mischa

Blog von mischa

12.02.2009 | 01:54

Up in Smoke

Neue Gesetze zum Nichtraucherschutz sollen her, stolze 16 an der Zahl. Die Nord-Süd Verdrehung ist perfekt: Während Bayern - Vorreiter in Sachen rigider Gesetzgebung - wieder Ausnahmen schafft, erwägt Hamburg das totale Rauchverbot.

Vor ein paar Tagen war ich in einem Hamburger Kellerlokal. Kein besonders schönes, um es gleich zu sagen. Doch in diesem Laden geht es nicht um Stil. Eher geht es um höllisch scharfe Hühnerflügel und Bier aus Eimern.

Da es noch früh am Abend war fielen mir ein paar Sachen auf: zum einen war der Geschäftsleitung neuerdings die umsatzsteigernde Wirkung attraktiven Bar-Personals bekannt. Zum anderen fiel mir der wechselvolle Umgang mit einem leidigen Thema auf: dem Rauchverbot.

Jedes mal, wenn ich in dem Laden war (vielleicht drei Mal im letzten Jahr) wurde der Umgang mit Rauchern anders geregelt. Beim ersten Mal durfte unser Grüppchen an einem Tisch in unmittelbarer Nähe zum Tresen nicht rauchen. Am Tresen selbst jedoch sehr wohl – dort war eine virtuelle „Raucherzone“ eingerichtet. Unsere Servicekraft mit der Ausstrahlung einer Knastaufsicht erstickte jeden klugscheißerischen Logikversuch im Keim.

Beim nächsten Mal war das Rauchen ohne Wenn und Aber verboten.

Und dieses Mal: das hübsche Mädchen in Schwarz stellte tatsächlich die Frage des Ausgleichs: Raucher oder Nichtraucher? Wir besahen den kleinen, etwas ungemütlichen Raum in hinteren Teil und nahmen im Nichtraucherteil Platz. Ich musste staunen und merkte erleichtert an: „Es ist schön zu sehen, dass Common Sense sich durchgesetzt hat.“ So kann man’s doch machen - Platz ist für alle da.

Am nächsten Tag jedoch riss mich ein aus dem Autoradio scheppernder  Newsflash aus allen Illusionen. Gestern – also bereits vor meiner trügerischen Beobachtung – hatte es im Hamburger Rathaus nämlich eine Expertenanhörung gegeben - vor dem Gesundheitsausschuss. Dort sei es zu einer Überraschung gekommen. Vertreter sämtlicher Fraktionen hätten sich für ein absolutes, ultimatives und unwiderrufliches Rauchverbot ausgesprochen (mit Ausnahme der FDP, deren Programm sich im zurückliegenden Wahlkampf auf eine „Rettet die Eckkneipen“ Kampagne beschränkte).

Ich hörte noch etwas von der Notwendigkeit, Rechtsicherheit herzustellen. Ein Herr, dessen Parteienzugehörigkeit ich nicht mehr bestimmen kann, durfte ein paar Worte sagen: „In Bayern hat man ja zur Überraschung Aller gute Erfahrungen mit dem absoluten...“ Hallo? Bayern? Glaubt die weiß-blaue CSU nicht ernsthaft, erst durch das strikte Rauchverbot die absolute Mehrheit vergeigt zu haben – und schraubt dieses derzeit zurück? Ist München nicht in Rekordzeit zur Welthauptstadt der Raucherclubs aufgestiegen?

Diese Fragen haben im Jinglehagel des Privatradios natürlich keine Chance. Fakt ist: so lange es Gesundheitsausschüsse gibt, wird es Menschen geben, die das Rauchen ohne Wenn und Aber untersagen wollen. Die gefühlte soziale Erwünschtheit ist der ausschlaggebende Punkt, vielleicht auch das Gefühl etwas Gutes zu tun. Common Sense, persönliche Freiheit und ein nüchterner Umgang mit den tatsächlichen Gefahren des Passivrauchens haben hier wohl keine Chance.

Und so wird dank Föderalismusreform erst mal weitergewurschtelt, in 16 Ländern, auch im Stadtstaat. Hier hat das letzte Wort die Bürgerschaft. Wie sagte ein kluger Bayer: Schau’n mer mal!

 
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Kommentare
klagefall schrieb am 13.02.2009 um 21:07
Typischer Beitrag eines Rauchers zum Thema. Für mich brachte das Rauchverbot einen riesigen Kulturfortschritt -- endlich konnte ich wieder in meiner Lieblingskneipe sitzen, ohne nach einer halben Stunde Kopfschmerzen zu haben. Und dann kamen die Juristen und rissen alles wieder ein.
EtienneRheindahlen schrieb am 13.02.2009 um 21:29
Common sense - ja, so kann aus Respekt, Solidarität und Empathie Gemeinschaft gelebt werden. Ganz einfach - auch ohne Büttel und Verbote.
fload schrieb am 16.02.2009 um 16:17
@klagefall: Dass Mischa Raucher ist, les ich nicht unbedingt heraus.

Den Kern kann ich allerdings als gebürtig münchnerischer Hamburger nur unterstreichen: Ich hatte das Gefühl, dass sich das Rauchverbot in Hamburg recht gut bewährt hat, eben mit einer Liberalität, die auch ganz gut hierher passt. Dass man nun das nun wirklich gänzlich gescheiterte bayerische Rauchverbot kopiert (wer in München war, weiß, dass man dort nicht mehr in die Kneipe, sondern in den "Raucherclub" geht und unterm Strich mehr geraucht wird als in Hamburg), verstehe wer will. Ich nicht.
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