Nina Draxlbauer

Blog von Nina Draxlbauer

21.12.2009 | 18:58

Innovation Lab Print HMS: Süddeutsche Zeitung - ein sinkendes Schiff?

Im Rahmen des Innovation Lab Print an der Hamburg Media School beschäftigte sich unsere Gruppe mit der Süddeutschen Zeitung und ihrem Onlineangebot. Wie kann man Synergien besser nutzen und das klassische Dilemma – sinkende oder stagnierende Auflagenzahlen der Printausgabe und defizitäres Onlineangebot lösen?

Der Status Quo der Süddeutschen Zeitung ist nicht sonderlich innovativ. Hauptansatzpunkt unserer Kritik ist, dass sich das Online-Angebot unter www.sueddeutsche.de von den Mitbewerbern nur geringfügig unterscheidet. Die SZ verfügt im Internet über kein Alleinstellungsmerkmal. User generated Content wird über jetzt.de nur geringfügig eingebunden, die Community süd-café ist nicht prominent auf der Webseite positioniert.

Zwar bietet die Süddeutsche ihre Printausgabe auch als E-Paper im Abonnement an, die Nutzerzahlen bewegen sich aber in einer verschwindend geringen Dimension. In den sozialen Netzwerken Facebook und MeinVZ / StudiVZ ist die Süddeutsche jedoch prominent vertreten. Ebenfalls zum Angebot gehört ein RSS-Feed, dass Nutzer kostenlos abonnieren können, um so stets die neusten Schlagzeilen auch auf ihren mobilen Endgeräten zu erhalten. Kostenpflichte iPhone-Applikationen nach dem Vorbild von BILD Mobile sind in Vorbereitung.

Süddeutsche Online übernimmt Texte aus der Printausgabe, stellt diese jedoch häufig erst am Tag des Erscheinens der Printausgabe ins Netz. Hierbei sind der Gruppe mehrere Probleme aufgefallen. Zum einen krankt die Integration des Online-Angebots am traditionellen Selbstverständnis der Printjournalisten. In vielen Verlagen wird die Online-Redaktion noch stiefmütterlich behandelt, viele Redakteure weigern sich schlichtweg ihr Material den Kollegen zur Verfügung zu stellen oder ihre Artikel selbst online zu veröffentlichen.

Die Printausgabe der SZ selbst ist wenig innovativ, hier wurde in der Gruppe kontrovers die Einführung einer zusätzlichen Kompaktausgabe im Tabloid-Format diskutiert. Ein Vorteil bestünde in der Möglichkeit ein junges Publikum an Qualitätsinhalte heranzuführen. Die Printauflage der Süddeutschen ist jedoch, im Gegensatz zu vielen anderen Zeitungen selbst in der Krise noch stabil. Um dennoch dem Dilemma der Stagnation und der schwachen Präsentation im Internet zu entkommen, hat die Gruppe einige Lösungsvorschläge erarbeitet. Neben der Einführung eines möglichen Kompaktformates, sollte auch innerhalb der Redaktion eine Umstellung erfolgen.

Internet- und Printredaktionen sollten viel enger zusammenarbeiten und über eine
gemeinsame Kritikkultur die Qualität beider Angebote verbessern. Zusätzlich sollte das Online-Angebot der SZ neugestaltet werden. Zum einen sollten mehr multimediale Inhalte wie Videos Einzug auf süddeutsche.de erhalten, zum anderen sollten prominente Autoren wie Hans Leyendecker oder Heribert Prantl öfter ihre Artikel, möglicherweise auch exklusiv, online veröffentlichen. Über eine meinungsbetontere Darstellung können die Nutzer der Online-Seite in einen Diskurs einbezogen werden. An dieses Argument schließt ein weiterer verbesserungswürdiger Punkt an: Der Dialog zwischen Redaktion und Lesern muss, unserer Ansicht nach, erhöht werden. Inhalte der Nutzer sollten stärker integriert werden. Um besser für die Zukunft gerüstet zu sein, sollte auch über alternative Finanzierungsmodelle nachgedacht werden. So könnte man das SZ-Magazin als eigenständiges Magazin vertreiben oder kostenpflichte Seminare und Coachings für SZ-Leser anbieten.

