10
]
Während vor kurzem der Missbrauch unter dem Stichwort "pädagogischer Eros" Schlagzeilen machte, muss jetzt auf alte Männer aufmerksam gemacht werden, die sich vor allem einer besseren Welt verschrieben haben. Vom "Eros der Utopie" zu sprechen wäre vermessen. Hier geht es vor allem um den Missbrauch der Buchstabenfolge S, E und X" in der Überschrift, um einem der letzten Ereignisse seiner Art die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu leihen:
Am 17. April 2011 kommen die verbliebenen ehemaligen Häftlinge des KZ Buchenwald und Mittelbau-Dora auf dem Ettersberg zu Weimar zusammen. Dieses Treffen liegt zwischen dem Jahrestag der Befreiung am 11. April und dem des Schwurs von Buchenwald am 19.April 1945, was dem politischen Antifaschismus eine wichtige Orientierung sein kann. Insbesondere hilft die Besinnung auf den Schwur von Buchenwald, wahrhaftigen (nicht zwingend linken, aber ehrlichen) Antifaschismus von der missbräuchlichen Verwendung antifaschistischer Rhetorik der gegenwärtigen antisozialistische Propaganda zu unterscheiden (dazu: www.freitag.de/community/blogs/nafets/buchenwald-1-linker-und-naiver-antifaschismus).
Gerade das Gedenken in Buchenwald und dort besonders die Veranstaltung des Internationalen Komitees Buchenwald, Dora und Kommandos ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Zukunft der Gesellschaft. Denn Buchenwald ist nicht Auschwitz und das Gedenken hat dort eine Besonderheit: Deutscher Faschismus kann in Buchenwald nicht allein auf den rassistischen Völkermord an den europäischen Juden reduziert werden. Er ist und bleibt ein ökonomisches System, das mit nie gekannter Brutalität, kaltschnäuziger Bürokratie und technokratischer Vollständigkeit das Leben der Menschen auf den Nutzen für eine herrschende Klasse ausrichtete und auslöschte, ob es sich widersetzte oder nicht.
Buchenwald ist aber auch eine Dokumentationsstätte des Widerstands, der in ausweglosesten Situationen noch humanitäre Ziele kannte. Es gibt gesellschaftliche Kräfte, die diese große menschliche Tradition dem Vergessen überlassen wollen, um ihren Erben die Legitimität abzusprechen. Die Erinnerung an den antifaschistischen Widerstand ist nicht zuletzt durch die begrenzte Lebenszeit der Zeitzeugen gefährdet (www.freitag.de/community/blogs/nafets/buchenwald-2-linker-antifaschismus-zunehmend-diskreditiert).
Noch leben einige Zeitzeugen. Und es ist ein ergreifendes Erlebnis sie leibhaftig kennengelernt, gesehen und gehört zu haben. Dieses Erlebnis kann medial in keinem Block, Film oder sonst einem Text vermittelt werden (vgl. www.freitag.de/community/blogs/nafets/buchenwald-3-gesten-geschichten-begegnungen). Wenn man in Buchenwald etwas über den antifaschistischen Kampf als eine Auseinandersetzung der Antifaschisten von Buchenwald mit der Gesellschaft heute, damals und zwischendurch lernen will, so ist die zwischenmenschliche Begegnung in diesem Kampf für Menschlichkeit unverzichtbar. Buchenwald wird in Bälde nie wieder so bilden wie am kommenden Wochenende.
Fahrt hin!
Bamberg: Abfahrt: 7.00 Uhr, Anmeldung umgehend erbeten, VVN/BdA Bamberg, c.o. Günter Pierdzig, Tel 0951 / 2082398 (www.vvn-bda-bamberg.de/Downloads/Buchenwald-20110417.pdf)
Frankfurt am Main: 9.00 Uhr ab DGB-Haus, Wilhelm-Leuschner-Straße 69-77 (kommunistische-initiative.org/wp-content/uploads/2011/03/Buchenwald.pdf)
Siegen: Abfahrt 6:00 Uhr, Siegerlandhalle, 10/15 Euro, Anmeldung: Torsten Thomas Thomas-Wilnsdorf@t-online.de (www.sds-siegen.de/?p=745)
Schweinfurt: Abfahrt Bus: Schweinfurt, 8:30 Uhr ehem. DGB-Haus, Wilhelm-Leuschner-Str. 2 (www.dgb-wuerzburg.de/media/www.dgb-wuerzburg.de/org/6140_2011-04-17-Flyer_Buchenwaldfahrt.pdf)
Würzburg: Treff: 7:45 Uhr, Wü/ Hauptbahnhof, Treff vor dem Zeitschriftenladen im Bahnhof, Transfer nach Schweinfurt mit Bahn/PKW (www.dgb-wuerzburg.de/media/www.dgb-wuerzburg.de/org/6140_2011-04-17-Flyer_Buchenwaldfahrt.pdf)
|
|
Es wird langsam Zeit das auch Deutschland ein Gesetz erlässt das Genozidleugnung unter Strafe stellt. Nach Artikel 261 des Schweizer Strafgesetzbuches stellt Genozidleugnung eine Straftat dar. So könnte verhindert werden das nach dem Tod der letzten die Verbrechen verdreht und "umgeschrieben" werden.
Einer der überlebenden Opfer, der jüdische Widerstandskämpfer des Warschauer Ghettos, Mitgründer von „Solidarnosc“, und Bürger- und Menschenrechtler Marek Edelman, erklärte am 14. November 1993 in Buchenwald vor Tausenden Besuchern: „Europa hat seit dem Holocaust nichts gelernt. Nichts ist unternommen worden, um das Morden zu beenden. Was in Bosnien-Herzegowina passiert, ist ein posthumer Sieg für Hitler“. Marek Edelman starb am 2. Oktober 2009. |
|
|
unser BVerfG sieht das etwas anders
Hoffmann-Riehm z.b. (ehemaliger richter dortselbst) hält es für wichtiger, 'hate-speech' in den fokus zu nehmen nicht zuletzt deshalb, weil die leugnung 'alter' crimes against humanity meistens bis immer mit dem aufruf zu neuen verbunden ist ich denke, dem hätte Marek Edelmann zustimmen können und mir geht es, wenn ich mich so umgucke (und durch manche blogs lese) genauso womit keine leugnung von irgendwas impliziert ist |
|
|
>>>Er (deutscher Faschismus Anm. des Verf.) ist und bleibt ein ökonomisches System, das mit nie gekannter Brutalität, kaltschnäuziger Bürokratie und technokratischer Vollständigkeit das Leben der Menschen auf den Nutzen für eine herrschende Klasse ausrichtete und auslöschte, ob es sich widersetzte oder nicht.<<<
Wozu es führt, wenn man von diesem Wesen des deutschen Faschismus abstrahiert, zeigen dann die politischen Exponenten neuer Formen "kaltschnäuziger Bürokratie", die von "Auschwitz im Kosovo", "beiden deutschen Diktaturen" und "Sadam gleich Hitler" faseln. |
|
|
wen/was meinst du mit ?
-> die politischen Exponenten neuer Formen "kaltschnäuziger Bürokratie" |
|
|
schrieb am
11.04.2011 um 10:38
@ Rapanui
die Unterscheidung von Missbrauch der Sprache und der Realität muss wohl auch bei Edelmann ein Motiv gewesen sein als er schon 2 Jahre vor dem systematischen Mord an 8000 Menschen aus Srebrenica, 1993, warnend "abstrahierte" das Europa seit dem Holocaust nichts gelernt hätte. Stalin hatte es wirklich einfach. Und einige Schufte machten es sich bekanntlich auch einfach wenn sie Halabdscha deswegen ignorieren weil sonst deren Lieferungen für die Komponenten für das Gas heraus gekommen wäre. |
|
|
1. Wen:
Diese Aussagen sind, so nahm ich an, politisches Allgemeinwissen. A) Auschwitz/ Kosovo: Joseph Fischer; deutscher Außenminister a.D. B) Saddam/ Hitler: George Bush, beider Genrationen, US Präsidenten a.D. C) beide deutsche Diktaturen: mir fällt gerade kein deutscher Politiker ein, der das nicht sagt 2. Was: Das ist polemisch als Verallgemeinerung. Das ist zutreffend für die Entscheidung einen Krieg zu führen und zutreffend für die Entscheidung den politischen Gegner zu diffamieren. |
|
|
@ sachichma schrieb am 11.04.2011 um 10:38
Es ist ein ganz wesentlicher Unterschied, ob man argumentiert, dass der deutsche Faschismus wegen des Massenmordes an den Juden barbarisch sei oder argumentiert, dass man am Massenmord an den Juden sehen kann, wie barbarisch der deutsche Faschismus war. Die Differenz der beiden Argumentationen auf den ersten Blick scheint gering. Die erste Argumenation entwickelt aber eine verheerende Eigendynamik. Solange, man vorgibt es drohe ein neues "Auschwitz" kann man seine eigene Handlungen rechtfertigen, solange folgende Reihenfolge der Verbrechen eingehalten wird. 1. Auschwitz/ Hitler 2. Der je aktuelle "Hitler" 3. Die eigene Gewalthandlung Die Propaganda muss dann folgendes sicherstellen: den Abstand zwischen 1. und 2. möglichst verringern und den Abstand zwischen 2. und 3. möglichst vergrößern. |
|
|
bei politischem allgemeinwissen frag ich gern noch mal nach, worauf die pauschale bezugnahme auf selbiges sich genau beziehen soll
denn ich kann bei Kosovo durchaus an Auschwitz denken und bei Saddam Hussein an Hitler wie ich auch Marek Edelmann aufnehmen kann um dann nur scheinbar widersprechend zu sagen: doch, etwas schon -> die crimes against humanity fallen wieder etwas kleiner aus |
|
|
@ Rahab schrieb am 11.04.2011 um 10:56
>>>denn ich kann bei Kosovo durchaus an Auschwitz denken und bei Saddam Hussein an Hitler<<< Es geht nicht um die persönlichen Assoziationen; wer sollte die verbieten? Es geht um das politische Geschäft. Diese Kalkulation habe ich in meiner Entgegnung auf Sachichma dargestellt. |
|
|
oh! Rapanui
ich wollte das assoziieren nicht aufs persönliche beschränkt wissen wollen das kann aber auch daran liegen, dass ich nicht gleich beim sortieren der propaganda einsteigen wollte (oder beim bewerten sog. partei-politischer positionen, seien es nun tatsächlich welche oder seien es zugeschriebene) sondern bei dem versuch, zu fassen, was realität ist |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen