outnumber

Blog von outnumber

16.07.2009 | 16:27

Prag und die internationalen Homosexuellen, ein Reisebericht

Gleich und Gleich gesellt sich gern zusammen und auch Gegensätze ziehen sich an. Ich zog permanent meine Gegensätze an. Früher bewegte ich noch meine Leute mit Überredungskunst und Bestechung zum mitreisen, dann, vor fünf Jahren habe ich es aufgegeben: Ich reise allein. Auch wenn ich mir  manchmal wünsche, das Erlebte, die schönen Eindrücke zu teilen, habe ich festgestellt, dass die fremde Welt sich einem noch intensiver begegnet, wenn man allein unterwegs ist. Und man wächst jedes Mal.

In Prag angekommen, fuhr ich zum Treffpunkt meiner Stadtführung an den Hlavní nádraží (Hauptbahnhof). An dem Hauptbahnhof kann man ganz gut die tschechische Geschichte ablesen. Dieser hieß erst Kaiser-Franz-Joseph-Bahnhof. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er zu Ehren des US-Präsidenten Woodrow Wilson in Wilsonovo nádraží  (Wilson-Bahnhof) umbenannt. Unter der deutschen Besatzung und auch nach 1948 hieß er  Hlavní nádraží. Nach 1989 wurde über die Rückbenennung in Wilsonovo nádraží diskutiert, aber die Prager hatten sich schon an Hlavní nádraží gewöhnt.

Als alle Teilnehmer der Stadtführung zusammen kamen, stellte ich fest, dass die meisten Deutsche waren. Eine Schulklasse aus Hamburg, ein deutsches Pärchen, 3 Argentinier, 4 chinesische Frauen et moi. Unser Führer Achim sprach Deutsch und Englisch und ich habe selten erlebt, wie eine Sprache derart vergewaltigt wurde. Selbst die englischsprachigen Reisenden verließen sich irgendwann nur noch auf ihre wenigen Deutschkenntnisse. Aber auch da war nicht viel zu holen. Achim war bestimmt erst 10 Minuten vor uns in Prag angekommen und in aller Eile eine Broschüre vom Hauptbahnhof durchgelesen. So erzählte er spannende Dinge wie: "Dieses Gebäude da (das Nationalmuseum) ist älter als es aussieht, die renovieren den immer wieder, aber bald müssten sie den mal wieder verputzen, sieht ja alt aus." Auf Englisch hörte es sich noch schöner an. Er war an diesem morgen durcheinander und sah recht unausgeschlafen aus. Wer weiß, dachte ich, wie es ihm grad geht. Arbeiten muss man, auch wenn man lieber zu Haus geblieben wäre.

Achim sorgte aber dafür, dass ich mit den Argentiniern ins Gespräch kam. Einer hatte noch kein Hotel gebucht und so verabredeten wir, dass wir uns nach der Tour gemeinsam um ein Zimmer kümmern. Jorge, so hieß er, und ich checkten auch gleich bei dem zweiten Hotel ein, den wir uns anschauten. Jorge traf sich dann mit den anderen Argentiniern und ich ging noch mal in die Prager City und schaute mir die Plätze an, die mir gefielen. Danach folgte ein altes Ritual: so lange gehen, bis ich vollkommen die Orientierung verliere. Es ist ein befreiendes Gefühl verloren zu sein und sich wieder zu finden. Nach drei Stunden war ich in einem Waldstück. Es hatte zwischendurch geregnet und der Fußweg, der über steile Hügel führte, war  rutschig. Die Serpentinen des Fußwegs wurden von Emo-Gruppen gesäumt, die betont gelangweilt alle Paar Sekunden die Haare aus den Augen wegfegten. Vorbei am Denkmal des Dichters Karel Hynek Mácha tauchte ich wieder in ein Stück Wald ein. Ich stieg bis zum Štefánik Observatorium und Planetarium hoch und von da aus folgte ich einem Weg durch die Kinsky Gärten. Nach einer kurzen Verschnaufpause, ich merkte, dass ich nicht mehr der jüngste war, lief ich in Richtung Karlsplatz. Auf dem Weg kam ich an der ukrainischen Holzkirche aus dem 17. Jahrhunderts vorbei. Danach verlief ich mich ein Paar Mal und landete vor der Kapelle des Grabs Christi, darunter führte ein Weg mit den Stationen der Kreuzigung.  Für alle weiteren Bauten und Naturschönheiten war ich nicht mehr aufnahmefähig. Ich folgte meinen Füßen wieder auf eine Straße und nahm die nächste Taxi zu meinem Hotel. Nach einer heißen Dusche schlief ich wie ein Stein.

Am nächsten morgen beim Frühstück traf ich Jorge. Dieser hatte inzwischen festgestellt, dass drei eine ganz unglückliche Zahl zum verreisen ist. Er wollte etwas mehr Abstand zu seinen Kumpels halten und schlug vor, mit mir zusammen das Prager Nachtleben durchzuforsten. Ich hatte nicht vorgehabt, in Diskos rumzuhängen, aber warum nicht.

Am frühen Abend gingen wir in eine berühmte Jazz-Bar, in der auch der Ex-US-Präsident Clinton musikalisches geblasen hatte. Dort lernten wir einen Norweger und zwei Schwedinnen kennen. Die Mädels wollten sich später mit weiteren Freunden in einer Rockbar treffen und wir zogen einfach mit. Die neuen Bekannten waren ein polnisch-niederländisches lesbisches Pärchen und ein dänischer Armenier.  Die Frauen, Agathe und Maren, waren schon oft in Prag gewesen und kannten die Stadt wie ihre Westentasche.  Der Armenier hieß Levy und war ein netter Kerl. Er hatte gerade seine Facharztausbildung zum Schönheitschirurgen in Dänemark abgeschlossen und wollte nun in Prag den Erfolg feiern. Mit ihm habe ich mich sehr gut unterhalten, obwohl ich zwischendurch schwer einschätzen konnte, was er ernst meinte und was Spaß sein sollte. So sagte er, dass er, seit er sich für diese Fachausbildung entschieden hatte, eine richtiggehende Phobie vor älteren Menschen entwickelt habe. Er möge keine faltigen Menschen oder im Alter immer mehr gepolsterten, denen er das Fett literweise absaugen musste. Er wollte es mit jungen Leuten zu tun haben, die bereits hübsch waren und durch den kosmetischen Eingriff noch besser aussehen wollten.

Unsere Horde zog nach einer Weile in die Karlovy Lázně, nach der Eigenwerbung die größte Discothek in Mitteleuropa. Hier wuchs unsere Gruppe noch um zwei Tschechen. Dafür ging der Norweger über Bord. Ich machte Witze, dass er hoffentlich am nächsten Morgen, wenn er irgendwo am Straßenrand erwacht, noch beide Nieren hatte. Und wie zur Strafe für meine bösen Bemerkungen, begegnete mir kurz nach Mitternacht ein blaues Augenpaar und ich musste mich bemühen, um nicht mein Getränk fallen zu lassen. Manchmal denken wir, dass einige Dinge endgültig abgeklärt und verarbeitet sind und dann riechen wir einen bestimmten Duft, hören eine Melodie oder sehen eine ganz bestimmte Augenfarbe und alles ist wieder Gegenwart.

Gegen zwei Uhr morgens wollte die Horde erneut die Location wechseln. Diesmal ging es in eine schwullesbische Disco. Agathe, Maren und Levy wollten auch was von der Nacht haben. Und die Schwedinnen wollten unbedingt sich küssende Jungs sehen. Ich dachte, dass muss wohl ein Pendant zu den Lesbenfantasien der Männer sein, wenn heterosexuelle Frauen unbedingt homosexuelle Männer beobachten wollten.  Mir war's egal. Ein Flashback vergangener Tage hatte mir eh die Feierlaune verdorben. Die Tschechen brachten uns zu der gewünschten Disco, wollten aber nicht reingehen.

Nach einer halben Stunde hatte man sich an die Location gewöhnt und irgendwie war das auch nur eine Disco, zugegeben, die Klamotten der Männer fiel deutlich enger und transparenter aus, aber wirklich exotisches gab es nicht zu sehen. Dafür wurde Levy immer zutraulicher. So gern man jeden glücklich machen möchte, manches hat aber seine natürlichen Grenzen. Levy begann dann ein Glas nach dem anderen zu leeren und war in kurzer Zeit stockbesoffen. Und irgendwann tanzte er mit einem Typen zusammen, der nach zwei Sekunden seine Hand in Levys ohnehin enge Hose quetschte. Und noch bevor das Lied zu Ende war, verschwanden die beiden im Untergeschoß, wo der Eingang mit einer schwarzen Plane verdeckt war.

