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Blog von outnumber

02.12.2009 | 21:01

Tagebuch Gkind: Des Pudels Kern

Nur noch drei Monate vor dem Abitur drehte sich alles in der Schule um die Prüfungen. Ich lernte auch in den Pausen durch und manchmal vergaß ich sogar, auf die Toilette zu gehen. An so einem Tag begann die Blase auf dem Heimweg unangenehm zu drücken. Ich überlegte, ob ich in ein Cafe gehen sollte, beschloss aber, dass es bis nach Hause auszuhalten war. An der Haltestelle der S-Bahn war es so schlimm geworden, dass ich nicht auf der Stelle stehen konnte. Ein überdimensionales Plakat von einem Mineralwasser mit Wasserfall-Hintergrund machte es auch nicht einfacher. Später saß in der Bahn ein Kind vor mir und schlürfte an einem Strohhalm sein Getränk. „Kinder!“, dachte ich genervt. „Wir haben Überbevölkerung.“ Das Kind hatte sicher meine Gedanken gelesen, denn es kletterte über den Sitz, schaute mich an, schlürfte noch geräuschvoller sein Getränk, mehr noch, es genoss meinen gequälten Gesichtsausdruck. Als ich dann ausstieg, begann es leise zu regnen. „Nein!“ presste ich durch die Zähne. Ich blickte nach oben, hatte jemand eine Wette abgeschlossen, wie lange meine Blase durchhalten konnte?

„Nie im Leben!“, sagte ich, biss die Zähne zusammen und rannte nach Hause. Und als ich ohne anzuklopfen ins Badezimmer stürmte, sah ich Selma vor dem Spiegel und für einen Augenblick vergaß ich, warum ich so in Eile war. Selma hatte die Augen an ihrem Spiegelbild geheftet und starrte geistesabwesend auf ein Kopftuch unserer Mutter, das nun ihre Haare bedeckte. Wie kleine Mädchen, die zum ersten Mal Lippenstift auftragen, schaute sie sich fasziniert und auch fragend an, als wolle sie sicher sein, dass die, die aus dem Spiegel herausblickte, sie selbst war. Als sie mich bemerkte, nahm sie reflexartig das Tuch ab und schnauzte mich an. Aber für höfliches Geschwistergeplänkel war ich nicht in der richtigen Blasenverfassung. Ich packte sie kurzer Hand bei den Schultern, hob sie hoch und setze sie vor der Tür ab. Sie beschimpfte mich mit diversen Huftiernamen, musste aber hinnehmen, dass sie zwar älter ich dagegen stärker war. Früher hatten wir uns auch handfest geprügelt und die Schläge waren gerecht verteilt gewesen. Nachdem ich sie aber inzwischen um einen Kopf überragte und sie Dank dem Irrsinn ihrer Frauenzeitschriften in meine Jackentasche passte, hatte sich unsere Prügelei dahin gehend verlagert, dass sie mich nach Belieben hauen konnte, ich mich aber zügeln musste. Ganz ohne Polster bekam sie sofort blaue Flecken und ich hatte dann ganz allein Ärger mit unseren Eltern. Finde den Fehler im System!

Nach den ersten Seufzern des Wohlbefindens wunderte ich mich über das Tuch. Ich wollte sie darauf ansprechen, aber sie hatte sich in ihrem Zimmer eingeschlossen und reagierte nicht auf das Klopfen. Sie kam erst zum Abendessen heraus, mit bedeckten Haaren. Mama, Papa und ich schauten sie an, als wäre sie nackt erschienen. Erst als sich die Überraschung legte, fragte Mama, ob sie grade etwas mit ihren Haaren gemacht hatte. Selma hatte einst bei einem Selbstversuch, aus zwei Colorationen einen Farbton zu mixen, ihre Haare in schmutziggelben Moos verwandelt und bis zu ihrem Nottermin beim Friseur eine Mütze getragen. Aber dieses Mal war alles in Ordnung, mit den Haaren jedenfalls. Sie hatte sich entschieden Kopftuch zu tragen. Als ihr Entschluss uns so überraschte, war sie von unserer Reaktion nicht weniger überrascht. Schließlich trug auch unsere Mutter Kopftuch. Und das, soweit wir uns erinnern konnten. Ich glaubte sogar, dass kein Mann außerhalb unserer Familie sie ohne das Tuch gesehen hatte. Nur wir wussten, ob sie nun lange oder kurze, gelockte oder glatte, dunkle oder helle Haare hatte. Unsere Mutter trug das Tuch aus religiöser Überzeugung. Für sie waren ihre Haare wie überhaupt ihr Körper Privatsphäre. Ihre Röcke waren durchgehend lang und ihre Blusen nie zu eng. Sie kleidete sich im Alltag so, wie es beim täglichen Gebet vorgeschrieben war.

Die Frauen in unserem Dorf hatten alle Kopftücher getragen. Allerdings schien sich da Religion unentwirrbar mit Tradition und Mode zu vermischen.  Man kann aber Ostanatolien im Hinblick auf das Tuch nicht mit der Bekleidung der europäischen Muslime oder noch nicht mal mit dem Rest der Türkei vergleichen. In unserer Gegend gehört die Kopfbedeckung als lange bis zu der Hüfte reichende Tücher zu den wallenden langen Kleidern dazu. Meist wickeln die älteren Frauen die unteren Enden des Tuches unter der Brust zusammen. Das sieht dann wie ein weiter Stoffgürtel aus und hat auch eine praktische Funktion als Geldbörse oder zum Aufbewahren von kleinen Gegenständen. Bei älteren Frauen, bei jungen nicht mehr, sieht man an der Kopfbedeckung auch den Status der Frau, je nachdem ob und wie viele aufgenähte Goldmünzen einem entgegen glänzen. In der weitgehenden Subsistenzwirtschaft wurde früher die Bekleidung selbst hergestellt und unterschied sich von Dorf zu Dorf, von Berg zu Tal. Ich erinnerte mich an den Nachlass meiner Großmutter und wie verschiedene Schwiegertöchter sich um die Kopftücher geprügelt hatten. Die Tücher sowie die dazu gehörenden Kleider sind ein Kulturgut und es tut mir leid zu sehen, dass sie von der Massenware billiger Textilien zusehend verdrängt werden.

In der öffentlichen Diskussion um das Kopftuch wird die Bekleidung der Männer komplett ausgeblendet. Während die Debatte meist auf der Ebene von Unterwerfung und Sexualisierung der Frau geführt wird, erwähnt niemand, dass die gleichen Bekleidungsvorschriften auch für Männer gelten. In vielen islamisch geprägten Ländern tragen auch Männer lange Gewänder einschließlich der Kopfbedeckung. Selbst in den Ländern, wo die Kopfbedeckung des Mannes weitgehend eliminiert wurde, wie in der Türkei nach der Republiksgründung durch diskriminierende Gesetze, hat es in Ostanatolien und im Schwarzmeergebiet Räume gegeben, wo sich die Menschen dagegen gewehrt haben. Heute erkennen sich Männer, die in den Westen des Landes ausgewandert sind, an den verschiedenen Farben und der Wickelform des Kopftuches aus welcher Region sie stammen.  Aber auch die Männer im Westen des Landes, die im Alltag keine Kopfbedeckung pflegen, tragen während des Gebetes eine Art Kippa, wie sie auch bei jüdischen Männern üblich ist.

Die religiösen Vorschriften für die Bekleidung betreffen gläubige Frauen und Männer, inklusive der Kopfbedeckung. Früher wurde Männern, wenn sie keinen Kopftuch, Turban, Fez und ähnliches trugen, nachgesagt, sie würden Anstandsregeln brechen und durften vor Gericht nicht als Augenzeugen akzeptiert werden. Die separate Betrachtung der gläubigen Frau ist weder zufällig noch willkürlich. Das wird besonders deutlich, wenn die praktizierende Frau nicht mit dem praktizierenden Mann sondern im Kontrast zu den nicht praktizierten Männern und Frauen gesetzt wird. Durch absurde Vergleichsebenen und durch vehemente Wiederholung entsteht ein Zerrbild, das nach Belieben immer wieder aufgegossen wird. Man kann selbstverständlich über religiöse Bekleidung im Generellen diskutieren, was jedoch in der öffentlichen Diskussion inszeniert wird, ist ein Platzhalter für Phobien, die direkt anzusprechen politisch nicht korrekt wären. Daher sucht man sich Attribute, die dann symbolisch aufgeladen werden und für andere Interessen herhalten dürfen. Wenn also aus dem Kopftuch die Unterdrückung der Frau wird, frage ich mich, ob die Millionen gläubige Männer, die in islamisch geprägten Ländern auch die Haare bedecken, auch sexualisiert und unterdrückt sind? Die Unterdrückung von Frauen, Kindern, gesellschaftlichen Schichten ist eine unbestrittene Tatsache, das Kopftuch zum Kriterium zu erheben dagegen ist ein raffinierter Schahzug bigotter Politiker und Medien. Wenn dann das Kopftuch zusätzlich als Symbol des politischen Islams verkauft wird, möchte ich gern wissen, nach welchen Kriterien individuelles Schamgefühl, Tradition, religiöse Vorschriften, Modebewusstsein, gesellschaftliche Anpassung auseinander gehalten werden, damit man die eindeutige Diagnose stellen kann, dass diese oder jene Frau ihr Tuch bloß dem politischen Islam geweiht hat?

Ich selbst habe nie Frauen oder Männern geraten Kopftuch zu tragen, aber auch nie eine Frau oder einem Mann abgesprochen, eins tragen zu dürfen. Daher hatte ich mich auch bei Selma erst einmal zurückgehalten. Ich dachte, dass es vielleicht nur eine Phase war und vielleicht wäre es auch nur eine Phase gewesen, wenn die Reaktionen ihrer Umwelt nicht ihre Trotzgefühle geweckt hätten. Nachdem sie das Tuch anlegte, betrachteten ihre Freundinnen sie mit einer Mischung aus Neugier und Sorge und gelegentlich mischte sich auch Mitgefühl ein. Es war so, als hätte sie sich eine tropische Krankheit eingefangen. Und die Freundinnen waren sich nicht sicher, ob Selma sich davon wieder erholen würde oder ob alle Hoffnung verloren war.

Selmas Kopftuch war mir egal gewesen, wie überhaupt alles, was sie mit ihrem Kopf angestellt hatte, inklusive ihrer platinblonden Verbrechen gegen die Natur, aber als ich sah, wie die Mädel ihrer High-Heels-Clique anfingen sie zu meiden,  kam so etwas wie geschwisterliche Solidarität auf. Ich erinnerte mich an die vielen Nachmittage, an denen diese Gruppe auf den Sofas eng beieinander saß und stundenlang zwitscherte. Und nun zeugten sie vom fantasievollen Reichtum an Ausreden, wenn es darum ging, ohne Selma durch die Clubs zu ziehen. Meine Schwester fühlte sich verraten. Freundschaften, die sie als stabil angesehen hatte, mehr noch, Freundinnen, mit denen sie sich verbunden gefühlt hatte, jene, die mit ihr Freunde fürs Leben sein wollten, hatten auf den hohen Absätzen kehrt gemacht. Ein kleines Detail konnte in der Freundschaft zur Metamorphose führen. Das war eine schreckliche Erkenntnis.

Was war so schlimm an einem Tuch, dass sich ihre Freundinnen distanzierten? Unverständlich auch deshalb, weil die Mütter von den meisten Mädchen selbst Kopftuch trugen. Vielleicht gab es eine einfache Erklärung. Die Mütter dieser Mädchen gehörten zu der ersten Generation von Einwanderern, die meist aus ländlichen und industriell unterwickelten Regionen stammten. Und tatsächlich hatten viele Frauen der ersten Generation Anpassungsschwierigkeiten gehabt, hatten eine geringe oder gar keine Schulbildung und konnten sich in der Gesellschaft und im Besonderen auf dem Arbeitsmarkt nicht ausreichend behaupten. Die jungen Mädchen wollten vielleicht deutlich machen, dass sie nicht wie ihre Mütter waren. Selbstbewusstsein, Feminismus und Integration machten sie auch daran fest, dass sie sich möglichst im Erscheinungsbild von den Frauen der ersten Generation unterschieden. Unabhängig von den Familiengeschichten war das Kopftuch aber auch durch die Demagogie der Politiker und Medien zum Super-Symbol der unterdrückten Frau geworden. Weil man bei nicht muslimischen Frauen keine passende Oberflächlichkeit hatte, an der man Emanzipation und Gleichberechtigung festmachen konnte, wurde umso lustvoller auf die kopftuchtragenden Frauen gehauen. Auch Feministen sprachen nach eigener Definitionsmacht kopftuchtragenden Frauen ihren freien Willen ab. Anstatt zu fragen,  ob der freie Wille für irgend jemanden auf der Welt uneingeschränkt existiert, war es bequemer zuerst einmal diese Frauen als unintelligent, unintegriert, unterwürfig, unemanzipiert zu stigmatisieren. Danach wurde ihnen das Tor zur Freiheit gezeigt, durch den sie gehen und all diese Stigmata loswerden konnten. Dazu war nichts weiter nötig, als das Kopftuch abzulegen. Vorerst natürlich. Ich wollte mir nicht ausmalen, was dann als nächstes anstehen würde. Schließlich spielten bei den leidenschaftlichen Reden die muslimischen Frauen keine Rolle, selbst wenn sie das Kopftuch ablegten, bleiben sie doch Muslime und damit war des Pudels Kern noch nicht aus der Welt.

„Was hat dich bewogen, plötzlich deine Haare zu bedecken?“, fragte ich Selma, als sie bereits seit zwei Wochen das Tuch trug.

„Ich weiß es nicht.“, sagte sie und zuckte mit den Schultern. „Mir war danach.“

„Du hast ja einen hohen Preis gezahlt für eine Laune.“, erwiderte ich.

Sie war sich nicht sicher, ob es nur eine Laune oder ob der Preis zu hoch dafür war, seine Mitmenschen ein zweites Mal kennen zu lernen. Tatsächlich erlebte sie durch das Kopftuch nicht nur die Wahrnehmung und die Blicke der deutschen Umwelt, es hatte sich auch wie ein geheimer Tunnel innerhalb der türkisch-deutschen Community ein weiterer Raum geöffnet. Neben dem Blick der westwärts gerichteten Popgeneration urteilten auch kopftuchtragende Frauen untereinander. High Heels und Kopftuch, ging das? Ging Kopftuch mit Make-up, knielangen Röcken oder hautengen Blusen einher? Für wen war es nur eine Modeerscheinung, wer hatte den Gedanken dahinter nicht verstanden und wer war zu übereifrig im Befolgen der Gebote? Wer trug es aus den richtigen Gründen und für wen war es nur eine Show oder auch nur aus Zugehörigkeitsgefühl?

Selma hatte einmal in einem Cafe ihren Cappuccino geschlürft und in einem Magazin nach passenden Schuhen für ihre Kopftücher geblättert, als zwei junge Marokkanerinnen mit Kinderwagen herein kamen. Die Damen bestellten sich Getränke und verfielen in eine angeregte Diskussion im besten arabisch-Deutsch. Und während die Frauen sich unterhielten, löste das Kind seinen Gurt, stieg tollpatschig aus dem Wagen und begann auf dem Boden zu krabbeln. Selma hatte bei diesem Anblick schmerzhaft zusammen gezuckt. Zu Hause erzählte sie, wie sehr sie sich an der Szene gestört hatte. Ich konnte ihr nicht folgen.

„Na, weißt du nicht, was die Leute gedacht haben? Zwei Kopftuch-Frauen trinken ihren Macchiato während das Kind sich auf dem schmutzigen Boden herumwälzt. Typisch Ausländer, typisch Muslime.“

Ich verstand. Glaubte es zumindest. Jetzt da Selma selbst das Tuch angelegt hatte, begann sie sich und ihre Umwelt durch die Augen der Anderen zu betrachten. Während die Marokkanerinnen zufrieden und heiter plauderten, hatte Selma Höllenqualen erlitten.

Nachdem Selmas Kopfbedeckung von Dauer zu sein schien, löste sich die Benommenheit bei ihrem Ausbildungsbetrieb. Ihr Chef nahm ihr als kleiner Wink die Aufgabe ab, zwei Mal die Woche am Empfang zu sitzen. Das war ihre einzige Tätigkeit gewesen, bei der sie persönlich Kontakt mit den Kunden gehabt hatte. Wenig später sollte sie auch nicht mehr die Firmenkorrespondenz zur nächsten Poststelle bringen. Sie war inzwischen im letzten Ausbildungsjahr und ihr Chef hatte ihr fest in Aussicht gestellt, sie zu übernehmen. Und nun schien ihr Tuch mit dem Beruf einer Bürokauffrau unvereinbar zu sein.

In der fünften Woche nahm Selma das Tuch wieder ab. „Ich kann das nicht!“, sagte sie. „Ich kann es nicht. Ich bin nicht stark genug.“

Zum Abendessen erschien sie ohne Kopftuch, aß wenig und ging früh in ihr Zimmer. Am nächsten Morgen stand sie früh auf, schminkte sich, ging zur Arbeit. In einer Art schnell um sich greifender Amnesie vergaßen ihre Kollegen und Freundinnen, was die letzten fünf Wochen mit ihr los gewesen war, vergaben ihr den Leichtsinn, nahmen sie wieder an ihre Brust. Und Selma lachte und wurde wieder das quirlige Mädchen. Nur manchmal, im Übergang von einer Sekunde in die nächste verborgen, sah man, dass sie ein Mädchen geworden war, die innerhalb von fünf Wochen älter als ihr Alter geworden war.

 
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Kommentare
h.yuren schrieb am 02.12.2009 um 22:26
schön, outnumber, wie du die nöte und schwierigkeiten der traditionsbrüche schilderst. wie ein alberner lappen aufgeladen wird zu einer hochbedeutsamen sache. es sind immer die gefühle, die uns ärger bereiten. die gedanken sind nicht ganz frei davon. sie wohnen sozusagen nebenan.
danke.
I.D.A. Liszt schrieb am 02.12.2009 um 22:31
Und ich glaubte immer, die Gedanken sind frei!

;-)
outnumber schrieb am 02.12.2009 um 23:09
manchmal müssen gedanken wieder frei geschaufelt werden :-)

danke Euch beiden fürs Lesen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.12.2009 um 22:16
"Ich selbst habe nie Frauen oder Männern geraten Kopftuch zu tragen, aber auch nie eine Frau oder einem Mann abgesprochen, eins tragen zu dürfen."
Das ist einfach Käse, Höhlenkäse, ganz großer Käse. Und noch das ist eine Beleidingung für: eßbaren Käse.
outnumber schrieb am 03.12.2009 um 22:23
Sie scheinen sich mit Käse auszukennen.
Schreiben Sie einen Blog darüber,

Gruß
I.D.A. Liszt schrieb am 02.12.2009 um 22:28
Wow! outnumber: Super!

Ich frage mich, wie es hier in Deinem Blog jetzt weitergeht.

Wirst Du wohl "strategisch ignoriert", wie damals Deine Schwester?

Oder löst Du mit deinem Text eine weitere heftige, unsachlich geführte und im großen Ganzen von tatsächlicher Kenntnis der Dinge weitgehend freie Kommentarschlact aus?

Lesen Sie auf freitag.de nach der "Minarettdiskussion" jetzt die "Kopftuchdebatte"!

Denn im Grunde unseres Herzens unterscheiden auch wir irgendwie Linken uns nicht von der Mehrheit der Bevölkerung. So etwas, das uns fremd ist, finden wir "ih-bä". Aber als gebildete, irgendwie linke, aufgeklärte Menschen wollen wir ja eigentlich tolerant sein und unser Unbehagen nicht zeigen.

Du kennst das sicher: Dieses Zucken in den Augen, wenn Du in einem fremden Land bist und beim Sprechen der Landessprache einen dämlichen Fehler machst, versuchen die Muttersprachler, sich aus Höflichkeit nichts anmerken zu lassen. Nur eben dieses kurze Zucken der Augen verrät sie.

Jedenfalls hat mir dieser Dein Blogbeitrag ungeheuer gut gefallen. Und ich wünsche ihm (und Dir), daß er ganz, ganz viele Leser und natürlich Leserinnen mit und ohne Kopftuch finden möge!

