mKlenk

paso critico

09.07.2010 | 04:41

Oaxaca- ein Dorf in Angst

Der Tag begann wie so oft. Aufstehen, Zähne putzen, Gesicht waschen und dann ab die Tiere füttern. Jeden Tag das gleiche Prozedere. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, doch es dröhnte bereits Musik aus den im Dorf verteilten Boxen des Bürgermeisters. Zwischen den Liedern machte er Bekanntmachungen jeglicher Art. Heute fällt der Sportunterricht in der Grundschule aus oder es wird ein schöner sonniger Tag. Pedro war ganz guter Laune, im Gedanken erinnerte er sich ans Wochenende und an den baile, wo er endlich das erste Mal mit Maria getanzt hatte. Es kostete ihn soviel Überwindung, da er dieses Mädchen nie richtig einschätzen konnte und nie wusste, ob sie irgendetwas, und wenn es auch nur das geringste wäre, für ihn empfand. Aber Samstagabend traute er sich und sie sagte ja. In dieser Nacht war er der Glücklichste Teenager im Dorf. Als sie tanzten spürte er alle Blicke auf sie gezogen. Die Frauen, da sie anscheinend mehr wussten als er und die Männer zum Teil aus Eifersucht und zum Teil mit einem Lachen im Gesicht, lachend über die Unbeholfenheit Pedros. Aber das war ihm jetzt auch egal. Sollten sie doch lachen, am Ende hat er es geschafft. Das allein zählte.
Als er in den Stall zu den Hühnern kam, schlich ein ungutes Gefühl in ihm hoch. Er wusste nicht genau was es war. Doch die Tiere schienen aufgewühlt und unruhig, so als ob irgend etwas geschehen war. Er beeilte sich mit dem Füttern, kippte dabei mehrfach den Eimer vor Erregung um und rannte dann schnell hinaus.
Er war nicht der Einzige, dem etwas aufgefallen war. Hier in den Bergen Oaxacas lebte man mit der Natur und man verstand es sie zu lesen. Und alle wussten, wenn die Tiere unruhig sind, dann muss etwas gewesen sein. So traf Pedro bereits mehrere Bewohner am Haus de Bürgermeisters vor. Der selbst nicht genau wusste was zu tun war.
"Liebe Companeros, ja irgendetwas scheint vorgefallen zu sein, aber nein ich habe keine Ahnung was. Wir sollten erst einmal Ruhe bewahren und alle befragen, um sicher zu gehen. Hat von euch jemand etwas merkwürdiges entdeckt?" fragte der Bürgermeister, sichtlich überrannt, in die Runde.
Keiner antwortete. Pedro machte seinen Vater in der Menschentraube auffindig und ging auf ihn zu. "Vater, die Hühner…" "Ja, ich weiß mein Sohn. Mir haben es die Hunde und die Bäume gesagt." unterbrach ihn sein Vater leise.

 
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Kommentare
mKlenk schrieb am 09.07.2010 um 04:43
hier möchte ich euch in unregelmäßig- regelmäßigen Abständen einen kleinen selbstgeschriebenen Krimi zu teil kommen lassen. Leider gibt es keine kategorie literatur..
gibt es noch die literaturseite im Freitag!? ich hoffe darauf...
koslowski schrieb am 09.07.2010 um 08:36
Las heute Morgen unter "Vermischtes", in Oaxaca habe ein Politiker von der "Partei der institutionalisierten Revolution" ( ? ) zwei ( ? ) andere Politker ( der Linken ? ) erschossen, weil die sich zu sehr über seine Niederlage gegen einen konservativen Rivalen gefreut hatten. Scheint ein Ort zu sein, in dem Politik noch ernst genommen wird und radikale Lösungen favorisiert werden. Macht mich auf deinen Krimi neugierig.
mKlenk schrieb am 09.07.2010 um 13:57
das freut mich..er ist auch eher politisch gedacht.
In Oaxaca geht es derzeit drunter un drüber. Letztes Wochenende waren Regionalwahlen und die PRI hat erstmals seit 70 Jahren den Gouverneursposten abgeben müssen...Zudem wurden Urnen geklaut. Das ganze Programm eben. Man kann also gespannt sein.
mKlenk
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