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"Guttenberg hebt CSU auf 45 Prozent" schrieb die BILD und der Rattenschwanz der Abschreiber tippte fleissig mit. Was für ein gelungener Coup der BILD in Sachen Guttenberg-Propaganda, nachdem die Live-Show von der Front einigermaßen ein Flop war. Wer genau hinsieht, der merkt: Ein Guttenberg-Hoch gibt es nicht, genau so wenig wie ein Seehofer-Tief. Die CSU erreichte bei den letzten Landtagswahlen 43,4 Prozent und lag bei den nachfolgenden Umfragen recht stabil bei 45. Von Ungenauigkeiten in Meinungsumfragen reden wir einmal nicht. So kann man aus einer Nicht-Veränderung eine Jubelmeldung generieren, die vom Gehalt her an die ND-Schlagzeilen in der Hochphase des Kalten Krieges erinnert.
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"Alles seitenverkehrt" meinte Pierre Bourdieu bereits Ende 1999 in einem Gespräch mit Günter Grass. Gut zehn Jahre danach wäre das vollumfänglich eingetroffen, makaber bestätigt.
# SPD und Grüne haben die Seite der Barrikade gewechselt, sind nicht mehr die Schmuddelkinder wie in den 60/70ern oder 80/90ern. # Im Bundestag et al. gibt es die DDR-gemäße gaaanz große, 90+ Prozent Koalition. # Die Überwachung der "eigenen" Menschen verbindet Stasi-KnowHow mit westlicher Hochtechnik. # Die maßgebenden Medien frönen Chomskys Propagandamodell. # Der das System unterwandernde, äußere Feind ist identifiziert. # Den meist naiven Mitläufern hierzulande droht der McCarthy reload. Noch etwas vergessen? |
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Noch etwas vergessen? Ja!
# Kreuzzüge sind jetzt "legitime Verteidigung von Wirtschaftsinteressen" |
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Dass die Manipulationsmaschinerie doch noch nicht so richtig funktioniert, das zeigt mir am Beispiel von Guttenberg mein regionaler Sensor: Die Masse der Parteimitglieder in der CSU (Alter 40+) wundert sich schon langsam über den Hype um den "Gschlecktn". Man freut sich zwar, dass die CSU endlich wieder ein populäres Gesicht hat, thematisch folgen mag man ihn aber nicht so wirklich. Es hat schon seinen Grund, warum die Diskussion um die Wehrpflicht beispielsweise parteiintern recht klein gehalten wurde. Ich erinnere mich noch an meine wilde Phase bei den Grünen (jetzt schon über 12 Jahre her), als ich bei Prodiumsdiskussionen mit meiner Position "Abschaffung der Wehrpflicht" als Vaterlandsverräter hingestellt wurde. Rückblickend ein komisches Gefühl, denn jetzt sind die alten Grünen für eine Beibehaltung und ein CSU-Minister läutet das Totenglöckchen.
OFFTOP: Ich persönlich finde die Aussetzung handwerklich furchtbar schlecht organisiert, vor allem was den Ausgleich des sozialen Sektors angeht. Würde man die Kosten einrechnen, dann würde die Guttenberg´sche Reform in der Bilanz ganz mürbe aussehen. Darauf hatten übrigens auch kluge in der CSU verwiesen, wurden aber nicht gehört. |
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"Ein Guttenberg-Hoch gibt es nicht, genau so wenig wie ein Seehofer-Tief. "
Nee, gibts nicht, aber sie werden es den Leuten schon noch einbleuen. "So kann man aus einer Nicht-Veränderung eine Jubelmeldung generieren, die vom Gehalt her an die ND-Schlagzeilen in der Hochphase des Kalten Krieges erinnert." Der Unterschied ist doch, dass die meisten Leute dem ND eh nichts glaubten, aber wieviele glaubne BILD? |
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Das Guttenberg-Hoch kommt schon noch. Wenn nicht so ganz in der CSU, so doch im Bundestrend. Da wird einer veritabel hochgeschrieben und hochgeredet der bisher nur durch geschliffenes Reden und ein, nunja, geschliffenes Aussehen hauptsächlich aufgefallen ist. Und durch Fernsehauftritte etc.
Bundeskanzler! Der erste von der CSU. Steht ja ständig irgendwo. Das Volk insgesamt fände den schon ganz passabel. Wird dem Volk ja auch überall berichtet und das Volk glaubt. Da hat Magda schon ganz recht. Der DDR-Propaganda in Aktuelle Kamera und ND stand man ziemlich gelassen gegenüber. Man ging schichtenübergreifend davon aus, dass es sich eben um Propaganda handeld und witzelte die Lügen über 120 % Planerfüllung, die Übergabe des soundsovielten Konsumgutes X "über den Plan" einfach weg. Geglaubt wurde das von einer breiten Masse jedenfalls nicht. Das waren aber auch ein wenig andere Zeiten. Heute verkünden sie "Wachstum XXL", versprechen "Vollbeschäftigung" oder schreiben einen Jungpolitiker mit Adelstitel ins Bundeskanzleramt. Das sind halt andere Zeiten heute aber lebendig ist die Erinnerung ... |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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