"Wir haben sie gerade frisch ins Sortiment bekommen: Frische Früchte, den coolsten Schatten, 1a-Baumhäuser, Gratis-Blüten in allen Farben, frische Luft…"
Klingt toll oder? Leider sieht die Realität ganz anders aus: Die Menschheit zerstört sich selbst und forciert im Zuge des Klimawandels nicht reparable Umweltschäden und Baumsterben.
Tāne Mahuta ist ein Kauri-Baum der im Norden Neuseeland steht – er ist einer der größten heute noch lebenden Bäume. Sein Alter liegt vermutlich zwischen 1250 und 2500 Jahren. Ganz schön alt also. Meine Begegnung mit dem „Gott des Waldes“ hat mich berührt – im übertragenden Sinne, denn leider war der Baum durch einen Zaun vor touristischen Grabschern wie mir geschützt – zu gerne hätte ich mich doch dem „tree hugging“ hingegeben. Da steht also so ein Baum, der unter Umständen viel älter ist als wir – und sollte man da nicht erst recht – frei nach Knigge - ein bisschen mehr Respekt vor dem Alter fordern?
Wir engen ein. Wir zerstören. Wir entreißen Grundlagen. Um es ganz egoistisch auszudrücken: Wir entreißen uns unsere Lebensgrundlagen. Schon eine 25 Meter hohe Buche kann im Sinne der Sauerstoffversorgung drei menschliche Patenkinder unter ihre Krone nehmen. Und war da nicht noch was von wegen „geben und nehmen“? Was geben wir denn eigentlich zurück? Nichts.
Doch es geht auch anders: eine kleine Gruppe von Aktivisten startete 2005 in Bangalore die Aktion „Trees for Free“ startete 2005 mit einer simplen aber guten Idee: „Tausche 100 Rupien gegen jungen Baum“ hat. Für diesen vergleichsweise geringen Unterstützungsbeitrag von ca. einem Euro pflanzen die Aktivisten einen Baum Bangalore. Die Idee reiste um die Welt und findet immer mehr Nachahmer.
Und hierbei geht es nicht nur um die Verschönerung des urbanen Raums. Ganz im Gegenteil, da geht noch mehr: Pflanzen gehorchen einer simplen Regel: aus CO2 mach O2 – Pflanze bindet Kohlenstoff und – tadaa – und verwandelt diesen in frischen Sauerstoff. Und das ganz ohne kapitalistischen Hintergedanken. Recycling der allerfeinsten Art also. Bäume kühlen die Erde, die wir erwärmen. Sie spenden uns den coolsten Schatten. Sie versorgen uns mit frischen Früchten und lassen uns Küsse in den allergeheimsten Baumhäusern austauschen.
Und hey, gegen echte Blüten wirkt doch der tollste LSD-Trip wie ein Ponyhof, und das sage ich nicht nur, weil ich gestern unter Umständen zu tief in die Blüte geguckt habe. Es wird wirklich Zeit, soziale und vor allem globale Verantwortung zu übernehmen. Spannende Aktionen wie der heutige Carrotmob in Berlin oder die Aktionen des Teams von „Trees for Free“ sollten nur der Anfang sein, denn grüner geht’s immer.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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