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Im Blog „Ein Hungerlohn“ stellte Fräulein J. die Frage: " Wie schafft man es, Marktverzerrungen in Deutschland zu verhindern, die durch Dumpinglöhne in anderen Ländern entstehen? Tschechien hat einen Mindestlohn von 1,77€."
Ihre Überlegung galt den Auswirkungen die aus der Einführung eines Mindestlohns resultieren könnten.
Da meine Antwort etwas länger geworden ist und durchaus diskutabel stelle ich sie hier als Blog ein.
Ein Mindestlohn bei Dienstleistungen und Handel vernichtet nicht in großem Stil Arbeitsplätze.
Er verteuert allerdings die Preise für die Verbraucher, da die Unternehmer die gestiegenen Kosten umlegen müssen.
Lediglich in grenznahen Regionen findet hier ein Wettbewerb mit dem Ausland statt, ansonsten wird nur regional, zu gleichen Bedingungen konkurriert.
Bei der Warenproduktion allerdings müssen die Waren auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sein.
Die Verteuerung der Produktion durch Mindestlöhne hat hier durchaus einen negativen Effekt.
Es gibt jedoch noch weitere Effekte, die für die Konkurrenzfähigkeit von Unternehmen ausschlaggebend sind.
Hier sind zum Beispiel die Infrastruktur, die Qualifikation von Facharbeitern, der Grad der Arbeitsorganisation und die Arbeitsethik und Arbeitskultur, die Preise von Rohstoffen, die Energiekosten, nicht zuletzt die Höhe von Steuern und Sozialabgaben mit ausschlaggebend.
Deutschland ist auf fast allen diesen Gebieten (noch?) gut aufgestellt. Dies ist auch der Grund, warum in Deutschland reichlich Industrieproduktion stattfindet. Obwohl in anderen Ländern Monatslöhne von 20 €, keine Sozialabgaben und Steuern zwischen 0 und 10 % möglich sind.
Wir müssen nicht mit solchen Konditionen konkurrieren und wir könnten es auch gar nicht.
Es sind im Übrigen selten die großen Industrieunternehmen die Dumpinglöhne zahlen, denn die Motivation der Mitarbeiter und die Identifikation mit dem Unternehmen bildet eine wichtige Grundlage für jeden langfristigen wirtschaftlichen Erfolg.
Die minimalen negativen Effekte durch Mindestlöhne ließen sich also durch Verbesserung der anderen genannten Faktoren leicht ausgleichen.
Darüber hinaus führt die höhere Lohnsumme auch zu steigenden Einnahmen von Lohnsteuer und Sozialabgaben. Zusätzlich führt der steigende Konsum zu höheren Umsatzsteuereinnahmen und Unternehmensgewinnen. ( Die Verteuerung einzelner Waren und Dienstleistungen in Branchen, die bisher Niedriglöhne zahlen dürfte zunächst geringer ausfallen als die gestiegene Kaufkraft bei den Beziehern von Mindestlöhnen. Gerade bei schlechter Wirtschaftslage werden nicht alle Kostensteigerungen auf die Preise umgelegt. )
Viele Arbeitnehmer bräuchten mit Mindestlöhnen nicht mehr mit Hartz IV aufzustocken, die Hartz IV- Kosten würden sich reduzieren.
Gleichzeitig mit der Einführung der Mindestlöhne könnte man also mit diesen Mehreinnahmen und Ersparnissen die Sozialabgaben in geringem Maße senken, was wiederum die Arbeitgeber entlasten und bei Lohn- und Gehaltsempfängern zu höheren Einkommen und abermals steigendem Konsum führen würde.
Bei den unteren 50 % der Bevölkerung geht jeder mehr verdiente Euro sofort in den Konsum, denn diese 50 % der Bevölkerung können beinahe keine Rücklagen bilden.
Auch ist es ungerecht und kontraproduktiv, dass wegen der hohen Lohnnebenkosten ausgerechnet die arbeitsintensiven Unternehmen am stärksten mit Abgaben belastet sind.
Die geringe Lohnentwicklung in Deutschland dämpft im Übrigen auch die Lohnentwicklung im Ausland, da man dort geringere Löhne zahlen muss, um mit dem Standort Deutschland zu konkurrieren.
Meine Antwort deshalb: Ja, Mindestlöhne sind möglich und nützlich. Sie führen kaum zu weiterer Abwanderung von Unternehmen ins Ausland und diese Abwanderung wird durch positive Effekte ausgeglichen.
Mein einziger Einwand: Meine Freunde, die für 7,50 € oder 8 € die Stunde arbeiten sind trotzdem unzufrieden und können sich ein Leben nach ihren Vorstellungen auch nicht leisten.
Mindestlöhne können also nur ein Baustein für einen generellen Umbau unseres Sozialsystems sein.
