Die NRW-Wahlbegleiter

Die NRW-Wahlbegleiter

03.05.2010 | 18:19

Wieder Pech mit Gysi?

Der Autor koslowski ist pensionierter Lehrer, lebt in Bielefeld und schreibt auf freitag.de.

„Nach Sahra nun Gysi? Für einen alten Sozi wie dich ist dieses starke Interesse an linken Wahlkämpfern doch etwas bedenklich“, sagte meine Frau. Ich ignorierte die Süffisanz in ihrer Stimme und radelte zum Rathausplatz.

Als ich dort gegen 18.45 Uhr ankam, spielten „Die alten Männer“ ihren letzten Song, und Funktionäre und Helfer der Partei hatten mit dem Aufräumen begonnen.

Diesmal war Gregor Gysi pünktlich gewesen. Letztes Jahr hatten die Zuhörer eine Stunde lang auf ihn warten müssen, denn er hatte den Halt seines ICE in der Ostwestfalenmetropole verpasst. Gut möglich, dass er denen geglaubt hatte, die an die Existenz Bielefelds nicht glauben, und seine Mitarbeiter ihn vom Gegenteil erst hatten überzeugen können, als es schon zu spät war. Ich hatte nicht auf ihn warten können

Heute war Gysi rechtzeitig ausgestiegen und hatte gegen 17:00 Uhr (nicht gegen 19:00 Uhr, wie ich auf den Plakaten gelesen hatte) zum Mikrophon auf der zentralen Wahlkampfveranstaltung der LINKEN in Bielefeld gegriffen. Diesmal war es mein Fehler gewesen. Gysi und ich – das schien irgendwie nicht zu passen.

Während ich darüber nachdachte, ob mein Pech mit Gysi symbolisch zu interpretieren sei (Berührungsängste oder Rebellion meines sozialdemokratischen Über-Ich gegen die Versuchung der LINKEN), sah ich meinen Ex-Genossen und heutigen Oberbürgermeister über den Platz auf mich zukommen. Er grinste jovial und sagte: „Na, Koslowski, machst du jetzt bei denen mit? War ja ganz gut, der Gysi, aber hier in NRW sind die Hälfte der LINKEN Spinner. Also mach keinen Quatsch!“

Ich beschloss, da der Abend nun schon angebrochen war, nebenan im Irish Pub ein Guinness zu trinken, um über Gysi, meinen Oberbürgermeister und mich in Ruhe nachzudenken. Dort traf ich H., einen Pfälzer, den es der innovativen Reformpädagogik wegen einst nach Ostwestfalen verschlagen hatte und hier nun den Aufstieg seines 1.FCK begießen wollte. Wir tranken einige Guinness und sprachen über die Chancen seines Vereins, in der nächsten Saison die Klasse zu halten, und über die Chancen von Arminia, für die nächste Saison die Lizenz zu bekommen. So wurde es doch noch ein sinnvoller Abend.

Auf dem Heimweg nahm ich mir vor, über Gysi, die LINKE, meinen Oberbürgermeister und mich ein andermal nachzudenken.

Lesen Sie hier einen Bericht vom Auftritt Sigmar Gabriels in Köln.