"Ich wusste gar nicht, dass da noch ein Saal ist.", sagte ich.

"Da unten wird auch nicht getanzt.", sagte Agathe. "Das ist ein Darkroom. Dort geht's gleich zur Sache."

"Hoffentlich schützt er sich!", bemerkte Maren.

"So besoffen wie der grad ist, eher nicht.",  entgegnete Agathe. Und beide Frauen schauten mich an.

"Was?" fragte ich.

"Na, vielleicht könntest du ihn wieder hochbringen?", fragte Maren.

"Wieso ich? Er ist euer Kumpel."

"Ja, schon, aber Frauen gehen nicht in ein Darkroom. Sonst drehen die Typen da unten durch, als wäre Feuer ausgebrochen."

"Scheizze!", fluchte ich. "Ok, ich gehe."

Hinter der Plane war es sehr duster. Ich konnte die Stufen kaum sehen. Als ich einmal stolperte, machte ich die Taschenlampenfunktion meines Handys an. Und eine Sekunde später hörte ich "Schalt das Scheißding ab!" in mindestens sieben Sprachen.

Das, was ich im kurzen Blaulicht des Handys gesehen habe, genügte vollkommen. Das Untergeschoß glich einem Meeresboden, lauter Saugfische.

Ich hatte auch Levy entdeckt. Er hatte inzwischen seine Hose verloren. Ich schlich wieder aus diesem Raum raus. Ich wollte nicht, dass er sieht, dass ich ihn gesehen habe. Ich hatte sein Gesicht deutlich gesehen. Es hatte Lust ausgedrückt und noch etwas anderes. Und wenn mich nicht alles täuscht, dann war es Leiden. Vielleicht litt er, während er gleichzeitig Spaß, Verzeihung, "fun" hatte.

In dem spanischen Film "caotica ana" bemerkte eine Nebendarstellerin sinngemäß: "Seit Jahrhunderten sind Frauen Opfer und Männer Vergewaltiger. Auch wenn die Zivilisation das verdeckt, Frauen sind Opfer und Männer Vergewaltiger."

"Und was ist mit denen?", fragte Ana, auf ein schwules Paar deutend, die im Badezimmer der Wohngemeinschaft ungeniert Sex hatten.

"Die sind entweder beide Opfer oder beide Vergewaltiger."

Alles überzogene Aussagen. Und doch hatte ich das Gefühl, dass Levy und sein unbekannter Partner weder "Liebe machten", noch "Sex" hatten, sondern sich gegenseitig vergewaltigten. Vielleicht kommt er morgen, übermorgen, irgendwann zu sich und fühlt sich leer oder er bleibt immer in dunklen Räumen, wo er von anderen nicht gesehen wird und sich selbst nicht sehen muss. "Ach", sagte ich dann zu mir. "Was maße ich mir an, über andere zu urteilen."

Als ich wieder oben bei den anderen war, fragte Maren, warum ich Levy nicht mitgeschleppt habe.

Ich antwortete mit Mamas Erziehungskanon: "Jedes Schaf wird am eigenen Bein aufgehängt. Er hat sich für das, wer er ist und was er tut, so entschieden."

 

 
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Kommentare
Magda schrieb am 16.07.2009 um 17:03
Also das gefällt mir ganz außerordentlich gut.
Zum ersten, weil es wirklich interessant ist. Mir gefällt auch der Gedanke vom allein Reisen.

Und auch stilistisch finde ich das gut, weil Du die Rolle des "Beobachters" und Erzählers nicht verlässt. Du gibst von Dir wenig preis, und das ist dann - für das Erzählen - auch sehr spannend.

Gut, gut...

Ich hoffe, es finden sich mal noch paar Andere, die sich hier verewigen. Politik hin oder her, man muss auch mal was anderes lesen und schreiben. Und auch mal einen längeren Text inhalieren.

Gruß
Magda
Cassandra schrieb am 16.07.2009 um 19:14
Ach wie schön! Noch jemand, der alleine reist. Das öffnet den Blick manchmal für ganz außergewöhnliche Dinge und Leute. Vor allem hat es etwas unheimlich Spontanes.

