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Als ich vor einem Jahr Thomas Wagners Artikel "Demokratie als Mogelpackung" (Freitag, 25.6.2009) las, war ich verwundert. Wagner schrieb, der konservativ-elitäre Teil der Republik habe die direkte Demokratie entdeckt:
"Im so genannten Superwahljahr 2009 erschallt der Ruf nach einer „demokratischen Revolution“ (Reginald Grünenberg) und einer radikalen Systemveränderung sogar vorwiegend aus dem Munde von Personen, die sich in besonderer Weise den Interessen des Kapitals verbunden fühlen. ...
Statt um bessere politische Partizipationschancen der abhängig Beschäftigten, Wirtschaftsdemokratie oder gar einen neuen Anlauf zum Sozialismus geht es ihnen im Kern um die plebiszitäre Absicherung der Elitenherrschaft."
Hatten wir in Hamburg nicht mit klarer Mehrheit gegen die Privatisierung der städtischen Krankenhäuser gestimmt - was die Bürgerschaft kassierte?
Hatten wir in Hamburg nicht mit klarer Mehrheit für ein neues Wahlrecht gestimmt, das die Macht der Parteien bei der Kandidatenaufstellung beschränken sollte - was die Bürgerschaft kassierte?
Da schien noch klar, dass Volksentscheide ein Korrektiv gegen eine neoliberale, für eine egalitäre, demokratische Politik sein könnten.
Seit gestern beginne ich Wagner besser zu verstehen.
Die Hamburger haben per Volksentscheid mit einer Mehrheit von 55 Prozent der abgegebenen Stimmen die Primarschule gekippt. Während die Beteiligung in der gesamten Stadt bei 39 Prozent der Stimmberechtigten lag, erreichte sie vor allem in den betuchten Stadtteilen Nienstedten, Blankenese und Othmarschen Rekordwerte um die 53 Prozent. Das Signal ist klar: Die fetten Viertel haben zur Abwechslung den ärmeren den Kampf angesagt.
Sicher, die Reformbefürworter, die mit der sechsjährigen Primarschule die erwiesenen Bildungsnachteile sozial schwächerer Milieus eindämmen wollten, hätten vielleicht noch mehr Leute mobilisieren müssen. Aber die Kampagne der Gegner, von denen viele – nicht alle – dadurch motiviert waren, ihren Kindern die Zumutung, länger mit Schwächeren zu lernen, ersparen wollten, war eine gut geölte PR-Maschine. Mit Kohle.
Zwei Fragen stellen sich nun.
Erstens: Ist das Loblied auf die direkte Demokratie, das Teile der Linken immer wieder anstimmen, nicht zu sehr an einer Vorstellung aus der Zeit vor der "Mediendemokratie" orientiert? Ein simpler, scheinbar überzeugender Slogan auf einem Plakat an einer Ampel, den der Autofahrer kurz in der Rotphase liest, ist kein politischer Diskurs. Auch Flyer mit einer Bullet-Point-Liste der fünf wichtigsten Argumente sind es noch nicht. Doch für mehr ist keine Zeit. Oder kein Geld.
Zweitens: Sollten nicht alle, die von einer Entscheidung betroffen sein werden, an einem Volksentscheid teilnehmen? Auf dem Weg zur Abstimmung traf ich eine Bekannte aus Finnland, die lächelnd sagte, sie könne nicht mit abstimmen. Richtig, fiel es mir ein, dieser Volksentscheid findet auf Landesebene statt. Ausländer nicht zugelassen. Die Migrantenfamilien ohne deutschen Pass, deren Kinder von der Reform besonders hätten profitieren können, hatten keine Stimme.
Zeit, darüber nachzudenken, welche Fehler im System Bundesrepublik die direkte Demokratie zu einem Werkzeug für den Klassenkampf von oben machen.
Zeit, den Artikel von Thomas Wagner noch einmal zu lesen.
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So, wie Sie die Frage stellen, liest sich das: Sind die Leser dafür, direkte Demokratie so zu gestalten, dass sie künftig ausschließlich vorbestimmte und gewünschte Ergebnisse und zwar im Sinne von "Links" erbringt? Und da die Frage unweigerlich ja lauten muss, wie?
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So kann man die erste Frage lesen. Man kann sie aber auch als offene Frage lesen: Ist die Linke gut beraten, sich allzu sehr auf direkte Demokratie zu verlassen, weil ja angeblich diverse Wahlen der letzten Zeit immer wieder linke Mehrheiten (rot, rot, grün zusammengerechnet) zutage fördern, die nur im Parteiengezänk nicht zum Zuge kommen?
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Mit Verlaub, nbo, aber ich habe die implizite Frage des Artikels genau so verstanden wie ed2murrow auch.
Zeitigt nämlich ein Plebiszit, wo auch immer und wie auch immer, zufällig Forderungen der Staatslinken, wird's umgehend als basisdemokratischer Sieg gegen das verruchte Establishment gewertet. Geht's dann doch mal anders aus, wie etwa in der Schweiz bei den Minaretten oder in Hamburg bei der Primarschule, wird's im Lande der Eigentlichkeit auf einmal höchst wichtig, festzuhalten, daß »eigentlich« der Urnenpöbel gegen seine »wahren« Interessen stimmte, daß »eigentlich« auch die Mehrheit gar keine ist, sondern nur eine der abgegebenen Stimmen, und daß im Zweifelsfall das Stimmergebnis von der neoliberal-konservativen Hetzpresse vorgegeben war, die immer Gewehr bei Fuß darauf lauert, dem deutschen Michel etwas in den Mund zu legen, um ihm dann umso besser aufs Maul schauen zu können. Ja wie halten wir's denn künftig? Ist die Stimmberechtigten nun kapabel, ihren Willen an der Urne zu äußern oder nicht, oder nur fallweise oder nur dann, wenn das »richtige« Ergebnis bilanziert werden kann? |
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corr.: Sind die Stimmberechtigten nun kapabel ...
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Wer einen schlagenden Beweis für diese im Grunde theologische Begründungsstrategie sucht, der wird hier fündig:
Hamburg: Volksbefragung ohne Volk, soeben in diesem Forum erschienen. Da haben wir's: Es war mal wieder gar nicht das »Volk«, das abstimmte. Das ganze auch noch kernig serviert vom Vorsitzenden einer »Aktion Humane Schule Baden-Württemberg e. V.«, ein Verein, der wohl nahelegen will, daß diejenigen, die etwas anderes im Sinn haben, wohl gar nicht mehr »human« sind. |
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j-ap schrieb am 19.07.2010 um 10:03 Sinddie Stimmberechtigten nun kapabel, ihren Willen an der Urne zu äußern oder nicht, oder nur fallweise oder nur dann, wenn das »richtige« Ergebnis bilanziert werden kann? Ziemlich einseitig polemisch und hoffentlich nur wider besseres Wissen in guter Absicht gefragt. Natürlich sind die Stimmberechtigten nur teil- und fallweise "kapabel". Dafür sorgen unter anderem ein Bildungssystem, das gerade in HH wieder hergestellt wurde, Medienmacht wie andernorts hier schon dargestellt und der sonstiger Hrrschaftsapparat, der bestimmt nicht der Apparat der "Staatslinken" (j-ap) ist, wer immer diese auch wieder seien. |
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Den Ausführungen von J.A.-P. schließe ich mich an.
Ja, wie halten wir's denn künftig? Und, um noch kurz auf die Antwort von nbo zu replizieren: Für mich ist das keine strategische Frage so in Richtung irgendwelcher angeblicher Mehrheiten - Direkte Demokratie ist Struktur. |
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Lieber j-ap,
ich kann nachvollziehen, dass Du die Frage so verstehst, als seien hier Linke wie ich vom Ergebnis beleidigt. So ernst nehme ich aber Demokratie schon, dass ich das Ergebnis des Hamburger Volksentscheids akzeptiere. Ohne es gutzuheißen. Vorläufig haben wir nichts Besseres. Warum "nichts Besseres"? Sowohl die jetzigen Formen der parlamentarischen als auch der direkten Demokratie sind keine Gewähr dafür, dass Macht und Populismus begrenzt werden. Darum geht es für mich, oder mit John Holloway gesprochen: die instrumentelle Macht/power-over aufzulösen, die kreative Macht/power-to zu entfalten. Interessieren würde mich, wie Deine Antwort auf die zweite Frage ausfällt: Wer soll zur Gruppe der Stimmberechtigten gehören? Alle Bewohner oder nur alle Staatsbürger, wenn die Ergebnisse immer alle Bewohner betreffen? |
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Da haben wir ein grundsätzliches Problem vieler Linker (nicht aller!), aber, die Angesprochenen sind eben keine Liberalen, sie haben oft arge Schwierigkeiten mit Andersdenkenden und Abstimmenden (bei Volksentscheiden). So sind sie nicht wirklich für direkte Demokratie allenfalls aus taktischen Gründen, nur solange sich Mehrheiten im eignen Sinne ausmachen lassen sind sie dafür, ansonsten lauert sofort überall der faschistoide Pöbel der sich "falsch" verhält. Ich will nicht leugnen das das auch so sein kann, aber eigentlich, und das ist das Fatale, wird jede Entscheidung die nicht Linksgenehm ist sofort in diese Ecke gestellt.
