Günter Wallraff kritisierte bei der Auftaktkundgebung zur Betriebsratswahlkampagne des DGB vor einer Berliner Schlecker-Filiale, die Politik habe die Vorschläge der Wirtschaft „eins zu eins umgesetzt: die Agenda 2010, Hartz IV, Ein-Euro-Jobber, 400-Euro-Jobs, unbezahlte Dauerpraktika und die Zerstörung gesicherter und langfristiger Arbeitsverhältnisse bei gleichzeitiger Zunahme prekärer Beschäftigungsformen. Und obwohl die Folgen, wie zum Beispiel Alters- und Kinderarmut, brutal zu Tage treten, wird bis heute an der neoliberalen Politik des sozialen Kahlschlags nicht gerüttelt." Die Auseinandersetzungen in den Betrieben würden härter, „nicht erst seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise. Schon seit Jahren versuchen Arbeitgeber, mit längst verboten geglaubter Munition, die Rechte der Beschäftigten zu pulverisieren."

Wallraff weiß, wovon er spricht, denn er hat in der neuen Arbeitswelt recherchiert: Er deckt auf, wie Callcenter-Agenten in einem schleichenden Prozess zu routinierten Betrügern werden, backt im Akkord Brötchen für Lidl unter „Straflager-Bedingungen". Zudem macht er öffentlich, wie verkaufswillige Unternehmer mittels skrupelloser Paragraphenreiter gegen eigene Mitarbeiter vorgehen. Im Winter 2008/2009 hat Günter Wallraff am eigenen Leibe erfahren, wie Obdachlose in Deutschland leben. Er quartierte sich in Obdachlosenheimen ein und verbrachte die kältesten Tage des Winters auf der Straße, bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad.
Um zu erfahren, wie sich „von oben angeheizter Rassismus im Alltag bemerkbar macht", war Günter Wallraff ein Jahr lang immer wieder als Farbiger unterwegs: bei einem Fußballspiel in Cottbus, auf Wohnungssuche in Köln, in einer Rosenheimer Kneipe und bei einer Behörde in Berlin-Marzahn.
Über seine Erfahrungen schreibt er in seinem neuen Buch „Aus der schönen neuen Welt".
Die DGB-Region Leipzig-Nordsachsen lädt herzlich zur Lesung mit anschließender Diskussion ein!
Termin: 19. April 2010, 19.00 Uhr
Ort: Anker, Renftstr. 1, 04159 Leipzig
Eintritt: 5,00 EUR / 3,00 EUR (Schüler, Studenten, Erwerbslose, Rentner, Schwerbehinderte)
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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