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Jetzt ist es also amtlich: unabhängig von dem Ausgang der Partie heute abend wird es einen europäischen Weltmeister bei der ersten WM auf dem afrikanischen Kontinent geben. Dass es dabei möglicherweise mit Deutschland und Holland zwei der ehemals recht aktiven Kolonialmächte sein könnten, die sich in Südafrika am Sonntag krönen lassen, ist da eher traurige Randnotiz. Fußballerisch sind die drei überzeugendsten Mannschaften übrig geblieben und auch wenn heute abend eine davon mit dem Kleinen Finale Vorlieb nehmen muss, wird es ein würdiges Endspiel am Sonntagabend geben. Schade war es um Ghana, die sich so gesteigert haben und an den spannendsten und knappesten Spielen dieser WM beteiligt waren. Ihnen hätte man den Triumph gegönnt, als erste afrikanische Mannschaft ins Halbfinale einzuziehen und für die "Black Stars" wäre selbst das Spiel um Platz drei ein sensationeller Erfolg gewesen, ähnlich wie auch fur Forláns Uruguayer, wenn sie den Frust über die gestrige Niederlage verdaut haben.
Sonntagsschüsse und Abseitstore
Die Niederländer sind ein wenig schwer einzuschätzen bei dieser WM. "Foetball total" ist es nun wirklich nicht, was die Mannschaft von Bert van Marwijk in Südafrika präsentiert. Selbst, wenn es das Ergebnis von gestern abend vermuten lässt. Aber die fünf Treffer des Spiels spiegeln schon fast die Anzahl der Torchancen wider. Zwei schön anzuschauende Sonntagsschüsse zum 1:1 Halbzeitstand, viel mehr an Offensivaktionen gab es nicht zu sehen. Von Uruguay war es nicht anders zu erwarten, die Elftal dagegen nutzte ihre spielerische Überlegenheit zu selten. Nach dem etwas glücklichen 2:1, einem schwer zu sehenden, aber eindeutigen Besipiel von Aktivem Abseits, blitzte das Können der Oranje Kicker kurz auf. Plötzlich lief der Ball, auch dank des eingewechselten van der Vaart. Daraus resultierte dann auch der vorentscheidende Treffer durch das neugeborene Kopfballungeheuer Arjen Robben, dem sonst nicht viel gegen tapfer verteidigende und gut gestaffelte Uruguayer Defensivkräfte gelingen wollte. Wie wenig man im Team Uruguays danach noch an den Sieg glaubte, ließ sich an der Auswechslung Forláns sehen. Zehn Minuten vor dem Ende nahm Trainer Oscar Tabarez seinen Star vom Platz. Dabei folgte die aufregendste Phase des Spiels erst nachdem die neunzig Minuten abgelaufen waren. Uruguay gelang tatsächlich das 2:3 in der 92. Minute, es folgte aufgeregtes Gerenne und lange Einwürfe in den Strafraum, der vollgestopft mit plötzlich kopflosen Holländern war, die ihren sicher geglaubten Sieg in Gefahr sahen. Am Ende reichte es, aber überzeugend war das Spiel der Niederländer nicht.
Alles neu bei Oranje
Effektiv ist die Mannschaft dagegen schon. Holland hat gelernt, das schöne Spiel hintan zu stellen und dabei im Gegensatz zu den Brasilianern nicht vergessen, ein paar Freiheiten für ihre Kreativspieler einzubauen. Manchmal scheinen die sich etwas unsicher zu sein, wann Linientreue und wann Freigeist angebracht ist. Aber selbst durch Rückschläge wie Forláns Ausgleich geht dir Ordnung nicht verloren. Marwijk hat dem Spiel seiner Mannschaft ein neues Gesicht gegeben, auch wenn er das natürlich abstreitet. Das Das neue Gesicht der Niederländer könnte am Sonntag ein strahlendes sein, wenn sie den ersten WM Titel überhaupt in Empfang nehmen. Ein wenig erinnert das holländische Spiel aber an die deutsche WM 2002, wo man vornehmlich gegen schwächere Mannschaften mit konzentrierter Abwehrleistung und ein paar offensiven Geistesblitzen bis ins Finale kam, um dort dann an den Brasilianern zu scheitern, ausgerechnet in dem Moment, wo die deutsche Mannschaft den schönsten Fußball dieses Turniers spielte. Es liegt jetzt an Marwijk und seinen Köpfen auf dem Spielfeld, zu verhindern, dass den Niederlanden das gleiche Schicksal widerfährt.
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Der doch differenzierte und Kritik aufscheinende Text scheint für mich im Widerspruch zu stehen zum Titel: "strahlend oranje". Denn "strahlend" waren die oranje gestern nun echt nicht.
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Na strahlend waren die Gesichter der Spieler und der Fans, nicht so sehr das holländische Spiel. Und das konnten sie ja auch sein, beim größten Erfolg seit 32 Jahren.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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