mKlenk

paso critico

02.02.2011 | 07:45

Welcome to the war zone

Nun also doch. Der Drogenkrieg (narcoguerra) ist auch in meiner Stadt, in Guadalajara, angekommen. Noch weiss ich nicht was ich davon halten soll. Aber es fuehlt sich nicht gut an. Gerade als wir eine Szene fuer einen Kurzfilm einuebten, begann mein Handy zu klingeln, es kamen Sms an. Allesamt von Freunden, die mich warnten, doch vorsichtig zu sein. Zuerst war sogar davon die Rede, dass es zwei Schiessereien direkt vor meiner Haustuer gaebe. Zum Glueck hat sich das nicht bestaetigt. Zumindest bis jetzt nicht. Bestaetigt sind bisher sieben Schiessereien, Granatenwuerfe und sogenannte narcobloqueos (Drogenleute blockieren Strassen mit brenndenden Autos). Was klar wird, dass es die wohl letzte Warnung der Narcos ist und Guadalajara sich auf einen aehnlichen Alltag wie in Staedten wie Monterrey, im Norden Mexikos, einstellen kann. Dort sind Schiessereien an der Tagesordnung und es kann dann schon mal sein, dass man nicht zur Arbeit oder nach Hause fahren kann, weil es Blockaden oder Schiessereien auf dem Weg gibt.

Die Nachrichtenseite milenio.com hat direkt eine Stadtkarte mit den verschiedenen Punkten, an denen Ereignisse dieser Art stattfanden eingezeichnet. Sieben sind gemeldet, doch sicher sind es mehr. Das ist auch der eigentliche Punkt der wehtut. Man weiss nicht wirklich wo, was und wann passiert oder passierte. Die einzigen sicheren Quellen sind Nachrichten von Freunden und Bekannten, auf die man sich verlassen muss, um sicher dorthin zu kommen, wo man gerade hin muss. Seit im letzten Jahr einer der Grossen des Drogengeschaefts in Guadalajara und Mexiko, Nacho Coronel, bei sich zu Hause von 200 Soldaten ueberrannt und erschossen wurde, scheint die Stadt zunehmend chaotischer. Alteingesessene Narcos schliessen ihre Diskos, weil es selbst ihnen zu heiss wird und seit Anfang diesem Jahres gibt es mindestens 3 Tote pro Tag im Bundesstaat Jalisco, dessen Hauptstadt Guadalajara ist. Bisher war die Gewalt eher an der Periferie zu verorten, in den Stadtteilemn Tonala und Tlaquepaque, doch mit dem heutigen Tag, naehert sie sich zunehmend dem Kern der zweitgroessten Stadt Mexikos.

Zumindest bleibt die Hoffnung, dass es nicht so schlimm endet und Guadalajara weiter eine ruhige, schoene Stadt bleibt, in der es Spass macht zu leben. Die Bewohner (tapatios) lassen sich jedenfalls nicht so schnell klein kriegen. Auf meinem Nachhauseweg waren die Strassen voll Menschen, auch wenn es deutlich weniger waren und die Atmosphaere eine andere.  Keiner hier moechte im Kriegsgebiet enden. Wenn ich die Posts meiner mexikanischen Freunde in Facebook lese, dann weiss ich zumindest, dass sie sich nicht kleinkriegen lassen und ihren Alltag ganz normal weiterleben.

 

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Startseitenfoto: Hector Guerrero/AFP/Getty

 
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mKlenk
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