4
]
Christian Fischer ist Webworker, lebt in der Kleinstadt und schreibt auf www.jawl.net.
Denkt man an Wahlkampf, denkt man im besten Fall an bewegende Reden, vielleicht an Fernsehduelle und an Auftritte vor begeisterten Massen. In den Städten ist der Straßenrand mit Plakatwänden zugestellt und 2010 sind natürlich auch alle mehr oder weniger im Web aktiv. Wahlkampf findet aber auch in der Provinz statt und dort hat er eigene Regeln. Ich begleite „unseren“ Kandidaten durch seinen Wahlkampf und lerne dabei eine andere Seite des „Politikmachens“ kennen.
Peter Köhler, Kandidat der Grünen für die Sauerländer Kleinstädte Balve, Hemer, Menden, Neuenrade und Plettenberg kandidiert nicht, weil er sich eine realistische Chance auf den Einzug in den Landtag ausrechnet. Jemand hat einmal gesagt, es gäbe vor Wahlen in der Politik drei Sorten von Kandidaten: Die, die einen sicheren Listenplatz haben, die Wackelkandidaten und die fleißigen Heinzelmännchen, die ohne eigene Chance für die Partei kämpfen. Peter ist in dieser Klassifizierung eindeutig ein Heinzelmännchen.
Trotzdem – oder gerade deswegen – muss er genauso in der Öffentlichkeit auftreten, wie die „Großen“. Natürlich hat er quasi eine Standleitung zur örtlichen Presse, eine Website, natürlich versucht er bei Facebook Freunde zu interessieren und auch sein Terminkalender ist prall gefüllt.
Wenn man Glück hat in der Kleinstadt, dann kann man Veranstaltungen organisieren die es schaffen, einen Bogen zu spannen zwischen den Themen die im Düsseldorfer Wahlprogram stehen und dem, was vor Ort interessiert.
In Menden ist das aktuell zum Beispiel eine Autobahn, die mitten durch den umliegenden Wald gebaut werden soll. Dazu steht natürlich zum einen etwas im Wahlprogramm der Grünen und so kann man zu einer solchen Veranstaltung einen Landtags- und sogar einen Bundestagsabgeordneten einladen. Zum anderen beschäftigt das Thema die Menschen vor Ort. Bürgerinitiativen für und gegen die Autobahn haben sich gebildet und bei der letzten Informationsveranstaltung waren mehrere hundert Menschen da.
Mit ein wenig Glück kann man also mit einer interessanten Veranstaltung rechnen.
Donnerstagmorgen standen 10 Menschen an dem Waldrand, den die Autobahn durchschneiden würde. Neben den eingeladenen Abgeordneten und den Vertretern des eigenen Ortsverbandes waren es zwei interessierte Bürger und ein Pressevertreter – leider kommt immer nur noch einer, seit die Pressevielfalt im Ort auf eine Zeitung geschrumpft ist.
Aus der Infoveranstaltung mit politischer Prominenz wurde dann also eher ein Presseinformationsgespräch. Die Bürger, die potentiellen Wähler, werden dann also erst erreicht, wenn die Zeitung einen schönen Artikel daraus macht. Und wenn nicht, dann vielleicht auch nicht.
Peter aber ist nicht unzufrieden – der Termin war in keiner Weise außergewöhnlich. So ist der Wahlkampf in Menden und Umgebung eben.
Eindeutig ein Heinzelmännchen.
|
|
Ja, so ist das wohl. Und sehr sympathisch so Leute, die einfach für ihre Sache missionslos trotzdem unterwegs sind.
An Plettenberg fahre ich oft auf der A 45 vorbei. Jetzt kann ich da endlich an Peter Köhler denken, nicht mehr an Carl Schmitt. Danke. |
|
|
und was die Presse dann aus solchen Informationsveranstaltungen verlautbaren lässt, in einem schönen Artikel, ist dann Zeichen für Qualitätsjournalismus
|
|
|
schrieb am
18.04.2010 um 08:01
Sprechen wir von der Presse, die immerhin eine Stunde mit uns im Feld stand, zuhörte und sich Dinge notierte - oder sprechen wir über die Zeitungen der umliegenden Orte, die die rausgeschickte Pressemeldung und das angehängte Foto dankbar eins zu eins übernommen haben?
|
|
|
Wir sprechen über die bessere Presse, die, die arbeitet.
|
Ausgabe 06/12
09.02.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen