Nashira

Ama et fac quod vis!

05.02.2012 | 09:40

Ohnmacht am Großen

 

 

 

Die Gefälligkeitsdebatten um größere und kleinere Wunscherfüllungen, Vorteile oder Geschenke lässt mich auch darauf schauen, wie es denn bisher war: Seit Menschengedenken gibt der eine dem anderen etwas und erhofft sich dabei einen Ausgleich oder Vorteil. Der Ausgleich ist das Mindeste, auch wenn hier ein wenig Zeit vergehen kann bis er stattfindet. Die Welt soll im Lot bleiben. Der erhoffte Vorteil, dass man durch kleine Zuwendungen letztlich aber dann größere irgendwann erhält, ist für viele das Hauptmotiv, das gern hinter verschleierter Freundlichkeit – manchmal sogar als Freundschaft behauptet – versteckt wird. Fazit: Es war schon immer so – und es ist auch überall in der Welt so. In vielen Staaten schlimmer als bei uns.

 

Interessant ist, seit wann wir uns kollektiv darüber so aufregen können, seit wann wir diese Kraft und Lust haben – zumal auf einer Ebene, die letztlich von den Beträgen her oftmals lächerlich ist (was nicht das Tun sanktioniert!). Die politischen Gefälligkeiten an Banken, Hoteliers, Weltkonzerne, marode Staaten, die in die  Milliarden gehen, nehmen wir tief durchatmend hin. Da können wir eh nichts machen, das ist eine Nummer zu groß. Ist der Zeitpunkt unserer Aufregung eben doch nicht zufällig, sondern korrespondiert mit all den Billionen-Diskussionen, die vielleicht irgendwann mal zu zahlen sind? Schaffen wir uns greifbare Opfer, weil das Ungreifbare sonst unerträglich wird?

 

Bitte kein Missverständnis: Ich bin nicht für diese Dauerbestecherei, die im Lobbyismus schon immer gang und gäbe ist! – Ich wundere mich nur über den Kraftaufwand, den wir in die „Kleinigkeiten“ stecken und mutmaße, dass es ein (unbewusster/halbbewusster) psychologischer Ersatz für unsere schiere Ohnmacht ist, weil wir gegen den dauerhaften Großbetrug weder gesetzlich, regierungsamtlich aber erst recht nicht moralisch ankommen.

 

Moral braucht Namen um seelisch auch fassbar zu werden. Üben wir deshalb am Kleinen?

 
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Kommentare
abghoul schrieb am 05.02.2012 um 10:07
Vielleicht nagen wir auch an dem Knochen der uns vorgeworfen wird, während die "großen" sich am Fleische laben...
So kommen wir denen dann nicht in die Quere, und so ein Wulff ist ersetzbar...
Diese Geschichte mit der EZB und den 1% Zinskrediten für die Banken wurde halt bei dem nagen am Wulffknochen gar nicht richtig wahrgenommen.
Auf der abstrakten Ebene hat die EZB den Todestern fertig gebaut und Luke Skywalker wurde von den Jawa aufgefressen.

Und R2D2 hatte noch gedacht er würde repariert werden.
Irgendwelche Planeten(Staaten) werden, wenn sie aufmucken, mit dem Traktorstrahl(Staatsverschuldung) vernichtet.
Das Imperium(Banken) hat endlich zurückgeschlagen.
Nashira schrieb am 05.02.2012 um 10:57
"Vielleicht nagen wir auch an dem Knochen der uns vorgeworfen wird, während die "großen" sich am Fleische laben..."

ja, kann sein, das wäre die andere Variante, dass es dann ein absichtlicher Knochen wäre, um uns bewusst von der Rebellion über die fette Beute abzuhalten.

Beide Varianten sind mir denkbar und schlimm und schreien danach, in die Kompensationsschublade zu wollen.

Es geht doch nichts über abgelenkte Bürger, die aber derart abgelenkt werden, dass das Grundthema dabei sogar noch erhalten bleibt!
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