Moritz Piehler

Crossroads

25.06.2010 | 17:39

I like to move it, move it

In den USA bewegt sich was. Hauptsächlich U-Haul Laster offenbar. Denn Amerikaner ziehen gerne und oft um. Elf Mal wechselt ein Amerikaner im Schnitt die Behausung im Leben. Flexibilität könnte man das nennen. Oder Wurzellosigkeit. Vielleicht liegt das schon in der Geschichte der Besiedelung des Landes begründet. Das Konzept vom Häusle bauen und sich dann für immer niederlassen liegt den meisten US-Amrikanern jedenfalls sehr fern. Forbes hat jetzt eine interaktive Karte veröffentlich, auf der man für jedes einzelne County im Land haargenau nachvollziehen, wie viele Menschen dort hin- oder weggezogen sind und woher sie kamen oder wohin sie gingen. Das ergibt dann ein witziges Liniennetz, das im Detail hauptsächlich für Soziologen interessant sein dürfte.

Aber in den Großstädten wirft es doch sehr spannende Fragen für sonstige Beobachter auf. New York scheint weiterhin sehr attraktiv zu sein, das verwundert nicht weiter. Metropolisierung, Mediencluster, Lifestyle ziehen immer noch weit mehr Menschen nach Manhattan, als die Großstadt unzerkaut wieder in alle Richtungen des Landes ausspuckt. Richtig attraktiv ist Seattle, obwohl es da nachweislich durchgehend regnet und im Winter saukalt ist. Dafür kann man Wale sehen und hat eine lebendige Musiszene ohne den Stress einer echten Millionenstadt. Nachvollziehbar also, das die ganze USA auswandert Richtung Seattle. Los Angeles dagegen verliert in alle Himmelsrichtungen. Was ist da los? Doch genervt von Arnie? Oder dem Smog? Oder liegt es an der strauchelnden Filmbranche? Scheinbar ist easy-going nicht mehr angesagt, nur aus New York ziehen viele Amerikaner nach Kalifornien. Vielleicht aus Mitleid. Oder wegen der milden Winter. Ganz sicher sind die auch in Grund, warum halb Neu England sich Richtung Miami aufmacht, interessant wäre dazu allerdings eine demografische Karte. In Florida altert man nachweislich genüsslicher, wenn auch nicht langsamer.

Klarer Verlierer unter den Metropolen des Landes ist allerdings neben LA eindeutig Detroit. Nachdem kaum noch Motoren von den Laufbändern der Motor City aus verschickt werden, ist die Stadt zu einer der Ärmsten im Land geworden. Die Industralisierung, die ursprünglich Arbeiter aus dem ganzen Land angezogen hatte, erweist sich bei einer Fixierung auf eine aussterbende Branche als echter Push-Faktor. Die ehemaligen Fabrikarbeiter probieren ihr Glück jetzt wieder dort, wo sie einmal hergekommen sind. In den ehemals armen Südstaaten, in Texas oder New Mexico. Fragt sich nur, wer dann noch die ganzen Autos bauen wird, um die U-Haul Flotte in Bewegung zu halten. 

 

 
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Kommentare
Magda Albrecht schrieb am 25.06.2010 um 17:58
Coole Übersicht! Ich bin doch echt ueberrascht, wie viele Daten da erhoben werden konnten, denn es gibt ja keine Meldepflicht in den USA.
Moritz Piehler schrieb am 26.06.2010 um 02:46
Ich glaube, dass die Counties das anhand der Steuerabrechnungen des Jahres gemacht haben, weil zu den einzelnen Wanderungsbewegungen ja auch der Einkommensdurchschnitt einzusehen war. Meldepflicht geschweige denn Personalausweise gibt es ja tatsächlich nicht in den USA.
ed2murrow schrieb am 25.06.2010 um 18:55
gern gelesen
B.V. schrieb am 26.06.2010 um 12:38
Interessanter Beitrag. Das Autofahren ist ja in den USA sehr entspannt und macht irgendwie Spaß. So ein modernes "Zigeunerleben" muß nicht von Nachteil sein, zumindest als Single oder Pärchen, mit Familie ist es sicher anstrengend. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, auch mal für längere Zeit, in den USA in einem dieser Riesenwohnmobile (da braucht man sowieso keine Wohnung mehr) zu leben und durch´s Land zu streifen.
luggi schrieb am 26.06.2010 um 14:20
@B.V.
Ähem, aber nicht mit dero Vorbereitung
Moritz Piehler schrieb am 26.06.2010 um 15:55
Das sind ja auch keine Amerikaner, das sind Engländer. Die kommen ja spätestens beim dritten Umzug wieder in der gleichen Stadt an. ;)
B.V. schrieb am 30.06.2010 um 13:18
Nö, so nicht! :-)))
Moritz Piehler
Moritz ist freier Journalist und Fotograf aus Hamburg. Studiert hat er mal Amerikanistik, Lateinamerikastudien und Sport, Grund genug, sich in diesen Themen weiter zu bewegen.
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