Zufälligerweise fahre ich in ein paar Wochen auch nach Prag. Danke für die gelungene Einstimmung; kann mich Magdas Kommentar nur anschließen...
outnumber schrieb am 16.07.2009 um 23:33
hallo Cassandra,

es war mein erstes mal in Prag, ich war auch nur wenige tage da, aber es hat sich auf jeden fall gelohnt, dir wird die stadt bestimmt auch gefallen. ich wünsche dir, wenn es soweit ist, gutes wetter.
piiter schrieb am 17.07.2009 um 20:43
@Cassandra, mit höherem Alter öfters reisen.
Ja, das habe ich auch oft beobachtet und ich verreise auch sehr gern.
My opinion dazu, je wohler man sich zu Hause fühlt, desto lieber verreist man dann auch. ! ?

peter, fast grundsätzlich Alleinreisender.
piiter schrieb am 17.07.2009 um 20:45
Das sollte irgendwie ganz ganz viel weiter unten.

Kann Freitag nicht mal eine vernünftige Kommentar zu Kommentar Funktion entwickeln ? Nur mal so als smarter Hinweis. ;-)
piiter schrieb am 17.07.2009 um 20:47
... and last, lieber @outnumber, eine ganz ganz herrliche Reportage.
Stimmig und gut geschrieben.

Mal ein wenig neidvoll blick.
outnumber schrieb am 17.07.2009 um 21:59
@piiter

danke!
h.yuren schrieb am 16.07.2009 um 19:52
ja, outnumber, du kannst schreiben. was die mädchen schon festgestellt haben, kann ich nur bekräftigen. und ich weiß einmal mehr, warum ich nicht verreise. dazu muss mensch wohl übermütig jung und auf der flucht vor zuhause sein bzw. auf der suche nach etwas, was es vielleicht nur in prag gibt.
aber auf gedankenreise geh ich desto lieber. dein text war eine gute gelegenheit. bedankt, outnumber.
outnumber schrieb am 16.07.2009 um 23:37
ich werde jetzt mal ganz frech :-))

nur in gedanken etwas erleben hat manchmal etwas impotentes,

an sex denken oder sex haben sind nicht gerade zu vergleichen. so auch mit ein realer raumwechsel, wo man alles anfassen, riechen und hautnah erleben kann oder nur davon liest oder im fernseher verfolgt.

oder sie sehen reisen an sich als etwas an, dass für die jüngeren oder übermütigeren vorbehalten ist.

aber ich glaube, sie wollten auch sagen, dass sie ganz zufrieden sind, da wo sie sich befinden und daher nicht veranlasst sind, woanders hinzugehen, neue plätze zu sehen.
Titta schrieb am 17.07.2009 um 02:20
nee, man kann das auch anders deuten.
Der Helder hat soviel erlebt, daß er jetzt zuhause in aller Ruhe alles schön sortieren kann und muß, gedanklich.

Ich merk auch, daß mit dem Alter mein Reise- und Erlebnistrieb abnimmt.
Es gibt auch so Menschen, die suchen und suchen, nach Orten, Menschen, Erlebnissen. Dabei ist das, was sie eigentlich suchen, nur in ihnen selbst zu finden.

Weißt du outnumber, ich werde jetzt mal ganz frech und sag:
Kennst du einen Mann, kennst du alle. Und der eigentliche Sex läuft sowieso nur im eigenen Kopf ab.
outnumber schrieb am 17.07.2009 um 11:21
naaa, die bei unterschiedlichen paarungen kann der sex absolut unterschiedlich sein, der kopf bleibt aber derselbe.

wobei man sich durchaus vieles schön/schlecht denken kann.

verreisen hat für mich nicht unbedingt mit einer sinnsuche zu tun. nicht jeder, der hinaus geht, sucht nach sich selbst nach einem vermeintlichen großen sinnfragen. es ist manchmal einfach die neugier auf die welt und lust und spieltrieb.
es wäre schön wenn diese neugier auch im alter erhalten bleibt
outnumber schrieb am 16.07.2009 um 23:32
@ Magda,

danke. Stil ist bei mir glückssache :-))

meistens sind es unfreiwillige situationen in die man gerät, wenn man allein reist, die dann schöne geschichten werden.
Titta schrieb am 17.07.2009 um 00:39
Vor genau 22 Jahren ist eine Freundin von mir in Prag vergewaltigt worden. Das werde ich auch nie vergessen. Übersät mit blauen Flecken war sie. Die Männer (unserer Gruppe) haben gefragt, ob sie wirklich vergewaltigt worden sei. Wir alle kannten den Täter flüchtig, ein Tscheche. Das Opfer (aus der DDR) wollte ihn nicht anzeigen, aus Scham, aber auch aus Angst vor möglichen politischen Verwicklungen. Ganz verstanden habe ich das als Wessi alles nicht, damals.

