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Im halb ausgestandenen Fieber finden sich hin und wieder die erstaunlichsten Verbindungen. So habe ich gestern auf dem Krankenbett zwei Filme gesehen, die eine quasi mystische Verbindung eingegangen sind: Alejandro Jodorowskis “The Rainbow Thief” und Wenzel Storchs “Die Reise ins Glück”.
Im Ersten geht es um einen alten Gauner (leicht überzogen dargestellt von Omar Sharif), der sich aus Eigennutz um einen Sterndeuter, Milheagre, kümmert, der angeblich Millionen erben soll. Da die anderen Erbberechtigten Milheagre nach dem Leben trachten, muss er sich in der Kanalisation verstecken, wo ihn der Gauner, Dima, mit allem Nötigen versorgt. Letzten Endes stellt sich heraus, dass Milheagre nach alchemistischen Prinzip versucht hat, Dimas Seele zu veredeln. Der Stein der Weisen wäre demnach das Mitleid und die Zuneigung, die Dima für seinen Herrn verspürt. Am Ende nämlich versucht Dima Milheagre vor einer Überschwemmung aus der Kanalisation zu retten. Kurz zuvor jedoch ist er fast soweit, auf einem Schiff anzuheuern, dessen Kapitän Gustav heißt.
Auch bei Wenzel Storch heißt der Kapitän Gustav. Hier hat die Geschichte aber ein anderes Vorzeichen. Kapitän Gustav rettet als Kind einen Jungen namens Knuffi vor dem Ertrinken. Nachdem sie sich über eine Frau zerstritten haben, verlieren sie sich aus den Augen und treffen sich erst viel später wieder. Gustav ist Kapitän und Knuffi der despotische Herrscher eines Inselstaates. Nach mehreren Verwicklungen und Beweisen für Knuffis Grausamkeit und Verkommenheit gelingt es Kapitän Gustav mit einer Zeitmaschine sein junges Selbst davon abzuhalten, Knuffi zu retten. Der zukünftige König Knuffi ersäuft noch als unschuldiges Kind (Das allerdings schon erste Anlagen seines späteren Selbst zeigt).
Bei Jodorowski heißt es, das eigene Seelenheil steht über allem, das glückliche Ende besteht darin, den Gauner geläutert zu haben. Die Millionen bekommt übrigens das Lieblingsbordell des reichen Erbonkels. Bei Storch heißt es auf der anderen Seite, dass eine moralisch falsche Handlung nichtsdestotrotz das Richtige sein kann.
Die Frage, die durch beide Filme aufgeworfen wird, ist also eine Frage der Ethik: Entscheidet das Resultat darüber, wie eine Handlung zu beurteilen ist, oder ist die Handlung selbst zu bewerten? Als Materialist tendiere ich eher zu Wenzel Storchs Variante der teleologischen Ethik, die Krux ist nur, dass er eine Zeitmaschine braucht, damit der Mord an dem Kind Knuffi als das moralisch Richtige zu erkennen ist. Was also tun ohne Zeitmaschine?
Und stellt man sich solche Fragen auch, wenn man nicht gerade mit Fieber im Bett liegt?
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Zur Frage der Ethik in beiden Fällen hat sich der werte Oranier hier geäußert. Für mich war das sehr interessant.
Ohne Zeitmaschine liegt für mich die Lösung nach diesem Blog darin, keine Kinder mehr zu retten. Ich gehe gleich mal raus und fange damit an. |
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Hallo merdeister,
interessant allemal, für meine sieche conditio allerdings auch zu umfangreich. Bin irgendwann gegen Mitte der angeschlossenen Diskussion ausgestiegen. Mir scheint allerdings Hannah Arendts dort beschriebene Position vor allem dadurch bestechend, dass sie - wie so vieles, was an ihrem Denken besticht - aus dem Leben schöpft. Sie beantwortet meine Frage vulgär ausgedrückt so: Ohne Zeitmaschine musst Du wohl einfach mal machen, hoffen, das was Gutes bei rumkommt und sonst gehste noch mal ran und korrigierst. Bei ihr hätte Kapitän Gustav also im Jetzt den bösen König Knuffi abmurksen sollen. Das halte ich für eine gute Antwort und ich würde sagen, Du solltest raus gehen, Kinder retten und Tyrannen abmurksen. Wünsche viel Freude dabei, Mick |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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