Moritz Piehler

Crossroads

05.07.2010 | 15:11

Uruguay: Last und Hoffnung

Und schwupps da ist sie dahin, die so oft beschriebene Überlegenheit der südamerikanischen Mannschaften bei diesem Turnier. Statt vier Teams stellt der Kontinent nun nur noch eines unter den vier besten der Weltmeisterschaft. Und das ist ausgrechnet Uruguay, die viele wohl noch weniger unter den letzten Acht vorhergesehen haben, als Paraguay. Das letzte Mal, dass ein Team aus Uruguay so lange bei einer WM mitspielen durfte, liegt mittlerweile 40 Jahre zurück. Bei der WM in Mexico 1970 schieden die Urus erst im Halbfinale gegen den Erzrivalen aus Brasilien aus, nachdem sie zuvor die große UdSSR nach Verlängerung mit 1:0 bezwungen hatten. Vierzig Jahre sind seit der Niederlage von Guadalajara vergangen, eine lange entbehrungsreiche Zeit für ein Land, das bis dahin im Fußball ziemlich erfolgsverwöhnt war. Zwei Titel und zwei Halbfinalteilnahmen bei den ersten sieben Weltmeisterschaften sorgten dafür, dass die Mannschaften aus Uruguay berühmt und berüchtigt selbst in Europa waren. Als dann mit dem jungen Pele der Stern der Brasilianer als Ballzauberer und Fußballästheten aufzusteigen begann, versank Uruguay fußballerisch im Niemandsland. Ganze fünf Mal konnten sie sich nicht einmal mehr für die WM qualifizieren seit 1970. Auch 2006 in Deutschland fehlte ein Team aus Uruguay. Bei den Südamerikanischen Meisterschaften sieht es etwas rosiger aus, 1995 wurde der letzte Titel in der Copa América eingefahren, immerhin ein kleiner Trost für die Seele des Landes. Dieses Mal mussten die Anhänger lange zittern, bevor sie sich sicher sein konnten, dass die Sonne Uruguays auch in Südafrika erstrahlen würde. In der Qualifikation wurde man nur Fünfter, musste zu K.O.-Spielen nach Costa Rica reisen. Dort gewann das Team aus Südamerika mit 1:0, das 1:1 in Uruguay reichte dann knapp zur Qualifikation gegen den Fußballzwerg aus Mittelamerika. Insofern trat Uruguay die Reise ans Kap als absolute Außenseitermannschaft an.

Die kleine Hexe und die Last eines Kontinents

Jetzt aber trägt das kleine Land, geografisch und fußballerisch eingequetscht zwischen Brasilien und Argentinien die Hoffnungen des ganzen Kontinents auf den Schultern der Nationalmannschaft. Im Halbfinale am Dienstag warten die sehr effektiven aber nicht spielerisch überzeugenden Niederländer, die den großen Rivalen Brasilien mit ihrer besten Turnierleistung nach hause schickten. Die Uruguayer sind bisher noch ungeschlagen, lediglich gegen die französische Mannschaft gab es zum Auftakt ein torloses Unentschieden. Gegen Ghana musste die Latte in der Nachspielzeit der Verlängerung für Uruguay retten, dann durfte das Team um Starstürmer Diego Forlán über das Halbfinale jubeln. Der unter dem Spitznamen der kleinen Hexe Cachavacha bekannte Forlán wurde vorher als einer der potentiellen Stars der WM gehyped, konnte aber ebenso wie viele der Hoffnungsträger nicht wirklich überzeugen. Immerhin trifft er im Gegensatz zu Rooney und Co., drei Mal war er schon mit seinem imposanten Schuss zur Stelle. Dass er unter Druck spielen kann, bewies Forlán nicht zuletzt im Europapokalfinale im Mai, als er Athletico fast im Alleingang zum 2:1 Sieg über Fulham schoss.

Gegen die Niederlande müssen sich die Südamerikaner neben Forlán wohl auch wieder ein wenig auf ihr Glück verlassen, denn mit Robben und van Persie warten überragende Stürmer auf die Abwehr Uruguays. Sollten sie es ins Finale von Johannesburg schaffen, wäre es die ganz große Chance, die Geister der Urahnen vergessen zu machen, die noch jeder Mannschaft zum Verhängnis geworden sind.

 
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Kommentare
jayne schrieb am 05.07.2010 um 15:21
kann mit einem Rücken-Portrait von Forlan dienen ...
2010 Fußball-WM
Moritz Piehler schrieb am 05.07.2010 um 15:45
Da ist die Ähnlichkeit zur kleinen Hexe unverkennbar...
Moritz Piehler
Moritz ist freier Journalist und Fotograf aus Hamburg. Studiert hat er mal Amerikanistik, Lateinamerikastudien und Sport, Grund genug, sich in diesen Themen weiter zu bewegen.
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