"Mary & Max" ist die wunderbare Freundschaftsgeschichte eines achtjährigen australischen Mädchens und eines skurilen sehr einsamen jüdischen Mannes, die zufällig aufeinander stoßen. Die Begegnung der beiden, die sich lediglich in Briefen manifestiert, dient nicht nur dazu, die merkwürdigsten Fragen und Beobachtungen ihrer Umwelt miteinander auszutauschen, sondern gibt den beiden auch Halt in einer Welt, in der sie keinen richtigen Platz finden können. Animationskünstler Adam Elliot hat sich die kleinen Fragen des Lebens (Schrumpfen Schafe bei Regen?, Atmen Schildkröten durch den Hintern?) gesucht, um mit schwarzem Humor aber sehr liebevoll mit den großen umzugehen. Was hält einen am Leben, wenn man eigentlich vollkommen allein auf der Welt ist? Wer seinen Oscar prämierten Kurzfilm "Harvie Krumpet" aus dem Jahr 2003 gesehen hat, der wusste schon, dass auch animierte Knetfiguren sehr, sehr traurig sein können. Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte das jetzt augenblicklich nachholen:
In "Mary & Max", der das Sundance Festival eröffnen durfte, finden sich zahlreiche Motive aus dem Kurzfilm wieder, nicht zuletzt die Liebe für Skuriliträten des Alltags, das kindliche Bestaunen von menschlichen Merkwürdigkeiten und die unglaubliche Ansammlung an Schicksalsschlägen, denen der Australier Elliot seine Hauptfiguren aussetzt. Man wird auf die Lebensreise des Mädchens mitgenommen, vom lieblosen Aufwachsen im Elternhaus, über die erste Liebe, die Unizeit und stets bleibt der New Yorker Brieffreund Max in seinem Einzelapartment die einzige Konstante. Umgekehrt hat Max in Mary jemandem, der er seine Irritationen des Alltags erzählen kann. Selten hat sich jemand getraut, so abgrundtief traurige und ziemlich hässliche Figuren wie diese beiden zu seinen Hauptcharaktern zu erklären. Bei Max erklärt sich sein merkwürdiges Dasein schließlich durch das Asperger Syndrom unter dem er, nun ja, nicht direkt leidet, denn in seiner autistischen Art ist Max eigentlich ganz zufrieden. Aber eben sehr schnell irritiert vom Verhalten anderer Menschen, das er emotional oft nicht einordnen kann. Wie jede Freundschaft kommt auch die zwischen Mary und Max irgendwann in eine tiefgreifende Krise, als Mary über die Erkrankung von Max promoviert und ihn damit schwer kränkt. Es ist eine der seltsamsten Freundschaften, die man auf der Kinoleinwand bisher sehen konnte und wer Spaß hat an detailreichen und mit viel Humor ausgestatteten Animationen, wird "Mary und Max" lieben. Man muss sich nur darauf einstellen, dass auch Knetfiguren depressive Züge haben können und man sich ihnen sehr empathisch verbunden fühlen kann.
Wie immer sollte man versuchen, den Film im Original zu sehen, da die Sprecherrollen mit Toni Collette, Phillip Seymour Hoffman und Eric Bana im Original hochkarätig besetzt sind. Vor allem aber gilt: Man sollte ihn sich überhaupt anschauen und in der liebevollen Parallelwelt irgendwo zwischen "Science of Sleep" und "Wallace und Gromit" ein wirklich schönes Stück Filmgeschichte entdecken.
"Mary & Max" läuft seit dem 26.8. in den deutschen Kinos
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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