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Wer Matthias Dells beschauliche Sonntagskrimi-Runde verfolgt, weiß um meine nicht geringe Krimi-Schwäche.
Das geht nun über den Fernsehfilm hinaus, auch dass ich Bücher liebe, dürfte in dieser Community bekannt sein. Ich las im Krimigenre schon einiges an Schund und Großartigkeiten, aber das Liebste ist mir auch hier - wie bei Tatort und Polizeiruf - die Reihe.
Letztes Jahr las ich - nach einer großen Enttäuschung durch seinen Roman „Barins Dreieck“ - noch einmal verschschiedene Fälle von Hakan Nessers Van Veeteren.
Vor wenigen Wochen war es Liza Marklund. Die eigenwillige Figur Annika Bengtzon ist mir schon vor Jahren ans Herz gewachsen und so musste ich, bevor ich zwei ihrer neueren Fälle lesen konnte, schnell nochmal die alten Bände hervorkramen.
Nicht nur einmal, sondern immer wieder geht es mir so mit Martha Grimes‘ Inspektor Jury. Sein erster Fall führte ihn Anfang der Achtziger Jahre, noch vor meiner Geburt, in das beschauliche Dörfchen Long Piddleton in Northamptonshire, wo er einen intelligenten Landadligen, dessen garstige Tante, einen überdrehten Antiquitätenhändler und eine geheimnisvolle und irgendwie traurige junge Frau trifft. Bis heute sind diese Figuren in beinahe jedem weiteren Fall dabei. Plant, der seine Adelstitel mittlerweile abgelegt hat, wird zu seinem besten Freund und ewigen Sidekick, er ist nicht nur die zweite Haupt- sondern auch meine Lieblingsfigur, ein Crush - wie gerne würde ich mit ihm ein Glas Port vor dem Kamin in Ardry End trinken und mir eine Zigarette aus seinem edlen Etui reichen lassen.
Mit den Jahren - Grimes schreibt wie eine Maschine beinahe jedes Jahr einen neuen Band, bis heute, der aktuellste erschien 2010 unter dem Namen All die schönen Toten - kommen immer mehr liebens- oder zumindest bemerkenswerte Figuren hinzu.
Im Original sind die Bände nach Pubs benannt, die sich in der Nähe des Tatorts oder zumindest der Ermittlungen befindet. Im Deutschen ist dies, wie so oft, lieblos gelöst. Bis Mitte der Neunziger Jahre führten sie alle Inspektor Jury und einen gewissen Bezug zum Fall im Titel - Insektor Jury besucht alte Damen, Inspektur Jury geht übers Moor, Inspektor Jury lichtet den Nebel - was absurd ist, da er schon nach dem 2. Fall zum Superintendenten befördert wird.
Danach drifteten die Titel ins vollkommen Beliebige ab - Blinder Eifer, Fremde Federn, Die Trauer trägt Schwarz ... was bedeutet das, was sagt das aus?
Aber das ist ja leider keine Seltenheit, die im schwedischen Original sprechenden Titel von Stieg Larssons Millenium-Trilogie sind im Deutschen mit Verdammnis, Verblendung und Vergebung... nunja: vergeigt.
Wiederholt durfte ich lesen, dass Grimes als veritable Nachfolgerin von Agatha Christie gelte, für wen ist natürlich nicht in Erfahrung zu bringen. Ihre Fälle sind very britisch und reiten liebevoll auf einigen Klischees herum, verzwickt, spannend und größtenteils sehr intelligent. Was sie ausmacht ist aber die liebevolle und sehr detaillierte Charakterzeichnung. Das lässt mich wieder und wieder zu ihnen greifen, und trotz der schwankenden Qualität und vor allem in den späteren Bänden oft nervigen Redundanzen doch stets die neueren Fälle kaufen. Es ist jedesmal als würde ich alte Freunde wiedertreffen. Man schwelgt ein wenig, entdeckt alte Eigenheiten neu oder findet zu seiner eigenen Überraschung noch eine neue Seite.
Auch wenn man beim wiederholten Lesen manchmal doch erinnert, wer der Täter war (was seltener volkommt, als man meinen sollte, sie sind doch wirklich oft sehr geschickt gemacht), tut das der Spannung nur selten einen Abbruch.
Trotzdem ist jedem, der zufällig über solch ein Buch stolpern sollte, zu raten ganz vorne zu beginnen. Denn wenn man - wie ich gerade - einen so klugen und liebevoll gezeichnetet Krimi wie Inspektor Jury sucht den Kennington-Smaragd (1982) in den Händen hält, fallen einem erst wieder die Schwächen der späteren Bände auf. Die lohnen sich wirklich vor allem für eins: die liebgewonnenen Protagonisten, die alten Freunde, wieder zu lesen.
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Ich lese eigentlich gar keine Krimis.
Eine Freundin hat mir jedoch vor zwei Jahren Hakan Nesser ans Herz gelegt und auf ihren Rat hin las ich dann "Kim Novak badete nie im See von Genezareth", was vielmehr eine wundervolle Coming-of-Ages-Geschichte mit eingebautem Verbrechen ist, denn ein typischer Krimi. Ich habe noch ein paar andere Nesser-Bücher gelesen, aber bewusst die Kommissar-Reihen ausgelassen. "Barins Dreieck" habe ich zwei Mal angefangen und nie zu Ende gebracht, insofern hattest du da vermutlich Pech. "Liebe Agnes" ist auch noch toll. Und "Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla". Gerade habe ich doch was mit einem Kommissar von ihm gelesen: "Eine ganz andere Geschichte". Das war okay, aber ich bin ganz froh, dass ich im Anschluss daran endlich mit der "Liebeshandlung" anfangen konnte! Ein ganz schöner Kontrast von der nordischen Distanziertheit hin zur blumigen, dichten Erzählweise Eugenides'. Mein Krimi-Bedarf ist also vorerst gedeckt, aber ich komme beim nächsten sehr gerne auf Grimes zurück. Danke. |
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Kim Novak badete nie im See von Genezareth mag ich auch gerne, Barins Dreieck ist dagegen glaube ich schlicht und einfach ein schlechtes Buch. Passiert den Besten, wie es scheint. Ich konnte und will und werde das nicht zuende lesen, und das tue ich oft selbst bei dem größten Schund.
Dem anderen Komissar (Barbarotti?), aus dessen Reihe auch das von dir erwähnte Buch stammt, bin ich bisher auch aus dem Weg gegangen, ich sah das ein oder andere Buch bei meinem Vater herumliegen, aber das wird mir dann doch alles etwas viel. Van Veeteren reicht. Irgendwo in meiner virtuellen Schublade müsste ich auch noch ein Textfragment über ihn (Bzw. die Reihe) herumfliegen haben, mal schaun ob ich das wiederfinde. Lustig dein Hinweis auf Eugenides, bei mir war es nämlich genau andersherum, offenbar brauchte ich, bevor ich mich dem stellen konnte, etwas leichtes, bekömmliches und freue mich jetzt um so mehr auf und über die Liebeshandlung |
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Ich habe vor einigen Jahren festgestellt, dass ich mehr und mehr Krimis las. Ich mag sie. Auch und gerade in Reihen.
Grimes allerdings habe ich nach ein paar Bänden aufgegeben - ich konnte mich mit ihrem Stil nicht anfreunden. Meine Lieblinge sind auf Dauer Elizabeth George und Faye Kellerman. Auch da ist nicht jeder Band gleich gut, aber ich kann nicht sagen, dass sie zunehmend schwächer würde. Nesser - ich habe mehrere Bände der Van-Veeteren-Serie gelesen, aber dann mochte ich nicht mehr. Mankell war auch gut. Aber ohne Wallander? Eher nicht. Dann gibt es verschiedene Pathalogie-Serien, Patricia Cornwell war gut, ließ aber merklich nach, Reich's Tempe Brennan ist mir lieber - im Buch, die Serie muss nicht sein. Warum gibt es so etwas kaum auf deutsch? Da fällt mir allenfalls Ani ein. |
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Ich glaube du hast exakt den Krimigeschmack meiner Lieblingsnachbarin und alten Freundin.
Von der habe ich auch meine ersten beiden Jury-Romane geerbt, sie konnte damit nämlich gar nichts anfangen. Stattdessen las sie zu der Zeit viel Elisabeth George und Mankell. Beides finde ich eigentlich gut aber.. es fängt mich nicht. Da les ich dann einen Band und dann ist auch gut. Später las sie wie du Patricia Cornwell und auch hier: Ich lese einen, brauche aber nicht mehr davon. Was sie zuletzt verschlungen hat war Simon Beckett. Faye Kellermann kenne ich gar nicht, vielleicht ändere ich das demnächst! Deutsches fällt mir da auch gar nicht ein, warum dieser unsägliche Sebastian Fitzek so gelobt wird geht zumindest nicht in meinen Kopf, Die Therapie gehört zumindest zu den schlechten Büchern, die so schlecht waren, dass ich sie nicht gleich wieder vergessen habe. |
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Faye Kellerman solltest du lesen, von ihrem Mann, Jonathan, habe ich auch etliches, aber er ist m.E. nicht halb so gut.
Aber hier gilt: unbedingt mit dem ersten Band anfangen, weil er für die Entwicklung des Ermittlers entscheidend ist. Beckett habe ich noch nicht gelesen, der kam wohl erst in Mode, nachdem ich aus D weg war. Hach, ich müsste mal wieder Bücher kaufen gehen .... |
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Nachtrag: Friedrich Anis "German Angst" könntest du aber mal probieren. Oder einen anderen seiner Südwind-Reihe.
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Wenn ich »Long Piddleton in Northamptonshire« lese, muss ich gleich an dieses Kleinod denken. Ich lese so gut wie nie Krimis, habe aber erst kürzlich einen Brenner-Roman von Wolf Haas gelesen.
Im allgemeinen ist das eigentliche Verbrechen immer das Uninteressanteste, sondern eher das Nebenher, als metaphysische Spekulation, die große Kunst, was wohl niemand besser bewiesen hätte, als Friedrich Dürrenmatt. |
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Wenn Du keine Krimis magst, aber Wolf Haas Dir gefällt, dann lies mal seinen Roman 'Das Wetter vor 15 Jahren'!!
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ich!
Danke für den Link und den herzhaften Lacher. Erst am Wochenende habe ich mich über Freidrich Dürrenmatt im Allgemeinen und Der Richter und sein Henker im Speziellen unterhalten, leider war es irgendwann mitten in... am frühen Morgen, die Details bekomme ich nicht zusammen. Was ich noch zusammenbekomme: wir waren beide voll des Lobes. |
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schrieb am
31.01.2012 um 23:35
@le mademoiselle
Ja, Der Richter und sein Henker ist ganz große Kunst. Ich kann mich an die Details nicht mehr so gut erinnern, aber die Konstruktion ist schon genial. Die Fortsetzung kommt da etwas sehr offensichtlich daher. Vor allem Das Versprechen finde ich großartig, weil das Buch und der Film (Es geschah am hellichten Tag mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe so einen schönen Kontrast bilden. Insgesamt auch ein schönes Beispiel, was Film und Buch voneinander Unterscheidet, denn die amerkanische Verfilmung des reinen Buchstoffes The Pledge funktioniert als Film nur mäßig. @goedzak Ist notiert. |
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Der Einbruch kam mit dem Hype um und den vielen Epigonen von 'Sakrileg' (Dan Brown), einem exorbitanten Schmarren. Seit dem sinkt mein ursprünglich großer Krimikonsum stetig, denn der Serialkiller-Vatikan-Koch-Wein-Ökothriller-Scheiß, Pardon, ist nur noch ärgerlich.
Eine Ausnahme war in letzter Zeit Don Winslow. Ansonsten bleiben die Klassiker unerreicht: Simenon hat über siebzig Maigret-Romane geschrieben. Ich bin bei Nr. 25. |
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Geh mir weg mit Dan Brown, lieber goedzak!Dem Quatsch habe ich mich erfolgreich verweigert, und schaffe es trotz aller Widrigkeiten ("Schau mal, das woll wirklich ein ganz tolles Buch sein!") das auch durchzuziehen, denn zumeist kann man diese Richtung noch 100m gegen den Wind riechen und schnell weglaufen, also: nicht lesen.
@Klassiker: und da wären noch Poirot und Miss Marple, und... genau. :) |
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schrieb am
31.01.2012 um 23:46
Was Ihr euch aber unbedingt einmal antun müsst, wenn Ihr eine launigen und spannenden Blockbuster-Schnitzeljagd-Abend haben wollt, ist die Dan-Brown-Verfilmung »Illuminati« – voll auf die Zwölf. So etwas zu lesen, da denke ich nicht mal im Traum dran. »The Da Vinci Code – Sakrileg« könnt Ihr euch aber ersparen.
Eine Frage in die Runde, hat jemand einmal »The Long Goodbye« von Raymond Chandler gelesen. Der würde mich nämlich evtl. reizen. |
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Goedzak: ja, Simenon. Maigret liebe ich, aber nur im Original.
Dan Brown fand ich fürchterlich, eines reichte mir. |
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Sehr, sehr gute Krimireihe gesucht? Dann ...
www.sammler-editionen-news.de/allgemein/delikte-indizien-ermittlungen-die-kuli-krimi-reihe-aus-der-ehemaligen-ddr.html ... leider kommen keine Telefonate mit Mobile Phones vor. Wa? |
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Was will ich denn mit Mobile Phones?
Wie gesagt, die Jury-Reihe beginnt Anfang der Achtziger Jahre und ist schon von Beginn an von einer gewisen Nostalgie getragen. Melrose Plant, der Snob ist ein wandelnder Anachronismus und Jury selber hadert ständig mit den Modernisierungen (außerdem war das alte Scotland Yard viel schöner!) und schwelgt in einer unglücklichen Vergangenheit. Aber ein guter englischer Tee hilft gegen alles. Danke für den Tipp, die schaue ich mir beizeiten an! |
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Ich mag Krimis auch sehr. Die britischen Sachen sind mir manchmal zu langweilig, aber wie du das so toll beschrieben hast, konnte ich micht total gut reindenken! ;O)
Danke dafür. |
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Ich danke dir für das Lob!
Was die Langeweile betrifft, hätte ich britisch damit niemals in Verbindung gebracht, aber so ist das mit den Geschmäckern... |
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Danke. ;O)
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José „Pepe“ Carvalho von Manuel Vázquez Montalbán.
Krimis zum "reinbeissen". Auch auf Deutsch... ;-) |
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Barcelona!
Jetzt frage ich mich doch woher ich den kenne, ohne mich daran erinnern zu können etwas gelesen zu haben. Danke! :) |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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