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Interessieren würde mich, wie Deine Antwort auf die zweite Frage ausfällt: Wer soll zur Gruppe der Stimmberechtigten gehören?Das ist insofern 'falsch' gefragt, als die Frage so formuliert nur zwei Optionen zuläßt, während der viel grundlegendere Zusammenhang, nämlich ob es überhaupt Abstimmungen geben sollte, gar nicht erst der Nachfrage wert scheint. Aber gemacht und der Reihe nach. Zum einen — das stellt den ersten und grundlegenden Einwand dar — folgt aus der Anerkennung der Demokratie, daß auch eine demokratische (mehrheitliche) Abschaffung der Demokratie als möglich und zulässig gelten müßte und schon dies zeigt, daß die Demokratie keinen von vornherein an sich und in sich rechtfertigbaren Wert darstellt. Ebenso müßte es als möglich und zulässig gelten, wenn Mehrheiten beschließen würden, Minderheiten solange zu eliminieren, bis man am logischen Endpunkt dieses Prozesses ankommt, an dem nur noch zwei Personen (=die letzte Mehrheit!) übrigbleiben, für die das demokratische Verfahren dann aus logisch-arithmetischen Gründen nicht mehr angewendet werden kann, was nur abermals zeigt, daß Demokratie keinen prinzipiell und vollkommen absolut verteidigbaren Wert darstellt. Oder, wollte man diese Konsequenzen nicht in Kauf nehmen und statt dessen für die Vorstellung einer hinsichtlich ihrer Entscheidungsdomäne beschränkten Demokratie plädieren (wie etwa die Konzeption einer liberalen Demokratie vorsieht, in der nicht alles zur letzten Disposition einer Mehrheit steht, vgl. etwa den sog. unveränderlichen Verfassungskern in Art. 79 III GG), so müßte man zugeben, daß das Prinzip, aus dem sich die Beschränkung und die nur beschränkte Gültigkeit der Demokratie ergibt, logisch fundamentaler ist als das demokratische Prinzip selbst. Auch dies würde wieder nur zeigen, daß eine Demokratie-an-sich nicht zu rechtfertigen ist. Zum anderen, und das ist der zweite Einwand, ergibt sich aus der Anerkennung des demokratischen Verfahrens selbst zunächst kein Hinweis auf die zu seiner Anwendung unerläßliche Bestimmung der Personengrundgesamtheit (Mehrheit wovon?), für die das System gelten soll, und damit sind wir auch bei Ihrer Frage. Angesichts dessen bestehen drei (und nur drei!) Möglichkeiten: 1. Entweder man wendet das demokratische Verfahren im Hinblick auf die Frage noch einmal auf sich selbst an und entschließt sich zur Auffassung, daß größere Mehrheiten immer Vorrang gegenüber kleineren haben. Dann gibt es aber offenbar keine Möglichkeit, das Konzept einer »nationalen« oder »regionalen« Demokratie oä. zu retten, denn die Grundgesamtheit wäre in diesem Fall die gesamte Erdbevölkerung, und nur die Beschlüsse einer erdumspannenden Demokratie könnten demnach als verbindlich begründet gelten. (Anm.: Diese vergleichsweise konsequente Position würde immer noch durch den oben genannten ersten Einwand erledigt). 2. Oder man entschließt sich zur Auffassung, daß die Bestimmung der Grundgesamtheit beliebig ist, dann müßte man jedoch die Möglichkeit und Zulässigkeit der Loslösung bzw. Sezession beliebig kleinerer Mehrheiten von größeren Mehrheiten einräumen, einschließlich der Möglichkeit und Zulässigkeit einer Selbstbestimmung jeder einzelnen Person über sich selbst, als logischem Endpunkt dieses Sezessionsprozesses. Und wieder wäre man genötigt, die Unrechtfertigbarkeit der Demokratie-an-sich zuzugestehen. 3. Oder man vertritt schließlich die Auffassung, daß die Festlegung der Grundgesamtheit weder mehrheitlich noch willkürlich, sondern anderweitig begründet ist. Dann würde man abermals zuzugeben haben, daß dies andere Prinzip, das eine solche Festlegung begründet, fundamentaler ist als das Prinzip Demokratie, und letzteres von daher, auf sich gestellt, als willkürlich zu gelten hat. Demokratie hat also, noch einmal kurz und entschieden gesagt, nichts mit Freiheit, Selbstbestimmung, Gerechtigkeit oä. zu tun. Vielmehr handelt es sich bei ihr um eine Herrschaftsform, die wie jede Form der Herrschaft, weil sie auf einer asymmetrischen Verteilung von Rechten beruht, nicht als allgemein anerkennungsfähig einzustufen ist: Ganz offensichtlich hätte eine Regel, die besagte »Mehrheiten, oder von Mehrheiten zu diesem Zweck gewählte Repräsentanten, haben das Recht, auch nicht-zustimmende Minderheiten betreffende und bindende Entscheidungen zu fällen« nicht die geringste Aussicht auf allgemeine Anerkennung als faire Regel für das menschliche Zusammenleben. Jedermann, der sich klarzumachen vermöchte, was dies gegebenenfalls im Hinblick auf sich bedeutete, würde sie sofort als lächerlich und unakzeptabel zurückweisen. Als fair könnte nur eine Regel akzeptiert werden, bei der Mehrheiten das angesprochene Recht gegenüber Minderheiten unter der allerdings entscheidenden einschränkenden Bedingung genießen, daß jeder Angehörige dieser Minderheit jederzeit das Recht hätte, den Geltungsbereich der demokratisch verfaßten Organisation durch Aufkündigung der Mitgliedschaft zu verlassen. Um es noch einmal zu wiederholen: Auch Demokratie ist Herrschaft, und für Herrschaft von Menschen über Menschen gibt es keine Legitimation.Deshalb bin ich Anarchist, und deshalb beteilige ich mich auch in gar keiner Weise an Wahlen, Plebisziten oder sonstigen Abstimmungen. Und deshalb erscheint mir das Geplänkel um die Interpretation des Ergebnisses aus Hamburg bezüglich der Primarschule ehrlich gesagt als völlig grotesk. Für Anarchisten geht es nicht darum, eine möglichst für sich selbst 'bequeme' Form der Herrschaft zu etablieren, sondern jeder Fremdherrschaft aufzusagen, weshalb Anarchisten auch nicht irgendein dubioses Volksbegehren für eine andere Form des Kidnappings (denn nichts anderes bedeutet Schulzwang, der bezeichnenderweise nirgendwo zur Abstimmung ansteht!) anstreben, sondern einen grundlegenden Ausstieg aus dem derzeitigen autoritären Zwangssystem. |
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dem anarchistischen traum zum trotz - horst stowasser meinte mal: "wir brauchen übergangslösungen [bis zur anarchie]." finde ich auch.
"grundlegender ausstieg" sagt sich immer so schön. was bedeutet das praktisch? last but not least: dafür, dass du das "geplänkel um die interpretation des ergebnisses aus hamburg" grotesk findest, scheint es dich doch alles andere als kalt zu lassen. so ganz hast du dich aus dem hiesigen herrschaftssystem noch nicht verabschiedet. |
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Lieber Herr Boening,
selbstverständlich lassen mich die Vorgänge in diesem Staat nicht »kalt«, das können sie schon deshalb nicht, weil ich in sehr spürbaren Dimension unmittelbar davon betroffen bin. Aber mal ehrlich: Sieht denn die hier ins Auge genommene Primarschule, die ja gerade eine Ausweitung des staatlichen Zwangsapparats befördern hülfe, auch nur annähernd aus wie eine Übergangslösung in Richtung Ausstieg? Wir erleben ja gerade, wie schwer sich institutionelle Dickschiffe wie das Schulsystem (das in seinen Grundfesten seit etwa 160 Jahren unverändert und unangetastet blieb) überhaupt nur ein Iota verändern lassen. Wo sehen Sie da eine Transitionsphase dräuen? Ganz praktisch könnte der Ausstieg innerhalb der vom System gezogenen Grenzen so aussehen, daß man den unseligen deutschen Schulzwang (der übrigens in seiner Strenge eine Hinterlassenschaft des Anstreicherregimes ist) zunächst einmal zugunsten einer allgemeinen Bildungspflicht abschafft. Das geht in der halben Welt völlig problemlos, aber nur in Deutschland mal wieder nicht, warum auch immer. Jedenfalls wäre das mal ein erster und sogar schonender Schritt in die richtige Richtung. |
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schrieb am
19.07.2010 um 20:16
An der direkten Demokratie sollte man nicht zweifeln, was die Politik und vor allem die Linke anstreben sollte, ist das, was die Mehrheit der Bevölkerung möchte.
Wenn die Mehrheit gegen Links stimmt, dann muss man sagen wir sind in einer Demokratie und das Ergebnis muss hingenommen werden. Aber in dem konkreten Fall, wie ja auch schon richtig gesagt, ist es ja wirklich so, dass die, die von dieser Reform profitieren wüden (Migranten und vor allem DIE SCHÜLER SELBST), nicht mitwählen durften. Man muss also nicht an der direkten Demokratie zweifeln, sondern an den Wahlbedingungen. Zumal ja keine wirkliche "Elitemehrheit" da war, es waren ja nur 20% der Bevölkerung gegen das 6-jährige Schulsystem, also war wieder das allseitsbekannte Problem der Wahlverdrossenheit maßgeblich schuld an dem Kippen der Reform schuld. |
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Lieber j-ap,
natürlich hat das, was du mir hier unterstellst, nichts mit meiner Auffassung zu tun und schon gar nicht mit der Position der "Aktion Humane Schule e. V. " Demokratie hat auch was mit dem Aushalten von Spannungen und Widersprüchen zu tun. Demokratie ist zunächst eine "Form". Ihr formales Ergebnis ist immer zu respektieren (jedenfalls solange es die Grund- und Menschenrechte beachtet). Aber i n h a l t l i c h können der Vorgang der Abstimmung wie auch das Ergebnis durchaus beklagenswert sein. Eine solche Klage ist braucht noch lange keine Option für die Diktatur zu sein. |
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"Jedenfalls wäre das mal ein erster und sogar schonender Schritt in die richtige Richtung."
richtig ist ja eine Frage des Standpunktes, denn der normative Begriff des richtigen und falschen misst sich ja immer an rein subjektiven Ermessensgrundlagen. Ohne in eine anthropologische Diskussion einsteigen zu wollen, ließe sich ja zumindest von der Notwendigkeit eines Regelwerks im übergeordneten, das heißt nicht autozentrierten Rahmen nachdenken. Ein Gesellschaftsmodell wie jenes der Anarchie ist am Reißbrett entworfen, die Umsetzung, sei sie auch schleichend kann ja nicht herbeigeredet werden. Fernab davon sehe ich schon seit meinem zwölften Lebensjahr keinen nachvollziehbaren Grund, warum Schul- nicht durch Bildungspflicht ersetzt werden kann. Gründe zur Machterhaltung, Indoktrination, etc. pp. sind nicht nachvollziehbar. |
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"dem anarchistischen traum zum trotz - horst stowasser meinte mal: "wir brauchen übergangslösungen [bis zur anarchie]." finde ich auch.
"grundlegender ausstieg" sagt sich immer so schön. was bedeutet das praktisch? last but not least: dafür, dass du das "geplänkel um die interpretation des ergebnisses aus hamburg" grotesk findest, scheint es dich doch alles andere als kalt zu lassen. so ganz hast du dich aus dem hiesigen herrschaftssystem noch nicht verabschiedet." Gute Fragestellungen von nbo. Stowasser war ein sehr pragmatischer & undogmatischer Anarchist und für mich ein sehr sympathischer Mensch, aus vielerlei Gründen. Sein verdienst die verschiedensten Anarchismen (in Theorie & Praxis) in gründlicher und auch durchaus unterhaltsamer Form dargelegt zu haben ist überragend. Mit seiner Forderung einer "Übergangslösung" hat er den aktuellen Anarchismus auf den Boden der Realität gebracht. Auch wenn ich selbst nicht an eine anarchistische Endutopie glaube (so sympatisch das wäre, wenn ich unrecht behielte, irgendwann mal), so ist das nun mal mit SozialLiberalen (bitte jetzt NICHT an FDP denken, das ist das Gegenteil!), sehe ich doch viele Berührungspunkte: pro individuelle Freiheit, pro gerechter sozialer Ausgleich als permanente Aufgabe, pro Selbstorganisation in möglichst vielen Bereichen, pro förderative Systeme, pro freiheitliche Bildung in Vielfältigkeit und Selbstbestimmung, usw. Contra staatlicher Zwangs -und Bevormundungssysteme (von Hartz IV bis übertriebener "Sicherheits"-Überwachungssysteme, etc.), Contra erstarrter Klassen/Schicht/Kasten - Privilegien und neue "Eliten". usw. Niemand kann sich dem jeweils herrschenden System, in dem er lebt, vollkommen entziehen, das wäre eine Illusion, die glaube ich moderne Anarchisten auch gar nicht haben. Aber hier und da lassen sich schon individuelle oder alternative Lebensformen (im weitesten Sinne) und Projekte realisieren, obwohl die Freiräume dafür nach meiner Sicht wohl in den letzten Jahren eher geringer geworden sind, aber das muß ja nicht so bleiben. Die Fragen waren zwar nicht an mich gerichtet, aber ich habe mich trotzdem gerne ihnen gewidmet. ,-) |
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"Ganz praktisch könnte der Ausstieg innerhalb der vom System gezogenen Grenzen so aussehen, daß man den unseligen deutschen Schulzwang (der übrigens in seiner Strenge eine Hinterlassenschaft des Anstreicherregimes ist) zunächst einmal zugunsten einer allgemeinen Bildungspflicht abschafft. Das geht in der halben Welt völlig problemlos, aber nur in Deutschland mal wieder nicht, warum auch immer.
Jedenfalls wäre das mal ein erster und sogar schonender Schritt in die richtige Richtung." Genau das wäre es!!! In Deutschland sind zu viele Interessen im Vordergrund, die leider nicht das Primat des Wohl des Kindes im Auge haben, sondern das Wohl der Parasiten des Systems, als da wären: falsch verstandener Förderalismus, egoistische - selbstherrliche Kultusministerkonferenzen, Lehrplandogmatismus, verbeamtetes Lehrertum, zwangsleistungsgeile Elternschaften, Zensurenwahn, usw., usf. |
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ist sicher ne interessante frage, das mit den volksentscheiden. dank unserer medien wird es haeufig "populistische" entscheidungen geben. net immer, denn das dumme volk ringt sich manchmal doch zur vernunft durch.
würde aber trotzdem aenderungen am prozedere vorschlagen: vor die abstimmfreiheit muss eine umfassende informationspflicht gestellt werden....... |
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danke, hibou. der hieb saß. "würde aber trotzdem aenderungen am prozedere vorschlagen: vor die abstimmfreiheit muss eine umfassende informationspflicht gestellt werden......."
es ist das uralte problem von wissen und wille. etwas wollen können schon kleinkinder etc. etwas sinnvolles, vernünftiges, humanes wollen setzt etwas mehr voraus. platon konnte trotz aller pfiffigkeit das problem nicht lösen. rousseau auch nicht. aber es muss noch schnell gelöst werden, bevor der laden auseinanderfliegt... |
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Angenommen eine eher linke Regierung beschließt eine Reform zu Gunsten der eher Benachteiligten. Das war zwar jetzt in Hamburg nicht der Fall, doch lehrt dieser Vorgang, dass die Reichen und Einflussreichen in der Lage sind, per Volksentscheid Parlamentsbeschlüsse zu kippen, die ihnen nicht passen. Nicht etwa weil sie die Mehrheit hätten, sondern weil sie kampagnefähig sind. Sie können sich juristischen Rat holen, sie haben Leute, die wissen, wie eine PR-Maschinerie anzuwerfen ist, und sie haben in den regionalen Presse Leute sitzen, die überblicken, was sie an den Anzeigen ihrer Geschäftskunden haben. Deshalb ist es eine linke Illusion zu glauben, Volksentscheide seien unweigerlich mit mehr Basisdemokratie in Verbindung zu bringen.
Mit einer eher linken Regierung meinte ich Rot-Rot-Grün. Da steht man doch ganz schön bedröppelt da, wenn eine solche Regierung per Volksentscheid, der von den Fettaugen der Gesellschaft gesteuert wird, eine Klatsche bekommt. |
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schrieb am
19.07.2010 um 08:33
...und sie können sich für ihr Anliegen unheimlich schnell willfährige prominente Unterstützung organisieren...
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schrieb am
19.07.2010 um 11:43
>>Nicht etwa weil sie die Mehrheit hätten, sondern weil sie kampagnefähig sind.<<
Wer über Macht und Geld verfügt, ist „kampagnefähig”, ja. Wir können keine gleichartigen Kampgnen entgegen setzen. Wir haben hier fast keine Erfahrung mit der Einmischung in die eigenen Angelegenheiten. Es gilt immer noch als richtig, sich sagen zu lassen, was man denken, wählen, konsumieren und eben auch abstimmen soll. Man kennt das aus der Produktwerbung, der man auch folgt ohne gross drüber nachzudenken. Das wird natürlich rigoros ausgenützt. Man könnte dran verzweifeln. Was wir aber können, ist ständig und beharrlich zum freien Denken anregen. Eventuell auch zur Immunisierung gegen Kampagnen, die ja nicht die Vernunft, sondern Gefühle ansprechen und eine Konsumentenmentalität triggern. Zum Beispiel die grosse Kampagne, die zur mit dem bedingslosen Grundeinkommen als Köder läuft. Letztlich wird verlangt, eine Mehrheit solle sich damit einverstanden erklären, dass die Mehrwertsteuer die einzige Steuer sein solle. Man kann dagegen erklären, warum damit eine unentrinnbare Armutsfalle errichtet würde. Dass dadurch die Armen die Hauptlast des Steueraufkommens zu tragen hätten und alle mit sehr hohen Einkommen und grossem Besitz noch mal enorm begünstigt wären. Und dass das der Grund für die Kamagne ist keineswegs das Zeil, dem Volke was Gutes zu tun. Und man kann dazu sagen, dass ein BGE durchaus Vorteile haben könnte, aber nur, wenn wir es inhaltlich selber gestalten würden. Und dass diejenigen, die es ernst meinen, nicht zum bedingungslosen Zustimmen aufrufen, sondern zur Diskussion. Überhaupt müssen wir, überall und immer, daraufhinweisen, dass wer mit leeren Worthülsen um sich wirft, keine Frage offen lässt und einfach unkritische Zustimmung fordert, immer ein Betrüger ist. Ich glaube nicht, dass man vor Macht resignieren muss. Auch eine Regierung zu wählen, ist keine Lösung, wenn man nicht aktiv hinter ihr steht und erwartet, dass sie die Kartoffeln schon irgendwie aus dem Feuer holen werde. Das ging noch nie gut. Vor allem dann nicht, wenn die Partei, in die man Hoffnungen setzt, mit politischen Gegnern koalieren muss. |
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"Sie können sich juristischen Rat holen,..."
wir doch auch :-)) |
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Tja, warum erlaubt sich die "Elite" inzwischen wieder selbst Elite zu nennen? Weil sie es kann. Und das Wählvolk sich am selben Tag mit Triathlon, Leichtatletik und Freibädern gerne ablenken lässt. Ausserdem sind meine Kinder ja schon in der Lehre was kümmert mich da noch das Schulsystem und Tante Erna hat heute Geburtstag, da gibts Kaffee umsonst. In die Zukunft zu planen erfordert etwas Anstrengung, Geist einschalten, das lässt sich leichter am eigenen Pool bei Sommerwetter. Und der Pool für Alle ist gescheitert, also haben auch in Zukunft die "Eliten" leichtes Spiel, es sei denn.....
Klug ist es allerdings nicht, denn die Eliten würden noch mehr von einer Bildungsmässig breit aufgestellten Gesellschaft profitieren....wäre da nicht längst der letzte Kampf um die restlichen Ressourcen entbrannt. Tschüss, ich muss jetzt wieder meine eigenen Quelle verteidigen, echt anstrengend bei dem Andrang von Volk welches gewöhnt war alles umsonst zu erhalten. (Achtung Allergiker! Der Kommentar könnte Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten) |
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...fürchte eben, da übt jeder für sich beim Volk!?...........
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ja ... und?
ps: irgendwie kann ich die bildungsfernen auch verstehen. die wollten die bildungsnahen (streber!) so schnell wie möglich los und endlich unter sich sein. |
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schrieb am
19.07.2010 um 12:00
@hibou: "vor die abstimmfreiheit muss eine umfassende informationspflicht gestellt werden..."
lese ich mehr als stillen Wunsch denn als umsetzbar, (:-(), denn die Elite, also dieser Teil des Volkes, der die Mittel und das Know-how besitzt, seine Interessen gegen andere Teile des Volkes durchzusetzen, hat ein vitales Interesse daran, seinen Kindern gerade auch durch Schulbildung Vorteile zu sichern. Informationpflicht wäre für sie kontraproduktiv. Dann würden "Bildungsferne" ganz schön nah .... @Rahab: "irgendwie kann ich die bildungsfernen auch verstehen." Ich kann Dich nicht verstehen. |
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vielleicht, Leif Miles, hätte ich vor 'bildungsfernen' ein 'sog.' setzen sollen.
anders gesagt: wo steht denn geschrieben, dass die, welche als solche bezeichnet und mit der primarschule mitgenommen werden sollen, diese art von bildung wollen, brauchen, wünschen? das ging mir so durch den kopf und daher stellte ich mir vor, dass wer aus anderen gründen als die sog.elite ebenfalls mit 'nein' stimmen wollte, ja einfach nur nicht abstimmen mußte. und das habe ich dann etwas weiter zugespitzt, aber wohl unverständlich, deshalb noch deutlicher: die sog. bildungsfernen eltern wollten ihren kindern ersparen, länger als unbedingt nötig mit den 'bonzenkindern' in einer klasse hocken zu müssen. |
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schrieb am
19.07.2010 um 13:52
@Rahab, jetzt beginne ich zu verstehen...wahrscheinlich war die Wahlbeteiligung in den Bonzenvierteln vergleichsweise überproportional hoch, weil die Pfeffersäcke den sog. Bildungsfernen die verlängerte Anwesenheit ihrer Kinder (in der gleichen Klasse/Schule) ersparen wollte...
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das kann natürlich auch sein....
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"ps: irgendwie kann ich die bildungsfernen auch verstehen. die wollten die bildungsnahen (streber!) so schnell wie möglich los und endlich unter sich sein."
Ich verstehe dich! :-) |
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Gute Fragestellungen. Ich möchte noch ergänzen:
Eltern mit genügend Geld haben IMMER die Wahl ihre Kinder auf "bessere" Schulen zu schicken. Wäre der Volksentscheid anders ausgegangen, hätten sie trotzdem ihre Kinder auf Privatschulen schicken können und somit ein Ergebnis in ihrem Sinne so erzwungen. Nun sind viele Privatschulen (nicht alle) wirklich besser (im pädagogischen Sinne und Ausstattung, etc.) und es sind nicht alle nur für "Reiche" zugänglich. Viele Montessori oder Waldorfschulen (auch andere Reformschulen) nehmen auch zu einem gewissen Prozentsatz Kinder aus nichtwohlhabenden Familien auf, bzw. das Schulgeld ist nach Einkommen gestaffelt. Meine alleinerziehende Cousine, die nicht viel Einkommen hatte, konnte ihre Kinder trotzdem auf eine Reformschule schicken. Skeptisch bin ich auch, was die "Reform" in Hamburg wirklich gebracht hätte, der inhaltliche Murks und veraltete pädagogische Inhalte und Strukturen wären doch fortgeführt worden, wahrscheinlich mit dem Ergebnis einer allgemeinen Verschlechterung für alle Kinder. |
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schrieb am
19.07.2010 um 15:41
>>die sog. bildungsfernen eltern wollten ihren kindern ersparen, länger als unbedingt nötig mit den 'bonzenkindern' in einer klasse hocken zu müssen.<<
Spekulieren kann ja viel. Aber wer ausser den Betreffenden selber weiss, was die Mehrheit der Stimmberechtigten bewogen hat, der Abstimmung fernzubleiben? Das Abstimmungsergebnis gibt eine Minderheitsmeinung wieder. |
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sicher, mein satz ist spekulativ.
eines der lieblingsargumente gegen volksentscheide - führt zur wiedereinführung der todesstrafe - ist es ja auch. |
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P.S. Der Glaube, das allein das zusammen lernen von Kindern unterschiedlicher Schichten zu einer höher Qualifizierung von Kindern von unteren Schichten führen muß, ist ein fataler Aberglaube.
Viel wichtiger wäre, spezielle Fördermaßnahmen für diese, besser ausgebildete Pädagogen, andere Rahmenpläne und vor allem eine einfachere Durchlässigkeit zur nächst höheren Schule(Studium). |
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Wer mehr direkte Demokratie auf allen staatlichen Ebenen will, muss in Kauf nehmen, dass Volksentscheide in manchen Politikfeldern auch als wirksame Instrumente im "Klassenkampf von oben" funktionieren. Deren Organisatoren beherrschen inzwischen perfekt die Rhetorik von " Demokratisierung durch Erweiterung von Partizipation" und sind ohnehin erfahren und effizient darin, Sponsoren, juristischen Sachverstand und mediale Unterstützung zu beschaffen.
Nach dem Erfolg in Hamburg, der auch von FDP und konservativer CDU gefeiert wird, könnte NRW der nächste Schauplatz von schulpolitischen Volksbegehren und -entscheid auf Landesebene bzw. von Bürgerbegehren und -entscheiden in den Kommunen werden, wenn RotGrün mit der Tolerierung der LINKEn demnächst Maßnahmen zur Förderung längeren gemeinsamen Lernens in Primar- und Sekundarstufe I beschließen sollten. CDU und FDP warten schon darauf, mit der Mobilisierung außerparlamentarischen und basisdemokratischen Protests ihren Wiederaufstieg beginnen zu können. Die Geschichte macht klar, dass sie Grund zum Optimismus haben: das erfolgreiche Volksbegehren gegen die "kooperative Schule" in 1978 war das Ende der Gesamtschul-Politik in NRW und ist bis heute ein Trauma der NRW-Sozialdemokraten, das sie vorsichtig und defensiv gemacht hat. Was heißt das für für die erste Frage von nbo? Linke sollten daran festhalten, mehr Elemente direkter Demokratie innerhalb des parlamentarischen Systems zu fordern und, wo sie es können, auch durchzusetzen. Ihre Argumente dafür werden durch politische Niederlagen gegen den "Klassenkampf von oben" wie in Hamburg heute und in NRW 1978 nicht falsch. Aber sie muss von der Vorstellung Abschied nehmen, direkte Demokratie sei der Königsweg in eine demokratische und solidarische Gesellschaft. Und sie muss lernen, sich in den politischen Auseinandersetzungen der Bürgergesellschaft besser zu organisieren. |
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wenn man Volksentscheide will, wird man das Ergebnis dann wohl auch akzeptieren müssen. Als die Aktion Pro Reli 2009 eine Schlappe einstecken musste, jankten sie auch auf ihrer Webseite rum, der Staat habe Pro Reli bekämpft. Nun sind es die "Eliten"
? die eine Schulreform kippten? Wie auch immer, wenn man über Jahre nur beschämende 4.8 % des BIP in die Bildung investiert, reißt längeres gemeinsames Lernen die Kinder aus bildungsfernen und/oder armen Haushalten auch nicht aus der Misere. Das was zu Hause von den Eltern nicht geleistet werden kann, können andere Kinder nun mal nicht kompensieren. |
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Es gibt keinen Grund demokratische Entscheidungen zu diskreditieren. Auch finde ich es ok, wenn nur die abstimmen, die sich mit der Thematik beschäftigt haben und von der Reform betroffen sind. Wichtig ist, dass jeder auch die Möglichkeit hat, sich über verständlich aufbereitete Informationen, mit dem Gegenstand der Abstimmung vertraut zu machen.
Die Frage wäre, ob man eine Werbe-Budget-Begrenzung einführen könnte, damit verhindert wird, dass Sponsoren eine Entscheidung massiv bewerben können. Pro und Contra-Parteien sollten sich vielleicht auf ein gleich großes Budget einigen. Dauerhaft in einem Land lebende Ausländer müssten mitstimmen durfen. Was die Entscheidung in Hamburg angeht, muss man einfach feststellen, dass die Befürworter der Schulreform es nicht vermocht haben, die Qualität und den Gewinn dieser Reform in der Öffentlichkeit herauszustellen. Als erstes würde ich doch mal als Ursache des Ergebnisses vermuten, dass die Schulreform schwerwiegende Mängel aufweist, eher als eine „halbe Sache“ erscheint und nicht bis in alle Bereiche durchdacht ist. Sie war für die meisten nicht unterstützungswürdig. Die GEW hat zwar die Reform unterstützt, hat aber insbesondere Mängel an den Rahmenbedingungen festgestellt. Den entscheidenden Fehler sehe ich aber darin, dass es sich hier wieder einmal um eine Reform handelt, die nicht von „Unten“ entwickelt, sondern von „Oben“ verordnet wurde. So ist Qualität und Zustimmung schwer zu erreichen und das kann natürlich auch dazu führen, dass eine Stimmabgabe dazu genutzt wird, um der Regierung eins auszuwischen. M.E. gehört zu einer Demokratie auch der gesellschaftliche Diskurs vor der Entwicklung eines Reformkonzeptes insbesondere unter Einbeziehung der Betroffenen. Das wären hier: Eltern, Schüler, Lehrer. |
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Nichts ist falsch an deinen Aussagen, sie kommen mir jedoch etwas naiv vor, da du zu glauben scheinst, in Sachen 6jähriger Grundschule gehe es in einem "herrschaftsfreien Dialog" um den Wettstreit der besseren (pädagogischen) Argumente, an dessen Ende sich durchsetzt, was nach Auffassung der Mehrheit zu Recht mehr Rationalität für sich beanspruchen kann. Die Wirklichkeit ist viel prosaischer: Es geht den Initiatoren des Hamburger Volksentscheids um den Fortbestand ihrer Privilegien beim Zugang zu höherer Bildung, um die Abwehr von Konkurrenz für ihre Kids aus den sog. bildungsfernen Schichten und um maximalen Abstand zu den "Schmuddelkindern" aus Migrantenmilieus und deutschen Unterschichten.
Du wirst sehen, dass die rotgrüne Minderheitsregierung, wenn sie mit Unterstützung der LINKEn auf Initiativen von unten zur Ermöglichung von längerem Lernen setzt und die Entscheidung den Kommunen überlässt, auf den Widerstand von landesweiten und kommunalen Initiativen treffen wird, die fleißig, mit Unterstützung von CDU und FDP und erfolgreich Unterschriften für Volks- und Bürgerbegehren sammeln werden. Es geht nicht um die besseren Konzepte und Argumente, sondern um Etappensiege im "Klassenkampf von oben". |
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Ja, koslowski, ist mir schon klar, dass es den Initiatoren um ihre Eigeninteressen ging. Man kann dem nur etwas entgegenhalten, dass eine für jeden nachvollziehbare Qualität hat. Und diese muss auch einen Vorteil für die Kinder aus höheren Einkommensschichten haben. Das alleinige gemeinsame lernen ist es aber noch nicht – dazu gehören auch die Rahmenbedingungen, die z.B. von der GEW gefordert werden.
Intelligente Lösungen, die verstehbar präsentiert werden, haben ihre eigene Kraft. Darauf setze ich. Die geplante Vorgehensweise in NRW, die Kommunen entscheiden zu lassen, finde ich sinnvoll und wenn dort Lehrer, Eltern und Schüler einbezogen werden und mehr in Bildung investiert wird, könnte es an mehreren Stellen etwas werden und die Erfahrungen, die dort gesammelt werden, können ja auch den weiteren sehr langwierigen Reformprozess beflügeln. Ich bin gerne optimistisch. |
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@ Fro und koslowski
Wer überblickt denn heute noch bundesweit das Bildungssystem? Wenn nun die NRW-Minderheitsregierung aus Angst vor der Opposition auf kommunale Entscheidungen setzt, wird die Zersplitterung der Schulbildungsgänge fortgesetzt, und zwar innerhalb eines Bundeslandes. Das ist die Potenzierung der Verhackstückung. Jeder länderübergreifende Umzug ist für Familien mit schulpflichtigen Kindern jetzt schon ein Problem. Sollten die NRW-Vorstellungen Wirklichkeit werden, kann schon ein Wohnungswechsel in die Nachbargemeinde die Kinder in Schwierigkeiten bringen. Dieser grün-rote Politikansatz ist nicht zu vermitteln, da Umfragen in den letzten Wochen zeigten, dass die große Mehrheit eine bundesweite Vereinheitlichung des Bildungssystems wünscht. Hier liegt ein Thema brach, das Potenzial besitzt. |
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schrieb am
19.07.2010 um 20:24
>>Es geht nicht um die besseren Konzepte und Argumente, sondern um Etappensiege im "Klassenkampf von oben".<<
Sicher ist der Abstimmungsgegenstand ein Element des Klassenkampfes. Um eine echte Bildungsreform ging es dabei ohnehin nicht, den 6 Jahre Grundschule sind keine Gesamtschule. Und Gesamtschule an sich wäre erst auch mal eine Formalität, bei noch nicht über Bildungsinhalte entschieden wäre. Wahrscheinlich war es eher ein Test, so wie die Rauchkneipenabstimmung in Bayern. Das Volk hat den Test bestanden: Es ist zu blöd zum Abstimmen. Die Frage, warum auch in Volksabstimmungen die Seite "oben" siegt, ist damit nicht beantwortet. Dewegen noch mal zum Vorschlag von Fro: >>Die Frage wäre, ob man eine Werbe-Budget-Begrenzung einführen könnte, damit verhindert wird, dass Sponsoren eine Entscheidung massiv bewerben können.<< Wenn schon, dann Werbung ganz verbieten. Der Antragsteller kann seine Antragsbegündung verteilen, das ist nicht teuer. Dann können die Leute das diskutieren, am Biertisch, am Küchentisch, in der Brotzeitpause, wo und wann auch immer. Dafür werden keine Vorbeter gebraucht. Jeder Vorbeter ist ein Betrüger, ob er für ein Abstimmungsergebnis oder für ein Produkt Stimmung aufheizen will. Werbung verbieten wäre auch nur über eine Volksabstimmung möglich. Klar zu machen, dass man für freie Entscheidungen keine Vorbeter braucht, ist unser Job, und wir sind stets im Einsatz. Überall und immer, wenn es um Entscheidungsfreiheit geht. |
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@Achtermann
Ein einheitliches Bildungssystem, finde ich auch dringend erforderlich, aber in dieser Hinsicht ist ja noch nicht all zu viel passiert – das dauert noch – und wie soll es letztlich aussehen und welche Lerninhalte sollen vermittelt werden? Ich glaube, dass praktische Erfahrungen nötig sind, um optimale Reformkonzepte entwickeln zu können, insofern kann die NRW-Lösung hilfreich auch für ein bundesweit einheitliches Schulsystem sein. Deine Bedenken wegen der Zunahme der Uneinheitlichkeit innerhalb des Schulsystems kann ich allerdings auch verstehen. Aber irgendwie muss es ja vorangehen. @Claudia Bei Volksentscheiden ausschließlich Sachinformationen von den jeweiligen Pro und Kontra-Parteien zulassen, würde ich auch befürworten. Zusätzlich könnte man noch gut aufbereitete Hintergrundinformationen im Internet bereitstellen, bzw sie an Interessierte zusenden. Emotionalisierende Werbung, wie sie ja auch massiv bei der Abstimmung zum Minarettverbot eingesetzt wurde, dürfte m.E. nicht zugelassen werden.. |
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Hier noch zwei interessante Infographiken über Wahlbeteiligung und politische Lager / Milieus in den Hamburger Stadtteilen.
dishwasher.blogsport.de/2010/07/18/hamburger-volksentscheid-wahlbeteiligung-spiegelt-armutsverteilung/ networkedblogs.com/5Z5s3 |
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"Die fetten Viertel haben zur Abwechslung den ärmeren den Kampf angesagt."
Nicht zur Abwechslung. Nicht erst jetzt. Genau darin liegt die Chance. Kein billiges Versteckspiel mehr. Keine Illusion von demokratischer "Vertretung". Es wird eine gewisse Zeit dauern. Medien werden es eine Zeit lang kaschieren können. Aber das Ergebnis zeichnet sich deutlich ab: Klare Fronten. Eine bessere Ausgangsbasis für konkrete Handlungsalternativen gibt es nicht. Hamburg war nur ein Geplänkel. (Diese "Gefahr" versucht Hofsoziologe Wagner zu verwischen.) |
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So scheint es zu sein, Streifzug. Die Bourgeoisie (ich entschuldige mich selbstverständlich für diese marxistische Vereinfachung) sieht sich von ihrem politischen Personal (CDU für die traditionelle, die Grünen für die metropolitane Variante) nicht mehr vertreten und zeigt mal eben die Instrumente. Die Gegner der "Reform" haben nach einem Bericht der FR mit allen erlaubten und unerlaubten Tricks gearbeitet, als ob es um Liquidierung eines Marktkonkurrenten oder um eine feindliche Übernahme ginge. Angesichts des massiven Einsatzes wirtschaftlichen und politischen Kapitals können sich die Vertreter des kulturellen nur blamieren.
Übrigens. Wie hat sich eigentlich die SPD in Hamburg verhalten? |
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@ Streifzug
Diese klaren Fronten sehe ich auch. Es wäre unsinnig nicht von Klassenkampf zu sprechen, wo doch der Deutsche Lehrerverband schreibt "endlich eine bürgerliche Revolte" und Sloterdijk das "Klassenbewusstsein der Leistungsträger" anmahnt. @wwalkie Genaue Terminologie ist wichtig. Es geht hier um die Frage der Klassenreproduktion: "Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Schau betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Artz, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt." (MEW 4, S. 465) Es geht hier nicht um die Bourgeoisie, also um die Kaptialbesitzer, sondern um Klassenreproduktion dieser "Lohnarbeiter". In Deutschland liegt die Aufgabe dieser Reproduktion vor allem in den Familien. Hier besteht ein Grundwiderspruch zwischen den Kapitalinteressen und den Interessen der Privilegierten. Dieser Grundwiderspruch führt direkt zu eugenischen und klassenrassistischen Maßnahmen wie bspw. der Einführung des Elterngeldes und der Streichung des Elterngeldes für "nichtreproduktionswürdige" Klassen. |
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schrieb am
21.07.2010 um 14:48
>>...und der Streichung des Elterngeldes für "nichtreproduktionswürdige" Klassen.<<
Da geht es wohl eher um die Reproduktion von Armut. Damit jede/r von Geburt an weiss, wo sein/ihr Platz ist. |
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Dieser Beitrag bringt viele Aspekt an das Tageslicht. Zum einen die Migrantenfamilien, die nicht abstimmen dürfen, aber davon am meisten betroffen sind. Natürlich haben die Gegner des längernen gemeinsamen lernens mehr Geld zur Verfügung als die anderen. Und deshalb mehr Möglichkeiten die Medien zu beeinflussen und Plakte zu kleben. Und so Stimmung zu machen. Der gemeine Mensch ist träge sich mit poliitischen Zusammenhängen auseinanderzu setzen. Und so kommt schnell eine Abstimmung zu stande, die die meisten Menschen dann doch nicht wollten. Und die konservativen Kultusminister stimmen in den Chor ein, die Menschen wollten in der Schulpoliotik keine "dauernden" Veränderungen. Wie soll es mit Pisa besser werden, wenn nicht durch Veränderungen ? Der Blick nach Skandinavien kann da helfen.
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Die fetten Viertel haben zur Abwechslung den ärmeren den Kampf angesagt. >> Was haben denn die Kinder der Armen von einer gemeinsamen Schulzeit mit den Kindern der Reichen? Freundschaften? Es gibt in Deutschland keinen einzigen intelligenten Armen, der nicht aufs Gymnasium gehen koennte. Hoechstens dumme Reiche, die durchgeschleppt werden, wobei ich mich nicht an irgendeinen Reichtum in meiner Klasse erinnern kann. Was verdient ein Professor? Die Armen werden auch nicht reicher, wenn man die Reichen enteignet. Es sind nur die Reichen weg. So ist das auch im Bildungswesen. Es sind dann einfach die Gebildeten weg. |
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Freundschaften? >> Die Sozialisation findet auch ausserhalb der Schule statt. Beim Mofafrisieren etc. |
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Eine Spaltung des Volkes in Wohlhabende und Arme wird doch gerade beklagt, da wäre es wenig glaubwürdig, wenn man sich auf das Spaltungsbestreben einiger, die sich für die Elite halten, einließe – auch wenn es auf der Seite der Benachteiligten wäre.
Die Initiative“Wir wollen lernen“ hat ihre Ziele mit einer gewissen Dreistigkeit und für mich auch undemokratischen Haltung durchgesetzt – aber dass sie es konnten lag doch auch an dem unattraktiven Reformmodell, das da zur Wahl stand. Ein optimales durchdachtes Bildungskonzept, verstehbar präsentiert, sehe ich als Voraussetzung für allgemeine Unterstützung. Da sollte man das Hauptaugenmerk drauf legen und nicht auf die "unfähigen Bürger", die einem undurchdachten, schlecht finanzierten Schulkonzept ihre Zustimmung verweigerten. Oder auf 20% der Bürger, die die Reform aus ganz unterschiedlichen Gründen abgelehnt haben. Nur einen sehr kleinen Teil von ihnen wird man letztlich als die unsozialen Klassenkämpfer von „oben“ ansehen können – viele wollten einfach eine befürchtete Verschlechterung der Lernbedingungen für ihre Kinder verhindern – egoistisch und elitär vielleicht – aber überwiegend würde ich es nicht als bewusste Kampfansage an die Benachteiligten verstehen. Eher als eine egoistische Missachtung der sozialen Verhältnisse - und nicht zu vergessen: Es gibt auch fachliche Kritik an der Reform. Insofern finde ich die Aufregung hier überzogen. .... Es besteht ein Reformbedarf der Abstimmungsbestimmungen für Volksentscheide (siehe Kommentare oben) und es besteht der Bedarf an klugen Reformkonzepten, die unter Zuhilfenahme wissenschaftlicher Erkenntnisse, praktischer Erfahrungen (auch im Ausland) und der Willensäußerung und den Vorschlägen der Betroffenen zustande kommen. Das wären für mich die Lehren aus diesem Vorgang in Hamburg – und zwischendurch denke ich: Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass die Reform abgelehnt wurde – man könnte sich nach einer Ruhezeit noch einmal etwas gründlicher mit einer Schulreform befassen.... |
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Bevor man überhaupt von Klassenkampf spricht sollte man überlegen, ob mit der geplanten Reform überhaupt das gewünschte Ziel erreicht worden wäre. Einen praktischen Beweis dafür gibt es nicht. In Holland (?) wurde dies System schon wieder wegen mangelnden Erfolgs abgeschafft. Der Grund für die Bildungsmisere liegt auch eher in der Auswahl der Pädagogen und dem Interesse der Eltern als am Schulsystem an sich. Diese beiden Faktoren bergen aber Konfliktstoff, weshalb man sich lieber der Systemfrage widmet.
Eine Umfrage unter Lehramtsanwärter zum Grund ihrer Berufswahl ergab zu über 70% die Länge der Ferien. Wie man denn sonst so gestrickt ist wurde gerade vor Gericht mit der Pädagogin und dem Häschensyndrom deutlich. Wie die Elternschaft zu beurteilen ist, zeigt ganz einfach die Wahlbeteiligung im aktuellen Fall. Wem die Bildung seines Nachwuchses egal ist geht eben nicht zur Wahl. Damit sind wir dann auch schon bei der Frage ob es hier überhaupt um einen Klassenkampf geht. Die "Oberschicht" war mit dem seit über 100 Jahren bestehenden Zustand zufrieden und wurde mit den Reformvorschlägen nicht nur linker Gutmenschen angegriffen. Also befand sie sich erst einmal in der Defensive. Die Unterschicht interessierte sich offensichtlich überhaupt nicht für diese Reform und blieb zu Hause. Wo ist denn da bitte schön der Klassenkampf? Deutlich sichtbar war das doch wohl eher der Kampf der besserwisserischen Bürgerschaft mit allen Fraktionen gegen Eltern, die sich um die Bildung ihrer Kinder sorgen. Der Trick der Sache ist doch, dass alle die Freiheit hatten zu wählen und dies auch getan haben. Auch indem sie nicht zur Wahl gegangen sind. Jeder hat eben seine Schwerpunkte. Völlig schwachsinnig ist auch die Diskussion wer denn mit abstimmen darf. Wahlberechtigt ist man in Deutschland per se ab 18 Jahren. Schüler mit 10 oder 11 Jahren über ein Schulsystem abstimmen zu lassen ist wirklichkeitsfremd. Auch darf man getrost die Wahlberechtigten auf die Bevölkerung mit deutschem Pass einschränken. Sonst müssten wir nbo mal fragen, auf wie viele Kinder er denn kommt. Nur wer Kinder in der Schule hat darf hier eigentlich mitreden. Kinderlose dürften grundsätzlich in dieser Frage nicht mit abstimmen. Sich selber moralisch mit zweifelhaften Reformen auf Kosten anderer zu befriedigen macht nicht gerade beliebt. |
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@ Rheinländer am 21.07.2010 um 15:03
Falls Sie, fröhlicher Rheinländer, immer noch Schwierigkeiten haben sollten woran sich Klasssenzugehörigkeit und "Klassenkampf von oben" offenbarten, dann kann ich Ihnen versichern, ihr Kommentar ist ein "herr"liches Dokument für Klassenkampf von oben und Ausweis von Klassenzugehörigkeit. |
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schrieb am
22.07.2010 um 09:27
Lieber Herr Theel,
ob ich nach heutiger Definition wirklich einer Klasse zuzuordnen bin wage ich zu bezweifeln. Klassen im marxistischen Sinn gibt es schon seit einiger Zeit nicht mehr. Leider wird dies konsequent ignoriert, da der Mensch nichts weniger hasst als tatsächliche Veränderungen. Bei dieser Geschichte fällt doch auf, dass sich dieses Mal Politiker aller Fraktionen und die übliche Herde von Gutmeinenden und Besserwissern unaufgefordert für eine Personengruppe stark machen, die offensichtlich keinen Bedarf daran hat. Persönlich würde ich mir solche Bevormundung verbitten, denn nichts anderes ist dies. Auch wenn sich hier aus Ihrer Sicht vielleicht ein böser Klassenkampf abspielt sind inhaltliche Fragen immer noch offen. Bringt das berühmte längere gemeinsame Lernen tatsächlich etwas für Schwächere und entsteht gesamtgesellschaftlich gesehen überhaupt ein Nutzen wenn man leistungsstärkere Schüler bremst. Ideologiefrei gesehen weiß jeder insgeheim, dass dem wohl nicht so sein wird. Dem jetzigen System wird aus unerfindlichen Gründen unterstellt, dass es nicht fair sei. Als Vater von drei Kindern, die auf verschiedene Schulen gehen, kann ich Ihnen aber bestätigen, dass dies nicht der Fall ist. Entscheidend für den Erfolg der Kinder ist das Engagement der Eltern, worauf wir Einfluss haben und die Qualität der Lehrer, die sich unserem Einfluss entziehen. Ob nun Gymnasium, Gesamt- oder Realschule spielt dabei überhaupt keine Rolle für die künftigen beruflichen Optionen. Wenn ich mich so in den Klassen umsehe die Klassenzugehörigkeit übrigens auch nicht. Klassenkampf ist mittlerweile Don Quichotterei und etwas für politische Dinosaurier. Zu meiner eigenen "Klassenzugehörigkeit". Vom Einkommen her gehöre ich nach aktueller Definiton, wie so gut wie jeder Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung, schon zu den besser Verdienenden. In der Praxis bleibt davon bei drei Kindern aber nichts über, weil Familien immer noch massiv benachteiligt und von allen Parteien ausgebeutet werden. Dies ist ein bewusst selbst gewähltes Schicksal. Trotzdem stößt mir die schulische Bevormundung mit den ganzen albernen Experimenten auf. |
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@ Rheinländer am 22.07.2010 um 09:27
Lieber Rheinländer, danke für Ihre Antwort. ad Klassenbewußtsein: Der marx´sche Klassenbegriff ist zuallererst ein politischer unter Aspekten der (unverändert existierenden bürgerlichen) Herrschaft. Er ist kein soziologischer Begriff, daher war schon Dahrendorffs Schichtenmodell als "zukunftsweisender", neuer Begriff hier am Ziel der Kritik vorbei formuliert. Ich würde Ihnen zugeben, dass der Quell von Klassenbewußtsein und Kriterien der Klassenzugehörigkeit unter modernen Bedingungen des Spätkapitalismus, in Zeiten der tatsächliche, von Marx nur antizipierten Herausbildung des einen Weltmarktes ("Globalisierung") einer Reformulierung bedürfen, nichgt aber, dass diese obsolet geworden seien. Da hätte ich dann gerne von Ihnen dann schon mal eine inhaltliche Begründung für Ihre These gehört. ad Bildungssystem: Was Ihre Ausführungen zum Bildungssystem, sei es auch am persönlichen Beispiel Ihrer Kinder betrifft, so entnehme ich spätestens Ihrer Formulierung "Entscheidend für den Erfolg der Kinder ist das Engagement der Eltern, worauf wir Einfluss haben und die Qualität der Lehrer, die sich unserem Einfluss entziehen", dass sie hochideologisch und wenig sachkennerich zu argumentieren suchen. Um es kurz zu machen: Bei aller Anerkennung von elterlichem Engagement im Schulwesen, das mittlerweise leider sogar vom Staat als Flickschusterei am Bildungssystem eingefordert wird, so kann dieses niemals die Professionalität von gelernten Pädagogen ersetzen oder professionell beraten - Raum für deren Verbesserung sehe ich selbstverständlich auch, wenn auch wahrscheinlich in anderen Bereichen als Sie. Ich weiß nicht, in welchem Beruf Sie arbeiten, aber Ihnen würde wohl auch nicht einfallen, dass ein ausgebildeter Ingenieur zu ersetzen sein könnte durch eine Hausfrau, die dem Klempner mal bei der Arbeit zugeschuat hat, oder ein Buch "Klempner für Dummies" gelesen hat. Dass "wir alle mal Schüler waren" kann da niemals ein wirkliches Argument jenseits populistischer Talkshows sein. Ihre Ausführungen zur Pädagogik des "länger Zusammenlernens" scheint mir jedenfalls mehr aus Parteiprogrammen, denn aus Fachkenntnis gespeist. Wenn Sie Schule als Bevormundung für sich und Ihre Kinder betrachten, Ich beobachte mit welcher Arroganz und Ignoranz sie den Bewußseins- damit auch das Klassenbeußsein der durch die Hamburger Entscheidung Benachteiligten betrachten, dann wundert mich ihre Argumentationsweise in der Tat immer weniger. |
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@rheinländer:
Wir können statt Klassen auch von Schichten sprechen. Demographisch wird selbstverständlich zwischen Ober-, Mittel- und Unterschicht unterschieden. Siehe dazu auch: bit.ly/9u6cuT (FAZ vom 19.7.2010) "Damit sind wir dann auch schon bei der Frage ob es hier überhaupt um einen Klassenkampf geht. Die "Oberschicht" war mit dem seit über 100 Jahren bestehenden Zustand zufrieden und wurde mit den Reformvorschlägen nicht nur linker Gutmenschen angegriffen." Klar war die Oberschicht zufrieden mit dem dreigeteilten System. Und schön, dass mal wieder der konservative Kampfbegriff "Gutmensch" zur Sprache kam, den hatte ich schon vermisst. "Völlig schwachsinnig ist auch die Diskussion wer denn mit abstimmen darf. Wahlberechtigt ist man in Deutschland per se ab 18 Jahren. ... Auch darf man getrost die Wahlberechtigten auf die Bevölkerung mit deutschem Pass einschränken." Macht man ja, darf man nicht nur. Die Frage ist, ob es so bleiben muss. Muss Demokratie auf den Staatsbürger als Träger der "Volkssouveränität" beschränkt bleiben, oder sollte sie sich vielleicht auch auf die Bewohner erstrecken? 1949 war vielleicht noch nicht abzusehen, dass die Bundesrepublik ein Einwanderungsland wird. Jetzt ist es höchste Zeit, dem Rechnung zu tragen. "Sonst müssten wir nbo mal fragen, auf wie viele Kinder er denn kommt. Nur wer Kinder in der Schule hat darf hier eigentlich mitreden. Kinderlose dürften grundsätzlich in dieser Frage nicht mit abstimmen." Genau. Das musste ja auch mal gesagt werden. nbo hat noch keine Kinder, aber im Interesse seiner künftigen Kinder fühlt er sich abstimmungsberechtigt. Wat'n Demokratieverständnis, lieber Rheinländer! |
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@rheinländer:
Wir können statt Klassen auch von Schichten sprechen. Demographisch wird selbstverständlich zwischen Ober-, Mittel- und Unterschicht unterschieden. Siehe dazu auch: bit.ly/9u6cuT (FAZ vom 19.7.2010) "Damit sind wir dann auch schon bei der Frage ob es hier überhaupt um einen Klassenkampf geht. Die "Oberschicht" war mit dem seit über 100 Jahren bestehenden Zustand zufrieden und wurde mit den Reformvorschlägen nicht nur linker Gutmenschen angegriffen." Klar war die Oberschicht zufrieden mit dem dreigeteilten System. Und schön, dass mal wieder der konservative Kampfbegriff "Gutmensch" zur Sprache kam, den hatte ich schon vermisst. "Völlig schwachsinnig ist auch die Diskussion wer denn mit abstimmen darf. Wahlberechtigt ist man in Deutschland per se ab 18 Jahren. ... Auch darf man getrost die Wahlberechtigten auf die Bevölkerung mit deutschem Pass einschränken." Macht man ja, darf man nicht nur. Die Frage ist, ob es so bleiben muss. Muss Demokratie auf den Staatsbürger als Träger der "Volkssouveränität" beschränkt bleiben, oder sollte sie sich vielleicht auch auf die Bewohner erstrecken? 1949 war vielleicht noch nicht abzusehen, dass die Bundesrepublik ein Einwanderungsland wird. Jetzt ist es höchste Zeit, dem Rechnung zu tragen. "Sonst müssten wir nbo mal fragen, auf wie viele Kinder er denn kommt. Nur wer Kinder in der Schule hat darf hier eigentlich mitreden. Kinderlose dürften grundsätzlich in dieser Frage nicht mit abstimmen." Genau. Das musste ja auch mal gesagt werden. nbo hat noch keine Kinder, aber im Interesse seiner künftigen Kinder fühlt er sich abstimmungsberechtigt. Wat'n Demokratieverständnis, lieber Rheinländer! |
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schrieb am
22.07.2010 um 15:32
Lieber Herr Theel,
Beschränken wir uns erst einmal auf das Thema Schule. Gerade der Fall Hamburg zeigt doch, dass meine Ausführungen eben nicht aus einem Parteiprogramm stammen. Dort haben sich die Parteien von links nach rechts für die Schulreform ausgesprochen. Welche der dort vertretenen Parteien hat denn in ihrem Programm für den Beibehalt der vierjährigen Grundschule plädiert? Wurde der Widerstand etwa von einer Partei organisiert? Haben nicht gerade die Parteien erlebt, dass sie am Volke vorbeiregieren? Was ist ideologisch daran, wenn ich mich um die Bildung meiner Kinder kümmere? Was die Qualität der Lehrer betrifft habe ich in einem vorherigen Beitrag schon auf eine Umfrage unter den Lehramtsanwärtern hingewiesen, was denn ihre Intention zur Wahl ihres Berufes war. Wenn dabei viel Freizeit raus kommt scheint mir dies kein Qualitätsmerkmal zu sein. Die Praxis bestätigt dies auch. Wenn man regelmäßig zu Elternabenden und Elternsprechtagen geht, sich in Fachausschüssen und der Elternpflegschaft engagiert bekommt man schon einen ziemlich detaillierten Einblick was da so wie abläuft und welche Lehrer sich engagieren und welche nicht. Es lässt sich auch problemlos nachlesen, dass Lehrer die Berufsgruppe sind, die am häufigsten und frühesten vorzeitig in Pension geht. Entziehen sich diese Fakten ihrer Sachkenntnis? Diese ganzen Probleme wären dann bei Einführung einer Primarschule verschwunden? Mit der Bevormundung habe ich mich mißverständlich ausgedrückt. Gemeint ist hier wieder die Politik, die mit neuen Schulmodellen und sonstigen Scherzen die Eltern gängelt. In der Grundschule musste meine Tochter auch das tolle Modell von zusammengelegten 1. und 2. Klassen über sich ergehen lassen. Auch so ein Schuß in den Ofen und von dem gleichen Kaliber, der schnell wieder aufgegeben wurde. Da Sie sich so engagiert für gelernte Pädagogen einsetzen vermute ich doch einmal, dass Sie selber einer sind. Das Problem besteht darin, dass in den meisten anderen Berufen eine Qualitätskontrolle durch den Markt erfolgt. Nur bei Lehrern nicht, die sind unkündbar. Entsprechend gibt es eine ganze Menge, die anscheinend ausgerechnet die Pädagogigseminäre verpasst haben. Im Auftrag der Elternschaft habe ich schon Unterrichten beigewohnt und darf Ihnen versichern, dass da oft von Didaktik nichts zu spüren war. Herr Theel, vielleicht bin ich ja arrogant und ignorant, aber die von Ihnen als benachteiligt bezeichneten Personen hatten die Freiheit zu wählen. Niemand hat es ihnen verboten. Wollen Sie die Menschen wirklich zwingen nach Ihrer Facon glücklich zu werden? Totalitarismus der neuen Art? Und zu guter letzt verraten Sie mir doch einmal, warum das vehemente Eintreten für die Primarschule, deren Erfolgsaussichten für das definierte Ziel mehr als fraglich ist, nicht hochideologisch ist? |
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schrieb am
22.07.2010 um 16:21
@nbo
Soweit mir bekannt, ist es in Deutschland nicht verboten zwischen den Schichten auf- und abzusteigen. Das ist letztlich die Entscheidung jedes Einzelnen. Von daher ist es in der Tat egal ob wir von Klassen oder Schichten sprechen. Die Einteilung scheint mir aber einer gewissen Willkür zu unterliegen. Der Begriff Demographie wird heute eigentlich mehr im Zusammenhang mit der Altersstruktur einer Gesellschaft genutzt, dies ist aber wohl nicht gemeint. Irgendwelche Definitionen, wer wählen darf muss es halt geben. Die existierende erscheint mir sehr praktikabel. Daher dürfen auch Sie ohne Kinder über Schulsysteme abstimmen. Dagegen spricht gemäß meiner eigenen Aussage ja auch nichts. Ich meckere ja auch nicht wenn eine Andrea Ypsilante und eine Hannelore Kraft ihren Nachwuchs in Privatschulen unterbringen, die ich mir nicht leisten kann, obwohl ihre Partei für die Gesamtschule plädiert. Steht übrigens so im Programm. Bei jeder anstehenden Wahl sollten aber nicht die Kriterien geändert werden, um so zu versuchen das Ergebnis zu manipulieren. Das ist es wogegen ich mich wende und weshalb ich meine, dass es zwar nicht so bleiben muss, aber die Alternativen auch nicht besser sind. Meine Art von Demokratieverständnis. So wie ich es gelesen habe, haben aber Sie ein Problem mit dem Wahlergebnis in Hamburg und versuchen schon die Weichen für spätere Wahlen zu stellen, damit das Ergebnis Ihren Vorstellungen entspricht, darauf basiert auch Ihr Wunsch die Kriterien für die Wahlberechtigten zu ändern. Oder nicht? Deutschland ist mit Sicherheit kein klassisches Einwanderungsland, weil es eben keine Arbeit in Hülle und Fülle gibt sondern ein paar Millionen Arbeitslose. So wie Thilo Sarazin es wohl richtig dargestellt hat, handelt es sich eher um eine Zuwanderung in unsere Sozialsysteme. Solchen Zuwanderern auch noch ein Stimmrecht zu geben halte ich zumindest für riskant aber auf keinen Fall für überfällig. Die Folge könnte sein, dass die Minderheit der Steuerzahler dann scharenweise verschwindet und niemand überbleibt um den Spaß zu bezahlen. Den Begriff Gutmenschen habe ich gewählt, weil es sich dabei um Leute handelt, die aus Prinzip Verbesserungen für Menschengruppen erkämpfen wollen, ohne von diesen dazu aufgefordert worden zu sein. Dies kommt einer Entmündigung gleich. Hamburg ist dafür aktuell ein gutes Beispiel. Oder haben sich die "Unterschichten" erhoben um für eine Veränderung des Schulsystems zu kämpfen? Offensichtlich sehen die keinen Bedarf. Aber dürfen die überhaupt andere Wertvorstellungen oder gar eine eigene Meinung haben? Genaugenommen erklären Sie diese Leute zu Idioten. Soweit geht nicht einmal Sarazin. Wenn Leute wie Sie sich durchsetzen wandere ich halt aus und Sie können sehen, wie Sie Ihre Traumwelt finanzieren. So sieht mein Demokratieverständnis aus, wenn mir nicht passt, was die Mehrheit will, gehe ich halt. Oder wollen Sie dann eine Mauer bauen? |
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@ Rheinländer am 22.07.2010 um 15:32
Verzeihen Sie mir Rheinländer, aber auf ihre größtenteils nur populistischen Argumente bezüglich der Kritik am deutschen Biuldungssystem, sind es mir nicht wert, sie hier zu diskutieren. Der Kern Ihrer Argumentation "Eine Umfrage unter Lehramtsanwärter zum Grund ihrer Berufswahl ergab zu über 70% die Länge der Ferien. Wie man denn sonst so gestrickt ist wurde gerade vor Gericht mit der Pädagogin und dem Häschensyndrom deutlich. Wie die Elternschaft zu beurteilen ist, zeigt ganz einfach die Wahlbeteiligung im aktuellen Fall. Wem die Bildung seines Nachwuchses egal ist geht eben nicht zur Wahl." Welche "edle" Motivation, glauben Sie, treibt den Durchschnittssbeschäftigten in Deutschland an, "seiner" Tätigkeit nachzukommen und wie hoch ist der Prozentsatz der "schwarzen Schafe" im normalen Industriebetrieb im Gegensatz zur Lehrerschaft anzusetzen, von den Nieten in Nadelstreifen erst gar nicht zu reden. Aber genau die wären weder hier noch da das ursächliche Problem, sondern es sind die Verhältnisse unter denen im Kapitalismus gearbeitet wird - hier wie dort. (Auch dazu von Ihnen keine inhaltliche Diskussion.) Diese Verhältnisse werden von Ihnen offensichtlich anders, jedenfalls nicht mit Begriffen linker Kritik aufgefasst. Das mindestens unterscheidet Ihre Einschätzung von meiner. Zu Ihrer Frage: Ich bin am Beispiel des Hamburger Modells für Modelle des "länger zusammen Lernens" anstelle der frühen Auslese eingetreten. Dazu bedarf ich keiner Ideologie, sondern pädagogischen Fachwissens, das ich besitze und der Kenntnis erfolgreicher Modelle (z.B. Skandinavien), die existieren. In Deutschland aber wird dies regierungsamtlich ignoriert. |
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Wieso eigentlich? Volksentscheide sind doch Klasse:)
In Bayern formiert sich gerade eine Bürgerbewegung für ein ein alkoholfreies Bayern. Mehr dazu auf meinem Blog www.al-bab.de |
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@Rheinländer
"Entscheidend für den Erfolg der Kinder ist das Engagement der Eltern, worauf wir Einfluss haben ..." Ich glaube, das ist der entscheidende Punkt. "Wir" = die Eltern, haben Einfluss, nicht aber die Kinder, um die es hier doch angeblich geht. Die Frage ist: Soll der Staat dafür sorgen, dass auch Kinder, deren Eltern sich nicht oder wenig engagieren, möglichst gleiche Chancen haben? - ich finde: ja. Die Betonung liegt auf "möglichst", denn der Staat kann kaum alle Nachteile ausgleichen, die das Aufwachsen in einer bildungsfeindlichen Umgebung mit sich bringt. Derzeit erleben wir allerdings eher, dass der Einfluss der Eltern immer weiter anwächst. Und zwar nicht nur ihres Engagements (z.B. auf Elternsprechtage zu gehen), sondern auch ihrer finanziellen Ressourcen (Nachhilfe) und ihres "sozialen Kapitals" (den Kindern nach der Schule einen Job verschaffen). Man kann sich natürlich hinstellen und sagen, die Kinder, deren Eltern sich nicht für Bildung interessieren, hätten eben Pech gehabt. So lässt die Gesellschaft das Potenzial dieser Kinder einfach liegen und als Erwachsene können sie dann ja ALG II beantragen. Vermutlich werden sie sich dennoch - oder gerade deswegen - auch nicht für die Bildung ihrer eigenen Kinder interessieren ... Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Mein Verständnis mit Leuten, die Kinder in die Welt setzen, sich aber für deren Bildung nicht interessieren, hält sich in Grenzen. Es gibt Gründe dafür, dass so wenige in den ärmeren Vierteln Hamburgs an der Abstimmung teilgenommen haben: Resignation, die PR-Maschine der Reformgegner, Verblödung, u.a. durch die Medien etc. Doch ein Rest von Eigenverantwortung bleibt: sich für seine Kinder einzusetzen und an so einer Abstimmung teilzunehmen. Und wenn die Bild oder die Mopo so viel blödes Zeug schreiben, einfach mal eine vernünftige Zeitung kaufen, im Internet den "Freitag" lesen :) oder statt "RTL Explosiv" mal "Monitor" einschalten. Kostet nix extra, ist nur etwas anstrengender, wenn man das Nachdenken nicht gewöhnt ist. |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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