Seitdem ist mir Prag verhaßt. Ich weiß, Prag kann nichts dafür. Aber trotzdem ist es so. Und wenn ich höre, jemand kommt aus Tschechien, womöglich noch aus Prag, zucke ich zusammen und schaue den Mann an, um zu sehen, ob er eine übergroße Nase hat. Ich weiß...
outnumber schrieb am 17.07.2009 um 00:52
:-((((

mir fällt nichts gutes ein, außer dass ich mir wünsche, es wäre deiner freundin und niemandem je passiert.
Titta schrieb am 17.07.2009 um 01:41
Das fällt mir halt immer zu Prag ein.
Ob das jetzt in deinem Blog ein angemessener Kommentar gewesen ist? Es ist jedenfalls auch die Realität.
outnumber schrieb am 17.07.2009 um 01:46
es passt schon. erfahrungen sind nunmal so wie sie sind. traurig.
andererseits kommt gerade bei sowas der verallgemeinerungstrieb und alle tschechen die eine große nase haben und niemals vergewaltigen würden, vielleicht auch weil sie homosexuell sind oder auf tiere oder stoffpuppen stehen (ok, das wird jetzt seltsam :-)), jedenfalls als diese tschechen würden kalt empfangen werden, obwohl sie niemandem etwas getan haben.
outnumber schrieb am 17.07.2009 um 01:06
ich hatte erwartet, dass sich hier der blogger Gaypower zu wort meldet. in seinem selbstveständnis fühlt er sich berufen zu homosexuellen themen position zu beziehen

wäre jedenfalls spannend wie zu der außenansicht die innenaussicht aussehen würde.
Titta schrieb am 17.07.2009 um 01:44
Wieso kann man dem eigentlich nichts schreiben?
Von dem wollte ich nämlich wissen, ob schwule Männer jetzt auch keine Haare mehr auf der Brust haben dürfen, nachdem er sein Profilbild gewechselt hat.
Und Knüppel war ja nur für kurze Zeit hier im FreitagsBlog aktiv. Jedenfalls hab ich von dem lange nichts mehr gehört.
outnumber schrieb am 17.07.2009 um 01:49
ich bin irgendwie automatisch davon ausgegangen dass gaypower eine reinkarnation von knüppel ist, keine ahnung, so ein sherlock holmes gefühl.

also persönlich würde ich, wenn nun alle männer keine behaarung mehr haben dürfen, eine "MEIN PELZ GEHÖRT MIR" kampagne starten. also irgendwo hörts doch auf :-)))
Titta schrieb am 17.07.2009 um 02:09
Warum solltet ihr es besser haben als wir? ;-)
Titta schrieb am 17.07.2009 um 02:10
Von wg. der mehreren Identitäten. Auf sowas muß ich immer erst gebracht werden. Ich denk in der Hinsicht viel zu eindimensional.
outnumber schrieb am 17.07.2009 um 11:16
wir wollen nicht besser da stehen, auch frauen haben das recht auf eine behaarte brust :-)))

vielleicht sind ja knüppel und gaypower unterschiedliche blogger, mein spinnensinn sagt aber, dass sie zur gleichen person gehören, auf einen flüchtigen blick schon sind die in ihrer sprache sehr deckungsgleich. ist aber egal, jeder was er will.
Magda schrieb am 17.07.2009 um 11:48
Ich finde sowohl Reisen in Gedanken, mit Hilfe dessen, was andere darüber berichten gut, als auch das Selbst reisen. Aber wir sind in letzter Zeit auch nicht mehr so reiselustig. Es ist eine Altersfrage, auch eine Geldfrage.
Gleich nach der Wende sind wir - meist mit so preiswerten Reiseanbietern - gefahren. Einmal in Richtung Tirol, italienische Seite, Meran. Wir mussten von Berlin aus über Leipzig, noch Leute aufnehmen. Na bin ich geboren und aufgewachsen . Das Schicksal wollte, dass wir da abends bei strömendem Regen durch die elenden aber von Blitzen erhellten Straßen meiner Kindheit gefahren sind. Und ich dachte bei mir: Ist das nicht toll? Nach Italien... wie einst Goethe, wir alle so einfach, durch die Josephstraße im Leipziger Arbeiterviertel. Ich kriegte mich gar nicht wieder ein. Ich fand, dass dieser Mauerfall ein unglaubliches Geschenk war...

