Nina Draxlbauer

Blog von Nina Draxlbauer

31.01.2010 | 22:22

Schließ die Augen!

 

Seine silbernen Sneakers glitzern unter dem Glühbirnen-Himmel der Zentrale im Thalia Theater. Die schwarze Jeans sitzt eng, dazu ein Basecap, Strickjacke und Retro-Brille. Vielleicht muss man ein wenig Freak sein, um so sinnliche Musik zu machen wie Christian Naujoks. Freitagabend spielte er ein Konzert in Hamburg mit dem Motto "Lessing in Mind".

Der Elektrosound kommt vom Mac, dazu spielt er Klavier und singt: „Run away, run away, run away“. Mit einer Stimme, bei der die kleinen Härchen am Arm plötzlich senkrecht stehen. Und irgendwas sagt einem: Mach die Augen zu und träume! Das Publikum hat Christian Naujoks schon nach den ersten Tönen in eine Welt entführt, in der man sich federleicht fühlt, fast so als könnte man fliegen. „Das ist Musik, um sich in den Sänger zu verlieben“, flüstert eine junge Frau ihrer Freundin zu. Christian Naujoks sitzt am Flügel, sanft streichen seine Finger über die Tasten. Er dreht sich auf seinem Klavierhocker leicht hin und her. Seine Schultern wippen im Takt auf und ab. Die Füße halten nie still.

Aus dem Mac kommen schnellere Elektrobeats. Viel Bass. Christian Naujoks springt vom Hocker, schnappt sich das Mikro, tanzt und singt. Er vollzieht eine Verwandlung in eine andere Person: Prinz von Bel Air trifft Brisko Schneider. Leicht hip-hoppend, dazu schwingt er feminin seine Hüften. Ein Lachen können sich die Anzugträger neben mir nicht verkneifen: „Ich brauch mehr Alkohol“. Während sich manche mit Alkohol betäuben, sind die anderen schon längst von Christian Naujoks Stimme narkotisiert, die mal tief hinunter, mal hoch hinaus will. Eine Stunde bleibt Christian Naujoks, spielt Sinnliches und Tanzbares. Seine zerbrechliche Musik erinnert ein wenig an die österreichische Künstlerin Anja Plaschg alias Soap & Skin. Ein Hauch von Melancholie trifft auf Sinnlichkeit – eine Musik für einen grauen Sonntagmorgen: Du bleibst im Bett liegen, ziehst dir die Decke bis unter die Nasenspitze. Und hörst: Christian Naujoks.

 

 
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Nina Draxlbauer
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