niclas quinten

Blog von niclas quinten

07.04.2011 | 12:16

Was wird aus alten Menschen in dreißig Jahren?

Früher wurden die Alten geschätzt. Heute sind sie ein demographischer Faktor, der allen nur Beschwernisse bereitet. Einher geht eine Respektlosigkeit, die überall zu beobachten ist. Wie soll man auch Respekt haben, wenn das Älterwerden stigmatisiert wird.

Wir haben ein paar Millionen Hartz IV Empfänger und mindestens noch mal so viele in prekären Arbeitsverhältnissen. Diese Menschen können nichts für ihre Altersversorgung tun. Ihnen, das leuchtet ein. Die Mittel und die Einkommen aus denen die Rücklagen gespeist werden können sind nicht vorhanden. Sie werden den nachfolgenden Generationen die wirklichen Probleme bereiten. Eine Finanzierung dieser Menschen im Alter wird uns alle noch sehr viel Geld kosten. Die auf Kurzfristigkeit angelegte Politik vernachlässigt dieses Problem komplett. Was wir heute an indirekten Subventionen durch Leiharbeit, Niedrigstlöhne, befristete Arbeitsverhältnisse den Unternehmen geben, werden die Steuerzahler von Morgen ausgleichen müssen. Deshalb ist es dringend notwendig, dass die Menschen so bezahlt werden, dass sie nicht in 20 oder 30 Jahren wieder zu Bittstellern beim Staat und damit an der Allgemeinheit werden.

Früher konnten die Menschen, die in Rente gingen, auf ein Arbeitsleben zurückblicken, dass ihnen das Gefühl gegeben hat, dass sie was geleistet haben und nun den Ruhestand verdient haben. Die Leiharbeiter, Hartz IV Empfänger, Niedriglöhner werden diesen Stolz nicht mehr haben. Haben sie dann den Respekt, den die Gesellschaft Menschen im Ruhestand entgegenbringt verdient? Menschen, die nicht für sich selber ausreichend sorgen können, werden immer das Gefühl haben, dass sie Menschen zweiter oder dritter Klasse sind. Woher soll dann die Achtung vor dem eigenen Leben und vor der Lebensleistung kommen? Die heutige Geringschätzung dieser Menschen vor sich selbst und von der Gesellschaft wird sie ein ganzes Leben bis zum Tode begleiten. Vor den kommenden moralischen Verwerfungen kann nur gewarnt werden. Die Fehler, die wir heute machen, werden uns einmal furchtbar einholen.

Wenn wir nichts dagegen tun, werden wir eine Debatte über die alternden Generationen erleben, die jeden ethischen und moralischen Rahmen sprengen wird. Wir werden dann darüber diskutieren, wie alt darf ein Mensch, der vom Staat gefördert wird, denn werden. So zynisch es klingt, wenn die Gesundheitspolitik so weiter macht, wird sich vielleicht die Frage nicht mehr stellen. Wir sind alle gefordert dieser Entsolidarisierung, den Niedrigstlöhnen, dem maroden Bildungssystem schön heute entgegenzuwirken. Wir sind aufgerufen, die Dinge vom Ende her zu denken. Wenn wir so weiter machen, stehen uns die großen sozialen Verwerfungen noch bevor.

"Eine Politik, die drohende Übel erst erkennt, wenn sie sich deutlich zeigen, verletzt ihre Grundaufgabe." (Otfried Höffe: Ist die Demokratie zukunftsfähig? München, 2009) Da die derzeitige Politik sich offensichtlich an Umfragen orientiert, wird sie immer kurzatmiger und auch opportunistischer. Der Machterhalt steht vor der Perspektive.

 

 

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Magda schrieb am 07.04.2011 um 13:08
Hier mischen sich berechtigte Zukunftssorgen mit Horrorszenarien.
Die drohende Altersarmut ist eine reale Sorge.

Aber dann kommen solche Überlegungen:

"Früher konnten die Menschen, die in Rente gingen, auf ein Arbeitsleben zurückblicken, dass ihnen das Gefühl gegeben hat, dass sie was geleistet haben und nun den Ruhestand verdient haben. Die Leiharbeiter, Hartz IV Empfänger, Niedriglöhner werden diesen Stolz nicht mehr haben. Haben sie dann den Respekt, den die Gesellschaft Menschen im Ruhestand entgegenbringt verdient?"

Das ist ein moralisierendes Kuddelmuddel, das wenig klärt.

Hier ein Link zu einem Beitrag von Albrecht Müller, der sich mit dem Thema befasst.

www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/060610_01.pdf

Auf keinem Gebiet gibt es soviel kalkulierte Meinungsmache, aber auch berechtigte Sorgen wie bei der Frage der Älteren.

"Wir sind alle gefordert dieser Entsolidarisierung, den Niedrigstlöhnen, dem maroden Bildungssystem schön heute entgegenzuwirken. Wir sind aufgerufen, die Dinge vom Ende her zu denken. Wenn wir so weiter machen, stehen uns die großen sozialen Verwerfungen noch bevor."

Ja gewiss doch. Sowieso schon heute. Geschieht ja auch in zunehmendem Maße.
niclas quinten
Schreiben, schreiben und nochmals schreiben. Völlig egal, ob es veröffentlicht wird oder irgendeiner es liest. Status: Schreiber und Leser
Mitglied seit:
1 Jahr 13 Wochen
Zuletzt aktiv:
29.05.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 152
Kommentare: 44
Logbuch
22:00
ed2murrow hat gerade einen Kommentar geschrieben.
21:58
Uwe Theel hat gerade einen Kommentar geschrieben.
21:53
Schachnerin hat gerade einen Kommentar geschrieben.
21:48
Meyko hat gerade einen Kommentar geschrieben.
21:45
winfired hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG