Mit Google Squared vervollständigt die Suchmaschine eine neue Strategie: die Nutzer sollen nicht mehr weggeschickt werden.
Als sich vor 11 Jahren die Köpfe hinter Google Gedanken darum machten, wie eine Suchmaschine auszusehen hatte, kamen sie auf die Idee, die Seiten nach der Anzahl der Links zu ordnen, die auf sie verweisen. Doch der PageRank, heute die Standardwährung im Internet, hatte keinen guten Start. Michael Arrington erinnert daran, dass die damals führenden Suchmaschinen Altavista und Yahoo nicht bereit waren, Geld für diese Technologie auf den Tisch zu legen. Yahoo war nicht bereit, die Nutzer wegzuschicken. Sie sollten auf der eigenen Seite bleiben - woanders ließ sich mit ihnen schließlich auch kein Geld verdienen.
Google verfolgte eine andere Strategie: die Nutzer sollen suchen, sollen finden, sollen die Seite wieder verlassen. Und weil dort, wo sie hingelangen, mit hoher Wahrscheinlichkeit jemand eine Google-Anzeige eingebunden hat, ist alles in Ordnung. So war es bis jetzt.
Google Squared sorgt dafür, dass die Nutzer bleiben. Offensichtlich inspiriert von der Datenaufbereitung der Wissensdatenbank Wolfram Alpha werden Suchbegriffe in Tabellen strukturiert. Das funktioniert noch mehr schlecht als recht, doch die Richtung ist klar: wenn schon die Suchmaschine die Antworten auf meine Frage derart vollständig zu beantworten weiß, indem sie verschiedenste Quellen anzapft und auf einer Seite übersichtlich zusammenfasst, dann ist der Besuch von anderen Webseiten nicht mehr notwendig.
Der Druck, diese Funktionen auszubauen, dürfte bei Google in den vergangenen Tagen zugenommen haben, weil Microsoft mit Bing eine Suchmaschine online gestellt hat, die Suchergebnisse nicht nur besser strukturiert, sondern etwa auch ermöglichst, Videos direkt auf den Ergebnisseiten anzuschauen. Die Frage, wie die Datenquellen am Gewinn der Suchmaschinen beteiligt werden, wurde von diesen natürlich nicht beantwortet. Es ist ein schleichender Wandel. Zunächst ist es nicht mehr als die Verfeinerung von Suchergebnissen. Letztendlich aber die Abkehr von einem Prinzip, dass Yahoo einst nicht verstanden hat: Schick die Leute weg und sie kommen wieder.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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