Es war dann auch ein wunderschöner Urlaub.

Wie auch immer - Prag kenne ich - ich finde es war immer schon eine schöne Stadt. Aber ich war da kurz nach der Wende dienstlich und mein Gepäck war nicht mitgekommen. Ein Theater und wir wollten weiter nach Bayern. Das war eine unglückliche Geschichte. Dort war gerade "samtene" Revolution und niemand hatte Sinn für meine Sorgen. In Tutzing musste ich mir - vom damals noch spärlichen Westgeld (es war so eine Zwischenphase) - alles kaufen. Dann wurde ich ziemlich krank und setzte durch, dass ich von München mit dem Zug heimkonnte und nicht wieder über Prag den ganzen Weg. Fünf Wochen später bekam ich mein Gepäck wieder.

Kürzlich hat mich eine Freundin gekränkt. Ich erzählte ihr, dass ein Mitglied des Literaturforums, in dem ich auch schreibe, gerade aus Curacao von seinem Taucherurlaub berichtet, per Notebook und Stick, und dass ich das so direkt und interessant finde. Und sie hat hingeworfen: "Leben aus zweiter Hand". Und seitdem habe ich das Gefühl, dass sie nicht mehr meine Freundin ist. Solchen Dingen geht ja immer einiges voraus. Aber seitdem bin ich am Grübeln, warum einen jemand so vorsätzlich kränkt.
Streifzug schrieb am 17.07.2009 um 11:55
Hallo Magda,

nimms locker, ist eben nur eine Freundin aus zweiter Hand die eine nachgekaute Bemerkung aus zweiter Hand gemacht hat.

Auch Frauen sollen so schwache Momente haben :)
Cassandra schrieb am 17.07.2009 um 12:03
Vielleicht war es ja gar nicht hauptsächlich eine Kränkung, die gegen dich gewandt war, sondern viel mehr der Versuch sich selbst zu überzeugen? Vielleicht merkt deine Freundin ja auch, dass Reisen nicht mehr das selbe wie früher ist und wehrt sich gegen diesen Gedanken mit Händen und Füßen...

Ich finde es sehr interessant zu hören, dass die Reiselust mit der Anzahl an Lebensjahren abnimmt, ich erleb(t)e in meinem Umfeld nämlich eher das Gegenteil. Meine Großeltern sind, bevor mein Großvater vor einigen Jahren starb, noch relativ viel gereist - eigentlich mehr als früher. Dazu muss man aber anmerken, dass sie während des Krieges und in der Aufbauphase danach natürlich auch nicht die Möglichkeit dazu hatten.

Aber auch eine Bekannt von mir, Mitte 50, nimmt jede Gelegenheit wahr, wegzufahren. Ich könnte sie mir auch anders gar nicht vorstellen, es gehört schon irgendwie zum Charakter.
Magda schrieb am 17.07.2009 um 14:52
Ja, ich nehms locker. Und ich sehe locker ein, dass auch Frauen usw...:-)

@ Cassandra - "Vielleicht merkt deine Freundin ja auch, dass Reisen nicht mehr das selbe wie früher ist und wehrt sich gegen diesen Gedanken mit Händen und Füßen..."

Das kann durchaus so sein. Sie reist schon sehr gern, aber vielleicht erlebt sie, dass man sich selbst nirgends entkommt.
outnumber schrieb am 17.07.2009 um 16:17
@Magda,

vielleicht gönnt sie Dir Deine Begeisterungsfähigkeit nicht,
dein Talent durch Lesen oder Beobachten für Dich schöne Gedanken und Anregungen rauszuholen.
Ich finde, so etwas wie "leben aus zweiter hand" gibt es nicht. Jeder erlebt auch das beobachten der erfahrungen von anderen ganz individuell und einige eben gewinnbringender als andere.
Streifzug schrieb am 17.07.2009 um 12:01
Hallo outnumber,

kann es nicht sein, dass du die Aufforderung: "Na, vielleicht könntest du ihn wieder hochbringen?", von Maren falsch interpretiert hast ;)
outnumber schrieb am 17.07.2009 um 16:14
naaaaa haaaaarrrr,

