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Der Autor Jens Scholz kommt aus Köln und schreibt auf jensscholz.com.
Ich lebe in Köln. Also in einer der Städte, in denen man den Wahlkampf zur NRW-Wahl eigentlich irgendwie mit jedem Schritt, den ich in der Stadt mache, mitbekommen sollte. Angesichts der aktuellen Umfrageergebnisse, nach denen inzwischen sogar ein Regierungswechsel im Bereich des Möglichen liegen soll und irgendwie auch für fast alle Parteien irgendwelche Koalitionsmöglichkeiten im Raum stehen, würde man ein regelrechtes Wahlkampf-Feuerwerk erwarten. Wir haben außerdem keine lähmende große Koalition hinter uns, es gibt mit den aktuellen sozialen Streitthemen um den Umgang mit Armut und Arbeitslosigkeit, mit den Auswirkungen der Krise auf das hier noch sehr präsente produzierende Gewerbe, mit unseren geradezu legendären, diversen rheinischen Klüngelskandalen und einer schon sträflichen langjährigen Ignoranz und sturen Rückständigkeit der Landesregierung in Bezug auf eigentlich dringendste weil inzwischen brennende Themen wie Energie- und Bildungspolitik genügend Stoff für einen geradezu höllischen Wahlkampf.
Der aber – zumindest nach diesem Auftaktwochende – nirgends zu finden ist.
Was ich – und damit jeder andere Kölner, der sich täglich durch seine Stadt bewegt – bisher wahrnehme ist eine schrecklich öde, schon gleich zu Beginn völlig verkatert daherkommende Wiederholung des Wahlkampfes vom vergangenen Herbst. Klar, die ist vielleicht noch steigerungsfähig, aber momentan nur deswegen, weil die Latte, die man dazu überspringen müsste, im Prinzip flach auf dem Boden liegt. Aber selbst dazu müsste man zumindest mal Leute finden, die bereit sind, mal drüberzuspringen.
Ich habe mir die Berichte der Wahlkampfauftakte der verschiedenen Parteien angesehen. Beziehungsweise schnell mal überflogen, denn Parteifunktionäre, die nur zu ihren Parteimitgliedern sprechen oder deren wichtigste Botschaft der letzten Tage darin besteht, mir vorzuschreiben, was ich warum zu wählen habe – was ich gelinde gesagt für eine Unverschämtheit halte - interessieren mich nicht. Aber konkrete Pläne, was tatsächlich in den nächsten Jahren passieren soll, wenn ich eine Partei wählte erfahre ich nicht.
Bezeichnend ist dabei für mich die Plakatierung in der Stadt: Ein einziges Deja-Vu des vergangenen Bundestagswahlkampfes: Ein Kopf mit Name drunter, keinerlei Aussage, Wischiwaschi-Slogans. Und: Keinerlei Bezug zur NRW-Wahl. Ok, schon früher waren Wahlplakate keine pointierten Informationsbulletine, aber meistens stand da wenigstens noch drauf, um welche Wahl es sich handelte und gerne auch mal, wann die war, und so waren die Plakate wenigstens als Terminerinnerung gut. Ich fühle mich aber diesmal nicht nur nicht angesprochen und null informiert, sondern habe den Eindruck, dass da eine Parallelwelt ein Alternate Reality Game aus der Welt der Hunderevierkämpfe spielt – ich fühle mich so, als ob ich mit Absicht überhaupt nicht gemeint bin. An jedem Pfosten hängen und stehen diese Plakate lieblos angetackert herum und fungieren als Pinkelmarkierungen, man versucht, die „guten“ Stellen zu okkupieren und über strullt klebt sich gegenseitig auch schon mal ein Plakat, um der anderen Partei zu zeigen, wer den längsten hat.
Wie sehr man sich seine eigene Weltfremdheit schönredet kann man an diesem geradezu symbolträchtigen Beispiel eines Müntefering-Auftritts ganz gut nachvollziehen. Das ist kein Wahlkampf. Das ist der sichtbare Ausdruck einer degenerierten Politikergegenwelt, die inzwischen eine veritable Krise des Parteiensystems verursacht und dieses bis ins Mark hinein durchdringt.
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Auf dem Lande sieht es nicht anders aus. Das in Köln beruhigt mich dann jetzt doch - irgendwie. Schließlich kann man so unbefangen wählen gehen oder es lassen.
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schrieb am
13.04.2010 um 15:02
Das Ringen um die Wähler sollte in den Ring verlegt werden. RTL überträgt - aus Köln - mal richtigen Wahlkampf. Leider dann wohl nicht Schwergewichtskämpfe.
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Vielleicht sollten die eine Wahllotterie machen, wo man Nieten, 2. Preise und so ziehen bzw. kaufen kann. Dann gingen sicher auch viel mehr Leute zur Wahl.
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schrieb am
13.04.2010 um 20:28
Jo, aus der Köln Arena. Live heute im RTL.
Der Kampf der Titanen. Rechts Frau Merkel. Charmant ihr Lächeln, wenn sie will und und wenn nicht wird der Sauertopf zur Süßspeise. In der linken Ecke der aktuelle SPD Chef. Diesmal der Erzbengel Siegmar Gabriel. Was er schon immer wußte, er wußte es schneller als irgend jemand anderes. In Nebenrollen fighten friedensbewegte GRÜNE vs. gespaltene Linke. Piraten springen über Hürden. Sie versuchen es zumindest und andere hoffen auf Ihre Zustimmung. Im Vorprogramm übrigens Guido Westerwelle vs. Guido Westerwelle. Aussenminister vs. Parteichef. Welcher Charakter gewinnt das Duell heute? |
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"..Ich habe mir die Berichte der Wahlkampfauftakte der verschiedenen Parteien angesehen. Beziehungsweise schnell mal überflogen, denn Parteifunktionäre, die nur zu ihren Parteimitgliedern sprechen oder deren wichtigste Botschaft der letzten Tage darin besteht, mir vorzuschreiben, was ich warum zu wählen habe – was ich gelinde gesagt für eine Unverschämtheit halte - interessieren mich nicht. Aber konkrete Pläne, was tatsächlich in den nächsten Jahren passieren soll, wenn ich eine Partei wählte erfahre ich nicht...."
Wenn man etwas nur schnell überfolgen hat, kann man hier keinen ernsthaften Bericht hereinstellen. Auch erweist sich dadurch der letzte Satz als zumindest mutig. Wie kann diesen Satz schreiben, wenn man etwas nur überflogen hat, geschweige denn da gewesen ist. Im übrigen, wer zwingt den Autor irgendeine Partei unbedingt zu wählen? Warum geht er nicht zu Veranstaltungen der wichtigsten Parteien? Warum wird der Begriff "Parteifunktionäre" derart negativ kommuniziert? Diese Menschen sind entgegen den Medien immerhin demokratisch gewählt! Der Beitrag des Autors ist für mich extrem befremdent!!! |
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> wer zwingt den Autor irgendeine Partei unbedingt zu wählen?
Niemand, aber ich dachte ja bisher, daß die Parteien schon gern gewählt werden möchten. Daß die wichtigste Info von Rüttgers Wahlauftakt die ist, daß er "Vor Denkzettelwahlen warnt" hab ich ja nicht erfunden. > Warum geht er nicht zu Veranstaltungen der wichtigsten Parteien? Weil da nur Parteianhänger hingehen, denn ich werde da nicht angesprochen. Ich muss ja eigentlich auch nicht, ich kann ja Internet. aber auf den Parteiwebseiten ist auch nichts zu finden. Wie gesagt, kann man ja verbessern. Was nicht hilft: Demjenigen, der seinen Eindruck von dem schildert, was er sieht zu versuchen, die Schuld daran zu geben, dass es für ihn so aussieht wie es aussieht. |
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Ich gebe niemandem irgendwelche Schuld, sondern sage nur meine persönliche Meinung. Mehr nicht!!
"Weil da nur Parteianhänger hingehen, denn ich werde da nicht angesprochen. .." Die Parteiveranstaltungen, die ich hier in Hessen bei der Bundestagswahl besucht habe, hatten meist 80-90% "Neugierige" und nur ca. 20% MitgliederInnen. In der Kleinstveranstaltung hier in meiner Nähe mit Steibrück waren von den ca.100 Anwesenden nur 10 SPD-MitgliederInnen. Man konnte locker Fragen stellen. Das habe ich auch getan. |
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> Die Parteiveranstaltungen, die ich hier in Hessen bei der Bundestagswahl besucht habe, hatten meist 80-90% "Neugierige" und nur ca. 20% MitgliederInnen.
Sorry, aber ich sprach nicht von Mitgliedern sondern beweusst von "Parteianhängern". Außerdem werden nicht umsonst regelmäßig reisebususweise Anhänger aus anderen Orte zu Wahlveranstaltungen gekarrt um die Ränge vollzukriegen... |
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gibt es tatsächlich noch Parteianhänger, die keine Mitglieder sind, und die noch freiwillig zu Parteiveranstaltungen fahren?
Aber rein technisch könnte doch da jedermann/jedefrau mitfahren, wenn sie wollte, oder??? |
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Plakate am Boden - komische Mode. Hier ein Bild, ebenfalls aus Köln, das die möglichen Folgen zeigt:
Falls kein Bild angezeigt wird, hier die Adresse: data6.blog.de/media/680/4557680_1c6db92e69_m.jpeg |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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