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Er konnte einem schon sehr leid tun, der kleine karnickelzüchtende Philipp Lahm, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, wie er da stand im Spielertunnel des Moses Mabhida Stadions in Durban und mit den Tränen kämpfte, während er versuchte, die unsäglichen Fragen des Reporters professionell zu beantworten. Eben hatte unter dem imposanten Bogen des Stadions der große Traum vom ersten WM Titel seit 1990 sein Ende gefunden, grausam zu Fall gebracht durch den wuchtigen Kopfstoß des an Mel Gibson in "Braveheart" erinnernden spanischen Abwehrrecken Puyol. Wie schon im Sommer 2006 endet der Auftritt der deutschen Spieler im kleinen Finale, dem einst als Trostpreis verspotteten Extratermin vor dem kurzen Urlaub, der den Nationalspielern noch vor dem Bundesligabeginn bleibt.
Die Enttäuschung ließ sich auch in Bastian Schweinsteigers fast ohnmächtigem Zusammenbrechen auf dem saftigen Rasen von Durban erkennen. Dieser inoffizielle Kapitän auf dem Feld, der auch in diesem Halbfinale mit bedingungslosem Einsatz glänzte und seine Mannschaft mehr als einmal vor gefährlichen spanischen Angriffen bewahrte. Auf der Auswechselbank sah man Per Mertesacker, der nordisch-sachlich schon direkt nach dem Abpfiff mit Oliver Bierhoff diskutierte. Und im Hintergrund von den etwas sprachlosen symbiotischen Analysten Netzer/Delling sah man ein blondes Kind im Deutschland Outfit bitterlich schluchzen, minutenlang.
Plötzlich sympathisch
Es ist etwas interessantes passiert bei dieser WM. Was mir 2006 noch eher suspekt war, der Schweini/Poldi Jubel, das völlig fußballferne Anhimmeln der Spieler, es hat sich zu etwas Verdientem entwickelt. In Südafrika spielte eine Mannschaft, die man sympathisch finden kann. Die fußballerisch überzeugten, auch oder vielleicht sogar gerade bei der Niederlage gegen Serbien. Eine neue Generation von relativ redegewandten Kickern, die trotzdem nicht herzlos roboterhaft wirkt und mit denen man in der Niederlage genau so leidet, wie man sich nach gewonnen Spielen mit ihnen freut.
Mittlerweile kennt man die Gruppe und wird viele noch weitere Jahre begleiten. Es sind keine vereinzelten Nachwuchstalente mehr, die im Training die Bälle tragen und die Hütchen aufstellen müssen, wie es noch vor ein paar Jahren gewesen wäre. Friedrich und Klose sind die Ältesten, die einzigen, die man vielleicht bei der EM 2012 nicht mehr sehen wird. Der Großteil der Mannschaft aber verspricht große Spiele in den nächsten Jahren. Es gibt kein Zurück mehr, ein Lothar Matthäus wird nicht mehr reaktiviert werden und vielleicht wäre es sogar tatsächlich ein Fehler, sich den Capitano Michael Ballack wieder ins Boot zu holen, so unbestritten seine fußballerischen Qualitäten sind. Dieses Team braucht keinen Anführer mehr, hinter dem man sich verstecken kann , sie sind vom Schweini zum Manne gereift. Es bleibt die Enttäuschung, dass mehr drin gewesen wäre, auch gestern gegen taktisch disziplinierte und spielerisch starke Spanier. Es fehlte der Mut, die Chuzpe, die man noch in den Spielen vorher sehen konnte und die plötzlich aus einem Underdog voller Youngsters einen Mitfavoriten auf den WM Titel gemacht hatten. Vielleicht war es gerade das, was die Mannschaft irgendwie befangen machte. Es hat ihr aber auch geholfen, den Ruf der deutschen Teams in Ausland erheblich zu verbessern. Von Kampfmaschinen und Panzern sprechen nur noch einige Verwirrte. Zum größten Teil wurde der Mannschaft attestiert, attraktiven, modernen und mutigen Fußball gespielt zu haben. Die hervorragende Nachwuchsarbeit, die sich ja auch am U-21 Europameistertitel ablesen ließ, wurde ausführlich gelobt und in Frankreich und England sogar als Maßstab für den eigenen Wiederaufbau genommen. Das kann sich diese Mannschaft an die Brust heften, auch wenn es kein Ersatz für den vierten Stern ist. Natürlich bleibt es fraglich, ob es noch einmal die Chance geben wird, in ein WM Finale einzuziehen. Ein Ausrutscher in einem K.O.-Spiel passiert auch den besten Teams. Aber selbst dann müsste man sich nicht mehr über Bratwurst Fußball und uninspirierte Kicker ärgern, sondern könnte vorm Fernseher sitzen und sich wünschen, den kleinen Phillip Lahm in den Arm zu nehmen und zu trösten. Der Gedanke kam mir bei Carsten Jancker nie.
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Abgesehen davon, daß ich den Spieler Carsten Jancker klasse fand, stimme ich zu. Die Positivisierung der Nationalmannschaft schreitet damit auch bei mir voran, der ich im Kaiser den Kaiser sah und im Netzer die Tiefe der Bananenflanke im Torraum des heutigen Hintergrundungeheuers. Hach, war auch schön ...
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Abgesehen davon, daß ich den Spieler Carsten Jancker klasse fand, stimme ich zu. Die Positivisierung der Nationalmannschaft schreitet damit auch bei mir voran, der ich im Kaiser den Kaiser sah und im Netzer die Tiefe der Bananenflanke im Torraum des heutigen Hintergrundungeheuers. Hach, war auch schön ...
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schrieb am
09.07.2010 um 11:51
In der Tat 1972 Fussball in Perfektion "Ramba-Zamba".
Nur sollten auch die "Knappen" nicht vergessen werden. Beckenbauer/Schwarzenbeck Netzer/Wimmer |
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schrieb am
09.07.2010 um 12:19
Stimme zu.
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"Eine neue Generation von relativ redegewandten Kickern, die trotzdem nicht herzlos roboterhaft wirkt und mit denen man in der Niederlage genau so leidet, wie man sich nach gewonnen Spielen mit ihnen freut." - Ja, so isses und deshalb sind mir die schwarzrotgoldenen Landsleute, die für diese begabten, sympathischen Kicker ( und sich selbst ) jubeln, auch nicht so unheimlich wie es die vierzigjährigen düsteren Männer der Generation meines Vaters waren, die nach dem WM-Sieg 1954 davon sprachen, jetzt seien "wir Deutsche" wieder wer.
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Naja, ein wenig unheimlich bleiben mir Flaggenmeere und Deutschland Gegröle schon. Aber die Mannschaft, die kann man wenigstens nahezu uneingeschränkt gut finden.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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