 
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Kommentare
luggi schrieb am 03.05.2010 um 22:35
Mein lieber Koslowski,
so ein Pech bei Wahlkampfrednern, da empfehle ich Lotto, Chancen für einen Nichttreffer sind sehr hoch. Weiß garnicht, ob mal jemand die Nichttrefferwahrscheinlichkeit errechnet hat.
koslowski schrieb am 03.05.2010 um 23:13
Ich denke doch, dass mein Pech mit Gysi schon etwas mit Gysi und mir zu tun hat. Meine Treffen mit Sahra W. und Sigmar G. waren nämlich durchaus harmonisch, sozusagen ein Treffer. Kann sein, dass mir kleine Männer nicht liegen und dass Gysi keine Ex-Sozis mag, die die Sozis wählen wollen. Wir werden es nie erfahren, und das ist auch gut so.
luggi schrieb am 03.05.2010 um 23:19
och koslowski, das glaube ich nicht. Dem Gysi sind Ex-Sozis, die trotzdem SPD wählen lieber, als solche, die zu Hause bleiben oder CDU oder SPD wählen. Er hat ja auch mal irgendwann auf die Notwendigkeit des Bestehens der SPD hingewiesen. Jede Stimme abseits von CDU und FDP wird gebraucht. Und das sollte im Vordergrund stehen. Oder habe ich da unrecht?
koslowski schrieb am 03.05.2010 um 23:25
Ich stimme dir vollinhaltlich zu und schwöre: Ich gehe wählen und mache meine Kreuze an den richtigen Stellen.Mal sehen, was dann passiert.
misterl schrieb am 03.05.2010 um 23:31
Bielefeld erhält die Lizenz, aber die Auflagen zwingen sie gegen den Abstieg zu spielen. Zudem wird Gysi in drei Jahren bei Dir persönlich klingeln und Dich um Deine Stimme bitten.
wwalkie schrieb am 04.05.2010 um 15:36
Ich glaube nicht, dass Gysi in drei Jjahren noch die Klinken putzt. Koslowski darf sich auf ein Gespräch mit einem Bayern (als Westfale!) freuen. Wahrscheinlich beginnt die Gesprächseröffnung nach dem Muster der Zeugen Jahwes ("Guten Tag, wir möchten mit Ihnen ein Gespräch über Christus führen") folgendermaßen: "Grüß Gott! Ich bin der Ernst und möcht' mit Ihnen über die Linke reden."
Fritz Teich schrieb am 04.05.2010 um 18:04
<<
Der Autor koslowski ist pensionierter Lehrer
>>

Btw, schoen langweilig, Lehrplan und so. Gysi bin ich einmal begegnet, da hatte er einen Verband um einen Finger, in den Finger geschnitten oder so, das fand ich ganz sympathisch. Er ist ein wackerer Abwickler der Partei gewesen, witzig fand ich ihn eigentlich nie, aber gelegentlich doch sehr klug. Am Besten gefallen hat mir, dass man nicht an die eigene Propaganda glauben darf, was wahrscheinlich ein Leninzitat ist, oder?
Fritz Teich schrieb am 04.05.2010 um 18:11
<<
Gut möglich, dass er denen geglaubt hatte, die an die Existenz Bielefelds nicht glauben, und seine Mitarbeiter ihn vom Gegenteil erst hatten überzeugen können, als es schon zu spät war.
>>

Wie witzig. Warum soll sich Gysi mit so einem unterhalten?

Meiner Erinnerung nach ist Bielefeld eine Stadt in Westphalen, am Rande des Teutoburger Waldes, mit beruehmter Kunsthatte und Uni. Um die Stadt herum gibts jene Einzelhoefe jener wackeren westphaelischen Bauern, die sich nach Meister C. nicht besiegen lassen. Der Koenig von Bielefeld heisst Oetker.
Fritz Teich schrieb am 04.05.2010 um 18:13
<<
die Süffisanz in ihrer Stimme
>>

Die arme Frau. Irgendwann hiess sie mal "die Intelligenz", das fand ich gut.
koslowski schrieb am 04.05.2010 um 20:16
@fritz teich

Scheint so, dass du wieder gut drauf bist.Aber
1. Lehrer sein ist nicht langweilig, im Gegenteil: viele ganz unterschiedliche junge Menschen, dauernde Heausforderung, Scheitern ist Regelfall, aber auf hohem Niveau
2. Gysi ein "wackerer Abwickler" mit kaputtem Daumen: Dafür schätze ich ihn nicht, aber immerhin kann er in Talkshows die Role des Widersachers der neoliberalen Märchenerzähler ganz gut, d.h. medienwirksam bestzen
3. Meine Frau ist intelligent und deswegen in der Lage, mein Interesse an linken Wahlkämpfern "süffisant" zu kommentieren.
Immerhin scheinst du jenen zu gehören, die die Existenz Bielefelds nich tin Frage zu stellen. Das lässt Hoffnung auf Genesung zu.
hadie schrieb am 04.05.2010 um 23:50
Den Wahlkampf nicht verschlafen hat:

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Logbuch
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hardob hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:33
Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Red Bavarian hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Columbus hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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