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Hier in Frankreich gibt es seit Jahren einen Mindestlohn, von über € 8,-. Da hat auch funktioniert BC, before crisis; aber ab 2008 hatten viele Unternehmen weniger Aufträge was zur Folge hatte das sie die Mitarbeiter zu einem zu grossen Kostenfaktor wurden. Ironischerweise war s aber gerade das Kündigunngsschutzgesetz das die Unternehmen kein Personal abbauen konnten ohne durch massive Abfindungszahlungen an Mitarbeiter in die Liquidität abzustürzen. Weil der Staat also die Verantwortung auf die Unternehmen abwälzte haben viel ihren Laden einfach zugemacht, die einzige Möglichkeit die Gewinne der letzten Jahre sicher heraus zu ziehen. Europa sollte in der Mindestlohnfrage einheitlich entscheiden, gemessen am BSP.
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Ist ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn ein staatlicher Eingriff in den "freien Markt"? Wie immer wieder behauptet. Ich meine nein. Denn auf einem freien Markt würden sich die Löhne gemäß den ökonomischen Gesetzen gestalten, also der Arbeitskraft die notwendigen Mittel für die persönliche und gesellschaftliche Reproduktion der Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Die Löhne würden also zum Leben , Kindergroßziehen usw. reichen.
Wir haben aber keinen freien Markt. Große Teile der Wirtschaft und des Handwerks erwarten und gestalten ihre Lohnkosten derart, das der Staat zu den Reproduktionskosten der Arbeitskraft beiträgt. Mit Wohngeld, Kindergeld, kostenfreier Bildung, Zuschüsse Sozialkassen und vieler anderer Kosten. Seit 20 Jahren sinken die Lohnkosten zu Lasten des Staatshaushaltes. Das ist kein freier Markt, sondern Lohnsponsoring auf Kosten der Allgemeinheit. Diese hat das Recht sich davor zu schützen. Eine Form wäre der gesetzliche Mindestlohn. Könnte das Arbeitsplätze gefährden? Ja! Aber seien wir doch ehrlich, Arbeitsplätze auf dem niedrigsten Lohnniveau wären davon betroffen, und die sind doch nicht marktreal, sondern nur Diebstahl aus den Sozialkassen und dem Staatshaushalt. Arbeiten die, nicht die Reproduktion der Arbeitskraft sichern sind ökonomischer Unsinn, entweder Ausbeutung pur oder nicht notwendig. |
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Da es in Deutschland verboten ist, sittenwidrige Löhne zu zahlen, existiert bereits ein Mindestlohn. Das Problem ist die Ausformulierung und die Frage, ob ein Lohn erst sittenwidrig sein muss (nach heutigem Ermessen) oder ob Sittenwidrigkeit nicht schon da beginnt, wo die Notwendigkeit der Aufstockung anfängt, da von dem Gehalt ein normales Leben/Überleben nicht möglich ist.
Ich für meinen Teil halte den Vorgang des Aufstockens zu Lasten der Solidargemeinschaft und zugunsten des Unternehmers für sittenwidrig und hier - was dieses Kalkül betrifft -, müsste entsprechend eingegriffen werden. Im Übrigen ist die Kritik an dem - gemessen an der Wirtschaftsleistung - viel zu geringen Lohnwachstum in Deutschland seitens der anderen Staaten keine Neuigkeit. Das wird schon seit Jahren angemahnt. Ich stelle mir seit längerer Zeit die Frage, ob es strategisch klug ist, ausgerechnet aus der Bundesrepublik eine Art innereuropäisches Niedriglohnland zu machen. Ich kann mir, wenn ich ehrlich bin, keinen wirklich guten Grund vorstellen. |
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Hexogen, ich denke auch in die Richtung, dass es ja nicht sein kann, dass Unternehmen Gewinne machen, während der Staat einen nicht unerheblichen Teil der Löhne durch Aufstockerbeträge zahlt. Inzwischen scheint mir, dass damit, und mit dem Zwang, JEDE Arbeit anzunehmen, bei vielen Betrieben kalkuliert wird. Das halte ich im Sinne der Gesamtgesellschaft auch für sittenwidrig.
Insofern bin ich für einen auskömmlichen Mindestlohn - und gerate ins Stocken. Wenn für eine Person ein Mindestlohn zum Leben in einem gewissen Abstand von Hartz IV ausreichen soll, ist das korrekt und sollte für die Betriebe auch finanzierbar sein. Aber was ist mit Familien? Ein Lohn, der für einen, vielleicht auch für zwei reicht, wird wieder unzureichend, wenn davon mehr Personen mitversorgt werden müssen. Ein weites Feld .... |
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schrieb am
16.03.2010 um 10:00
...ausgerechnet aus der Bundesrepublik eine Art innereuropäisches Niedriglohnland zu machen..., in diesem Licht ist auch die Kritik von LaGard zu sehen denn sie verband ihre Forderung mit dem Hinweis an die Bundesrepublik den Binnenmarkt zu stärken. Die Ironie ist das Banken, die eigen-verschuldet Milliarden verzockten, gestützt werden und das staatliche Unterstützung an Unternehmen bei Kurzarbeit nicht in Form von mehr Kaufkraft den Haushalt zurück fliessen, sondern indirekt in Länder mit noch niedrigerem Lohnniveau als "Investitionen" abwandern und diese "Investitionen" dann obendrein auch noch von Brüssel bezuschusst werden.
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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