Gruppe Süddeutsche: Jenny Bauer, Nina Draxlbauer, Matthias Nedoklan (Text), Marike Anna Stucke und Viktoria Weber

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 21.12.2009 um 19:08
Die süddeutsche Zeitung finde ich nicht gut, da sie nur ein kleines Streiflicht am Horizont ist. Wer einen großen Horizont hat, dem fällt das alles auch gar nicht auf.
merdeister schrieb am 21.12.2009 um 20:43
Dann wäre das Tabloid-Format der SZ doch was für Dich, vielleicht ist weniger drin und im Cafe kannst Du sie hinter dem Freitag verstecken.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.12.2009 um 16:57
Ich bin dann als Wahlwestfale doch eher für das Rheinische Format.
luggi schrieb am 21.12.2009 um 22:25
Man sollte auch darüber nachdenken, warum man sich mit sowas beschäftigen sollte, und sollte daraus wirklich ein nährwertes Ergebnis herausspringen, sollte man darüber nachdenken, wie es erfolgreich eingesetzt werden sollte.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 22.12.2009 um 10:48
Der Beitrag wirft ein paar Fragen auf.

»Süddeutsche Online übernimmt Texte aus der Printausgabe, stellt diese jedoch frühestens am Tag des Erscheinens der Printausgabe ins Netz.«
Das stimmt nicht: ich lese beides und lese etliche Artikel einen Tag vor der Printausgabe bereits online.

»Zum einen krankt die Integration des Online-Angebots am traditionellen Selbstverständnis der Printjournalisten. In vielen Verlagen wird die Online-Redaktion noch stiefmütterlich behandelt, viele Redakteure weigern sich schlichtweg ihr Material den Kollegen zur Verfügung zu stellen oder ihre Artikel selbst online zu veröffentlichen.«
Gilt der zweite Satz nun auch für die SZ und woran machen Sie das fest?

»Die Printausgabe der SZ selbst ist wenig innovativ, hier wurde in der Gruppe kontrovers die Einführung einer zusätzlichen Kompaktausgabe im Tabloid-Format diskutiert. Ein Vorteil bestünde in der Möglichkeit ein junges Publikum an Qualitätsinhalte heranzuführen.«
Lässt sich beispielsweise bei der Frankfurter Rundschau nachweisen, dass die minimalen Zuwächse seit der Formatumstellung auf Format und junges Publikum zurückgehen?

»Die Printauflage der Süddeutschen ist jedoch, im Gegensatz zu vielen anderen Zeitungen selbst in Krise noch stabil. Um dennoch dem Dilemma der Stagnation und der schwachen Präsentation im Internet zu entkommen, hat die Gruppe einige Lösungsvorschläge erarbeitet.«

Stabil ist gut: die Auflage steigt. Worin besteht die Stagnation?

»Zum einen sollten auch multimediale Inhalte wie Videos Einzug auf süddeutsche.de erhalten, zum anderen sollten prominente Autoren wie Hans Leyendecker oder Heribert Prantl öfter ihre Artikel, möglicherweise auch exklusiv, online veröffentlichen.«

Es gibt ja Videos: welche fehlen?
Leyendecker und Prantl sind online regelmäßig vertreten. Sollten diese Artikel nicht mehr im Print erscheinen, wäre das für mich ein Grund, die Zeitung abzubestellen. Welchen Grund gäbe es, die Printausgabe qualitativ zu schwächen oder zu reduzieren?

»Der Dialog zwischen Redaktion und Lesern muss, unserer Ansicht nach, erhöht werden. Inhalte der Nutzer sollten stärker integriert werden.«

Wenn ich mir Umfang, Aufwand und Ertrag etwa hier beim Freitag anschaue, habe ich so meine Zweifel, dass darin eine (kommeerzielle!) Erfolgsstrategie liegen könnte. Webformate aller Art sind in meinen Augen nur da erfolgreich, wo Printformate versagen. Die SZ ist (noch immer) eine hervorragend gemachte Zeitung. Ganz anders sieht es in der Provinz aus, dort sank und sinkt das Niveau kontinuierlich, dort wären – insbesondere lokal – Webstrategien womöglich auch kommerziell interessant – in einer wie weit auch immer entfernten Zukunft.
Nina Draxlbauer schrieb am 23.12.2009 um 14:52
@ elbeo: danke für die kritische Auseinandersetzung mit unserem Text.

zur "stabilen" Auflage: wenn Sie sich die Zahlen der letzten Quartale auf www.ivw.de ansehen, werden Sie sehen, dass die Auflage der Süddeutschen nicht wirklich steigt, sondern über die Quartale im Jahr 09 und 08 relativ stabil ist und somit Stagnation der richtige Begriff ist. Im dritten Quartal 09 sind die Verkaufszahlen sogar leicht gesunken.

zu Online-Artikeln: Sie haben Recht, es sind auch Artikel online, die erst am nächsten Tag in der Printausgabe erscheinen. Allerdings handelt es sich dabei um eine geringe Zahl. Der umgekehrte Weg ist also nach wie vor beliebter: zuerst in die Printausgabe und ein paar Stunden später ins Netz.

zum Selbstverständnis der Journalisten: für sehr viele Printjournalisten (SZ nicht ausgeschlossen) ist es immer noch ein Problem für Online zu schreiben. Vor allem ältere Kollegen überlassen die "minderwertige" Online-Arbeit oftmals den jungen Journalisten. Dies weiß ich auch aus Gesprächen mit Printjournalisten, die nach wie vor Onlinejournalismus als weniger prestigeträchtig ansehen als Print. Diesen Punkt sehen wir als ein zentrales Problem.

zum Tabloid-Format: dieser Vorschlag wurde von einigen Mitgliedern unserer Diskussionsgruppe gemacht, da beispielsweise die Welt kompakt mit ihrem Tabloid-Format sehr viele junge Leser anspricht. Über das Tabloid-Format der FR wurde in diesem Zusammenhang nicht diskutiert.

zu Videos online: ja, es gibt Videos, allerdings ist dieser Bereich ausbaufähig, denn Bewegtbild wird auch bei Onlineauftritten von Tageszeitungen immer wichtig (vor allem um die jüngere Zielgruppe anzusprechen).
Was Leyendecker und Prantl betrifft handelt es sich wohl um ein Missverständnis: die Artikel könnten exklusiv online erscheinen, dies schließt die Veröffentlichung im Printprodukt ja nicht aus.

Es gibt keinen Grund die Printausgabe zu "schwächen", sondern viel mehr einen Grund sie zu "stärken" und auch mal etwas Neues zu wagen (die Printausgabe hat sich in den letzten Jahren nie verändert)

zum Dialog zwischen Lesern und Redaktion: Sie bloggen doch selbst hier beim Freitag - warum haben Sie dann Zweifel am Erfolg dieser Strategie? Redaktionen können es sich nicht mehr leisten ihre Leserschaft zu ignorieren. Und wenn Sie der Meinung sind, dass Webformate nur dann erfolgreich sind, wenn das Printprodukt versagt, wie erklären Sie sich dann den Erfolg von Spiegel Online?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.12.2009 um 16:25
»Der umgekehrte Weg ist also nach wie vor beliebter: zuerst in die Printausgabe und ein paar Stunden später ins Netz.«
Woran liegt das? Unwillen der Redaktion (kann die eine Online-Veröffentlichung steuern?), Unwillen des Verlags (der möglichst wenig ›herschenken‹ will?) oder technische Abläufe?

»Dies weiß ich auch aus Gesprächen mit Printjournalisten, die nach wie vor Onlinejournalismus als weniger prestigeträchtig ansehen als Print. Diesen Punkt sehen wir als ein zentrales Problem.«
Dieses zentrale Problem wäre dann aber gründlich zu erforschen – bislang sehe ich eher vage Thesen.

»Über das Tabloid-Format der FR wurde in diesem Zusammenhang nicht diskutiert.«
Na, immerhin ein Beispiel für den Versuch einer renommierten Zeitung, das Printprodukt zu pushen ...
Davon abgesehen verstehe ich nicht, weshalb die Format-Frage so eine Rolle spielen soll: mir ist der Inhalt wichtig und wenn ich Lust hatte, habe ich selbst die ›Zeit‹ im Flieger gelesen. Womöglich bin ich aber für diese Frage zu alt und für die folgende auch:

»Bewegtbild wird auch bei Onlineauftritten von Tageszeitungen immer wichtig (vor allem um die jüngere Zielgruppe anzusprechen)«
Warum? Was wäre da zu zeigen? Pseudo-Nachrichten wie in der Tagesschau oder dem Heute Journal? Gucken statt lesen? Ich finde es schon schlimm, wenn man online meint, nichts mehr unbebildert stehen lassen zu dürfen und daher massenhaft zu Symbolbildern greift.

»Was Leyendecker und Prantl betrifft handelt es sich wohl um ein Missverständnis: die Artikel könnten exklusiv online erscheinen, dies schließt die Veröffentlichung im Printprodukt ja nicht aus.«
Was muss ich mir dann unter ›exklusiv‹ vorstellen: bezahlten Inhalt?

»Sie bloggen doch selbst hier beim Freitag - warum haben Sie dann Zweifel am Erfolg dieser Strategie?«
Ich blogge nicht, ich kommentiere. ;-)
Und dass ich das tue, sagt nichts über einen wie auch immer definierten Erfolg aus …

»Redaktionen können es sich nicht mehr leisten ihre Leserschaft zu ignorieren.«
Das konnten sie noch nie, deshalb gab es immer schon Leserbriefseiten, die (hoffentlich) von Redakteuren betreut wurden. Redaktionen dürfen es sich in meinen Augen vor allem nicht leisten, ihre Arbeit an angeblichen Publikumsbedürfnissen auszurichten – sie sollten die Zeitung machen, die sie selbst am liebsten lesen.

»wie erklären Sie sich dann den Erfolg von Spiegel Online?«
Den Punkt konzediere ich. Spiegel Online und bild.de sind wirtschaftlich erfolgreich, aber die anderen Zeitungen?
Nina Draxlbauer schrieb am 23.12.2009 um 17:03
Wir sind Journalismus-Studenten und betreiben keine Feldforschung indem wir in die einzelnen Redaktionen gehen - dies würde auch den Rahmen des Innovation Lab sprengen. Es geht darum sich kritisch mit einem Print-Produkt auseinander zu setzen und dessen Chancen und Risiken abzuwägen.

Die SZ bietet Qualitätsjournalismus - keine Frage. Sie hat bis jetzt auch noch eine treue Leserschaft - doch was ist mit der nachkommenden Generation? Vielleicht hat die keine Zeit oder auch keine Lust im Flugzeug die SZ zu lesen. Dabei stellt sich eben auch die Frage des Formats und der Aufbereitung der Themen - denn der Inhalt allein ist nicht ausschlaggebend für den Kauf des Produkts.

Exklusiv veröffentlichen meint: zuerst im Internet.

Ok, Sie kommentieren und sind kein Blogger. Sie haben aber die Möglichkeit Ihre Meinung uneingeschränkt hier zu veröffentlichen und nutzen diese auch. Der Vergleich mit den Leserbriefen hinkt meiner Meinung nach etwas: es werden/wurden nie alle Leserbriefe veröffentlicht; es gab/gibt keine direkte Kommunikation zwischen Journalist und Leser (kein Diaolog so wie hier)

Dass Journalisten die Zeitung machen sollten, die sie selbst am liebsten lesen ist eine sehr veraltete Einstellung. Ein ziemlich ausgelutschtes Zitat, aber trotzdem passend: der Köder soll dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Und vielleicht lesen deshalb viele Menschen keine Zeitung mehr - weil Journalisten zu lange das gemacht haben, was ihnen selbst gefiel.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.12.2009 um 17:15
»Der Vergleich mit den Leserbriefen hinkt meiner Meinung nach etwas: es werden/wurden nie alle Leserbriefe veröffentlicht;«
… und das war ein Segen. Wenn ich mich hier in den Blogs so umschaue, finde ich, dass in 90 Prozent aller Fälle eine Veröffentlichung der Beiträge und Kommentare reine Papierverschwendung wäre.

»es gab/gibt keine direkte Kommunikation zwischen Journalist und Leser (kein Diaolog so wie hier)«
Den gibt es hier auch nur sporadisch, nicht selten bedroht von Missverständnissen und anderen Problemen der Textexegese.
Nein, ich glaube nicht daran, dass das Web 2.0 die Zeitungen retten kann. Ich bin mir aber sicher, dass die Menschen sich ändern. Man könnte zum Beispiel mal erforschen, in welchem Alter die Leute ihr erstes Zeitungsabonnement bestellen …
merdeister schrieb am 23.12.2009 um 23:47
"Wenn ich mich hier in den Blogs so umschaue, finde ich, dass in 90 Prozent aller Fälle eine Veröffentlichung der Beiträge und Kommentare reine Papierverschwendung wäre."

Zu welchem Teil würden Sie sich denn zählen?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.12.2009 um 10:27
Ich hätte als Redakteur maximal 10 Prozent davon veröffentlicht. :-)
merdeister schrieb am 22.12.2009 um 21:30
Innovation: Dieses Blog wird kein.
merdeister schrieb am 22.12.2009 um 21:30
...und "keinE" schon gar nicht.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.12.2009 um 10:11
»Innovation Lab Print an der Hamburg Media School«:
Innovation lost in Translation?
Nina Draxlbauer schrieb am 23.12.2009 um 14:58
Lost in translation?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.12.2009 um 16:26
Also ich finde »Innovation Lab Print an der Hamburg Media School« sprachlich kolossal misslungen. Auch, weil ich Anglistik studiert habe.
Nina Draxlbauer schrieb am 23.12.2009 um 16:37
Hier geht es auch mehr um eine inhaltliche Diskussion und darum, welche Zukunft es für Tageszeitungen gibt.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.12.2009 um 16:55
Tja, das Publikum erweist sich mitunter als schwer steuerbar und tummelt sich vergnügt auf Seitenpfaden …
Anna-Lena Krampe schrieb am 23.12.2009 um 18:00
Hallo elbeo,

vielleicht kurz zur Klärung: "Innovation Lab Print" ist der Name des Seminars, "Hamburg Media School" der Name der Uni. Zwei Eigennamen also, die in einem deutschen Satz auftauchen. Was ist daran "sprachlich kolossal misslungen"?

Und noch kurz zum Konzept des "ILP": Die Veranstaltung besteht aus insgesamt vier Sitzungen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Die erste Sitzung beschäftigte sich mit dem Thema "Korrespondenz zwischen Print und Netz", weitere zu neuen Berichterstattungsmustern in Zeiten des Internets und den Vorteilen von Printprodukten folgen im kommenden halben Jahr.
Ziel der ersten Sitzung war es, sich das Zusammenspiel zwischen Print und Online anzusehen, zu analysieren und mögliche Verbesserungsvorschläge zu diskutieren, auch hier in der Community (wieder so ein schönes englisches Wort in einem deutschen Satz).

Um auf das eigentliche Thema des Blogs zu kommen und nicht zu sehr auf Seitenpfade zu gelangen:
Die Menschen verändern sich, keine Frage. Mit ihnen müssen sich aber auch die Medien verändern und genau dazu gibt der Blog Anstöße. Tabloid Formate halte ich in Zeiten der immer kleiner werdenden Handys, IPhones etc mit Internetzugang für eine sehr gute Lösung, um wichtige Informationen klein und handlich, aber dennoch nicht am Bildschirm konsumieren zu müssen. Warum sich mit einem großen Format wie dem der "Zeit" herumschlagen (bezieht sich nicht auf die Inhalte der Zeitung!), wenns auch praktischer geht?

Auch hier mag es (noch) stimmen, dass ein Dialog zwischen Journalisten und Lesern nur sporadisch besteht, aber er ist unverkennbar da. Ganz im Gegensatz zu anderen Medien. Es gilt, diese Chance für beide Seiten zu nutzen und weiter auszubauen!
Medienjunkie schrieb am 23.12.2009 um 20:12
Warum die SZ ihr Magazin nicht einzeln verkauft, ist mir eh ein Rätsel. Ein paar Seiten mehr, und für einen Euro 50 seperat an den Kiosk, und das wäre wahrscheinlich die beste wöchentliche Zeitschrift Deutschlands.

Das Format der SZ ist wirklich eine Zumutung und ein Anachronismus. Eine Umstellung auf Berliner Format (wie der Freitag) oder Tabloid wäre wirklich dringend angeraten, ebenso wie eine Layout-Reform. Inzwischen sieht ja selbst die FAZ moderner aus.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.12.2009 um 20:55
Was ich bisher hier lese sind, mit Verlaub, Thesen und thesenähnlich ventilierte Geschmacksfragen. Da hätte ich gerne mehr drüber gewusst: Leseranalysen, die zeigen, dass zum Beispiel Format und Layout eine entscheidende Rolle spielen. Ich habe den Verdacht, dass man erst ab einem gewissen Lebensalter zum Abonnenten wird und vorher erstmal herumsucht, in verschiedene Zeitungen schaut, und womöglich spielt dann für Vierzigjährige der Inhalt eine größere Rolle als das Format?
Ich habe einmal nach der Lektüre einer Glosse in der SZ der Autorin eine E-Mail geschrieben, sie hat geantwortet: warum soll der Dialog vom Vorhandensein eines Online-Forums abhängen? Oder andersrum: Angesichts des Zahlenverhältnisses einer Redaktion zur Leserschaft - wie sollen Redaktionen mit einer viel größeren Anzahl von Lesenden in einen fruchtbaren Dialog treten können? Der Dialog kann doch immer nur begrenzt sein und ein Online-Forum kann ihn ein bisschen öffentlicher machen, gewiss, aber mehr auch nicht. Bei der SZ war zumindest eine Zeit lang bei jedem Online-Artikel eine E-Mail-Adresse der Redaktion angegeben. Wer kann, etwa bei sehr kontroversen Themen, mit einer Flut von E-Mails noch sinnvoll umgehen? Erzeugt es womöglich Frustration bei Schreibenden, wenn sie in ein schwarzes Loch posten - wie beim guten alten Leserbrief? So leicht scheinen mir die Fragen zur Zukunft der Zeitung nicht zu beantworten sein. Man wird auch gespannt sein dürfen, wie das Experiment Freitag/freitag.de in fünf Jahren aussieht.

Was die englischen Namen angeht, so halte ich es – auch dies eine Geschmacksfrage - für eine kolossale Verirrung, wenn sich deutsche Einrichtungen, die sich in diesem Fall auch noch mit deutschsprachigen Medien befassen, mit englischen Namen daherkommen: das halt ich für Blähsprache und pseudoglobalisierten Quatsch. Was spräche gegen ein Seminar zur »Zukunft der Zeitung in Online-Zeitlalter« an einer »Medienschule Hamburg« - nicht hip genug?
merdeister schrieb am 23.12.2009 um 23:57
Mich wundert, dass angehende Journalisten den Begriff "Qualitätsjournalismus" benutzen. Da verlinke ich (heute zum zweiten mal) zum Friedland:

www.freitag.de/community/blogs/friedland/unwort-und-unvermoegen-qualitaetsjournalismus-hinter-paywall

Ich denke, Zeitungen in der Form, wie wir sie kennen, wird es nur noch begrenzte Zeit geben. Da hilft kein neues Format (dabei sprechen ja alle leider nur von den Ausmaßen) und keine Videos die Online zu finden sind. Emanzipation gehört aber ganz sicher dazu.
Nina Draxlbauer schrieb am 27.12.2009 um 13:25
vielleicht sollte man besser von Qualitätskriterien für Journalismus sprechen und nicht von Qualitätsjournalismus.
mh schrieb am 27.12.2009 um 13:36
so spezialisiert kann ein journalist gar nicht werden, um auf meinem gebiet so gut zu werden wie ich. und das geht jedem journalisten auf jedem gebiet mit anderen gegenparts genau so.

qualität ist doch eine frage des anspruchs und ab dem moment, ab dem ich mir zeit nehme die artikel zu zerfleddern, die mein gebiet betreffen, steht jeder qualitätsjournalist eben als depp dar.

wenn ich das vereinzelt tue, ist es kein problem. wenn ich allerdings selbst zu kommentierenden marke werde, dann ist es für die qualitätslieferanten durchaus ein problem.

ihr solltet euch von dem gedanken verabschieden, dass in zeitungen qualität geliefert wird. die informationen sind veraltet und die analyse bestenfalls durchschnitt mit vielen vielen fehlern.

warum soll sowas denn überleben? weil papier cool ist und ich dran hänge, ist keine adäquate antwort. um dem mal vorweg zu greifen.

wirkliche information findet auf einem niveau statt, das in zeitungen gar nicht bedient wird. sowas ist nur ein problem, wenn es denn alternativen gibt. die gibt es jetzt.

mfg
mh
merdeister schrieb am 27.12.2009 um 20:17
Den obigen Kommentar von mh möchte ich musikalisch untermalen:
merdeister schrieb am 27.12.2009 um 23:03
mh, ein Journalist schreibt über Dein Thema doch für mich, sonst muss ich Dich ständig fragen :-p

Ich will ja kein Experte werden, sondern wissen, was Du machst. Und wenn ein Journalist mir das vermitteln kann, würde ich schon von Qualität sprechen.
mh schrieb am 28.12.2009 um 08:37
wenn ich den aber zerreisse, merkst du, dass die dir gelieferte qualität gar keine qualität war und falsch obendrein.

mfg
mh
merdeister schrieb am 28.12.2009 um 09:29
Insofern ist ein Meinungsmedium natürlich visionär.
mh schrieb am 28.12.2009 um 09:45
ja, das internet ist schon toll. ;)

mfg
mh
Nina Draxlbauer schrieb am 28.12.2009 um 14:00
Es stellt sich die Frage, ob Journalisten überhaupt Spezialisten für bestimmte Themen sein sollen oder ob schlichtweg die Kompetenz vorhanden sein sollte zu wissen wo man welche Informationen bekommt. Wissen = das was man im Kopf hat? oder ist Wissen = zu wissen, wen man fragen muss?

Meiner Meinung nach spielt Vermittlungskompetenz eine wesentliche Rolle für die Beurteilung von "Qualität" im Journalismus.
mh schrieb am 28.12.2009 um 15:06
da journalisten beurteilen, in dem sie einordnen, und diese beurteilung dann vermitteln, muss ein mindestmaß an spezialisierung vorhanden sein.

mfg
mh
luggi schrieb am 28.12.2009 um 19:49
Wenn Journalisten keine gewordenen Spezialisten sind, dann werden sie Moderatoren oder entwickeln sich zu, sorry, aber ich muss es so ausschreiben, Dummschwätzern. Der Journalist muss nicht nur etwas von der "Schreibe" verstehen, sondern auch von dem, worüber er schreibt. Für viele Sachverhalte journalistischer Arbeit ist eine fachliche Kompetenz (Spezialisierung) einfach notwendig.
Und zum Schluss eines. Die größte Krux ist die journalistische Arbeit für Lobbyinteressen. Aber das ist ein anderes Thema. Wird an der Hamburger MS wahrscheinlich nicht behandelt, also in den ILP's.
luggi schrieb am 24.12.2009 um 21:28
Das Akronym HMS weckt bei mir andere begriffliche Beziehungen, nämlich zu besitzanzeigenden Schiffen einer gewissen Queen.
Giuseppe Navetta schrieb am 27.12.2009 um 22:44
Wer will denn das neoliberale Gelalle der SZ lesen? Es gibt genug Blätter derlei Art!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 27.12.2009 um 22:46
Ich stimme zu.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.12.2009 um 12:36
In der Allgemeinheit ist die Aussage über die SZ schlicht falsch.
Giuseppe Navetta schrieb am 29.12.2009 um 09:13
Gut, ich gebe zu, dass es eine saloppe Formulierung war und für das Feuilleton natürlich nicht zutreffend... ...ansonsten ist der Tenor im Wirtschaftsteil ultraliberal - mal abgesehen von einem Interview Heiner Flassbecks vor Jahren, was aber in der SZ eine Ausnahme war.

@elbeo

Zeigen sie mir die Artikel aus dem Wirtschaftsressort, die nicht dem neoklassischen Mainstream entsprechen, sie werden kaum welche finden!

P.S.: Wer darauf steht, soll es doch auch lesen!
SiebzehnterJuni schrieb am 07.04.2010 um 16:22
Hallo Nina Draxlbauer,
was macht Ihr Projekt mit der SZ? Ich hatte die Print-SZ abbonniert und bin dann auf die Print Wochenend-Version plus online-SZ für die ganze Woche umgestiegen. Ich stelle fest, ich lese die online-Version praktisch kaum. Irgendwie ist eine gedruckte Zeitung doch etwas anderes - insbesondere die Foto's, die ich an der SZ besonders mag.
MFG
SiebZehnterJuni
Nina Draxlbauer
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