:-)

Streifzug, das wäre eine version ab 18 für den bezahl-blog :-)
h.yuren schrieb am 18.07.2009 um 08:15
lieber outnumber, ich war mal eben weg und sehe erst jetzt deine antwort auf meinen kommentar.
es ist eine frühe erfahrung von mir, dass jungs oft so anders sind als mädchen, kumpelhafter, derbe schulterklopfender, auf die füße tretender. darum waren und sind lebenslang meine besten freunde mädchen...
übrigens schrieb geoffrey gorer schon in den 50er jahren, dass die touristenbusse in den usa mit grauköpfen gut gefüllt waren.
ich habe deinen reisebericht nicht als ein hoch auf den sextourismus aufgefasst. ich habe nichts gegen reisen. bin aber nie in sibirien (wie meine jüngere tochter) oder in amerika (wie meine ältere tochter) gewesen. habe auch keine neigung, in ein kriegsgerät zu steigen (jets sind im krieg für den krieg erfunden worden, man hört und sieht es den ungeheuern an).
"nur in gedanken etwas erleben ..."
gerade die publizisten wie göte müssen tönen: grau ist alle theorie, mein freund, und grün des lebens goldner baum.
das goldene prag hab ich noch nicht gesehen. dabei liegt es doch so nah. aber dafür kennst du cheltschitzki wahrscheinlich nicht so gut wie ich.
titta und outnumber, es stimmt, ich bin bei mir zuhaus zufrieden, zugleich aber dauernd auf achse, per rad, aber (leider) auch per auto. in holland bin sozusagen so zuhause wie hierzulande (und in schweden und in russland und ... täglich mehr auch hier im netz in bloghausen. es gefällt mir mit euch.
merdeister schrieb am 18.07.2009 um 10:20
Mit der ganzen "Schwulenwelt" kann ich nix anfangen und wäre wohl eher nicht in den Darkroom gegangen. Allerdings vor allem, weil ich glaube, jeder der sich so sehr betrinkt, trifft die Entscheidung ob und wo er die Kontrolle verliert vorher. Da muss ich niemanden retten, aber das den beiden Damen zu erklären ist sicher auch nicht einfach...vielleicht wäre ich doch gegangen :-)
Leider Reise ich nicht soviel wie ich gerne würde, aber wenn ich irgendwo bin erlaufe ich mir eine Stadt auch gern.
outnumber schrieb am 18.07.2009 um 23:56
ich würde gern auch öfter reisen,

aber da ist das alte dilemma,
wenn ich geld habe, habe ich keine zeit, irgendwo muss das geld ja her kommen

und wenn ich zeit habe, dann kein geld.

wenn mir die möglichkeit offen stünde, würde ich ganz asien, südamerika, europa, australien, meinetwegen auch nordamerika und die ganzen inselwelten bereisen, hmmmmm, :-)))) irgendwie habe ich nichts ausgelassen :-))
h.yuren schrieb am 18.07.2009 um 14:31
"und man wächst jedesmal."
lichtenberg meinte das seinerzeit auch, wenn er sinngemäß sagt, man lerne beim reisen, ohne es zu merken.
ja, es kann sogar prägend sein. bei mir haben wahrscheinlich die begegnungen in den jugendherbergen stärkere eindrücke hinterlassen als alle 13 schuljahre.
eine tabula rasa geht gern auf reisen.
aber titta, es ist nicht so, dass ich hier nur noch sitze und sortiere; es ist vielmehr so, dass ich das meiste schon schön säuberlich sortiert habe.
outnumber schrieb am 18.07.2009 um 23:54
es ist schön, dass sie doch viel gereist sind.
bei ihrem ersten kommentar erweckten sie den eindruck, als wäre reisen eine art leichtsinn nur für übermütige jugendliche :-))
outnumber
Ich könnte endlos Filme aus aller Welt sehen. Die Fiktion des Films enthält immer etw Intimes über Menschen u. Kulturen. Für Politik hatte ich mich nie wirklich interessiert u. wundere mich, wie ich heute ein politischer Mensch geworden bin :-) Focus:dtsch-türk. Beziehungen, Indien und Naher Osten.
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