Mirabilis

Blog von Mirabilis

03.05.2010 | 18:08

Burkaverbot - Gesetze machen keine Religion

بسم الله الرحمن الرحيم


Eigentlich wollte ich zum Thema "Burkaverbot" nichts schreiben, da ich selbst kein Freund der Burka bin und sie für eine religiöse Übertreibung halte. Die Bedeckung der Körperbereiche, die zu sexuellen Reizen führen können, ist im Islam Pflicht für Männer und für Frauen. Beiden Geschlechtern ist es empfohlen die primären und sekundären Geschlechtsorgane, die Beine und Haare verdecken. In den unterschiedlichen Richtungen des Islams wird diese Empfehlungen je anders interpretiert.

Die Burka entspringt einer extremeren Auslegung des Quran und der Hadithe, die von der Mehrheit der islamischen Gelehrten abgelehnt wird, soweit ich es überblicken kann. (Die Begründungen erspare ich mir an dieser Stelle. Wer mehr wissen will, mag sich gern bei mir melden.) Diese Ablehnung der Burka ist eine innerreligiöse Begründung, die von moderaten Imamen auch in Deutschland gepredigt wird und der auch ich zustimme. Doch im Islam gibt es keine zentrale Autorität, sondern eine enorme Pluralität in den Auslegungen. Jeder darf frei entscheiden, welchen Gelehrten und welcher Auslegung er folgt, denn jeder muss sich dereinst für seine Taten selbst verantworten. Aber das nur am Rand.

Doch nun versuchen europäische Politiker die Burka zu verbieten. Die Politik wagt einen Eingriff in eine Weltreligion, greift tief in die persönlichen Rechte von Gläubigen ein. Unter dem Deckmantel einer "Befreiung" der Frau, versucht man eine Begradigung des Islams, so daß er in die Toleranz einer christlichen Mehrheit passt. Wie kann es einer Befreiung der Frau dienen, wenn man ihr staatlich vorschreiben will, welche religiösen Symbole sie trägt, ja sogar wie sie sich kleidet? Schreibt man als nächstes einem Mann vor, dass er keinen Bart tragen darf? Verbietet man einer Nonne ihre Tracht?

Es geht doch in erster Linie um eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten einer Religion. Dabei erwähne ich nicht mal die Beschneidung der Religionsfreiheit... Man stelle sich mal vor, dass eine europäische Regierung die katholische Kirche zwingen würde weibliche Priester zu erlauben, das Zölibat aufzuheben oder auch homosexuelle Priester (offiziell) zu erlauben. Oder gar das tragen oder zeigen von Kreuzen zu verbieten... Vielleicht gibt es ja Menschen, die sich von einem Kreuz auf einem großen, alten Haus in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen... Der Aufschrei bei derartigen Verboten wäre zurecht enorm...

Es scheint wirklich langsam so, daß wir undankbaren Muslime uns entschuldigen müssen, dass wir diese Art von Freiheit nicht wollen. Wir haben uns (besonders in Europa) diese Religion ausgesucht, mit allen Konsequenzen.

Passen wir nicht die Gegebenheiten unserer Toleranz an, sondern unsere Toleranz den Gegenheiten!

 

C. S. Wunderlich

 
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Kommentare
Fritz Teich schrieb am 04.05.2010 um 05:55
<<
Daniel Bacquelaine, Fraktionschef der liberalen Partei MR, ist einer der Architekten des Gesetzes. Der "voile integrale", also die Vollverschleierung, sei ein Verstoß gegen die Grundwerte der belgischen Gesellschaft, sagt er.
>>
Mirabilis schrieb am 04.05.2010 um 11:15
Mit welcher Begründung? Wo verstößt ein Kleidungsstück gegen Grundwerte? Läuft eine Frau mit extremen Minirock oder einem riesigen Ausschnitt rum, darf ich dann auch klagen? Weil sie damit meine Würde oder meinen guten Geschmack verletzt?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.05.2010 um 15:25
Ich glaube nicht, dass diejenigen, die ein Burka-Verbot in Erwägung ziehen, damit Gewalt ausüben wollen. Ich habe es an anderer Stelle schon mehrmals beschrieben, warum meiner Ansicht nach so eine Ganzkörperverschleierung nicht in eine säkularisierte Gesellschaft passt, bzw. dort stört. Wer ein bisschen Phantasie hat , kann da selbst auf vieles kommen. Ich selbst würde auch niemals auf die Idee kommen, etwas verbieten lassen zu wollen, nur weil es mir nicht gefällt. Aber darum geht es doch hier auch nicht. Es geht darum, der Umgebung, der Kultur, innerhalb derer z.B. Moslems sich entschlossen haben, zu leben,
sich anpassen zu wollen, oder nicht ! Das ist nach meinem Empfinden ein Gebot der Urmenschlichkeit ! Bevor ich z.B. in eine Wohngemeinschaft einziehe, informiere ich mich erst einmal, wie es dort zugeht und was diese Leute dort eventuell ständig nerven könnte an mir. Wenn ich dann so etwas entdecke und ich weiß, dass ich das nicht abstellen kann oder will, dann ziehe ich natürlich dort nicht ein. Ich würde niemals auf die Idee kommen, zu sagen: Hey, Leute, das und das nervt Euch zwar an mir, aber ihr habt das nunmal zu tolerieren und wenn ihr das nicht tut, dann seid ihr böse Menschen !
Mirabilis schrieb am 12.05.2010 um 17:54
Sei gegrüßt.

Wenn dem Nachbarn deine Freundin nicht gefällt, schaffst du sie ab?
Oder deine Lederjacke, weil dafür ein Tier starb? Darf ein Vegetarier nicht in eine Straße mit einer Currybude ziehen, weil er kein Fleisch isst?
Darf eine Nonne nicht in die Nähe eines FKK-Strands ziehen? Mich stört das Kreuz, was der Nachbar um den Hals trägt: muss er es abnehmen?

Man kann von niemandem verlangen, dass er/sie sich in derart grundlegenden Dingen anderen Menschen anpasst.
Mirabilis
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