Alle finden Luhmann* toll. Ich nicht. Ich finde ihn gefährlich. Als Germanistin habe ich zwar von Soziologie keine Ahnung. Muss ich aber auch nicht, um zu sehen: Ein Soziologe, der in Interviews von sich sagt: „Der Mensch interessiert mich nicht“ und TROTZDEM ...>> mehr
Vorhin im Plus an der Kasse. Die Kassiererin trägt ein Schildchen am Kittel. "Ich bin freundlich" steht da drauf, ganz groß, und darunter, ganz klein, ihr Name. "Ich bin freundlich"! Mit Anführungszeichen, damit man auch erkennt, dass hier das Kassiererinnen-I...>> mehr
2009 heißt es, sei Krisenjahr. Was ist bisher passiert? Ich halte mal fest: Einer der reichsten Unternehmer Deutschlands, Adolf Merckle, Magnat vor allem der PHARMAbranche, beendet sein Leben. Vermutlich, damit ihm nicht dasselbe blüht wie... ... Maria-Elisa...>> mehr
Neulich vor dem Admiralspalast, kurz vor der Musik. Die Karte fürs Konzert fehlt noch. Deswegen schnell zur Abendkasse! Im Hof fragt mich eine Frau, ob ich noch Karten bräuchte. "Eine", sage ich. Eigentlich mag ich das nicht: Konzertkartendealerei. (U-Bahn-Ti...>> mehr
Schon wieder ist ein Mensch geplatzt. Schon wieder ein junger Typ, der keinen Platz in der Welt für sich wusste. Der zuviel Wut in sich hatte (normale Reaktion auf verrückte Welt?) und genau das allen zeigen wollte. Drama, Hauptsache Drama! Damit die Leute da ...>> mehr
Nun, man könnte ja auch umgekehrt fragen, warum denn der Mensch die Ausgangsbasis einer Beschreibung sein muss? Vielleicht ist es ja humaner, wenn Sie von der Gesellschaft (Luhmann würde sagen: von ...
Interessanter Gedanke! Vielleicht ist es tatsächlich humaner, sich in den gesellschaftlichen Systemen lediglich als Gesellschaftsmitglied zu bewegen (also möglichst reibungslos, funktionierend eben) und nicht als Mensch (mit individuellen Vorstellungen von richtig/falsch, gut/böse usw.) Und dennoch passt mir die Wirkungshierarchie nicht, die ich in Luhmanns Welt zu erkennen glaube: Das System bzw. die Systeme scheinen einfach da zu sein, und der Einzelmensch rutscht automatisch durch die Kanäle wie die Industrieprodukte in den Sendung-mit-der-Maus-Sachgeschichten. Der Mensch IST aber kein Industrieprodukt. Auch nicht als Gesellschaftsmitglied. Ich finde die Trennung in Privatmensch und Gesellschaftsmensch gefährlich. Das führt doch im Zweifelsfall dazu, dass die jeweiligen Systeme und Subsysteme, seien sie auch noch so schlecht (z.B. inhuman, veraltet, entwicklungshemmend oder was auch immer), weiterhin aufrecht erhalten werden, weil jeder, der darin agiert, sich denkt: "Im Moment bin ich ja nur Gesellschaftsmensch, das hat ja nichts mit mir als Mensch zu tun. Und außerdem hab ich keine Zeit, mir solche Gedanken zu machen, ich muss schnell weiter, Geld verdienen..." Mit anderen Worten: Ich halte es für gefährlich, wenn man, sobald man vor die Tür tritt, einen Mantel mit schmutzabweisendem Obermaterial anzieht - an dem alles abperlt, was mir gerade nicht in den Kram passt bzw. was das Funktionieren des Systems beeinträchtigt, in dem ich mich gerade bewege. Ich stimme völlig zu: Ein System, das den ganzen Menschen will, ist ein Horrorszenario. Ich schlage als Alternative vor: Ein ganzer Mensch, der die Systeme, die er zum Leben braucht, auch will - einfach, weil sie gut sind. Und der sagt, wenn er sie nicht (mehr) will. So, und jetzt kann ich, glaube ich, das Wort "Mensch" nicht mehr hören ;-)
Nur kurz abgemerkt: Eine Gesellschaft, die "in Kommunikation mit anderen" entsteht, genau das ist, was Luhmann ebenfalls beschreibt. Dass er den Menschen an sich da rausläßt, das kann man mögen oder n...
Aber trotzdem bleibt die Frage: Was ist von einem Soziologen zu halten, der Gesellschaft erklärt und dabei die Keimzelle dieser Gesellschaft einfach ignoriert, weil sie ihn "nicht interessiert"? Was für ein Menschenbild steckt hier dahinter? Der Mensch als Kommunikations-/Kooperationswesen MUSS doch die entscheidende Größe, die Ausgangsbasis sein, um Gesellschaft zu betrachten. Oder zumindest muss er als Größe irgendwie vorkommen. Oder meinte Luhmann mit seinem bei mir Allergie auslösenden Satz ("Der Mensch interessiert mich nicht") eigentlich: "Der Einzelmensch interessiert mich nicht. Mich interessiert nur das, was zwischen den Einzelmenschen ist?" Aber das Dazwischen ist ja auch nichts anderes als Mensch, nur eben nicht in der Gestalt Mensch (Körper), sondern in der Gestalt Luft (Geist)
Nur kurz abgemerkt: Eine Gesellschaft, die "in Kommunikation mit anderen" entsteht, genau das ist, was Luhmann ebenfalls beschreibt. Dass er den Menschen an sich da rausläßt, das kann man mögen oder n...
Ich gestehe: Bis auf ein paar Seiten Querlesens und immer wieder mal einigen Stunden Zuhörens, wenn Luhmannfans mir Luhmann nahezubringen versuchen (bisher erfolglos), kenne ich seine Sachen nicht. Ich verstehe ihn vielleicht einfach nicht. Ich habe auch gar keine Lust, mich mit ihm in stiller (Lektüre-)Einsamkeit zu beschäftigen, im Gespräch dagegen gerne. Vielleicht gehe ich auch nicht neutral genug an die Sache. Behindert eine Vorab-Aversion das Verständnis? Wahrscheinlich ist es so.
Dazu ein Buchtipp (darf man sowas hier?): Ernst Peter Fischer: Die aufschimmernde Nachtseite. Kreativität und Offenbarung in den Naturwissenschaften. Was mich außerdem sehr fasziniert hat, als ich mal im Kloster St. Odile im Elsass war: der "Hortus Deliciarum" der Äbtissin Herrad von Landsberg (Ende 12. Jh.). Dieses Buch ist (wenn ich falsch liege, bitte berichtigen!) sowas wie die erste Enzyklopädie überhaupt. Diese Frau hat sich tatsächlich daran gemacht (ohne google! ohne Wikipedia!), das gesamte theologische UND profane Wissen der damaligen Zeit zusammenzufassen. Vielleicht sollte man dort mal wieder reingucken.
Oder ist das vielleicht DIE Lösung: Was Hartz IV nicht in den Griff kriegt, müssen die Musiker retten? Die Frau, die mich angesprochen hatte, sah jedenfalls nicht gerade betucht aus, und je länger das oben beschriebene Ereignis, das mich spontan geärgert hatte, zurück liegt, desto eher denke ich: "Vielleicht hätte ich, wäre ich auf den Gästelistenkartendeal eingegangen, einer armen, mittelalten, alleinstehenden Frau ein Abendessen beschert." Hm, schwierig.
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten
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