Liebe Grüße,
I.D.A. Liszt
Cassandra schrieb am 02.12.2009 um 22:34
Jedenfalls hat mir dieser Dein Blogbeitrag ungeheuer gut gefallen. Und ich wünsche ihm (und Dir), daß er ganz, ganz viele Leser und natürlich Leserinnen mit und ohne Kopftuch finden möge!


Dito! Leider bin ich nicht mehr dazu in der Lage etwas halbwegs Zusammenhängendes zu schreiben, außer: Schöne Erzählung.

Wunderschöne gute Nacht euch allen.
outnumber schrieb am 02.12.2009 um 23:16
"So etwas, das uns fremd ist, finden wir "ih-bä". "

ich habe irgendwo den ausdruck "zutraulicher ekel" aufgeschnappt, überspitzt, böse und oft zutreffend.

ich habe im bezug auf die kopftuch reaktionen eine andere these, aber die wage ich gar nicht hier zu posten, sehr schwierig da die richtige betonung zu finden, um so verstanden zu werden, wie man es meint.
outnumber schrieb am 03.12.2009 um 00:11
danke fürs Lesen Cassandra,
gute Nacht
und
happy dreams
Magda schrieb am 02.12.2009 um 23:06
Schöner Text, schwieriges Thema.

Abgesehen davon mein Lieber, ich habe andauernd das Gefühl, der Anfang der Geschichte ist von irgendwas anderem inspiriert. Das will ich jetzt nicht vertiefen. :-))

Aber ich habe mich lange nicht an meinen großen Bruder erinnert. Brüder, ob groß oder kleiner ähneln sich in bestimmten Sachen.

Davon abgesehen, muss ich nachdenken und vor allem, es wird ein bisschen was Längeres.

Wolln mal sehen. Immer nur aus dem "Bauch" heraus will ich nicht so daherreden.
Gruß
outnumber schrieb am 02.12.2009 um 23:24
Magda, ich möchte immer ein Kosewort anhängen, weiss aber nicht, ob wir schon so weit sind :-)

deine Geschichte ist eine ganz Besondere und zieht sich durch wichtige Stationen der Zeitgeschichte. Deine Großmutter von ihrer Jugend bis zu ihrem wirtschaftlichen Abseitsleben, Deine Mutter und Ihr Mut und Bildungsbewusstsein und viele andere Eigenschaften verdienen eine Würdigung, so aus meiner Sicht. Ich weiss nicht, wie weit Du mit dem Buch bist, aber mach den Sack bald zu und beschenke uns. Dein Bruder war bisher kaum erwähnt. Hat sicher seine Gründe.
Magda schrieb am 03.12.2009 um 11:58
Lieber outnumber, häng dran, was Du möchtest. Ich werde es mit Rührung lesen.

Die Familiengeschichte ist das Eine. Dazu werde ich nächstens mal wieder eine Kostprobe abliefern.
Ja, das mit dem Bruder ist eine Sache für sich.

Aber zum Text werde ich noch was schreiben, ich bin nur heute andauernd ein bisschen in Eile.

Ich grüße Dich
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.12.2009 um 06:02
Interessantes Thema sehr gut umgesetzt. Zum Glück kenne ich persönlich niemanden, der über Kopftücher urteilt.

Sehr sympathisch finde ich die damalige Kopftuch-Aktion Deiner Schwester. Und ich bin mir sicher: Über eine deutsche Frau die sich im Restaurant schlecht benimmt, regt Selma sich genauso auf, wie sie es damals über die Marokkanerin getan hat.

Sich um Spiritualität zu bemühen ist ehrenhaft. Manche Menschen sind dafür aber viel zu sehr im praktischen Bereich verankert.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.12.2009 um 10:28
Danke für den Text! - Bin unter Stress, hoffe auf später...
:))
ed2murrow schrieb am 03.12.2009 um 20:20
Sehr geehrter Outnumber,
die Fäden, die Sie da verarbeitet haben, sind so vielfältig und -farbig, dass ich gar nicht entscheiden kann, welcher es ist, der das besondere Muster Ihrer Erzählung ergibt. Was mich alten Knacker berührt, ist wie Unbekümmertheit der Jugend ganz schnell und nicht nur hormonbedingt in etwas sehr Ernstes umschlagen kann. Vor allem, wenn es darum geht, eine Identität zu schaffen. Ist die Erfahrung Ihrer Schwester die Gleiche etwa meiner Mutter, als sie das erste Mal wagte, eine Jeans anzuziehen? Nur spiegelverkehrt? Letztlich erlebe ich aber auch eine Lücke in Ihrem Blog: Die Gedanken Ihrer Schwester, im Augenblick als Sie sie unterbrachen und dann, als "die eine" Freundin ihr die kalte Schulter zeigte. Aber das würde aus der Innenansicht wahrscheinlich einen zu intimen Einblick machen, und Voyeur will ich nicht sein.
Ich habe Sie mit Freude gelesen.
e2m
outnumber schrieb am 03.12.2009 um 20:27
Sehr geehrter e2m,

