oxnzeam

Verschnipseltes

09.08.2010 | 00:26

Schnupp dir was

“Gedanken sind Sternschnuppen, die besten stürzen lautlos an unserer Lebenssphäre vorbei. Nur zufällig erblickt jemand am Nachthimmel das lichte Gedachte, wie es vorbeischießt und erlischt. Manche Werke und Bilder aber gleichen Sternbrocken, die unsere Lebensbahn immer wieder kreuzen.” (Botho Strauß)

sternschnuppeMitte August ist alljährlich die beste Zeit zum Sternschnuppen-Gucken, weil da die Sonnenumlaufbahn der Erde die Perseiden, die verglühenden Staub-Abfälle in der Bahn des Kometen Swift-Tuttle kreuzt. Mein Haus-Astronom sagt voraus, dass man heuer vom 10. bis 14. August wohl auch als normaler Beobachter ohne Teleskop oder Fernglas bei dunklem, wolkenlosem Himmel alle paar Minuten eine Sternschnuppe sehen kann, mit einem Maximum in der Nacht vom 12. auf den 13. August gegen 4:00 morgens - in den Tagen danach sollten aber auch noch ein paar "Nachzügler" aufkreuzen.

Die ersten Aufzeichnungen über  Meteorströme fertigten schon vor über 2000 Jahren die Chinesen an, allerdings noch ohne die Erklärung, dass diese Teilchen in die Erdatmosphäre eindringen, sich an der Lufthülle reiben und dabei durch die Reibungshitze hell aufglühen. Vor ein paar Jahren ging das Gerücht, dass der Komet und die Erde beim astronomischen Feuerwerk im Jahr 2126 zusammenprallen könnten, nach aktuellen Erkenntnissen geht man aber von einer knappen Verfehlung aus.

Mit der etymologischen Neugier, die ja das kindliche Fragen nach den Weltzusammenhängen auch antreibt, wollte ich schon sehr früh wissen, woher das Wort “Sternschnuppe” eigentlich komme. Und weil’s damals noch keine Wikipedia gab, fragte ich also meine Oma, weil die ihre verkohlten und abgeschnittenen Kerzendochte “Schnuppen” nannte. “Schnuppe” hänge mit schnauben und Schnupfen zusammen und bedeute soviel wie “putzen”, erklärte sie mir, und wenn man Kerzen ausbliese, müsse man sie putzen, damit die glühenden Dochte nix entzünden könnten. Und weil die leuchtenden Meteore Putzabfälle der Sterne seien, nenne man sie deshalb “Sternschnuppen”, das habe sie im Grimmschen Wörterbuch gelesen.

Ahh, eine wunderschöne Erklärung, aber möglicherweise ist die dem astronomisch aufgeklärten Schnuppengucker von heute sowas von schnuppe

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.08.2010 um 00:52
Alljährlich weile ich in einer "klaren Zone" für Himmelsguckerei im Urlaub und dort kann man es sehr häufig bewundern. Mit jeder Schnuppe wünscht man sich insgeheim die nächste. Nur die letzte enthält den geheimsten Wunsch". Ein rundum herzlicher Beitrag. Auch das Eingangszitat - sehr gut gewählt.
oxnzeam schrieb am 09.08.2010 um 12:45
Das is natürlich schön, wenn man das Spektakel in einer 'klaren Zone' beobachten kann. Dabei wird man sich als Städter oft erst bewusst, wie stark die Lichtverschmutzung in der 'Zivilisation' die Himmelsoptik beeinträchtigt.
Auf dem Land ist's etwas besser und mittlerweile schalten dank der erzwungenen Sparpolitik ja nun auch etliche Kommunen Teile ihrer Nachtbeleuchtung aus, Schnuppe zum Wohle...
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