motorradblogger

Blog von motorradblogger

05.02.2010 | 17:17

Warum ich meinen Beruf liebe und manchmal doch hasse

Ich mag es ein Programmierer zu sein, als Elektronen-Architekt an der digitalen Welt mitzubauen und im Metaverse meine Spuren zu hinterlassen. Ob es nun Text-Beiträge in meinen Blog sind, Plugins für WordPress, Code-Spielereien, oder eGovernment Web-Applikationen, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Es ist spannend die Entwicklung neuer Technologien zu beobachten und diese in seine eigene Arbeit einfließen zu lassen, permanent gefordert zu sein sich selbst Neues anzueignen, um die Weiterentwicklung mit zu gestalten. Das kommt meinem Geist sehr entgegen, der wissbegierig und neugierig und schnell gelangweilt ist, wenn er nicht beschäftigt wird. Zwar gibt es auch Phasen, in der er sich gerne der sinnlosen Zeitverschwendung widmet, aber selbst diese wird mit Herausforderungen ausgestaltet.

Trotzdem ist mein Berufsleben nicht immer befriedigend, denn alles Digitale unterliegt einem grundsätzlichen Problem. Digitale Informationen sind uns nah und zugleich physikalisch entfremdet, sie sind nicht greifbar und trotzdem da – immateriell. Wenn ich Schreiner wäre, oder Architekt, hätte mein Schaffen einen realen Höhepunkt indem am Ende etwas vor mit steht, dass ich berühren und erfühlen kann. Andere Menschen könnten den Stuhl oder das Haus sehen und nachvollziehen, wie es gefertigt wurde.

Die Schönheit von Software hingegen ist nur für diejenigen begreifbar, die ebenfalls Software schreiben. Da im Arbeitsleben selbst wir Programmierer hin und wieder ein Schulterklopfen brauchen – auch wir haben ein mehr oder minder ausgeprägtes Geltungsbedürfnis – kann dies praktisch nur von anderen Wissenden erfolgen. Vielleicht gibt es deswegen viele Blogs zu diesem Thema. Natürlich kann der Kunde sagen, dass ein bestimmtes Detail einer Anwendung schön gelöst ist, aber das ist etwas anderes, denn der Kunde versteht nicht, wie genial das in einer wunderschönen Funktion im Source-Code umgesetzt wurde. Code is poetry – aber eben nur für Programmierer. Für alle Außenstehenden, nicht Wissenden stellt Quellcode ein unverständliches Kauderwelsch dar.

Vielleicht schraube ich deswegen so gerne an Motorrädern herum. Das Ergebnis ist real. Aber was ist schon real…?

 
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Kommentare
carlfatal schrieb am 05.02.2010 um 21:45
Mathehatik ist eine Sprache, und jede Sprache kann poetisch sein; ich hab´s leider zu spät verstanden, um auf dem Gebiet mitreden zu können. Deswegen hab ich auch ständig Streit mit meinem Rechner: weil ich nicht verstehe:-)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 05.02.2010 um 21:55
@carlfatal: was hat mathe mit logik und informatik zu tun außer grundrechenarten und ein wennig auswendiglernen?
Keiko-Scherth schrieb am 07.02.2010 um 11:01
Schöne Beschreibung der Crux des Digitalen/Virtuellen Zeitalters! Viele verspüren zunehmend diese Sehnsucht nach etwas mehr Bodenhaftung, nach handfestem. Nach einem Butterbrot anstatt nach diesem Hauch von Nichts aus der molekular Küche. Früher, glaube ich, nannte man das Entfremdung. Oder?
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KarinL. hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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