die lücke ist Ihnen aufgefallen, danke fürs aufmerksame Lesen.
Für mich ist Freiheit ein kostbares Gut. Und wenn Freiheit schon an einem Stück Tuch oder an ein Paar Jeans zu einer anderen Zeit ihre Grenzen findet, dann stimmt etwas nicht.
ed2murrow schrieb am 03.12.2009 um 20:44
Aber, sehr geehrter outnumber, Sie selbst beschreiben doch, wie Bekleidung alleine schon die geographische Herkunft nicht nur verrät, sondern auch demonstriert. Das ist in West- oder Südtürkei nicht anders als auf Helgoland und in Bayern die "Tracht". In Mitteleuropa wurde zeitweise Bekleidung gar identitätsstiftend für Stände und Zünfte, das Arbeitsutensil Jeans schließlich zum Markenzeichen einer Befreiung. Und Kleidung hat immer auch etwas mit Symbolik zu tun, ob hinsichtlich eines Anlasses, eines Rangs oder auch nur einer Attitüde. Machen Kleider Leute, nicht umgekehrt? Ich fürchte ja.
outnumber schrieb am 03.12.2009 um 20:54
auf den ersten Blick sicher, da machen Kleider Leute.
Mit dem zweiten Blick, spätestens nach dem ersten Dialog, widersteht man der Illusion.

Die Symbolik von Bekleidung ist vollkommen richtig. Sie können heute noch viel aussagen. Die Freiheit, seine Kleidung selbst wählen zu dürfen, sollte einem nicht genommen werden.
goch schrieb am 03.12.2009 um 22:03
Auch ich bin sehr angetan von der vielschichtigen Betrachtung der Traditionen und ihrer Brüche.
Ich denke, diese Geschichte ist ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Klischees in unserer heutigen Zeit.
Das ist ein wirklicher Kontrapunkt zur Islamismus-Mainstreamverdummungskampagne der Massenmedien .
So muss , meines Erachtens, ein Diskurs um Integration aussehen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.12.2009 um 22:18
So einen Käse habe ich schon lange nicht mehr gelesen. - Halt meine Meinungsfreiheit ... und die von Käse ...
outnumber schrieb am 03.12.2009 um 22:28
Vielen Dank für diesen Kommentar lieber goch

und Rainer, wie oft, danke für die Aufmerksamkeit. Bekommst du wenigstens Prozente von der Milchindustrie bei der Anpreisung von Käse?
klara schrieb am 03.12.2009 um 22:16
Hallo outnumber,
das ist ein schöner Text, den ich gerne gelesen habe.
Ich schätze, ich gehöre auch zu den Frauen, die mühsam skeptische Blicke unterdrücken müssen, wenn sie Kopftuchträgerinnen begegnen. Jetzt habe ich gelernt, dass meine Skepsis eventuell herablassend ist. Auch wenn ich das Kopftuch immer noch nicht verstehe und immer noch schade finde, dass die schönen Gesichter sich so verstecken, indem sie die schönen Haare verstecken. Warum darf man die Schönheit nicht sehen, nicht zeigen? Und ich wüsste immer noch gern den Grund wüsste, warum Selma das Kopftuch tragen wollte. Sie hat ihn ja nicht verraten.
Gruß
klara
I.D.A. Liszt schrieb am 04.12.2009 um 00:48
Die schönen Gesichter verstecken die Frauen doch gar nicht, wenn sie ihre Haare verstecken.

Die schönen Gesichter schminken sie doch sogar sehr oft noch schöner.
Cassandra schrieb am 04.12.2009 um 01:15
[Streifzug hat übrigens noch aufgewischt. Das tu ich nicht, sorry, outnumber, zu faul :) ]
Cassandra schrieb am 04.12.2009 um 01:19
ups, falscher Kommentarstrang...ein tiefer denken.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.12.2009 um 23:33
Lieber outnumber, ich wiederhole mich, aber es muss es Dir noch mal sagen: Deine Texte haben auf mich eine regelrecht heilsame Wirkung. Die Rechthaberei, der Egozentrismus, ganz zu schweigen von den ganzen verdeckten bis recht offenen Chauvinismen in dieser scheiß Minarett-Diskussion u. anderswo vermiesen mir manchmal die Lust, hier unterwegs zu sein.
Du siehst die Menschen und erzählst davon. Danke!
I.D.A. Liszt schrieb am 04.12.2009 um 00:51
Also hör mal:
Was meinst Du mit Scheiß-Minarettdiskussion?

Die ist doch nicht Scheiße, sondern ganz große Kacke.
Andererseits ist sie aber auch sehr aufklärerisch, weil sie uns sehr schön darüber aufklärt, wie vollgestopft mit Vorurteilen und Verblendungen auch etliche 'irgendwie Linken' sein können.
Cassandra schrieb am 04.12.2009 um 01:13
Ich finde, Streifzug hat es am besten ausgedrückt:

Mageninhalt
outnumber schrieb am 04.12.2009 um 01:24
Hallo Cassandra,

vielen Dank für deinen Kommentar bei studi86, wegen dem gehen, das war anmaßend meinerseits.

unnnnnd die brennende frage, wo habt ihr all diese smileys her???
outnumber schrieb am 04.12.2009 um 01:30
"Deine Texte haben auf mich eine regelrecht heilsame Wirkung."

ein schöneres kompliment kann ich mir nicht vorstellen. danke.
oh gott, ich hab doch grad unkontrolliert, heal the world, make it a better place gesummt, ich muss ins Bett!!

gute nacht und schlaft gut, ihr alle.
Magda schrieb am 04.12.2009 um 10:00
Hallo outnumber,
Ich denke, es ist hier inzwischen so eine Übereinstimmung, dass ich keine Lust mehr habe "wider den Stachel zu löcken", wie man so schön sagt.

