortel erworben hatte.

Neben diesen bekannten Fällen gibt es viele weitere: Microsoft verlangt von den Hersteller von Androidhandys für jedes Gerät eine Lizenzgebühr. Die Höhe dieser Gebühr soll sich im Bereich der Kosten für eine Windows Phone Lizenz bewegen. So gesehen kann es Microsoft egal sein ob ein Smartphone mit Android- oder mit Microsoftbetriebssystem verkauft wird. Als die ersten nicht an die Deutsche Telekom gebundenen Androidgeräte nach Deutschland kamen, waren diese nicht Multitouch fähig — angeblich hatte Apple ein Patent darauf.

Nun könnte man sagen: was solls? Sollen sie ihre Kindereien halt durchziehen, wir merken ja nichts davon. Das stimmt aber nicht wirklich, denn natürlich zahlt der Kunde für die smarten Kriege. Das ist zwar beispielsweise bei der Werbung genau so, nur hat man da eine gewisse Wahlmöglichkeit. Wenn man die  Diskrepanz zwischen Luxus&Lifestyle auf der einen Seite und menschneverachtende Produktionsbedinungen auf der anderen Seite nicht mehr aushält, kann man einen anderen Hersteller wählen. An den Smart Wars kommt man aber nicht vorbei, ausser man kauft gar nicht. Aber warum gibt es sie, wenn sie Geld kosten und Inovatione bremsen, sogar den Verkauf bestimmter Produkte in einigen Ländern unmöglich machen?

An dieser Stelle muss man sich fragen, in welchem Zustand ist die Demokratie (im besonderen in den USA, weil dort diese Kriege bevorzugt ausgetragen werden)? Denn Nutzen ziehen aus Softwarepatenten und Smart Wars eigentlich nur ganz wenige.

Es sind hauptsächlich die Patentanwäte.

Würden Softwarepatenten abgeschafft und "normale" Patente reformiert, bekämen die Microsofts, Apples, HPs und wie sie alle heißen mehr Konkurrenz. Sie müßten schneller werden, bessere Arbeit liefern, aber umbringen würde sie das nicht. Die Produkte würden erheblich preisgünstiger, also vermutlich auch mehr verkauft.

Warum aber nutzt der Souverän nicht seine Macht und ändert diese Dinge (und die tausend anderen, oft viel dringerenden, Missstände, die es gibt)? Sicher, es gibt dieses Versprechen, das alle etwas abbekommen, sogar die Chance haben  ganz weit aufzusteigen. Aber gerade in jüngster Zeit wird es von Tag zu Tag deutlicher und deutlicher: Das Versprechen war eine Lüge. Wir bekommen nichts ab. Im Gegenteil. Und die Angst vorm Abstieg können uns atemlos den "wild gewordnenen Finazmärkten" hinterher hechelnde Politiker doch auch nicht mehr nehmen.

Worauf warten wir noch?

 

Zu Smart Wars:

>Artikel aus der CT

Artikel über die Motorola Übernahme, Spiegel Online

Artikel auf Pro-Linux: Richard Stallman warnt vor europäischem Gemeinschaftspatent

Abrechnung eines Ex-Fans, Spiegel Online

 

 

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 18.12.2011 um 21:46
Sind diese IT Dienste, Microsoft, Google, Facebook, Twitter u. u. eine Art ausgelagerte Geheim- und Nachrichtendienste, die jeder parlamentarischen Kontrolle entzogen sind und alle Geheimdienste der Welt, voran in den demopkratisch verfaßten Ländern, stimmen augenzwinkernd zu?
Michael Martin schrieb am 19.12.2011 um 13:03
"Ausgelagerte Geheim- und Nachrichtendienste" hört sich so an, als habe beispielsweise die CIA beschlossen all diese IT-Dienste oder gar Firmen zu schaffen. Das glaube ich nicht.
Aber sicher werden sie genutzt und die Geheimdienste haben vermutlich ihre helle Freude daran. Die mangelnde Kontrolle ist natürlich ein großes Thema . Aber man kann die user wohl kaum dazu zwingen, weniger von sich preis zu geben. Allein schon Facebook dazu zu bringen, sich an deutsches Recht zu halten erweist sich ja
als äußerst schwierig.
Joachim Petrick schrieb am 19.12.2011 um 13:56
@Michael Martin

"Aber man kann die user wohl kaum dazu zwingen, weniger von sich preis zu geben. Allein schon Facebook dazu zu bringen, sich an deutsches Recht zu halten erweist sich ja
als äußerst schwierig."

Wenn staatliche Dienste, darunter Sicherheits- , Geheimdienste, direkt und indirekt hoheitliche Aufgaben durch Auslagerung immer mehr der Kontrolle der Parlamente entziehen, bedarf es da nicht einer parlamentarischen Kontrolle solcher Globalplayer wie Microsoft, Google, Yahoo, Facebook u. u.?
Michael Martin schrieb am 19.12.2011 um 18:20
Ich bin mir nicht sicher, ob das der richtig Weg wäre.
Auf jeden Fall wären parlamentarischen Kontrollen
der Konzerne schwer zu erreichen, weit schwerer noch als
eine Reform des Patentrechts (um noch einmal auf das Ursprugsthema zurück zu kommen). Und damit wären ja längst nicht alle Zugriffsmöglichkeiten der Geheimdienste unterbunden. Was öffentlich gepostet wird, kann eben jeder lesen. Da sehe ich noch eher Handlungsbedarf bei den Rechten der Behörden, besonders in den USA.
Michael Martin
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Joachim Petrick hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Uwe Theel hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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mcmac hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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