03.03.2010 | 13:09

Außen Kartoffel – innen Minister

 

Von außen sieht sie aus wie eine ganz normale Kartoffel, innen jedoch besteht sie zu fast 100 Prozent aus synthetischer Ich-Stärke: Die Gen-Kartoffel Guido. Wie soeben verlautet, hat die EU-Kommision die Fortsetzung des Freilandversuches (experimentum liberalis) mit der umstrittenen Knolle genehmigt. Die Gemüsespezialisten an der Frankfurter Börse verzeichnen einen Total-Absturz der Pommes-Kurse. 

In einer ersten Stellungnahme erklärte der Hersteller BASF, die Gen-Kartoffel habe alle Eigenschaften, die ein FDP-Vorsitzender aufweisen müsse. Sie sei deutlich runzeliger und in fiskal erigiertem Zustand auch deutlich größer als eine herkömmliche Kartoffel. Eine wahre Super-Knolle!

Das Geheimnis der Super-Kartoffel: Durch Injektion rechtsdrehender Industriestärke lösten Wissenschaftler am Roland-Koch-Institut gezielt eine antropomorphe Mutation aus, die der kartoffelartigen Erscheinung durch eine spätantik-maskenhafte Mimik etwas geradezu menschenähnliches verleihen. Nach einer anschließenden Kreuzung mit österreichischem Homo-Gen-Material hat man die Superknolle in langen soziobiologischen Optimierungsreihen zum gewünschten Fäulungsgrad gebracht und schließlich auf einen zweireihigen Anzug gesteckt. Brille und Doktortitel sorgen für eine kartoffelig-intellektuelle Note, die seine markig-rabulistische Diktion ergänzt. Seitdem ist die Gen-Kartoffel Guido ein fest und fester kochender Bestandteil nicht nur der volkstümelnd brodelnden Gerüchteküche, sondern auch der gehobenen populistischen Gastronomie.

Vor allem als Volksspeise nach Art eines falschen Hasen muss die sprechende Ministerkartoffel von sich reden. Emphatische Menschen mit nur schwach ausgebildeten Neidreflexen erleben eine erfreuliche Stärkung der allgemeinen asozialen Konstitution, schlaffe und lethargische Ellenbogen schlagen nun wieder fühlbar aus. Die systemrelevanten Antipathie-Werte zeigen schon nach wenigen Auftritten der FDP-Knolle endlich wieder nach ganz unten. Die träge Darmtätigkeit in der Unterschicht wurde rektal belebt.

Dennoch schlagen Experten Alarm. Die Risiken der Gen-Kartoffel Guido würden allgemein unterschätzt. Die Gefahr, dass sie in die Nahrungskette gelange, sei sehr groß! Schon ohne direkten Kontakt würden bereits weite Kreise unter sogenanntem gesunden Menschenverstand leiden. Sie warnen: Ungeschützter Verzehr führe schnell zu chronischer Klugscheißerei. Betroffene Personen würden krampfartig sinnlose und obszöne Vokabeln aus einer unverständlichen Wirtschaftssprache absondern, was inzwischen niemandem mehr auffalle. Doch soweit müsse es nicht kommen.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte die Gen-Kartoffel scharf und kündigte kulinarische Schritte an. Ein Aktionsteam sei mit einem Kartoffelstampfer auf dem Weg nach Berlin, dort werde man der FDP-Knolle ein von prominenten Unterstützern unterzeichnetes Kartoffelpüree-Rezept vorlegen. Zum Team gehöre auch Raimund Harmsdorf, bekannt als kraftvoller Kartoffelfreund im ZDF-Dreiteiler Der Seewolf

 

 
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Kommentare
Carl Gibson schrieb am 03.03.2010 um 17:09
Die Gen-Kartoffel wurde für "industrielle Anwendungen" kreiert.
Sensible Menschen sollten sie besser nicht verzehren, da sie angeblich Brechzreiz hervorrufen kann.
Langsfristige Auswirkungen auf die Volksgesundheit sind noch nicht erforscht.
Auch steht noch nicht ganz fest, wie sich sich im Tiermagen auswirkt und ob sie nicht über vermehrten CO2 bei anhaltenden Blähungen maßgebend zur Klimakastrophe beiträgt.

Also: Bestäubung vorerst verhindern und nur via Klonung vermehren, damit aus der genmanipulierten Knolle nicht auch noch eine böse Mutation wird.

Die Zauberlehrlinge sollten nicht alles dürfen, was sie zu können meinen.
Carl Gibson
müller meldet
müller beim baden. da fällt ihm immer alles ein.
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Logbuch
20:47
fahrwax hat gerade einen Kommentar geschrieben.
20:47
modernism hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
20:44
Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Achtermann hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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