Aber im Grunde ist "des Pudels Kern", dass ich diese Geschichte lieber von der Schwester selbst gehört hätte.
Ich räume ein, Du bist nun mal der Erzähler und Du schilderst das, was Du gesehen, erlebt und gedacht hast, aber es macht mir - bei aller Lebendigkeit - ein Unbehagen, das ich wenigstens ausdrücken wollte.

Und ich frage mich
Was bedeutet dieses: Nicht stark genug sein.
Was bedeutet, dass sie in fünf Wochen älter als ihr Alter geworden war.
In welche Richtung geht dieser leicht anklagende Ton?
Ich ahne es, ich weiß es nicht.

Ich antworte Dir mit einer Kurzvariante von
Ingeborgs Bachmanns Gedicht

Alle Tage

Der armselige Stern der Hoffnung über dem Herzen, von dem die Bachmann spricht, er wird nicht verliehen für erprobte oder erzwungene Stärke, sondern

„für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.“

In diesem Sinne
lieber Gruß

Magda
Deaktivierter Nutzer schrieb am 04.12.2009 um 11:03
"In welche Richtung geht dieser leicht anklagende Ton?" - Einen anklagenden Ton habe ich nicht vernommen, aber das mit der mangelnden Stärke müsste bei einer Überarbeitung des Textes sicher entweder anders ausgedrückt, vom Autoren reflektiert oder genauer ausgeführt werden.

Gruß von On The Road! m.
outnumber schrieb am 04.12.2009 um 14:06
Hallo Magda,

danke für Dein Kommentar und das schöne Gedicht.
Als Beobachter interpretiert man zwangsläufig, das ist auch schon einige Jahre her.
Das Kopftuch war nicht nur ein Tuch, sondern hatte Selma in den Augen ihrer Freundinnen und Kollogen zu einer anderen Person gemacht, eine kleine Veränderung hatte genügt, nicht anders als im Comic, ohne Brille Superman, mit Brille Clark Kent. Selma ist mehr nach unserem Vater geraten, sie hat hellere Haare und grüne Augen, im Alltag wird sie selten als Migrantin eingestuft. Mit dem Kopftuch wurde sie sich damals zum ersten Mal bewußt, welche alltägliche, beiläufige und deshalb nicht weniger unangenehme Blicke Migranten auf sich ziehen konnten, insbesondere kopftuchtragende Frauen. Bei ihrem Ausbildungsbetrieb wurde sie nach dem Kopftuch aus dem Kundenverkehr rausgehalten. Die Firma hat es nie direkt gesagt, aber letzlich wollten sie nicht durch eine kopftuchtragende Angestellte repräsentiert werden. Im dritten Ausbildungsjahr kamen Zukunftsängste dazu, ob sie vielleicht bei gleicher Leistung wegen dem Kopftuch nicht übernommen werden könnte und auch sonst arbeitslos werden und bleiben könnte.
outnumber schrieb am 04.12.2009 um 17:06
und ein kleiner nachtrag aus einer anderen zeitspanne

im studium lernte ich zwei kopftuchtragende studentinnen kennen und als wir unsere abschlussarbeiten eingereicht hatten, mussten wir uns langsam aber sicher mit der arbeitswelt auseinandersetzen. und da hat sich bei den frauen die frage gestellt, bewerbungsphoto mit oder ohne kopftuch, wenn auf eine stelle 50 oder mehr bewerbungen reinregnen, kann jedes detail zum erfolg oder verhängnis werden. beide frauen haben ihr tuch sonst selbstbewußt getragen, aber sie kamen ins schleudern, was sie ertragen konnten, nach langjährigem studium und hoher qualifikation arbeitslos werden? frauen haben in vielen bereichen auf dem arbeitsmarkt schon genug benachteiligungen und frauen mit kopftuch erst recht. und das geht über meine subjektive sicht hinaus.
Magda schrieb am 04.12.2009 um 17:23
"Mit dem Kopftuch wurde sie sich damals zum ersten Mal bewußt, welche alltägliche, beiläufige und deshalb nicht weniger unangenehme Blicke Migranten auf sich ziehen konnten, insbesondere kopftuchtragende Frauen"

Das ist mir völlig klar. Das hast Du gut und genau erzählt. Aber Du erzählst wenig über die Beweggründe von Selma für ihre Entscheidung, sich dem auszusetzen.

Und einiges habe ich in einem anderen Blog schon geschrieben: Und manche Dinge traue ich mich auch nicht mehr zu sagen oder zu schreiben.

Es ist alles komplizierter....schni, schna, schnatter schnatter.. ach was, ich habe einfach keinen Bock mich mit Dir zu streiten.

Ich wollte ja, ich kriegs nicht zusammen und ich bin jetzt auch sehr verunsichert, wenn alles so beladen ist mit Bedeutungen und überhaupt. Ich bin auch in Sorge, es wird eine endlose Debatte. Und - manchmal ist man sich auch in bestimmten Fremdheiten nicht ganz fern.

Was anderes: Deine Einschätzung über das Romy-Buch von Schwarzer teile ich unbedingt. Das war woanders.
Die interpretiert die Leute, man glaubt es nicht.

So und nun geh ich bald zum Freitags-Salon, wenn mir vorher nicht die Augen zufallen. Es war gestern irgendwie spät.
Magda schrieb am 04.12.2009 um 17:32
Achso und ich wollte sagen, so grundlegend weit sind wir da auch nicht auseinander.
weinsztein schrieb am 04.12.2009 um 18:20
Lieber outnumber,
dieser Text strahlt Wärme aus, es tut mir gut, ihn zu lesen. Ich empfehle ihn all jenen zur Lektüre, die sich von Minaretten umzingelt sehen. Danke.
weinsztein
merdeister schrieb am 05.12.2009 um 12:47
Eine schöne Geschichte.
Wenn ich Frauen die Kopftuch tragen bewusst wahrnehme, mir also Gedanken über sie mache, Frage ich mich immer, was dahinter steckt. Eine mögliche Antwort hast Du in deinem Text gegeben. Dafür vielen Dank. Aber mir erscheint die Antwort doch als sehr einfach, um abschließend zu sein.
Bei uns in der Uniklinik sehe ich regelmäßig Frauen, die bis auf die Augen komplett verschleiert sind, im letzten Sommer habe ich auch jemanden in einer Burka gesehen. Mich überkommt dabei ein Unbehagen. Ganz diffus, ganz tief aus mir heraus. Ich verstehe die Kultur nicht und kann mir nicht vorstellen, was einen Menschen dazu bewegt, diese Art Kleidung zu tragen. Das ist natürlich allein mein Problem.
Für mich müssen Dinge Sinn ergeben.
Krawatten ergeben für mich keinen Sinn. Ich habe keine. Allerdings war ich noch nie in der Situation, dass es etwas Wichtiges von einer Krawatte abhing. Vor ein paar Wochen hat ein Freund geheiratet. Ich war ohne Krawatte dort. Ich hatte vorher vorsichtig angefragt, wie der Dresscode aussieht, denn ich wollte ihm nicht vor den Kopf stoßen.
Ich bin einfach misstrauisch wenn Menschen Dinge machen, weil man die so macht.
outnumber schrieb am 05.12.2009 um 15:01
ich mag krawatten auch nicht, bei der hochzeit meiner schwester, selbst da, war ich nur mit jackett, weißem hemd, Lackschuhe, die mussten sein :-) aber in dunklen jeans und ohne krawatte.

nun trage ich aber seit 4 jahren krawatten, weil mein arbeitgeber darauf besteht. das erste, was ich jeden feierabend als erstes mache ist, aus dem anzug zu schlüpfen und mir etwas anderes anzuziehen.

und burka, bzw. komplett schleier ist nicht kopftuch, apfel und birne sind beide früchte und das wars dann aber auch.

der text ist eine geschichte von vielen sicher, mir war es wichtig etwas von innen heraus zu erzählen, dass es keine allgemein gültige erklärung gibt, sondern die motivation so unterschiedlich sein kann, daher etiketten wie "symbol des politischen islams, symbol der unterdrückung" populistische stimmungsmacher sind ohne die pluralität des gelebten alltags auch nur annähernd wiederzugeben.

Danke merdeister fürs Lesen und für Deine Gedanken
Streifzug schrieb am 05.12.2009 um 13:27
Kopftücher fand ich immer schon toll.

Deaktivierter Nutzer schrieb am 05.12.2009 um 13:38
Na endlich!
outnumber schrieb am 05.12.2009 um 15:02
Schleichwerbung für die Piraten!

gibts dann auch für die Linken? :-)
I.D.A. Liszt schrieb am 05.12.2009 um 17:05
outnumber: Das ist ein Ausblick auf eine mögliche Koalition.

Die Dame trägt rote Socken.

Gut, das kann man nicht direkt sehen, aber erschließen, weil das zu ihrem Kostüm paßt.
outnumber schrieb am 05.12.2009 um 17:52
wenn diese piratin so in ihrem wahlbezirk aufgetreten wäre, hätte sie sehr befriedigende ergebnisse erzielt.

weiterführende gedanken,

politik ohne sex ist merkelwelle-west
Politiker als Spätfolgen von Nicht-Verhütung
warum fühlen sich so viele wähler von den politikern unbefriedigt?
wie viel porno braucht politik?
merdeister schrieb am 06.12.2009 um 12:47
"wie viel porno braucht politik?"

Mehr als umgekehrt.
outnumber
Ich könnte endlos Filme aus aller Welt sehen. Die Fiktion des Films enthält immer etw Intimes über Menschen u. Kulturen. Für Politik hatte ich mich nie wirklich interessiert u. wundere mich, wie ich heute ein politischer Mensch geworden bin :-) Focus:dtsch-türk. Beziehungen, Indien und Naher Osten.
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