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Büffel leben in kleinen Familienrudeln. Einige Arten können sich aber auch zu großen Herden von bis zu 2000 Tieren zusammenfinden. Büffel sind von Natur aus äußerst friedlich, setzen sich aber gegen Feinde aggressiv zur Wehr. In einem nicht allzu fernen Land zu einer nicht zu fernen Zeit lebte ein Rudel roter Büffel. Jedes einzelne Tier, obwohl alle rot, unterschieden sich beim genauen Hinsehen, in der Herde war das ganze Spektrum der Rottöne vertreten. Die Unterschiede wurden jedoch als Vielfalt angesehen, die der Einheit keineswegs schadeten.
Gelegentlich mussten sich die Büffel gegen Hyänen zur Wehr setzen, die es auf die jungen Kälber abgesehen hatten. Hyänen, die sehr gute Jäger sind, suchten sich für gewöhnlich das attraktivste und am leichtesten zu erreichende Futter aus. Allerdings hatten sie schwer zu kämpfen mit der roten Büffelherde. Die Kämpfe waren hart und für beide Seiten gleich verlustreich. Eines Nachts setzten sich die Hyänen hinter einem großen Felsen zusammen und dachten über ihre Lage nach. Sie waren schon ganz abgemagert, im fairen Kampf war nichts zu holen. Sie mussten sich etwas einfallen lassen, um an das zarte Fleisch der jungen Kälber ranzukommen. Während sie so beieinander lagen und über ihre missliche Situation jammerten, meldete sich ein alter Hyäne mit einem schicken Monokel zur Wort. "Was wir mit unseren Klauen nicht schaffen, werden wir mit Verhandlungen erreichen", sagte er. Und gleich am nächsten Morgen ging er mit einer weißen Fahne zu der roten Büffelherde. Die Anführer der Herde mißtrauten ihm, aber unter der weißen Fahne akzeptierten sie ein Gespräch.
"Wir, die Hyänen", sagte der alte Hyäne, "wir sind des Kampfes müde. Wir wollen nicht mehr kämpfen. Ja, ganz im Gegenteil, wir wollen Frieden, ganz so wie ihr auch. Bei diesem ständigen Kampf haben unsere beiden Herden keine Ruhe, es schadet beiden Seiten nur." Gespannt, aber weiterhin mißtraurisch, hörten die Büffel zu.
"Aber...", fuhr der alte Hyäne fort. "Aber, aber... es fällt uns so unendlich schwer, euch in Ruhe zu lassen. Und der Grund ist nur dieses eine kamelienrote Kälberlein. Immer wenn wir ihn sehen, läuft uns das Wasser im Mund zusammen und so sehr wir auch Frieden wollen, provoziert er uns mit seinem auffälligen Rot so sehr, dass wir nicht anders können, als euch anzugreifen. Gebt uns nur dieses eine kamelienrote Kälberlein und wir lassen euch für immer in Ruhe."
Nach diesen Worten stieg eine Unruhe auf in der Büffelherde. Aus jedem Kopf ertönte eine Stimme. "Sowas kommt nicht in Frage. Niemals!", protestierte ein alter Büffel. Aber die Jüngeren waren gemischter Ansicht und allmählich setzte sich die Meinung durch, ein einziges Opfer, nur eines, um die ganze Herde zu schützen, um Frieden zu haben, nicht mehr kämpfen zu müssen, dass könne doch gerechtfertigt werden. Hilflos schüttelte der alte Büffel den Kopf, während der alte Hyäne angestrengt sein Monokel putzte, um sich daran zu hindern, in ein Freudenkicherlachanfall zu verfallen. Das kamelienrote Kälberlein wurde ausgehändigt. Der alte Hyäne führte ihn zu seinem Rudel und während der Mond blau und grau über die Steppe glänzte, wurde das Kalb aufgefressen.
Es verging ein Monat und der alte Hyäne erschien zum zweiten Mal bei der Büffelherde. "Schaut, liebe Büffel", sagte er. "Wir lieben den Frieden genauso wie ihr. Ein Monat ist vergangen und wir haben euch nie behelligt. Und so soll es auch sein, immerdar.", sagte er und senkte die Stimme." Aber... da ist dieses scharlachrote Kälberlein. Und immer wenn wir ihn sehen, können wir nicht an uns halten. Er reizt uns so sehr mit seinem Rot und so gern wir an dem Frieden halten wollen. Dieses Kälberlein ist eine Gefahr für unseren Frieden. Gebt ihn uns und wir werden nie wieder etwas verlangen und es wird Frieden sein, jetzt und immerdar."
Erneut diskutierten die Büffel wild durcheinander. Der Kampf war anstrengend, Frieden begehrt. Und nur ein Kalb und alles würde gut werden. Wenn dieses Kalb mit seinem Rot eine Gefahr für den Frieden war, so musste er beseitigt werden. Der alte Büffel versuchte die anderen aufzuhalten, aber auf ihn und seine Lebenserfahrung hörte keiner mehr. Es war beschlossen. So kehrte der alte Hyäne erneut mit einem Kalb zu der Rudel und in einem Moment, in dem die ganze Nacht schwieg, ertönte nur der letzte Todesschrei des Kalbes.
Es vergingen ein Paar Monate und der alte Hyäne kehrte zurück zu den Büffeln, aber dieses Mal mit weiteren Hyänen an seiner Seite. Sie waren nun wohl ernährt, zahlenmäßig gewachsen. Sie verlangten nach einem weiteren Kalb und es wurde ihnen gegeben. Nur eine Woche später erschien der alte erneut und verlangte gleich nach zwei neuen Kälbern. Die Büffel wollten keine weiteren Opfer mehr geben, aber der alte Hyäne nahm nur seinen Monokel ab und lächelte amüsiert. "Wer sagt denn, dass das eine Bitte ist?", schnurrte er. Die Hyänen waren nun stark, die Büffelherde geschrumpft, zerrissen, schwach. Sie mussten sich fügen.
Als die Herde auch diese zwei jungen Kälber verloren hatte, fragten sich die Wortführer:"Warum haben wir bloss so viel Unglück? Wie konnten wir bloss in so eine Situation geraten?"
Der alte Büffel lächelte bitter und sagte: "Wir hatten bereits verloren, als wir das erste kamelienrote Kälberlein geopfert hatten."
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irgendwie hast du recht
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Ein Gleichnis auf die politische Kommunikation.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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