mKlenk

paso critico

12.05.2009 | 07:53

Doch noch kein Ende vom Virus

Am Freitag habe ich mich aufs Land aufgemacht um mich etwas vom Großstadtstress zu erholen. Als ich dann im Landhaus eines Freundes ankam, erreichte mich eine SMS. Inhalt: erste Tote (3) im Bundesstaat Jalisco und Schließung aller Vergnügungs- und Bildungseinrichtungen eine Woche mehr. Im Radio durfte man dann die Stimme des Gouverneurs hören, in der er seine Punkte "zum Schutze des mexikanischen Volkes" herausposaunte. Bis zur kleinsten Botana (meist Orte mit Plastikstühlen und Bier) soll alles bis zum 18. Mai geschlossen bleiben im gesamten Bundesstaat. Das wird mal wieder eine öde Woche für die meisten Jaliscaner. Der nächste Clou ist dann der Vorschlag, dass Eltern doch ihre Kinder bitte zu Hause unterrichten und sie nicht all zu sehr dem Fernseher überlassen sollten. Wer mexikanische Haushalte kennt, weiß dass die meisten Wohnungen und Häuser über 2 oder mehr Fernseher verfügen (Verbreitung von Fernsehgeräten in Mexiko liegt bei fast 100 %), aber kaum über ein vernünftige Auswahl von Standardliteratur. Abseits des unausreichenden Bildungsangeboten und des miserablen Bildungssystems sind die meisten weiterhin dazu verdonnert arbeiten zu gehen und stehen vor dem Problem, wohin sie in dieser Zeit ihre Kinder schicken sollen. 

Ein weiteres Bonbon an der Schnittstelle Politik und Bürger zeigte mir eine Anekdote des Wochenendes. Der Vater eines Freundes sitzt zufälligerweise auch in der Kommission, welche sich um die medizinisch- wissenschaftliche Beratung der Landesregierung bemüht. Wie ich da zu hören bekam ist es mit der Kompetenz des Landesgesundheitsminister doch eher schlecht bestellt und er nicht befähigt komplexere medizinische Sachverhalte zu verstehen. Wie man auf dieser Grundlage Entscheidungen zum Wohle der Bevölkerung treffen kann bleibt mir schleierhaft. Auch sind Mundschutz und etwaige Assecoires, wie mir aus Expertenhand erklärt wurde, absolut unbrauchbar, wenn man nicht erkrankt ist und nutzen ganz allein den großen Drogerieketten, bei denen Atemmasken bereits am ersten Tag ausverkauft waren. Jetzt gehen viele für viel Geld über den Tisch. Einige bezahlten bereits 50 Pesos das Stück, der Mindestlohn liegt bei 45 Pesos pro Tag, wer sowas bezahlen kann ist dann auch ziemlich offensichtlich und zeigt eben genau die Lücke im mexikanischen Gesundheitssystem, in dem man gesund bleibt, wenn man es bezahlen kann.

Die Rückkehr in die Stadt war für mich leider unausweichlich. Auffällig war nur, dass der große Medienhype extrem nachgelassen hat. Die Halbwertszeit von Nachrichten scheint sichtbar gesunken zu sein in den letzten Jahren. Lediglich hier in Mexiko ist es weiterhin ein wichtiges Thema, welches aber eher Rufe nach einem schnellen Ende des Ausnahmezustandes hervorruft. Ob die denn nächste Woche der Fall sein wird steht in den Sternen, oder auf dem Ablesezettel eines Ministers.

 
Senden Bookmarken Drucken
mKlenk
Lebt in Mexiko und arbeitet hier als Lehrer und Übersetzer. Nebenher versucht er sich noch als Autor.
Ort:
Guadalajara
Mitglied seit:
3 Jahre 15 Wochen
Zuletzt aktiv:
11.05.2011
Status:
Publizist
Aktivität:
Beiträge: 13
Kommentare: 25
Mein Web:
Logbuch
01:42
mcmac hat gerade einen Kommentar geschrieben.
01:35
Joachim Petrick hat gerade einen Kommentar geschrieben.
01:34
Amanda Donata hat gerade einen Kommentar geschrieben.
01:31
DandelionWine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
01:29
freedom of speech? hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG