niclas quinten

Blog von niclas quinten

08.04.2011 | 19:32

Benzinsteuer

Jetzt haben wir uns über E10 aufgeregt und regen uns noch auf. Uns regt auch auf, dass E10 letztlich das Autofahren noch teuerer macht, die Ernährung weltweit verteuert und dass E10 ein Entlastungsprogramm für die Automobilkonzerne und die großen Landwirtschaftsbetriebe ist. Mit anderen Worten: Ein Subventionsprogramm zur Füllung der Kassen einiger auf dem Rücken der Bürger.

Viele müssen die geforderte Mobilität mit dem Auto bewältigen. Jetzt hört man aus Brüssel (!), dass der Dieselkraftstoff in seinem Steueranteil an das Benzin angeglichen werden soll. Mit anderen Worten, er wird erheblich teuer.

Es hätte ja auch verwundert, wenn der umgekehrte Weg beschritten worden wäre: Der Steueranteil des Benzins wird auf den Steueranteil des Diesels gesenkt. Das wäre mal eine Entscheidung.

Ferner und das scheint mir ebenso erstaunlich, die Kommission entscheidet über deutsches Steuerrecht, bzw. greift in deutsches Steuerrecht ein. Hat das Parlament ausgedient? Eine nicht demokratisch legitimierte Behörde sagt dem deutschen Finanzminister wie er zukünftig mit Steuerregeln zu verfahren. Wo kommen wir denn dahin? Geben wir uns der Regelungswut aus Brüssel gänzlich hin?

 
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Kommentare
Dennis82 schrieb am 08.04.2011 um 21:14
Was Verbrauchsteuern wie z. B. die Umsatzsteuer angeht, ist das Recht weitestgehend Europarecht. So vereinheitlicht die MwSt-Systemrichtlinie EU-Weit das Umsatzsteuerrecht und stimmt es auf den europäischen Binnenmarkt ab. Es existieren sogar Vorschriften, wonach nur max. zwei ermäßigte Sätze erhoben werden dürfen und der Mindestsatz bei den ermäßigten 5 % und der Normalsatz mind. 15 % betragen muss. Auch die Steuerbefreiungen und die ermäßigten Sätze sind weitestgehend EU-weit geregelt. Für Verbrauchsteuern wie verschiedene Arten von Mineralölsteuern gelten ähnliche Vereinheitlichungsregelungen, um den Endverbraucher letzten Endes über indirekte Steuern zu belasten - und um im Gegenzug hohe Einkommen, Kapital und Vermögen steuerlich zu entlasten.

Man stelle sich einmal vor, die EU würde Mindestsätze bei Körperschaft- oder Einkommensteuern einführen. Aber halt, das wäre ja dann Kommunismus...
claudia schrieb am 09.04.2011 um 04:23
>>Viele müssen die geforderte Mobilität mit dem Auto bewältigen.<<
Mal abgesehen davon, dass man sich ja mal den geistigen Luxus gönnen könnte, die "geforderte Mobilität" zu hinterfragen:
Zu Alternativen, u.a. auch die technisch leicht machtbare Rückverlagerung von Verkehr und Transport auf energieeffiziente Schienenwege, gab es schon mal eine Diskussion. Nur haben wir eben alle gelernt, dass das Thema als unangenehm zu empfinden ist.
www.freitag.de/wissen/1044-der-halbierte-b-rgersteig?searchterm=der+halbierte+B%C3%BCrgersteig
Mobilität wird nicht nur gefordert, sondern es wurde auch seit 60 Jahren durch Stillegung von Lokal- und Regionalbahnen ziemlich autoritär bestimmt, dass die teuerste Variante zu benützen ist.

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"E10" ist natürlich ein Rettungsschirm für die gefährdete Automobilindustrie.
Wir können aber davon ausgehen, dass die bombengestützen Bengasimonarchisten ein automobilkompatibles Regime in Libyen errichten werden, analog zu Saudiarabien.
Die leicht abbaubaren Erdölvorräte sind dort noch beträchtlich, und mit einer Erhöhung der Förderrate wird der Ölpreis noch ein paar Jahre nieder gehalten werden, womit E10 zeitlich verschoben werden kann.

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>>Man stelle sich einmal vor, die EU würde Mindestsätze bei Körperschaft- oder Einkommensteuern einführen. Aber halt, das wäre ja dann Kommunismus...<<
Und wie wir alle gelernt haben, müssen wir politische Kräfte, die in diese Richtung gehen wollen, mehr fürchten als der Teufel das Weihwasser. Da kammer halt nix machen…
claudia schrieb am 10.04.2011 um 14:46
Ach, noch mal was zu E10:
Die Beschlagnahmung von Nahrungsanbauflächen für Ölpflanzen (="Biodiesel") wird von der E10-Geschichte gar nicht berührt und läuft in aller Stille weiter...
niclas quinten
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