Louis van Gaal hielt sich vor dem sechsten Spieltag bedeckt: eine Bewertung des Saisonstarts wollte er erst nach der Nürnberg-Partie am Samstag vornehmen. Am Ende hieß es 2:1 für die Bayern im Südderby und der knorrige Holländer konnte nach dem späten Siegtreffer durch van Buyten (82. Minute) aufatmen. Schön war das Spiel der Bayern zwar nicht, aber am Ende war der Sieg gegen die defensiv aufgestellten Franken auch nicht unverdient.
Die Bayern dürfen sich als Gewinner des Spieltages fühlen, das Team belegt nun den dritten Tabellenplatz. Die führenden Teams aus Hamburg und Leverkusen haben bei ihren Spielen gegen Frankfurt und Bremen jeweils zwei Punkte liegen gelassen – somit haben die Bayern nur noch drei Punkte Rückstand auf das punktgleiche Führungsduo.
Am anderen Ende der Tabelle konnte Köln Boden gut machen. Der FC zeigte in Stuttgart zwar keine Glanzleistung, dafür aber immerhin couragierten Defensivfußball. Gegen einfallslos stürmende Schwaben reichte eine konsequente Konterstrategie zum 2:0 Erfolg – der erste Saisonsieg für die Spieler von Coach Zvonimir Soldo. Mit der Niederlage fällt der Champions-League Teilneher VfB Stuttgart auf den 15. Tabellenplatz und schlittert immer tiefer in die Krise.
Verloren hat auch Hertha BSC, mal wieder. Die Berliner kamen am Sonntag mit 0:4 gegen Aufsteiger Freiburg unter die Räder, und das zuhause. Damit ist der total verkorkste Saisonauftakt amtlich: Nur drei Punkte auf dem Konto; fünf von sechs Spielen haben die Blau-Weißen verloren. Ein zerknirschter Kapitän Arne Friedrich entschuldigte sich nach der Partie bei Gott und der Welt. Und Trainer Lucien Favre muss allmählich um seinen Job fürchten.
Marcel Koller hat derartige Sorgen bereits nicht mehr. Der Bochum-Coach wurde nach der 2:3 Heimpleite gegen Mainz am Sonntag entlassen. Peinlich: ein VfL-Mitarbeiter hatte eine Meldung über die Demission bereits Stunden vor der offiziellen Verkündung auf die Vereinshomepage hochgeladen. Die wohl erste Trainer-Kündigung per Internet und der dritte Rauswurf in der noch jungen Saison.
Nächsten Samstag treten die Bayern zur Spitzenpartie in Hamburg an. Durch einen Sieg im Abendspiel (Anpfiff 18:30) können die Münchner zum HSV aufschließen. Der Tabellenzweite Bayer Leverkusen muss sich ein paar Stunden zuvor in Köln mit den wieder erstarkten Geißböcken auseinandersetzen. Für Hertha geht es derweil ans Eingemachte: das Tabellenschlusslicht muss in Hoffenheim bestehen. Gut möglich, dass Kapitän Friedrich dann wieder ein paar gute Argumente für eine Entschuldigung braucht.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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