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Er hat die Großen geärgert, war immer gut für ein Bonmot, galt als schillernd, erster bekennend schwuler Verantwortlicher eines deutschen Profivereins und Symbolfigur für das Öffentlichkeitsbild eines ganzen Stadtteils - Corny Littmann, viel beschriebener, oft belächelter und in Sankt Pauli nicht selten beschimpfter Präsident des Stadtteilvereins geht, wenn es am Schönsten ist.
Der Verein feiert in diesen Tagen medienwirksam seinen 100. Geburtstag, steht finanziell das erste Mal seit Menschengedenken auf halbwegs sicheren Beinen, wekelt fleißig an der zweiten von vier Tribünen um das Stadion zu komplettieren und hat zu allem Überfluss vor ein paar Wochen den nicht zu erwartenden Aufstieg in die Erste Bundesliga vollbracht. Dort waren die "Freibeuter der Liga" (eine Bezeichnung bei der inzwischen jeder Paulianer die Augen rollt) seit 2002 nicht mehr zu sehen. Welchen besseren Tag könnte es also für den kleinen Theatermann mit Sinn für die große Dramaturgie geben, als nach dem Jubiläumsspiel gegen den befreundeten Celtic FC aus Glasgow?
Nun ist es so, dass Littmann durchaus nicht komplett aus dem Verein verschwindet, er bleibt weiterhin Geschäftsführer der St Pauli Service GmbH, eine Verknüpfung übrigens, die ihm seinerzeit als Profitgier ausgelegt wurde. Auch sonst ist das Verhältnis selbst in diesen rosigen Zeiten nicht unbedingt unproblematisch zwischen Präsident und Fangemeinde. Zuletzt war die Entfremdung zu beobachten bei den faninternen Ausschreitungen beim Heimspiel gegen Hansa Rostock, die sich nicht zuletzt daran entzündeten, dass sich das Präsidium nicht an getroffene Absprachen zu der Anzahl der Auswärtsfans hielt. Nach der Protestaussperrung der eigenen Fans am Millerntor drohte Littmann den St. Pauli Ultras mit drakonischen Strafen. Auch der kometenhafte Aufstieg des Vereins in die Gefilde des Profisports wird in der Fanszene nicht nur positiv aufgenommen. Zu vielen scheint dabei die Identität des "anderen" Vereins verloren zu gehen zwischen modernisiertem Stadion, großen Werbepartnern und professioneller Vermarktung.
Parallel dazu gibt es an der Mannschaft nichts zu mäkeln, die nicht zuletzt unter Littmanns Ägide zusammen gestellt wurde und unter Sportmanager Helmut Schulte und dem Trainergespann Stanislawski/Trulsen in keiner Weise an die überteuerten Einkaufsstrategien der Präsidiumsvorgänger erinnert, die St. Pauli immer wieder in den Ruin stürzten. Die Identifikationsgurus Stani und Truller sind so sehr mit dem sportlichen Erfolg verbunden, dass die sonstigen Entwicklungen im Verein von den meisten Anhängern billigend in Kauf genommen werden. Und zumindest in diesem Bereich hat Corny Littmann von Beginn an klar gestellt dass er "von Fußball keine Ahnung" habe. Das wiederum war den Fans damals auch nicht recht, letztlich half die strikte Trennung von Geschäftlichem und Sportlichem aber, den Verein zurück auf Erfolgskurs zu bringen. Aber Corny war und bleibt eine Figur, an der sich die Fanszene spaltet. Auch sein Abgang wird von manchen als letzte große Selbstinszenierung gesehen und durchaus nicht nur betrauert.
Zumindest dem Vorwurf, den FC St. Pauli nur zu seinem eigenen Imagegewinn zu nutzen um seine Theater zu bewerben, hat der clevere Präsident ein für alle mal den Wind aus den Segeln genommen. Ob sein Nachfolger Fanbasis und Vereinsinteressen wieder dichter zueinander führen kann und dabei dennoch die Weiterentwicklung des Clubs fortführen kann, bleibt abzuwarten.
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Was nur sollte das Dementi kurz vor der Presseerklärung? Er ist halt nicht nur Dramaturg sondern auch Dramatiker ;)
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Kam das Dementi nicht eher aus dem Verein? Aber das hat mich auch gewundert, vielleicht zur Spannungssteigerung? Gerüchte gab es jedenfalls schon seit einigen Tagen.
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Corny Littmann war genau richtig für den FC. St. Pauli, so einen guten Mann kriegen sie vielleicht nicht so schnell wieder.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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